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Mo, 09:27 Uhr
20.09.2021
Auftreten von Polarwirbeln sind pure Spekulation

Wie kalt wird der nächste Winter?

Es wird scheinbar höchste Zeit für die ersten Winterprognosen, denn es geht immerhin auf Ende September zu. Angebliche Experten sehen bereits einen "Eiswinter" kommen. Was von solchen Prognosen zu halten ist, sieht man schnell, wenn man in die Vergangenheit schaut...

Eine Winterprognose kann man getrost in die Mülltonne werfen. Wenn sie stimmt, dann nur zufällig. (Foto: wetterOnline) Eine Winterprognose kann man getrost in die Mülltonne werfen. Wenn sie stimmt, dann nur zufällig. (Foto: wetterOnline)

Modelle liefern nur erste Tendenzen
Passend zu den ersten Spekulatius in den Regalen der Discounter, gibt es jedes Jahr bereits im September zuverlässig die ersten Spekulationen zum Wetter des kommenden Winters. Oft sind die Einschätzungen des Winterwetters recht dramatisch als sichere Prognosen aufgearbeitet und damit schlicht unseriös. Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline, erklärt: „Viele der Aussagen über den Winter beruhen auf dem Climate Forecast Systems (CFS) des amerikanischen Wetterdienstes. Dies ist ein Wettermodell, das mit aktuellen und früheren Wetterdaten gespeist wird. Damit werden Vorhersagekarten über mehrere Monate im Voraus berechnet. Angegeben wird jeweils die Temperatur- oder Niederschlagsabweichung gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020.

Das Modell liefert maximal erste Tendenzen, die sich nicht selten wöchentlich ändern. Auch die an solchen Modellen beteiligten Forscher weisen fairerweise darauf hin, dass die Vorhersagen experimentell sind und noch sehr viel Forschungsarbeit hineingesteckt werden muss. Dennoch gibt es immer wieder ‚Experten‘, die eine solche Prognose scheinbar eins-zu-eins veröffentlichen, um Aufmerksamkeit zu bekommen.“

„Eiswinter“ oder warmer Winter
Auch wenn einige „Wetterexperten“ von einem drohenden „Eiswinter“ sprechen, ist davon im amerikanischen Wettermodell nichts zu sehen. Goldhausen: „Derzeit sieht das CFS die Wintermonate übrigens sogar etwas wärmer als das Mittel der vergangenen 20 Jahre. In Zeiten des Klimawandels ist dies nicht unwahrscheinlich.

Vorhersagen Monate im Voraus haben in der Vergangenheit ohnehin häufig nicht funktioniert, man hätte genauso gut würfeln können. So wurde zum Beispiel der April 2021 als sehr warm vorhergesagt. Am Ende ist er als der kälteste der vergangenen 40 Jahre in die Wettergeschichte eingegangen.“

Polarwirbel als Prognosegrundlage
Weitere Vorhersagen für den Winter beziehen sich nicht auf das Climate Forecast System, sondern auf den sogenannten Polarwirbel. „Der Polarwirbel ist ein Kalfluftwirbel zwischen 10 und 50 Kilometer Höhe, der von kräftigen Winden begrenzt wird. Diese Winde wirken wie eine Mauer und lassen die kalte Luft nicht entweichen. Nun kommt es ab und zu im Winter vor, dass warme Luft in diesen Kaltluftwirbel eindringt und ihn manchmal sogar teilt und damit schwächt. Diese Dynamik ist der sogenannte Polarwirbel-Split“, erklärt der Meteorologe.

Verhalten des Polarwirbels im Kaffeesatz sichtbar
Goldhausen: „Einen Polarwirbel-Split hat es zum Beispiel im Januar dieses Jahres gegeben. Ein solcher geschwächter Polarwirbel kann sich zeitversetzt in der unteren Atmosphäre auf unser Wetter auswirken. Grob gesagt werden die milden Westwinde geschwächt, die Strömung bei uns beginnt stärker hin- und herzupendeln, wodurch leichter arktische Polarluft nach Süden vordringen kann. Zum Beispiel waren die Kaltlufteinbrüche im vorherigen Winter eine Folge davon.

Die Auswirkungen des Polarwirbelsplits sind in einigen Studien belegt. Jedoch ist es nicht möglich, schon jetzt vorherzusagen, wie sich der Polarwirbel entwickeln wird. Wenn also schon jetzt über das Verhalten des Polarwirbels im kommenden Winter spekuliert wird, dann ist das Kaffeesatzleserei.“

Fazit:
Jahreszeitprognosen sind Rätselraten ohne Wenn und Aber. Dabei ist es irrelevant, ob man Modellprognosen betrachtet oder einen Blick auf den Polarwirbel wirft.
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Kommentare

20.09.2021, 10.38 Uhr
grobschmied56 | Mark Twain...
... pflegte zu sagen: "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen!"
Wer nach der sicheren Seite gehen will, der sollte ruhig damit rechnen, daß es im Januar oder Februar auch mal richtig Winter werden könnte. Der Februar 2021 dürfte für so einige Leute lehrreich gewesen sein. Man kann dann nur noch hoffen, daß die Kraftwerke unserer freundlichen Nachbarn durchhalten und uns mit ausreichend Energie versorgen.

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20.09.2021, 11.32 Uhr
Paulinchen | Nun, wenn es tatsächlich...
... grimmig kalt wird, dann wiederholt sich die Geschichte. Die etwas älteren Kommentatoren haben vielleicht noch den Winter 1978 im Gedächtnis.
Da gingen nicht wenige Lichter in der ehemaligen DDR aus. Ob aber jetzt die noch wenigen Soldaten im Lande in der Braunkohle helfen, darf man bezweifeln. Denn die Flutopfer in NRW und anderswo, sind ja jetzt auch nur noch unter sich und einigen tatkräftigen privaten Helfern.
Aber wir haben ja die lieben Nachbarn um uns herum. Wie vor mir bereits erwähnt, da helfen uns die polnischen und französischen Freunde mit Atom- und Kohlestrom. Ob die Klimahuepfer für uns auf dem Fahrrad Energie erzeugen, können wir sicher abschreiben. Denn ohne Handy bewegen die sich nicht.
Bleibt nur noch abzuwarten, wie lange wir mit dem Reststrom in den Leitungen von Annalena zurecht kommen?

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20.09.2021, 12.29 Uhr
Leser X | Nur teilweise einverstanden
Klar, komplette Jahreszeiten zu prognostizieren ist problematisch bis unseriös. Und doch gibt es da einen Meteorologen, der sich diesem schwierigen Thema auf seine Weise annähert.

Wen es interessiert, der findet ihn über YouTube auf Kai Zorn Wetter mit täglich meist zwei Beiträgen.

Gerade gestern (oder war es vorgestern?) gab es von ihm einen ausführlichen Video-Podcast zum wahrscheinlichen Verlauf des kommenden Winters. Grundlage in diesem Bericht bildet die Analyse der meteorologischen Erhaltungsneigungen der letzten Zeit und etwaige Auswirkungen für die kommenden Monate.

Wer sich für das Thema Wetterkunde im Allgemeinen über den täglichen Kurzwetterbericht hinaus interessiert, den kann ich die Beiträge von Kai Zorn bestens empfehlen. Die bieten zugleich interessante Hintergrundinformationen zum Thema Wetter, Witterung und Klima.

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20.09.2021, 14.19 Uhr
Piet | Sorry
Leute muss das heute mal schreiben auch wenn es nur am Rande mit dem Artikel zu tun hat. Der Wetterbericht der Nnz ist in den letzten Tagen eine Katastrophe! Die Sonne sollte und soll noch tagelang scheinen. Diese Meinung habt ihr exklusiv. Schade das ich das sagen muss aber seit Tagen komplett daneben.
_________________________________________________
Anm. d. Red.: Es tut uns leid, dass der Wetterbericht so unzuverlässig ist. Aber wie Sie sich denken können, beziehen wir den von professionellen Anbietern und werden Ihre Kritik dahin weiter leiten.

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21.09.2021, 00.25 Uhr
grobschmied56 | Der Leser X möge mir mal...
... auf die Sprünge helfen, was die EXPERTEN so für die erste Hälfte des Februar 2021 vorhergesagt hatten.
Gemessen habe ich auf meinem Grundstück eine Schneehöhe von 42 cm und am kältesten Morgen - 21°C.
Nach 'überhitzter Erde' fühlte sich das für mich nicht an.

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29.09.2021, 18.57 Uhr
Berserkertom63 | Klimawandel
Wissenschaftlich bestätigt, ist der Wendepunkt der Erdgegebenen Wandlung von Warm zu Kalt Phasen bereits vor Jahren eingetreten! Der Erderwärmungs Hyp ist somit Out. Aber glaubt mir, diese Tatsache wird lange noch angefochten, bis es nicht mehr geht und dann kommen die bekannten Lobiistenverbände und sagen, der menschengemachte Klimawandel beruht auf Verdunkelung der Atmosphäre mit einhergehender Abschirmung der Sonnenstrahlung, sowie des UV Licht. Fazit: Die Geld Maschine läuft weiter...

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29.09.2021, 22.32 Uhr
diskobolos | Das Klimaproblem
besteht weder in kurzfristigen Wetteränderungen noch im Wechsel von Warm- und Kaltzeiten.
Ersteres kann im nächsten Jahr wieder anders aussehen, lezteres sind Prozesse, die Jahrtausende dauern.
Wenn aber die Durchschnittstemperatur auf der Erde in wenigen Jahrzehnten um 2 oder 3 Grad zunimmt, hat das Auswirkungen, die wir uns noch gar nicht vorstellen können.
Hunderte Millionen Menschen leben heute in Gebieten, die dann nicht mehr bewohnbar sind. Was die dann machen werden, kann sich jeder selbst überlegen...
Wem der Zustand des Hartzes nicht als Indiz für den Klimawandel reicht, der kann mal Fotos von Alpengletscher von vor 100 Jahren mit heutigen vergleichen

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