Sa, 16:00 Uhr
28.08.2021
Harald Lesch zu Gast am Klima-Pavillon
Es gibt viel zu tun
Der Sommer zeigte sich in Deutschland dieses Jahr eher von seiner kalten Seite. Also nix mit globaler Erwärmung und Klimawandel? Wohl eher doch, wenn man über den Tellerrand schaut. Einer der das gerne tut, war gestern am Klima-Pavillon, Professor Harald Lesch versuchte sich mit Humor an Dingen, die eigentlich nicht schönzureden sind…
Kalt war’s in Deutschland diesen Sommer, kalt und streckenweise nass bis zur Katastrophe. Ein normaler Sommer, möchte man meinen, aber nur dann, wenn man lediglich aus dem eigenen Fenster schaut. Im hohen Norden lagen die Temperaturen zwischenzeitlich gute 20 Grad und mehr über dem zu erwartenden Schnitt, Bikiniwetter am Polarkreis nannte das gestern Harald Lesch am Klima-Pavillon in Nordhausen.
Der aus dem Fernsehen bekannte Wissenschaftler, von Haus aus Plasma-Physiker, versuchte das komplexe Thema mit Humor auf ein verständliches Maß herunterzubrechen und Bilder zu finden, die auch der gesunde Menschenverstand greifen kann. Wussten sie wie lange es dauert, auf dem Mars einen Raumanzug anzuziehen? Acht Stunden. Wenn man Hilfe hat. Was also wollen zwei Superreiche, die sich mitten in einer Pandemie ins All schießen lassen, ausgerechnet dahin, fragt sich der Forscher und erntet Applaus. Wenn er eindringlich erläutert warum wir auf absehbare Zeit keinen Planet B haben werden, warum wir eher früher als später aus der Kohle raus müssen, warum der menschengemachte Klimawandel ein Fakt ist und die Katastrophen aufzeigt, die es nicht in die Tagesschau und auf die Titelblätter schaffen, dann herrscht meist schweigen. Allem Humor zum Trotze.
Woher kommen die Kohlenmonoxid-Wolken, die über den Globus ziehen. Warum könnte es passender sein vom Pyrozän, dem Zeitalter des Feuers, als vom Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen zu sprechen? Ist es problematisch dass sich die Ozeane deutlich stärker erwärmt haben, als das Land?
Auf der Bühne stand Lesch selten und wanderte vielmehr vor und zwischen dem zahlreich erschienen Publikum hin und her (Foto: agl)
Es sind viele gekommen den Herrn Professor zu sehen, so viele das die Stühle nicht mehr reichen. Für den übergroßen Teil war es der erste Besuch des Klimapavillons, der nun schon seit mehreren Wochen im Herzen Nordhausens steht. Dabei ist der doch dazu gedacht, die Problematik in die Gesellschaft, mitten in die Städte zu tragen. Es ist sicher einfacher sich nicht mit unangenehmen und zugegebenermaßen komplizierten Sachverhalten auseinanderzusetzen. Und doch muss man es tun, meint Lesch, der die Liste an Problemen noch um einige Einträge verlängert.
Im Subtext schwingt ein Stück Frustration mit, Wut vielleicht, oder eher der Zorn, wie in Kabarettist Georg Schramm einmal umschrieben hat. Aber das liegt tiefer. Pessimist ist Lesch noch nicht, glaubt das es viel zu tun gibt und das man die Herausforderungen bestehen kann. Das Instrument der Zukunft wird nicht die Tastatur sein und nicht der Flachbildschirm, das werden die Hände sein, sag Lesch und erntet noch einmal Applaus. Das Land brauche mehr Ingenieure, Techniker, Physiker und Chemiker. Aber vor allem auch: Handwerker. Junge Menschen, die einen Ausbildungsberuf ergreifen. Die auf die Dächer steigen und PV-Anlagen installieren können. Die Windräder aufstellen. Wissenschaft und Technik habe uns in diese Situation gebracht, ohne sie werde man nicht wieder hinauskommen meint Lesch.
Am Ende wird er belagert, weiter mit Fragen bedeckt. Warum nicht die Atomkraftwerke länger laufen lassen? Hätte man machen können, vor zehn Jahren. Jetzt erscheint es ihm weniger sinnvoll. Es gibt bessere, günstigere Alternativen. Warum nicht auf Kernfusion setzen? Unbedingt, aber die Technik wird nicht sobald nutzbar sein, wie es die Welt bräuchte. Wasserstoff als Speicher? Ja, aber nur wenn die Quellen rein erneuerbar sind. Ansonsten wird der geringe Wirkungsgrad zum Problem, man muss zuviel Energie hineinstecken für das, was man am Ende herausbekommt. Viele Fragen, bereitwillige Antworten, die in jedem einzelnen Fall länger ausfallen, als es hier niedergeschrieben werden könnte.
Für den Klimapavillon war der Besuch der Höhepunkt, Ende kommender Woche wird die Kugel wieder abgebaut und wird im kommenden Jahr in Erfurt, auf dem Gelände der Bundesgartenschau wieder aufgebaut. Einen letzten Aufschlag vor dem Ende will man am kommenden Samstagabend machen. Klaus Töpfer, der erste echte Umweltpolitiker aus den Reihen der CDU und ab 1987 Umweltminister der Bundesrepublik, wird dann zum Gespräch geladen.
Angelo Glashagel
Autor: redKalt war’s in Deutschland diesen Sommer, kalt und streckenweise nass bis zur Katastrophe. Ein normaler Sommer, möchte man meinen, aber nur dann, wenn man lediglich aus dem eigenen Fenster schaut. Im hohen Norden lagen die Temperaturen zwischenzeitlich gute 20 Grad und mehr über dem zu erwartenden Schnitt, Bikiniwetter am Polarkreis nannte das gestern Harald Lesch am Klima-Pavillon in Nordhausen.
Der aus dem Fernsehen bekannte Wissenschaftler, von Haus aus Plasma-Physiker, versuchte das komplexe Thema mit Humor auf ein verständliches Maß herunterzubrechen und Bilder zu finden, die auch der gesunde Menschenverstand greifen kann. Wussten sie wie lange es dauert, auf dem Mars einen Raumanzug anzuziehen? Acht Stunden. Wenn man Hilfe hat. Was also wollen zwei Superreiche, die sich mitten in einer Pandemie ins All schießen lassen, ausgerechnet dahin, fragt sich der Forscher und erntet Applaus. Wenn er eindringlich erläutert warum wir auf absehbare Zeit keinen Planet B haben werden, warum wir eher früher als später aus der Kohle raus müssen, warum der menschengemachte Klimawandel ein Fakt ist und die Katastrophen aufzeigt, die es nicht in die Tagesschau und auf die Titelblätter schaffen, dann herrscht meist schweigen. Allem Humor zum Trotze.
Woher kommen die Kohlenmonoxid-Wolken, die über den Globus ziehen. Warum könnte es passender sein vom Pyrozän, dem Zeitalter des Feuers, als vom Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen zu sprechen? Ist es problematisch dass sich die Ozeane deutlich stärker erwärmt haben, als das Land?
Auf der Bühne stand Lesch selten und wanderte vielmehr vor und zwischen dem zahlreich erschienen Publikum hin und her (Foto: agl)
Es sind viele gekommen den Herrn Professor zu sehen, so viele das die Stühle nicht mehr reichen. Für den übergroßen Teil war es der erste Besuch des Klimapavillons, der nun schon seit mehreren Wochen im Herzen Nordhausens steht. Dabei ist der doch dazu gedacht, die Problematik in die Gesellschaft, mitten in die Städte zu tragen. Es ist sicher einfacher sich nicht mit unangenehmen und zugegebenermaßen komplizierten Sachverhalten auseinanderzusetzen. Und doch muss man es tun, meint Lesch, der die Liste an Problemen noch um einige Einträge verlängert.
Im Subtext schwingt ein Stück Frustration mit, Wut vielleicht, oder eher der Zorn, wie in Kabarettist Georg Schramm einmal umschrieben hat. Aber das liegt tiefer. Pessimist ist Lesch noch nicht, glaubt das es viel zu tun gibt und das man die Herausforderungen bestehen kann. Das Instrument der Zukunft wird nicht die Tastatur sein und nicht der Flachbildschirm, das werden die Hände sein, sag Lesch und erntet noch einmal Applaus. Das Land brauche mehr Ingenieure, Techniker, Physiker und Chemiker. Aber vor allem auch: Handwerker. Junge Menschen, die einen Ausbildungsberuf ergreifen. Die auf die Dächer steigen und PV-Anlagen installieren können. Die Windräder aufstellen. Wissenschaft und Technik habe uns in diese Situation gebracht, ohne sie werde man nicht wieder hinauskommen meint Lesch.
Am Ende wird er belagert, weiter mit Fragen bedeckt. Warum nicht die Atomkraftwerke länger laufen lassen? Hätte man machen können, vor zehn Jahren. Jetzt erscheint es ihm weniger sinnvoll. Es gibt bessere, günstigere Alternativen. Warum nicht auf Kernfusion setzen? Unbedingt, aber die Technik wird nicht sobald nutzbar sein, wie es die Welt bräuchte. Wasserstoff als Speicher? Ja, aber nur wenn die Quellen rein erneuerbar sind. Ansonsten wird der geringe Wirkungsgrad zum Problem, man muss zuviel Energie hineinstecken für das, was man am Ende herausbekommt. Viele Fragen, bereitwillige Antworten, die in jedem einzelnen Fall länger ausfallen, als es hier niedergeschrieben werden könnte.
Für den Klimapavillon war der Besuch der Höhepunkt, Ende kommender Woche wird die Kugel wieder abgebaut und wird im kommenden Jahr in Erfurt, auf dem Gelände der Bundesgartenschau wieder aufgebaut. Einen letzten Aufschlag vor dem Ende will man am kommenden Samstagabend machen. Klaus Töpfer, der erste echte Umweltpolitiker aus den Reihen der CDU und ab 1987 Umweltminister der Bundesrepublik, wird dann zum Gespräch geladen.
Angelo Glashagel









