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Mo, 11:56 Uhr
05.09.2005

Angekommen

Nordhausen (nnz). Die Oper „Carmen“ erlebte am 3. März 1875 ihre Uraufführung in Paris. Nach anfänglichem Misserfolg, wurde „Carmen“ zur meistgespielten Oper der Welt. Und nun ist sie auch in Nordhausen angekommen. Einzelheiten zur Premiere am Freitag in Ihrer nnz.

Angekommen (Foto: nnz) Angekommen (Foto: nnz)

In Zeiten politischer Beliebigkeit, die die Menschen dennoch zunehmend in gesellschaftliche Zwänge bringt, ist das Herausbilden und Behaupten von Persönlichkeit besonders wichtig. Figuren wie Carmen verströmen einen besonderen Reiz. Carmen steht in einer Reihe mit Figuren wie Faust, Hamlet oder Don Giovanni. Ihr Eros betört. Ihr Freiheitswillen, ihre Selbstbehauptung, ist kompromisslos bis zum Tod. Indem die persönliche Integrität eines Menschen 1875 ausgerechnet am Beispiel einer Frau gezeigt wurde, erschien sie unerhört, wurde deutlich wie in einem Brennglas.

Für die neue Inszenierung am Theater Nordhausen haben sich Generalmusikdirektor Hiroaki Masuda und Regisseurin Kerstin Weiß für eine Fassung der Oper entschieden, die Bizets Original so nahe wie möglich kommt. Bizet hatte einen Wechsel von Dialog und geschlossenen Musiknummern komponiert (diese Operngattung heißt „opéra comique“). Da zur Entstehungszeit aber die Gattung „grand opéra“ sehr erfolgreich war, machte sich schnell eine solche Fassung breit, bei der es keine Dialoge mehr gab. Erst 50 Jahre nach der Uraufführung begann die Rückbesinnung auf das Original. In der neuen Inszenierung wechseln original Dialoge und geschlossene Musiknummern und geben der Oper die Form. Georges Bizet: „Ohne Form kein Stil, ohne Stil keine Kunst“. Die Dialoge treiben die spannende Handlung um die andalusische Zigeunerin Carmen und den baskischen Soldaten José geschickt voran.

Georges Bizet ließ sein Libretto nach einer Novelle von Prosper Merimée schreiben, die ihrerseits auf die Lebensgeschichte eines baskischen Toreros zurückgeht. Ohne die Oper zu verfälschen, bietet es sich für die Inszenierung dennoch an, ausgewählte Figuren aus der noch stärker wirkenden Handlung der Novelle zu begründen.

Der Komponist, ein Franzose, der exzellent in italienischer Kompositionsschule ausgebildet war, widerstand der Versuchung, dem urspanischen Stoff ein folkloristisches Ambiente zu verleihen. Bizet vermied illustrative Momente und nutzte die Musik ausschließlich zur Charakterisierung der Figuren. Selbst volksliedhafte Züge sind den Figuren inhaltlich zuzuordnen und dienen als Material für die Handlung. Die Habanera bspw. geht auf ein südamerikanisches Motiv zurück, die Seguidilla wurde von Bizet erfunden.

Auf der von einer Stierkampfarena inspirierten Bühne von Frank Olle erzählt Kerstin Weiß die Geschichte der Figuren wie unter einem Vergrößerungsglas. Die Geschichte einer Figur wie Carmen ist zeitlos. Um dennoch eine in sich geschlossene Optik zu entfalten, wurden Kostüme in eine erkennbare Zeit, ins Spanien der 30er, 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts, gelegt. Die Kostüme wurden von Marie-Luise Lichtenthal entworfen. Die in Weimar lebende Wahlthüringerin arbeitet nach einigen Jahren festen Engagements in der Klassikerstadt international als Bühnen- und Kostümbildnerin, zuletzt in Wien.
Autor: nnz

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