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Mi, 18:30 Uhr
17.03.2021
Bericht der Suchtberatung für 2020

Das dicke Ende kommt noch

Die Nordhäuser Suchtberatungsstelle der Diakonie verzeichnete 2020 einen leichten Zuwachs an Klienten. Inwieweit die Pandemiesituation Suchtproblematiken befeuert hat sei noch offen, es aber gibt Anzeichen, dass man in Zukunft die Folgen deutlicher spüren wird…

Hauptdiagnosen der Suchtberatung in 2020 (Foto: Diakonie Nordhausen) Hauptdiagnosen der Suchtberatung in 2020 (Foto: Diakonie Nordhausen)


2020 hat es eine leichte Steigerung der Klienten Anzahl gegeben. Diese liege aber im „normalen Schwankungsbereich“, heißt es im Jahresbericht der Suchtberatungsstelle der Diakonie. Inwieweit die Pandemiesituation zu einer „Problemsteigerung“ im Bereich Suchtabhängigkeit führen wird sei offen, in Anbetracht rapide gestiegener Absatzzahlen für Spirituosen liege aber die Vermutung nahe, dass die Beratungsstellen in den nächsten Jahren mit entsprechenden Auswirkungen konfrontiert werden könnten.

Die erhöhte psychische Belastung für Millionen von Menschen, werde ebenfalls nicht folgenlos bleiben, wobei man sich sowohl auf „substanzbezogene Suchtstörungen“, also Alkohol und Drogen, wie auch auf „verhaltensbezogene Suchtstörungen“ wie problematischen Medienkonsum und pathologisches Spielen bezieht.

Alkohol bleibt Hauptproblem
Mit 701 Klienten stieg die Zahl derer, die im Schackenhof Hilfe suchen leicht an. 2019 hatte man 674 Klienten registriert, den niedrigsten Stand verzeichnete man 2017 mit 541 Klienten. Die „Neuzugänge“ in 2020 beliefen sich auf 487 Klientinnen und Klienten. Mit 479 Personen lag die Zahl der männlichen Teilnehmer deutlich über denen der weiblichen, die bei 222 Personen lag.

Klienten mit Diagnose Stimulantien seit 2008 (Foto: Diakonie Nordhausen) Klienten mit Diagnose Stimulantien seit 2008 (Foto: Diakonie Nordhausen)


Hauptproblem bleibt die Alkoholsucht mit insgesamt 306 Fällen, gefolgt vom Stimulantienmissbrauch, also der Konsum von Amphetaminen und Methamphetaminen mit 170 Fällen. Wie in den letzten Jahren zeigt sich aber auch, dass die „Hauptdiagnose“ allein nicht reicht, die Probleme in Gänze zu erfassen. Häufig haben Abhängige mit „Mischkonsum“ zu kämpfen, nehmen also neben nicht nur Alkohol oder Drogen zu sich, sondern mischen ihre Suchtmittel.

Dementsprechend fällt die Zahl der (Meth-) Amphetaminabhängigen in der Gesamtbetrachtung mit 298 Fällen auch deutlich höher aus als in der „Hauptdiagnose“. Die Zahlen haben einen erfreulichen Aspekt: in 2020 ging zum ersten Mal die Zahl der Amphetaminkonsumenten in der Beratungsstelle zurück. Diese Entwicklung sei auch in anderen Suchtberatungsstellen Thüringens und Sachsens zu beobachten.



Auf Platz Nummer Drei landet die Cannabis-Sucht mit 66 Fällen, gefolgt von der Angehörigenberatung für 62 Personen. Pathologisches Spielen und Medienabhängigkeit waren mit jeweils vier, Opioide und Kokain mit je zwei Fällen vertreten.

Treffen kann es jeden
Das keine gesellschaftliche Gruppe vor Suchtgefahren gefeit ist, zeigt die Erwerbssituation der Klienten in 2020. Die Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld II lag bei 232 Personen, wird aber von der Zahl der Angestellten und Freiberufler, die sich in Beratung begeben haben mit 245 Personen noch leicht übertroffen. Unter den Klienten fanden sich auch 63 Rentner, 44 Schüler und Studenten sowie 32 Azubis.

Beachtung schenkt man im Jahresbericht auch der Schuldensituation der Klienten. Während ein Großteil (526 Fälle) keine Schulden auf sich geladen hatten, kamen 112 Personen mit Schulden von bis zu 10.000 Euro in die Suchtberatung. Immerhin 19 Personen gaben Schulden von bis zu 25.000 Euro, sechs weitere sogar bis 50.000 Euro an und drei Fälle lagen noch über diesem Wert.

Im Ergebniss gelangen der Suchtberatung 49 planmäßige Wechsel in andere Einrichtungen und Therapieformen. 237 Personen folgen einem Behandlungsplan, 269 befinden sich weiterhin in Beratung. In 140 Fällen wurde die Beratung von Seiten der Klienten abgebrochen.

Prävention in Corona-Zeiten
Aufgrund der Pandemiesituation in diesem Jahr, war es nur sehr eingeschränkt möglich überhaupt Präventionsmaßnahmen durchzuführen. Die Grundschulen, Regel- schulen, Gymnasien und Betriebsschulen waren angehalten keine schulfremden Personen in die Gebäude zu lassen, bzw. waren über Wochen gänzlich geschlossen. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Nordhausen wurde daher begonnen digitale Präventionsangebote zu entwickeln. Dafür wurden Podcast erarbeitet und ein schon vorhandenes zertifiziertes Präventionsprogramm überarbeitet. Trotz Coroan kam in Summe auf 38 Veranstaltungen, die rund 500 Personen erreichten. Mit dem Projekt „MAX & MINA hat man zudem ein Medienkompetenzangebot für Schüler ab der 5 Klasse geschaffen.

Auch nach der Schule legt man noch ein Augenmerk auf präventive Angebote. So nahmen die Mitarbeiter der Suchtberatung Mitte Oktober, neben anderen Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge, wieder einmal am Gesundheitstag im Schachtbau Nordhausen teil. Seit einigen Jahren kooperiert man mit dem Unternehmen im suchtpräventiven Bereich. Das Angebot richtete sich vor allem an die Auszubildenden des Schachtbau. Mit den Teilnehmern wurde ein Suchtverlauf erarbeitet und der Einfluss und die Wirkung des Alkohols auf den menschlichen Körper betrachtete.

Helfen hilft. Auch dem öffentlichen Geldbeutel
Da mancherorts sparwillige Politiker gerne die Axt auch bei Aufgaben wie der Suchtberatung anlegen, legt der Jahresbericht Wert darauf, auf volkswirtschaftliche Aspekte erfolgreicher Suchthilfe hinzuweisen. In Nordhausen sind 20 Klienten während des Beratungsprozesses aus dem Arbeitslosengeld II Bezug herausgekommen. Wenn man davon ausgehe, dass die Suchthilfe einen Anteil daran hat, dass Menschen wieder in Arbeit kommen, weil sie ihre Suchtproblematik bewältigen konnten, könne der Erfolg von Suchthilfe auch monetär abgebildet werden.
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