Di, 08:11 Uhr
09.03.2021
BUND-Kreisverband Nordhausen
111. Artenschutzeinsatz in der Rüdigsdorfer Schweiz
Der Rückgang der Biodiversität geht auch während der Coronakrise unvermindert weiter. Trotz der sich aus den entsprechenden Corona-Verboten ergebenden Einschränkungen, haben Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes am vergangenen Sonnabend sieben Stunden lang ehrenamtliche Pflegemaßnahmen zugunsten zahlreicher gefährdeter Pflanzenarten durchgeführt...
Das Blasse Knabenkraut in der Rüdigsdorfer Schweiz. Die Orchideenart ist in Thüringen stark gefährdet. Bestände im Landkreis Nordhausen zählen zu den größten in Thüringen (Foto: B.Schwarzberg)
Konkret waren wir zu Dritt im Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz auf vier Teilflächen aktiv:
Stattliches und Blasses Knabenkraut
So entfernten wir im Sinne einer Weidepflege auf zwei ansonsten zeitweise extensiv mit Rindern beweideten Teilflächen den Neuaufwuchs von Sträuchern, die von den Weidetieren nur bedingt gefressen werden. Die konkurrenzstarken Sträucher, aber zum Teil auch sich einstellende stickstoffliebende Pflanzenarten, können die konkurrenzschwachen Orchideen Blasses und Stattliches Knabenkraut allmählich verdrängen.
Beide Populationen, insbesondere aber jene des seltenen und in Thüringen stark gefährdeten Blassen Knabenkrautes, zeigten in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung. In Zeiten zunehmender Isolation von Populationen seltener Arten, sind große Populationen, wie hier gegeben, besonders erhaltens- und schützenswert. Diese gelten als genetisch stabil und daher als unverzichtbar für die langfristige Arterhaltung.
Berg-Lauch, Berg-Aster, Ebensträußiges Gipskraut, Federgras und andere
Auch auf einer weiteren Teilfläche wurde geringfügig aufkommendes Strauchwerk gekürzt, um den seit Jahrhunderten offenen Charakter dieses Trocken- und Halbtrockenrasens mit eingestreuten Pionierfluren zu erhalten. Allein durch unsere Maßnahmen auf dieser Teilfläche können mindestens sechs in Thüringen bzw. deutschlandweit gefährdete Gefäßpflanzenarten sowie mehrere gefährdete Flechtenarten erhalten werden. Diese Reliktflächen einer einst extensiveren, naturschonenden Landwirtschaft müssen dringend bestehen bleiben, zumal sie oftmals auch einer bemerkenswerten Insektenwelt ein Zuhause bieten.
Steppen-Sesel
Das Vorkommen des in Thüringen stark gefährdeten und meist zweijährigen Steppen-Sesels (Seseli annuum) litt ab etwa 2010 unter einem für seine dauerhafte Erhaltung zu starken Verbiss womöglich durch Weidetiere. Eventuell hat auch zusätzlicher Nährstoffeintrag zum tendenziellen Rückgang dieses Magerkeitszeigers aus der Familie der Doldengewächse beigetragen. Wahrscheinlich durch eine Reduktion des Fraßdrucks und unsere zusätzliche, gelegentliche Nachmahd (die Art reagiert auch auf einer anderen, nicht beweideten Fläche positiv auf die Anlage von Bodenverwundungen und handmaschinelle Mahd), erholte sich die Population in den vergangenen Jahren wieder etwas.
Bemerkenswert war die Beobachtung, dass der Steppen-Sesel in den Dürrejahren 2018 und 2019 seinem Namen alle Ehre machte. Trotz des monatelangen Ausbleibens von Niederschlägen zeigten seine Exemplare eine überwiegend normale Entwicklung. Im Herbst, zur Blütezeit des Steppen-Sesels, stach die Art als eine der wenigen noch mit grünen Blättern hervor.
Wir vom BUND-Kreisverband sähen es zwecks Aufbau eines "Managementsystems" für Populationen bedrohter Pflanzen- und Tierarten nach wie vor als Vorteil in den Landkreisen Nordhausen und Kyffhäuserkreis an, wenn sich der Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser e.V. unter seinem Vorsitzenden Egon Primas weniger, als in den vergangenen Jahren, einer Zusammenarbeit zum konkreten Schutz bedrohter Vorkommen gefährdeter Arten verschließen würde.
Obwohl der LPV die Erhaltung und Förderung der Biodiversität zu seinen entscheidenden Zielen erklärt, lehnte er erst jüngst einen Antrag des BUND-Kreisverbandes auf Mitgliedschaft ab. Das ist angesichts seiner dokumentierten Ziele unverständlich. Zu einer eventuell geplanten, konkreten Zusammenarbeit liegen uns auch weiterhin keinerlei Informationen bzw. konkrete Anhaltspunkte vor, was kritisiert werden muss.
Gerade von den unter einer grünen Umweltministerin geschaffenen Natura 2000-Stationen müsste man es erwarten können, dass sie sich bewährten Möglichkeiten zur Erhaltung bedrohter Arten nicht weiter verschließen.
Ein besonderer Dank geht an die beiden Teilnehmenden unseres 111. landschaftspflegerischen BUND-Einsatzes, der, z.T. wieder an Steilhängen stattfand und so, im wahrsten Wortsinne, besonderes Stehvermögen verlangte.
Die Fotos zeigen drei der von uns mit geförderten Pflanzenarten: Blasses Knabenkraut, Stattliches Knabenkraut und Steppen-Sesel, sämtlich in den Landkreisen Nordhausen und Kyffhäuserkreis fotografiert.
Bodo Schwarzberg
Autor: red
Das Blasse Knabenkraut in der Rüdigsdorfer Schweiz. Die Orchideenart ist in Thüringen stark gefährdet. Bestände im Landkreis Nordhausen zählen zu den größten in Thüringen (Foto: B.Schwarzberg)
Konkret waren wir zu Dritt im Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz auf vier Teilflächen aktiv:
Stattliches und Blasses Knabenkraut
So entfernten wir im Sinne einer Weidepflege auf zwei ansonsten zeitweise extensiv mit Rindern beweideten Teilflächen den Neuaufwuchs von Sträuchern, die von den Weidetieren nur bedingt gefressen werden. Die konkurrenzstarken Sträucher, aber zum Teil auch sich einstellende stickstoffliebende Pflanzenarten, können die konkurrenzschwachen Orchideen Blasses und Stattliches Knabenkraut allmählich verdrängen.
Beide Populationen, insbesondere aber jene des seltenen und in Thüringen stark gefährdeten Blassen Knabenkrautes, zeigten in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung. In Zeiten zunehmender Isolation von Populationen seltener Arten, sind große Populationen, wie hier gegeben, besonders erhaltens- und schützenswert. Diese gelten als genetisch stabil und daher als unverzichtbar für die langfristige Arterhaltung.
Berg-Lauch, Berg-Aster, Ebensträußiges Gipskraut, Federgras und andere
Auch auf einer weiteren Teilfläche wurde geringfügig aufkommendes Strauchwerk gekürzt, um den seit Jahrhunderten offenen Charakter dieses Trocken- und Halbtrockenrasens mit eingestreuten Pionierfluren zu erhalten. Allein durch unsere Maßnahmen auf dieser Teilfläche können mindestens sechs in Thüringen bzw. deutschlandweit gefährdete Gefäßpflanzenarten sowie mehrere gefährdete Flechtenarten erhalten werden. Diese Reliktflächen einer einst extensiveren, naturschonenden Landwirtschaft müssen dringend bestehen bleiben, zumal sie oftmals auch einer bemerkenswerten Insektenwelt ein Zuhause bieten.
Steppen-Sesel
Das Vorkommen des in Thüringen stark gefährdeten und meist zweijährigen Steppen-Sesels (Seseli annuum) litt ab etwa 2010 unter einem für seine dauerhafte Erhaltung zu starken Verbiss womöglich durch Weidetiere. Eventuell hat auch zusätzlicher Nährstoffeintrag zum tendenziellen Rückgang dieses Magerkeitszeigers aus der Familie der Doldengewächse beigetragen. Wahrscheinlich durch eine Reduktion des Fraßdrucks und unsere zusätzliche, gelegentliche Nachmahd (die Art reagiert auch auf einer anderen, nicht beweideten Fläche positiv auf die Anlage von Bodenverwundungen und handmaschinelle Mahd), erholte sich die Population in den vergangenen Jahren wieder etwas.
Bemerkenswert war die Beobachtung, dass der Steppen-Sesel in den Dürrejahren 2018 und 2019 seinem Namen alle Ehre machte. Trotz des monatelangen Ausbleibens von Niederschlägen zeigten seine Exemplare eine überwiegend normale Entwicklung. Im Herbst, zur Blütezeit des Steppen-Sesels, stach die Art als eine der wenigen noch mit grünen Blättern hervor.
Wir vom BUND-Kreisverband sähen es zwecks Aufbau eines "Managementsystems" für Populationen bedrohter Pflanzen- und Tierarten nach wie vor als Vorteil in den Landkreisen Nordhausen und Kyffhäuserkreis an, wenn sich der Landschaftspflegeverband Südharz-Kyffhäuser e.V. unter seinem Vorsitzenden Egon Primas weniger, als in den vergangenen Jahren, einer Zusammenarbeit zum konkreten Schutz bedrohter Vorkommen gefährdeter Arten verschließen würde.
Obwohl der LPV die Erhaltung und Förderung der Biodiversität zu seinen entscheidenden Zielen erklärt, lehnte er erst jüngst einen Antrag des BUND-Kreisverbandes auf Mitgliedschaft ab. Das ist angesichts seiner dokumentierten Ziele unverständlich. Zu einer eventuell geplanten, konkreten Zusammenarbeit liegen uns auch weiterhin keinerlei Informationen bzw. konkrete Anhaltspunkte vor, was kritisiert werden muss.
Gerade von den unter einer grünen Umweltministerin geschaffenen Natura 2000-Stationen müsste man es erwarten können, dass sie sich bewährten Möglichkeiten zur Erhaltung bedrohter Arten nicht weiter verschließen.
Ein besonderer Dank geht an die beiden Teilnehmenden unseres 111. landschaftspflegerischen BUND-Einsatzes, der, z.T. wieder an Steilhängen stattfand und so, im wahrsten Wortsinne, besonderes Stehvermögen verlangte.
Die Fotos zeigen drei der von uns mit geförderten Pflanzenarten: Blasses Knabenkraut, Stattliches Knabenkraut und Steppen-Sesel, sämtlich in den Landkreisen Nordhausen und Kyffhäuserkreis fotografiert.
Bodo Schwarzberg



