Di, 15:52 Uhr
23.08.2005
nnz-Forum: Einen Unterstützer verloren
Nordhausen (nnz). Gestern hatte die Initiativgruppe Gesundheitswesen die Bundestagskandidaten unseres Wahlkreises eingeladen. Mit dabei auch Manfred Grund (CDU). Der fühlte sich anschließend nicht gut...
Die nnz-Redaktion hat emotionale Äußerungen des Christdemokraten in seinem Tagebuch entdeckt, das Manfred Grund im Internet führt. Daraus hat die nnz folgenden Text entnommen, den wir im Forum veröffentlichen.
Um 18 Uhr bin ich in Nordhausen. Eingeladen hat die Initiativgruppe Gesundheitswesen Nordhausen. Verantwortliche Sabine Wenzel. Zum Problem: Die SED hatte den Beschäftigten des Gesundheitswesens der DDR bei wenig Lohn viel Rente versprochen. Einen Steigerungsfaktor von 1,5, ohne dass dafür jemals Beiträge, nicht einmal fiktive Beiträge entrichtet worden wären. Ohne zusätzliche Beiträge gibt es keine erhöhte Rente, sagt das bundesdeutsche Rentenrecht.
Die Frauen haben im Sozialismus für schwere Arbeit wenig verdient, das kann ihnen auch die reiche Bundesrepublik nicht ausgleichen. Für jeden eine schwere Stunde, der dies mitteilen muss. Das allein wäre aber nicht das Problem. Denn seit 11 Jahren arbeite ich speziell zu diesem Thema im Bundestag. Ohne mein Mitwirken hätte es weder Verbesserungen in der Reichsbahnerversorgung noch bei den Kappungsgrenzen der bewaffneten Organe gegeben. Es gibt wohl keinen Ostabgeordneten, der sich in diesem Thema mehr abgearbeitet hat bis zum Verdruß meiner Kollegen aus den alten Bundesländern, die diese ganze Regelungen mitfinanzieren müssen.
Aber heute sitze ich, obwohl seit sieben Jahren in der Opposition, auf der Anklagebank. Es sind vielleicht 100 Frauen anwesend. Allen ist mehr versprochen worden als die DDR jemals halten konnte. Jetzt wird die Bundesrepublik angeklagt. Rentenunrecht, Diskriminierung, West-Parteien – die Stichworte fliegen munter durch den Raum. Kein Gedanke wird daran verschwendet, dass es die Solidarität des Westens war, die politische Leistung der Union, damit nach dem DDR- Staatsbankrott überhaupt Renten ausgezahlt wurden. Geld, das im Westen auch nicht auf der Straße liegt.
Ich bleibe einsam in meiner Argumentation, meine Mitbewerber für den Bundestag machen Hoffnungen und legen Leimruten. Schlimmer noch: Die PDS hat aufgerüstet mit Tamara Thierbach, Landtagsabgeordnete in Thüringen. Nach wenigen Minuten wird klar, Thierbach und die PDS haben hier eine Werbeveranstaltung. Die PDS als der wahre Helfer in der Not. Eine Not, die die SED herbeigeführt hat. Und nun als Linkspartei.PDS den Nothelfer gibt. Und viele scheinen darauf herein zu fallen. Die Bankrotteure von 1989 geben den Hoffnungsträger, haben für die Krankenschwestern Verständnis. Und diese beklatschen die PDS und werden zum zweiten Male von den selben Leuten herein gelegt, regelrecht verar...
Heute Abend habe ich meinen Wahlkampfstil gefunden. Ich habe keine falschen Hoffnungen zu machen, nicht um Stimmen zu buhlen. Herr Müller von der SPD verliest ein Schreiben der SPD, in dem ein Sonderfond versprochen wird. Ich sage ihm, wir als Vertreter der Volksparteien haben eine besondere Verantwortung. Eine Verantwortung zur Wahrheit, auch wenn wir nicht gewählt werden. Möglicherweise entscheidet sich an uns die Zukunft der Demokratie in Deutschland. Das braucht Stehvermögen gegen eine Linke, die vor keinem Missbrauch zurückschreckt. Sabine Wenzel hat mich mit der heutigen Veranstaltung als Unterstützer verloren. Für PDS-Werbeveranstaltungen bin ich mir zu schade. Schade auch um die ehemaligen Krankenschwestern, deren Not instrumentalisiert wird.
Manfred Grund
Autor: nnzDie nnz-Redaktion hat emotionale Äußerungen des Christdemokraten in seinem Tagebuch entdeckt, das Manfred Grund im Internet führt. Daraus hat die nnz folgenden Text entnommen, den wir im Forum veröffentlichen.
Um 18 Uhr bin ich in Nordhausen. Eingeladen hat die Initiativgruppe Gesundheitswesen Nordhausen. Verantwortliche Sabine Wenzel. Zum Problem: Die SED hatte den Beschäftigten des Gesundheitswesens der DDR bei wenig Lohn viel Rente versprochen. Einen Steigerungsfaktor von 1,5, ohne dass dafür jemals Beiträge, nicht einmal fiktive Beiträge entrichtet worden wären. Ohne zusätzliche Beiträge gibt es keine erhöhte Rente, sagt das bundesdeutsche Rentenrecht.
Die Frauen haben im Sozialismus für schwere Arbeit wenig verdient, das kann ihnen auch die reiche Bundesrepublik nicht ausgleichen. Für jeden eine schwere Stunde, der dies mitteilen muss. Das allein wäre aber nicht das Problem. Denn seit 11 Jahren arbeite ich speziell zu diesem Thema im Bundestag. Ohne mein Mitwirken hätte es weder Verbesserungen in der Reichsbahnerversorgung noch bei den Kappungsgrenzen der bewaffneten Organe gegeben. Es gibt wohl keinen Ostabgeordneten, der sich in diesem Thema mehr abgearbeitet hat bis zum Verdruß meiner Kollegen aus den alten Bundesländern, die diese ganze Regelungen mitfinanzieren müssen.
Aber heute sitze ich, obwohl seit sieben Jahren in der Opposition, auf der Anklagebank. Es sind vielleicht 100 Frauen anwesend. Allen ist mehr versprochen worden als die DDR jemals halten konnte. Jetzt wird die Bundesrepublik angeklagt. Rentenunrecht, Diskriminierung, West-Parteien – die Stichworte fliegen munter durch den Raum. Kein Gedanke wird daran verschwendet, dass es die Solidarität des Westens war, die politische Leistung der Union, damit nach dem DDR- Staatsbankrott überhaupt Renten ausgezahlt wurden. Geld, das im Westen auch nicht auf der Straße liegt.
Ich bleibe einsam in meiner Argumentation, meine Mitbewerber für den Bundestag machen Hoffnungen und legen Leimruten. Schlimmer noch: Die PDS hat aufgerüstet mit Tamara Thierbach, Landtagsabgeordnete in Thüringen. Nach wenigen Minuten wird klar, Thierbach und die PDS haben hier eine Werbeveranstaltung. Die PDS als der wahre Helfer in der Not. Eine Not, die die SED herbeigeführt hat. Und nun als Linkspartei.PDS den Nothelfer gibt. Und viele scheinen darauf herein zu fallen. Die Bankrotteure von 1989 geben den Hoffnungsträger, haben für die Krankenschwestern Verständnis. Und diese beklatschen die PDS und werden zum zweiten Male von den selben Leuten herein gelegt, regelrecht verar...
Heute Abend habe ich meinen Wahlkampfstil gefunden. Ich habe keine falschen Hoffnungen zu machen, nicht um Stimmen zu buhlen. Herr Müller von der SPD verliest ein Schreiben der SPD, in dem ein Sonderfond versprochen wird. Ich sage ihm, wir als Vertreter der Volksparteien haben eine besondere Verantwortung. Eine Verantwortung zur Wahrheit, auch wenn wir nicht gewählt werden. Möglicherweise entscheidet sich an uns die Zukunft der Demokratie in Deutschland. Das braucht Stehvermögen gegen eine Linke, die vor keinem Missbrauch zurückschreckt. Sabine Wenzel hat mich mit der heutigen Veranstaltung als Unterstützer verloren. Für PDS-Werbeveranstaltungen bin ich mir zu schade. Schade auch um die ehemaligen Krankenschwestern, deren Not instrumentalisiert wird.
Manfred Grund
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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