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Fr, 10:00 Uhr
08.01.2021
Bürger fragt nach und schreibt offenen Brief

"Nordhausen braucht einen Neuanfang"

Marcel Hardrath interessiert sich seit mehreren Jahren für seine Heimatstadt Nordhausen. Insbesondere haben es ihm die Transparenz im Vorfeld von Bauvorhaben der Stadt und ihrer Unternehmen angetan. So hatte er im im Juli 2020 angekündigt, bei der Kostentransparenz der eingestellten Parkhausprojekte der SWG "dran zu bleiben"...


Der August-Bebel-Platz soll ein Parkhaus bekommen  (Foto: nnz) Der August-Bebel-Platz soll ein Parkhaus bekommen (Foto: nnz)
Seine ursprünglichen Fragen an den Oberbürgermeister Kai Buchmann seien wegen vertraulichen Angaben und dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen der SWG durch den Oberbürgermeister abgelehnt worden. "Kurz vor Weihnachten wurden jedoch einige Zahlen und Kosten ganz still und leise veröffentlicht", schreibt Hardrath der nnz.

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Der Nordhäuser Stadtrat muss nach Thüringer Kommunalordnung jedes Jahr über die Wirtschaftspläne seiner Unternehmen für das folgende Wirtschaftsjahr abstimmen. Im Wirtschaftsplan der SWG gibt es, auf Seite 10 des Investitionsplans, eine Aufstellung zu den Kosten bisheriger Maßnahmen.

Konkret seien nach Angaben der SWG im Zeitraum 2019 - 2020 für das Parkdeck "Am Petersberg" Kosten in Höhe von 138.000 Euro und für das Parkhaus "August-Bebel-Platz" Kosten in Höhe von 41.000 Euro entstanden. Dies ergebe insgesamt 179.000 Euro für - aus seiner Sicht - an Intransparenz und mangelnder Bürgerbeteiligung gescheiterter Projekte.

"Allein durch frühzeitige Einbeziehung der Anwohner, bessere Analyse der Situation und dem Halten von zwei Grundwahlversprechen des Oberbürgermeisters hätten diese Ausgaben vermieden werden können. Die nun teilweise hergestellte Transparenz (es gibt noch keinen Jahresabschluss mit finalen Zahlen) beantwortet zumindest einen ersten Teil meiner damaligen Anfrage und zeigt wie freizügig man mit den Mieteinnahmen der SWG umgeht", schreibt er in einem offenen Brief an die Fraktionen des Nordhäuser Stadtrates.

"Kommunale Politik muss für die Bürger immer überprüfbar und nachvollziehbar sein. Dass man sich seit dem Sommer 2020 verweigert eigene Fehler einzugestehen und den bisher eingeschlagenen Weg immer noch nicht verlässt, ist kein gutes Zeichen und führt nur zu mehr Argwohn in der Bürger- und Mieterschaft der SWG. Die Intransparenz und Doppelmoral bei der Stadt Nordhausen und ihrer Tochter SWG setzt sich zudem weiter fort."

So werde der Stadtentwicklungsprozess in Nordhausen Nord als "nachhaltige Entwicklung" betitelt, obwohl man bei den ersten Sanierungsausschreibungen auf die günstigsten Materialen, mit einem besonders hohen Anteil von regionalen Naturgips setze, anstelle wirklich die titulierte Nachhaltigkeit zu leben.


Es werde stattdessen vorgeschlagen, Garagen abzureißen, Einfamilienhaussiedlungen zu entwickeln, während der Bestand in anderen Teilen der Stadt noch nicht ausreichend saniert sei. So eine Entwicklung erwarte man eher von privaten, gewinnorientierten Unternehmen und nicht durch die öffentliche Hand.

Hardrath weiter: "Man muss es sich einmal überlegen, die Gewinne, aus Mieteinnahmen des sozialen Wohnungsbaus werden als Eigenanteil zur Finanzierung einer Einfamilienhaussiedlung genutzt, die den bestehenden Mietern keinen Vorteil bringt, sondern sie vielleicht durch spätere Gentrifizierung aus ihren Wohnungen drängt. Bei mir verstärkt sich mehr und mehr der Eindruck, dass es tatsächlich Zielstellung ist, die sinkenden Erlöse der EVN durch immer höhere Ausschüttungen der SWG zu kompensieren und sich möglichst von allen Aufgaben der Daseinsvorsorge zu trennen. Und dass dieser Umbau auf Kosten der Allgemeinheit finanziert wird."

Kommunen seien keine Unternehmen im klassischen Sinne, sie haben Aufgaben für die Allgemeinheit und die Schwächsten der Gesellschaft, die eben über kein hohes Einkommen für schicke Sportwagen und tolle Eigenheime verfügen. Sie sollten wirtschaftlich arbeiten, aber nicht die Abführung von maximalen Gewinnen an die Stadtkasse an erster Stelle haben.

"Die aktuelle Ausschreibung der SWG für den Trockenbau in Nordhausen Nord enthält zudem konkrete Empfehlungen für Produkte, die im regionalen Gipsabbau gewonnen werden. Die Nachhaltigkeit des Projektes besteht in den aktuellen Ausschreibungen lediglich aus dem Verzicht auf Erdölprodukte, während man weder versucht Alternativen bzw. nachwachsende Ressourcen statt Naturgips zu nutzen. Zudem entscheidet allein der günstigste Preis und nicht Qualität oder Nachhaltigkeit", ist dem Nordhäuser Bürger, der in Rodishain wohnt, aufgefallen. Dies sei ein weiteres Beispiel für die Doppelmoral im Rathaus.

Auf der einen Seite sollen neue Abbaugebiete für Gips verhindert werden (siehe Flächentausch in Stempeda), während man bei eigenen Ausschreibungen gerade den regionalen Naturgips explizit von Unternehmen fordert. Die Stadt handele scheinbar, wie viele Unternehmen, die von der allgemeinen Politik und auch Wissenschaft hoch kritisiert werden, meint Marcel Hardrath und zählt auf:

"1. Sie plant auf Kosten der Allgemeinheit (gescheiterte Parkhäuser).
2. Sie versucht ihre Gewinne durch möglichst günstige Einkaufspreise zu maximieren (Ausschreibungen ohne Nachhaltigkeit und auf Kosten der Umwelt).
3. Sie behindert die private Wirtschaft indem sie selbst Eigenheimstandorte entwickelt (Nordhausen Nord).
4. Sie versucht sich vom Ballast zu trennen, der unwirtschaftlich ist und nur Transferleistungen verursacht (siehe Straßenbahn).

Die Stadt brauche einen Neuanfang und noch sehr viel mehr Menschen, die den Finger in die Wunden legen, sich für einen Politikwechsel einsetzen und gemeinsam eine zukunftssichere Stadt neu aufbauen. Es brauche zudem kritische Medien und Bürger, die bereit sind unschöne Wahrheiten offen anzusprechen und einen Stadtrat, der die Verwaltung konsequent daran erinnert, wer hier höchstes Gremium ist.

"Nordhausen kann es besser und ist besser als das, was derzeit vom Rathaus geboten wird. Also Parteibuch und politische Anschauungen zur Seite legen und stattdessen als Bürger gemeinsam handeln sowie für eine bessere, offenere, transparentere und lebenswerte Stadt arbeiten. Die Verwaltung muss den Bürgern dienen und nicht umgekehrt!", heißt es abschließend in seinem offenen Brief.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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Kommentare
ArreeTim
08.01.2021, 10:09 Uhr
Nordhausen ist erfolgreich
Also ist die Frage legitim, warum der Landkreis viele Projekte adressiert und Erfolg hat?
Kontrapost
08.01.2021, 10:22 Uhr
Buchmann gewählt und Klaan gleich mitbekommen!
Ich grüße herzlich alle, die Buchmann wollten weils Klaan nicht werden sollte. Ihr seit schön reingefallen auf die beiden. Buchmann ist Klaans Chef bei der SWG und beide ziehen ihr Ding gegen die Bürger durch. Ha, ha, ha.
Sachlich
08.01.2021, 12:15 Uhr
Sehr gute Überschrift.
Es ist nicht mehr zu beschreiben und zu vermitteln mit einem gesunden Menschenverstand. Dieser Bericht ist vom Inhalt genau richtig beschrieben. Welchen Stellenwert nimmt der Bürger und die gewählten Abgeordneten ein. Trotzdem bin ich der Meinung das wir mit OB Buchmann einen Mann an der Spitze hat der gute Arbeit leistet. Für mich stellt sich die Frage warum eine Nordhäuser Landtagspräsidentin Frau Keller und Frau Mitteldorf diesen Spuk zu lassen sich nicht äußern, im Stadt und Kreistag noch belächeln . Ist Politik so oder was macht die AFD anders. Sie wollen Transparenz, Ehrlichkeit ein Miteinanderund Schritte nach vorne. Durch die Corona Krise sind die Leute gefrustet und dann noch dieses Kaspertheater vom OB und Landrat. Wir haben so tolle Leute in der Nordhäuser Politik vorfallen in der AFD die in diesem Wahljahr das Steuer übernehmen sollte. Der NNZ ein Dank für die letzten guten Berichte die auch mit Fakten angesprochen werden.
Herr Schröder
08.01.2021, 13:49 Uhr
Diese Überschrift
Und als Titelbild ein Foto von einer Corona Demo oder Spaziergang, was auch immer. Populismus pur!

Ich sehe in der AfD maximal eine Person die für höhere Aufgaben. Wegen mir soll Prophet Landrat werden, dann könnte Jendricke endlich das Rathaus übernehmen. Das wäre nach Manfred Schröter mal wieder ein fähiger Kommunalpolitiker an der Spitze der Stadt.

Anmerk. d. Red. Es ging hier einfach um den Platz, vermutlich wäre auch ein Jahrmarktbild politisch zu beanstanden gewesen.
Mueller13
08.01.2021, 17:09 Uhr
Wahnsinn - im doppelten Sinne
Herr Schröder, reflektieren Sie sich doch einfach mal selbst.

Ich sehe einen Platz, auf dem ein paar Leute und ein paar Autos stehen. Dann frage ich mich, ob es einen Zusammenhang von Text und Platz gibt und siehe da, es gibt ihn, es geht um ein Bauprojekt auf diesem Platz.

Was sehen Sie? Populismus pur!

Ob ihre oder meine Sichtweise krankhaft ist, mache ich im übrigen nicht an der Anzahl der Daumen fest.^^
Kontrapost
04.10.2021, 08:59 Uhr
Bald hat NDH so wenig Einwohner wie Mühlhausen
Neuanfang - ja, den braucht Nordhausen. Aber der geht nur ohne Buchmann, Klaan, Krauht. Auch große Teile des Stadtrats müssten, sich erneuern. Sonst arbeiten die alten Netzwerke weiter. Buchmann war auch bei diesem Thema ein Schuß in den Ofen.

Wenn es nicht sowieso längst zu spät ist. NDH hat nur noch 40000 Einwohner und dürfte wohl in 5 Jahren auf das Einwohnerniveau (36.000)von Mühlhausen gestürzt sein. Das heißt für NDH deutlich weniger Zuschüsse aus EF u. ä., weil diese oft pro Kopf gewährt werden. (Mühlhausenist übrigens eine Stadt, in der es vorwärts und nicht rückwärts geht)
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