Mi, 12:37 Uhr
10.08.2005
Qualität kontra Geld
Nordhausen (nnz). In Erfurt gibt es ein Papier, das sich Kulturkonzeption nennt. Darin wurde einst eine Zahl festgeschrieben, die mittlerweile wieder verschwunden ist. Die Zahl 10.000.000 Euro steht für die Einsparung an Landeszuschüssen für Thüringer Theater. In Nordhausen ist man deswegen ganz schön aufgeregt.
Unsere Großeltern haben das Theater errichtet, unsere Eltern haben es nach dem 2. Weltkrieg mit ihren Händen wieder aufgebaut. Das Haus ist wesentlicher Teil des Selbstverständnisses unserer Stadt und der Menschen hier – es wäre nicht akzeptabel, wenn die Bühne aufgrund von geplanten Kürzungen beim Land seiner Existenzgrundlage beraubt werden soll, sagte Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) angesichts der Aussagen aus dem Thüringer Kultusministerium, die Mittel für die Theater nach 2008 drastisch zu kürzen.
Bereits vor einigen Monaten bei einem Treffen mit dem zuständigen Minister hätten alle Gesellschafter der Theater Nordhausen / Loh-Orchester Sondershausen GmbH deutlich gemacht, dass weitere Einsparungen des Landes nicht verkraftbar wären. Und aktuell verweise ich dabei auf das Urteil des Thüringer Verfassungsgerichtes, in dem klar gesagt wird, dass bis 2007 die Landes-Finanzierung der Kommunen neu geregelt – und auf ein stabileres Fundament gestellt werden muss.
Wir sind das einzige Theater in der Region, und ich meine, die Menschen in Nordthüringen haben einen Anspruch auf ein Theater das auch angemessen erreichbar ist. Denn es ist kaum zumutbar - und für viele wohl auch schlicht nicht finanzierbar -, sich für einen Theaterbesuch erst zwei Stunden in Auto, Bus oder Bahn setzen muss, um nach Erfurt oder Weimar zu fahren. Und: Thüringen gewinnt sein nationales und internationales Profil vor allem auch durch seine reiche regionale Theaterlandschaft. Dieses Pfund sollte man nicht aus den Händen geben.
Dass dies auch in Nordhausen Früchte trage, könne man täglich vor dem Theater beobachten: Hier machen Busse mit Besuchern aus drei Bundesländern Halt, wir bedienen den ganzen Westharz bis hin nach Göttingen. Und ist die Autobahn durchgängig befahrbar, werden die Zuschauerzahlen weiter zunehmen – es wäre also auch touristisch-wirtschaftlich eine Fehlentscheidung, wenn das Theater zur Disposition stände. Auch Dank der neuen Intendanz hat unser Theater nicht nur für die Menschen hier vor Ort an Attraktivität gewonnen. Wir beweisen aktuell, dass auch in schwierigen Zeiten Qualitäts-Theater gemacht werden kann, und das wird vom Publikum honoriert, so die Oberbürgermeisterin.
Darüber hinaus sei die Nordhäuser Theater GmbH eine der wenigen in Thüringen, die sich auch finanziell auf eine breite Basis kommunaler Gesellschafter stützen könne – Frau Rinke: Zwei Städte und zwei Landkreise, auch dies übrigens Bekenntnis einer ganzen Region zur Bühne - und damit entsprechend geringere Landeszuschüsse in Anspruch nehmen müsse. Weiterhin habe sich die Gesellschaft stets auch organisatorisch-strukturell auf neue Anforderungen eingestellt: Wir waren gleich nach der Wende die 1. Theater- und Orchester GmbH im Freistaat, und wir sind frühzeitig eine Kooperation mit dem Theater Rudolstadt eingegangen. Dass dies in Erfurt letztlich auch entsprechend gewürdigt und honoriert werden wird, habe ich dem Gespräch mit Minister Goebel entnommen. Die Entscheidungen im Kunstministerium werde man jedenfalls nicht tatenlos abwarten, noch in diesem Monat werden sich Gesellschafterversammlung und Theater-Aufsichtsrat mit den Aussagen aus dem Kultusministerium beschäftigen, so die Oberbürgermeisterin.
Auch die Schließung der Schauspielsparte wollte man vor Jahren in Nordhausen nicht tatenlos hinnehmen. Genutzt hatte das alles nicht viel, der Druck aus der Landeshauptstadt war letztlich zu groß.
Autor: nnzUnsere Großeltern haben das Theater errichtet, unsere Eltern haben es nach dem 2. Weltkrieg mit ihren Händen wieder aufgebaut. Das Haus ist wesentlicher Teil des Selbstverständnisses unserer Stadt und der Menschen hier – es wäre nicht akzeptabel, wenn die Bühne aufgrund von geplanten Kürzungen beim Land seiner Existenzgrundlage beraubt werden soll, sagte Nordhausens Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) angesichts der Aussagen aus dem Thüringer Kultusministerium, die Mittel für die Theater nach 2008 drastisch zu kürzen.
Bereits vor einigen Monaten bei einem Treffen mit dem zuständigen Minister hätten alle Gesellschafter der Theater Nordhausen / Loh-Orchester Sondershausen GmbH deutlich gemacht, dass weitere Einsparungen des Landes nicht verkraftbar wären. Und aktuell verweise ich dabei auf das Urteil des Thüringer Verfassungsgerichtes, in dem klar gesagt wird, dass bis 2007 die Landes-Finanzierung der Kommunen neu geregelt – und auf ein stabileres Fundament gestellt werden muss.
Wir sind das einzige Theater in der Region, und ich meine, die Menschen in Nordthüringen haben einen Anspruch auf ein Theater das auch angemessen erreichbar ist. Denn es ist kaum zumutbar - und für viele wohl auch schlicht nicht finanzierbar -, sich für einen Theaterbesuch erst zwei Stunden in Auto, Bus oder Bahn setzen muss, um nach Erfurt oder Weimar zu fahren. Und: Thüringen gewinnt sein nationales und internationales Profil vor allem auch durch seine reiche regionale Theaterlandschaft. Dieses Pfund sollte man nicht aus den Händen geben.
Dass dies auch in Nordhausen Früchte trage, könne man täglich vor dem Theater beobachten: Hier machen Busse mit Besuchern aus drei Bundesländern Halt, wir bedienen den ganzen Westharz bis hin nach Göttingen. Und ist die Autobahn durchgängig befahrbar, werden die Zuschauerzahlen weiter zunehmen – es wäre also auch touristisch-wirtschaftlich eine Fehlentscheidung, wenn das Theater zur Disposition stände. Auch Dank der neuen Intendanz hat unser Theater nicht nur für die Menschen hier vor Ort an Attraktivität gewonnen. Wir beweisen aktuell, dass auch in schwierigen Zeiten Qualitäts-Theater gemacht werden kann, und das wird vom Publikum honoriert, so die Oberbürgermeisterin.
Darüber hinaus sei die Nordhäuser Theater GmbH eine der wenigen in Thüringen, die sich auch finanziell auf eine breite Basis kommunaler Gesellschafter stützen könne – Frau Rinke: Zwei Städte und zwei Landkreise, auch dies übrigens Bekenntnis einer ganzen Region zur Bühne - und damit entsprechend geringere Landeszuschüsse in Anspruch nehmen müsse. Weiterhin habe sich die Gesellschaft stets auch organisatorisch-strukturell auf neue Anforderungen eingestellt: Wir waren gleich nach der Wende die 1. Theater- und Orchester GmbH im Freistaat, und wir sind frühzeitig eine Kooperation mit dem Theater Rudolstadt eingegangen. Dass dies in Erfurt letztlich auch entsprechend gewürdigt und honoriert werden wird, habe ich dem Gespräch mit Minister Goebel entnommen. Die Entscheidungen im Kunstministerium werde man jedenfalls nicht tatenlos abwarten, noch in diesem Monat werden sich Gesellschafterversammlung und Theater-Aufsichtsrat mit den Aussagen aus dem Kultusministerium beschäftigen, so die Oberbürgermeisterin.
Auch die Schließung der Schauspielsparte wollte man vor Jahren in Nordhausen nicht tatenlos hinnehmen. Genutzt hatte das alles nicht viel, der Druck aus der Landeshauptstadt war letztlich zu groß.

