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Do, 15:33 Uhr
05.11.2020
offener Brief an das Bildungsministerium

Es ist eine Farce

Der Lehrermangel an den Schulen des Kreises und des Freistaates waren vor der Corona-Krise ein vieldiskutiertes Problem. Mit der Pandemie hat sich die Situation nicht eben gebessert. Aus der Grundschule Ilfeld erging jetzt ein Brief an das Thüringer Bildungsministerium, den wir im Rahmen unserer Dokumentationsreihe im Wortlaut veröffentlichen...


Einen offenen Brief zu schreiben aus einer Situation heraus wo es augenscheinlich keinen anderen Weg gibt soll helfen nicht nur die Dinge die „schief laufen“ zu sehen, sondern auch die richtigen Instanzen zum Handeln zu veranlassen bzw. Wege zu finden die Dinge in die Hand zu nehmen.

Handeln statt reden!!! Ich schreibe den Brief in Vertretung der Eltern der Grundschule Ilfeld (LK Nordhausen).

Es gibt viele Möglichkeiten auf eine nicht haltbare Situation aufmerksam zu machen, nur trugen diese bis- her keine Früchte. Der Lehrermangel im Landkreis Nordhausen betrifft JEDE Schule und ja, auch die Schulen in den benachbarten Bundesländern. Aber die Frage, die sich stellt: Was wird getan, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken???

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Die sogenannten Planstellen an den Schulen sind „Wunschvorstellungen“, dass die Lehrer, die an einer Schule tätig sind, auch anwesend sind. Leider entspricht das nicht der Realität. Lehrer in Elternzeit, Lehrer die langzeitkrank sind und fehlendes „neues“ Personal sind kein Einzelfall.

Wir haben eine gesetzliche Pflicht unsere Kinder in die Schule zu bringen aber im selben Atemzug besteht nicht nur das Recht, sondern die Pflicht auf Bildung. Bildung heißt nicht Betreuung, sondern Wissensvermittlung, welche durch pädagogisches Lehrpersonal erbracht werden sollte. Nur wie sieht die Realität aus???

Es ist eine Farce, wenn bereits aus der Planung ersichtlich ist, dass die Anzahl der eingestellten Lehrer nicht ausreichen wird. Die erhöhten Zeitaufwände aufgrund Corona (Hygieneplan) muss ich an der Stelle nicht mal erwähnen.

Ein offenes Gespräch mit einem Herrn vom Schulamt Nordthüringen (dessen Name aus Datenschutzgründen nicht genannt werden kann) im Rahmen der Kreiselternsprecherwahl zeigte auf, dass es aufgrund fehlender Bewerber, schlicht und ergreifend nicht möglich ist Lehrer bzw. sogenannte „Quereinsteiger“ (mit geeigneten Qualifikationen), einzustellen.

Die Frage ist:
  • Warum finden Uniabsolventen nicht den Weg in den Schuldienst des Landes Thüringen?
  • Wird aktiv geworben?
  • Was wird getan, um die ausgeschriebenen Stellen attraktiv zu gestalten?
Ein paar Fragen sind einfach zu beantworten bzw. wurden vor Ort durch den Herrn vom Schulamt beantwortet:

„An der Uni in Erfurt gab es eine Werbeaktion“ und „das Schulamt verfügt über eine gute und engagierte Abteilung, welche sich Bewerbermanagement nennt.“ Da stellt sich mir die Frage: Wozu ein Management, wenn es doch keine Bewerber gibt?! Nur wie stellt sich das Land Thüringen vor auf Bewerber zuzugehen? Dazu gibt es leider keine zielführenden Vorschläge.

Da sind wir schon bei dem Punkt „Unattraktivität“ der ausgeschriebenen Stellen: Befristung!!! Die Erklärung warum Lehramtsstellen teilweise auf ein Jahr befristet ausgeschrieben sind, ist so logisch wie haar- sträubend unlogisch. Die ausgeschriebenen Stellen dienen als „Ersatz“ für Lehrer in Elternzeit. Soweit die Theorie, nur gab es vor ein paar Jahren noch Stellen auf dem Überhang und JETZT... KEINE EINZIGE Stelle, die auf dem Überhang ist. Die Befürchtung man würde die eingestellten Lehrer nicht mehr „los“ ist an den Haaren herbeigezogen, zumal sie innerhalb des Landkreises die Schule wechseln und bei Bedarf einspringen können/könnten. Was derzeit NICHT möglich ist, weil es derzeit keine Stellen auf dem Überhang gibt!

Auch der Punkt der Ausschreibung einer befristeten Stelle, wenn eine Lehrerin schwanger ist. Nur leider wird die Stelle erst ausgeschrieben, wenn die Daten vorliegen, dass das Kind auf der Welt ist, zumindest ist das die Information die uns als Eltern gegeben wurde. Und es ist zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit zu spät. Warum ist eine Suche bei Bekanntgabe der Schwangerschaft nicht möglich?

Und wenn man den Blick ein paar Jahre in die Zukunft wandern lässt: die Lehrer, welche gerade kurz vor der Rente sind, sind die nächsten „Bedarfsstellen“.
Bildung funktioniert nur, wenn es genug Lehrkräfte gibt und der Staat unseren Kindern das Recht auf Bildung nicht nur gesetzlich zusichert, sondern auch absichert.

Gerne gehe ich in den Austausch. Wir, als Elternvertreter, wünschen uns, dass die Bürokratie nicht zu Lasten der Bildung geht. Neue Wege gehen, wenn die bisher eingetretenen Pfade nicht die erzielte Wirkung zeigen. Umdenken ist das Zauberwort!!!
Mit freundlichen Grüßen

Anm. d. Red.: Der Name des Verfassers ist der Redaktion bekannt, dieser möchte aber ungenannt bleiben
Autor: red

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Kommentare
Kawa30
05.11.2020, 16:41 Uhr
Lehrermangel
Wenn sich Akademiker mit einem etwa gleichwertigen Hochschul-Abschluss in einem EU Land absolviert, perfekt deutsch sprechend, als Lehrer/ Quereinsteiger beim Kultusministerium Thüringen um einen Job als Lehrer bewerben, alle Abschlüsse eingereicht worden, kommt nur die Antwort „ in Deutschland braucht man zwei Fächer, die man unterrichtet, oder laut Paragraf.... reicht das nicht aus...“ Warum teilt man einem willigen jungen Mann, der als Pädagoge/Lehrer arbeiten will nicht mit, was er vielleicht noch für Möglichkeiten hat sich fortzubilden oder besser, man schlägt ihm gezielt einen Weg vor, um diesen Beruf ausüben zu können???
Warum wirbt man für Quereinstieg, wenn es ja doch so eigentlich fast nicht Realisierbar ist?
Anscheinend ist der Lehrermangel ja doch nicht so akut und das es keine Interessen gibt stimmt auch so nicht!
Vielleicht kann man mal darüber nachdenken, wenn man wirklich ernsthaft Nachwuchs bzw. neue Kollegen sucht, diese großen Hürden der Bürokratie etwas zu mindern und vielleicht die ernsthaften Interessen auch mal persönlich einzuladen, als immer nur nach „Aktenlage“ zu entscheiden.
Kama99
05.11.2020, 17:40 Uhr
Vielleicht ...
sollte man mal die "Langzeit-Kranken" Lehrer überprüfen. Einige scheinen sich wohl bei "dauerhafter" vollen Lohnfortzahlung recht Wohl zu fühlen.
Harung
05.11.2020, 18:12 Uhr
... und besser läuft’s doch ohne dem…
Ich habe meine Zweifel, ob die Herrschenden in diesem Land tatsächlich an einer guten Bildung ihrer Untertanen interessiert sind. Man kann doch Fachkräfte aus aller Welt einfliegen…
Und solange der Amtsschimmel einen warmen Stall und genug zu fressen hat, wird sich da auch langfristig nichts ändern.
Leider scheint es so.
Marco Müller-John
07.11.2020, 07:51 Uhr
.....@Lehrermangel
Ein anonymer offener Brief. Bitte ? Entweder ich diskutiere seriös und nicht im kruden Mäntelchen einer Elternvertretungsmeinungsäußerungsfunktion einer besorgten Mutti oder ich lasse es.

Eigentlich stellen sich doch 3 Fragen:
1. Ist die Lehrerausbildung in Thüringen geeignet ausreichend Personal nachzuziehen ?
2. Ist das geforderte Qualifizierungsniveau geeignet den Bildungsauftrag abzudecken ?
3. Ist das Bildungskonzept in den Grundschulen geeignet, Aushilfen und Quereinsteiger einen Zutritt zu ermöglichen ?
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