Mi, 09:07 Uhr
24.10.2001
nnz-Rückspiegel: 24. Oktober 2000
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden.
Whiskystimme in Alt-Nordhausen - Rock, Blues & Gags mit einem Highlander
Der schottische Bluesgitarrist John Kirkbride ist in Australien aufgewachsen und für die Royal Air Force geflogen, ehe er seinen Fliegerhelm gegen Gitarre und Bluesharp eintauschte. Eine sehr glückliche Entscheidung wie Tausende von Besuchern weltweit auf seinen Konzerten feststellen konnten. Seine filigranen Gitarrenkünste, besonders seine ausgefeilte Slide-Technik und seine unnachahmliche Stimme haben ihn schon zu gemeinsamen Auftritten mit Eric Clapton und anderen Größen verholfen. Dazu kommt ein ausgeprägtes Entertainer-Talent, das er mit trockenem Humor und wirklich gut erzählten Witzen auslebt. Am Mittwoch, 25.10. 2000 ab 20 Uhr gastiert er im Alt-Nordhausen im Altentor.
Symbolträchtige Erde aus Bleicherode und Bischofferode zum Berliner Reichstag
Erde aus Bleicherode und Bischofferode soll künftig in den Innenhof des Berliner Reichstages eingebracht werden. Der PDS-Bundestagsabgeordnete Gerhard Jüttemann hat die Erde heute Vormittag am stillgelegten Bergwerk in Bischofferode, vom benachbarten Gewerbepark sowie bei der Deusa in Bleicherode entnommen.
Für ihn sei diese Erde symbolisch für einen Untergang der Industrie und eine falsche wirtschaftliche Ansiedlungspolitik seitens des Bundes und des Landes. Nach dem Wegbruch der Kaliförderung in Nordthüringen hatten sich die Bischofferöder Kumpel mit einem Hungerstreik Zusagen der Landesregierung für die Schaffung von Dauerarbeitsplätzen erkämpft. Diese Zusagen, so Jüttemann gegenüber der nnz, seien in keinster Weise eingehalten worden. Zum Zeitpunkt des Hungerstreiks war der PDS-Abgeordnete Mitglied des Bischofferöder Betriebsrates.
Die Erde aus Nordthüringen ist für das Kunstprojekt Der Bevölkerung am Reichstag vorgesehen. Auch andere Nordthüringer Bundestagsabgeordnete wie Eckehard Ohl (SPD) aus Schlotheim hatten sich dieser Initiative bereits angeschlossen.
Totschlagsprozeß gegen Nordhäuser ist am Landgericht fortgesetzt worden
Vor der ersten großen Strafkammer am Landgericht Mühlhausen wird heute der Prozeß wegen zweifachen Totschlags gegen einen 39 Jahre alten Nordhäuser fortgesetzt. Der Mann soll vor einem Jahr einen Mann im Nordhäuser Bingerhof erdrosselt haben. Die entscheidende Spur fanden die Beamten der Kriminalpolizei mit Hilfe der Ehefrau des Angeklagten. Sie belastete bereits in ihren ersten Aussagen den Mann schwer.
Durch Vergleiche und Auswertungen mit anderen Spuren bestätigte sich während der Vernehmung der Verdacht, daß der Festgenommene bereits im Jahr 1994 ein ähnliches Verbrechen begangen haben könnte. Damals wurde am 23. Dezember in der Wipper bei Niedergebra eine männliche Leiche gefunden, die eindeutige Spuren eines gewaltsamen Todes aufwies. Auch hier wurde das Opfer erdrosselt.
Für die Kripo und die Staatsanwaltschaft ist mittlerweile klar, daß auch dieses Verbrechen auf das Konto von Joachim St. geht. Während der Prozesses machte die Ehefrau in der vergangenen Woche ihre Aussage von dem Landgericht, allerdings in Abwesenheit des Angeklagten. Der hatte sie zwar von den Verbrechen informiert, ihr aber damit gedroht, sie ebenfalls umzubringen, wenn sie die Polizei informiere. Während der Verhandlung soll die Frau mehrere Beweisstücke erkannt haben, die von der Kripo sichergestellt wurden. Für den gesamten Prozeß sind am Gericht noch sechs Verhandlungstage angesetzt.
Mehrere Bahnstrecken sollen in Nordthüringen stillgelegt werden
In Nordthüringen will die Deutsche Bahn AG im kommenden Jahr mehrere Strecken stilllegen. Als Grund wurden technische Mängel angegeben. Dabei handelt es sich im die Strecken Bretleben-Sondershausen, Leinefelde-Teistungen sowie Bleicherode-Großbodungen. Das kündigten die Betriebsräte der DB Regio an.
Mit dem Wegbrechen der Schieneninfrastruktur seien Tausende Arbeitsplätze gefährdet, bereits in diesem Jahr sollen im Regionalbereich Thüringen kurzfristig 950 von rund 2.100 Arbeitsplätzen abgebaut werden, heißt es in einer Presseerklärung. Die unvermeidliche Folge der Vernachlässigung der Bahnstrecken sei eine Überlastung des Straßennetzes. Von der Deutschen Bahn AG und von der Bundesregierung verlangen die Betriebsräte mehr Unterstützung für die Instandhaltung des jetzt noch vorhandenen Schienennetzes.
Auszeichnung von 31 Schulen aus Nordthüringen
Heute werden in Nordhausen 31 Schulen aus Nordthüringen als "Umweltschule in Europa" ausgezeichnet. Die Auszeichnungsfeier liegt in den Händen der Umweltakademie Nordthüringen, dem Thüringer Kultusministerium und der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung. 29 Schulen aus Nordthüringen erhalten während der Feier am 24.10.00 den Titel und ein Fahne. Sie dürfen diesen Titel dann für ein Jahr auf ihren offiziellen Unterlagen (Stempel, Briefkopf usw.) führen. Zwei Schulen erhalten ein Anerkennungsschreiben.
Zwölf Schulen aus dem Landkreis Nordhausen haben sich bereits mehrfach an der Ausschreibung "Umweltschule in Europa" beteiligt, elf erhalten den Titel, das Förderzentrum "J.H. Pestalozzi" eine Anerkennung. Unter den künftigen Titelträgern befindet sich auch die Grundschule "August Petermann" in Bleicherode. Die Schule führt seit Jahren aktiv die Mülltrennung und Müllvermeidung durch. In jedem Klassenraum stehen drei entsprechende Behälter zur Verfügung. Die Pausenversorgung erfolgt in Mehrwegflaschen, auf gesundes Frühstück wird in allen Klassen geachtet. Das größte Projekt, dem sich die Schüler verschrieben haben, ist die Nachnutzung der Mülldeponie "Dachsberg". Das Objekt liegt am Rande der Stadt. Errichtet wurden hier zum Beispiel eine Trockenmauer, eine Benjeshecke, Steinhaufen und Sitzstangen für Greifvögel.
EMBRYO kommt!
Mit Embryo stellt sich am Donnerstag in der Destille eine der kultigsten, besten und dienstältesten deutschen Bands in Nordhausen vor. Ihre schon immer stark angejazzte Rockmusik prägte in den Siebzigern die ganze Entwicklung des Deutschrocks entscheidend mit. Embryo zog es immer wieder durch die Welt, um von anderen Musikern in fremden Kulturkreisen zu lernen, sich inspirieren zu lassen oder einfach nur mit liebgewonnenen Leuten zu jammen. Legendär wurde in diesem Zusammenhang ihr 1979er Doppelalbum Embryos Reise, dass die ganze Vielfalt indischer und asiatischer Musik leicht und locker einfing. Und so sind die Embryos heute immer noch drauf: cool, musikverrückt und unglaublich gut.
Taktisches Fehlverhalten ausschlaggebend Bezirksliga will Wacker helfen
Zu einer ersten Analyse nach der 3:7 Schlappe trafen sich gestern Abend das Wacker-Präsidium und Trainer Dirk Fuhrmann. Man habe sich vernünftig ausgesprochen, so Wolfgang Lutze zur nnz. Der Trainer sieht die Ursache der Niederlage unter anderem am taktischen Fehlverhalten von drei bis vier Spielern, vor allem im Mittelfeldbereich. Entweder wollten sie die taktischen Anweisungen nicht annehmen oder haben sich schlichtweg nicht verstanden, kommentiert Lutze. Da sei zum Beispiel nach dem frühen 1:0 für Wacker blindlings weiter nach vorn gerannt worden, ohne hinten dicht zu machen.
Bereits in der vergangenen Woche hatte das Präsidium nach nnz-Informationen Kontakte zu Vereinen im Landkreis Nordhausen aufgenommen, die in der Bezirksliga spielen. Drei bis vier Spieler der Mannschaften aus Niedersachswerfen, Auleben oder Großwechsungen werden sich in dieser Woche zum Probetraining vorstellen. Für uns ist es wichtig, daß Spieler wie Prokosch oder Pistorius endlich Konkurrenz auf der Bank bekommen. Sollten sich aus dem Probetraining bereits Verpflichtungen ergeben, dann ist sich Präsident Wolfgang Lutze sicher, daß diese Spieler schnell auf das Niveau von einigen derzeitigen Stammspielern kommen werden.
Als positiv bewertet Lutze den Umstand, daß keiner der Bezirksliga-Vereine dem Oberligisten einen Korb gegeben hat. Natürlich verstehe er, daß jeder Verein zuerst egoistisch denkt, doch die gegenwärtige Situation von Wacker erlaube es talentierten und willigen Spielern ziemlich schnell, in der vierthöchsten deutschen Spielklasse an den Ball treten zu dürfen. Diese Chance sollte nicht vertan werden, meinte Lutze abschließend.
Wahlbeschlüsse wurden nicht aufgehoben emotionale Debatte im Kreistag
Der Nordhäuser Kreistag hat mit der Mehrheit von SPD und PDS die Aufhebung der Beschlüsse der Wahl der beiden hauptamtlichen Beigeordneten vom 5. September abgelehnt. Damit ist nun das Landesverwaltungsamt in Weimar am Zuge (nnz berichtete bereits). Trotz eindringlicher Beschwörungen des Landrates vor der Debatte zu den beiden Beschlüssen, die Situation sachlich und nicht emotional zu führen, kochten die Emotionen im Gremium hoch wie selten zuvor.
Die Vorsitzende der SPD-Fraktion, Dagmar Becker, stellte den ablehnenden Standpunkt ihrer Fraktion dar und gab dem Landrat die Schuld an der jetzigen Situation. Ihrer Ansicht nach gehe es dem Landrat und dem CDU-dominierten Landesverwaltungsamt ausschließlich darum, die Wahl von Beigeordneten der SPD und damals noch PDS auszuhebeln. Sie, Herr Landrat, haben es mit ihrem Verhalten auf die Spitze getrieben, rief Dagmar Becker sichtlich aufgeregt aus. Und an die CDU-Fraktion richtete sie die Frage, ob man gegen die Wahl der Herren Uebner und Goutier auch mit einem Widerspruch vorgegangen sei? Die Frage blieb unbeantwortet.
Dafür ging Winfried Theuerkauf (SPD) in seinem Statement noch einmal auf Merkwürdigkeiten ein, die sich nach dem 5. September ereignet haben sollen. Besonders prangerte Theuerkauf an, daß die Kreistagsmitglieder bis zur Sondersitzung am 29.9.00 keine Möglichkeit hatten, die Stellungnahme des Landrates für das Landesverwaltungsamt einzusehen. Selbst den Fraktionsvorsitzenden sei das erst eine Stunde vor Sitzungsbeginn gestattet worden.
Der Landrat hat ordentlich und fair gehandelt, dafür gebührt ihm unser Dank, begann der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Prof. Markgraf sein Statement. Alle Intrigen, die dem Landrat unterstellt wurden, seien schlichtweg erlogen. Auch Landrat Joachim Claus (CDU) wies noch einmal darauf hin, daß er seitens des Landesverwaltungsamtes aufgefordert worden sei, die Wahl aufzuheben. Es geht mir nicht um Herrn Jendricke, so Claus.
Zitate aus dem Kreistag:
Dagmar Becker (SPD): Die CDU im Kreistag ist tiefer in der alten DDR verwurzelt, als es Teile der PDS sind. Zehn Jahre nach der deutschen Einheit kann es die CDU nicht akzeptieren, daß es links von ihr eine Mehrheit im Kreistag gibt.
Klaus Hummitzsch (PDS): Uns ist ja bekanntlich unser gewählter Beigeordneter (Klaus Gorges d. Red.) abhanden gekommen.
Landrat zur finanziellen Situation
In seinem Bericht an den Kreistag ging Landrat Joachim Claus (CDU) am Nachmittag vorrangig auf die finanzielle Situation ein. Der Jahresabschluß 1999 sei noch nicht veröffentlicht, da er gegenwärtig im Rechnungsprüfungsamt geprüft werde. Das entstandene Defizit konnte durch eine Entnahme aus den Rücklagen ausgeglichen werden. Das, so Claus, sei eine haushaltsrechtlich legitime Maßnahme. Auch der Haushalt dieses Jahres werde voraussichtlich mit einem Defizit abschließen. Als Ursachen für diese Situation kritisierte der Landrat die bisherigen Haushalte. Sie seien oft zusammen geschustert worden, man habe liebgewordene Dinge immer wieder finanziert, so zum Beispiel im Bereich Jugend, Soziales oder den Winterdienst.
Claus sprach dann auch nach seinen Worten weitere Tabus an. So solle man über die künftige Struktur der Schulträgerschaft nachdenken. Für ihn sei ein Schulträger (der Landkreis) effektiver als zwei Träger (Landkreis und Stadt Nordhausen). Einschränkungen werde es auch im Öffentlichen Personennahverkehr geben, da die Stadt Nordhausen als Aufgabenträger ihren Zahlungen nicht mehr nachkommen könne. Auch die EGN könne sich der Kreis nicht mehr leisten. Sie soll zum Ende dieses Jahres abgewickelt werden. Ebenso müßten die Struktur und die Größe der bestehenden Abwasserverbände diskutiert und zur Disposition gestellt werden.
Neanderklinik Ilfeld in Existenz bedroht
Die Neanderklinik in Ilfeld steckt offenbar in größeren Schwierigkeiten, als bislang bekannt wurde. Während der heutigen Kreistagssitzung sprach Landrat Joachim Claus von Existenzproblemen. Ursachen hierfür seien strukturelle Veränderungen im Bereich der Rehabilitation sowie die Auswirkungen des Thüringer Krankenhausplanes.
Die Gesellschafter des Nordhäuser Südharz-Krankenhauses (Landkreis und Stadt) suchen gegenwärtig nach einer Lösung, die Klinik in Ilfeld zu retten. Der Geschäftsführer des Südharz-Krankenhauses sei beauftragt worden, entsprechende Konzepte zu erarbeiten.
Autor: nnzWhiskystimme in Alt-Nordhausen - Rock, Blues & Gags mit einem Highlander
Der schottische Bluesgitarrist John Kirkbride ist in Australien aufgewachsen und für die Royal Air Force geflogen, ehe er seinen Fliegerhelm gegen Gitarre und Bluesharp eintauschte. Eine sehr glückliche Entscheidung wie Tausende von Besuchern weltweit auf seinen Konzerten feststellen konnten. Seine filigranen Gitarrenkünste, besonders seine ausgefeilte Slide-Technik und seine unnachahmliche Stimme haben ihn schon zu gemeinsamen Auftritten mit Eric Clapton und anderen Größen verholfen. Dazu kommt ein ausgeprägtes Entertainer-Talent, das er mit trockenem Humor und wirklich gut erzählten Witzen auslebt. Am Mittwoch, 25.10. 2000 ab 20 Uhr gastiert er im Alt-Nordhausen im Altentor.
Symbolträchtige Erde aus Bleicherode und Bischofferode zum Berliner Reichstag
Erde aus Bleicherode und Bischofferode soll künftig in den Innenhof des Berliner Reichstages eingebracht werden. Der PDS-Bundestagsabgeordnete Gerhard Jüttemann hat die Erde heute Vormittag am stillgelegten Bergwerk in Bischofferode, vom benachbarten Gewerbepark sowie bei der Deusa in Bleicherode entnommen.
Für ihn sei diese Erde symbolisch für einen Untergang der Industrie und eine falsche wirtschaftliche Ansiedlungspolitik seitens des Bundes und des Landes. Nach dem Wegbruch der Kaliförderung in Nordthüringen hatten sich die Bischofferöder Kumpel mit einem Hungerstreik Zusagen der Landesregierung für die Schaffung von Dauerarbeitsplätzen erkämpft. Diese Zusagen, so Jüttemann gegenüber der nnz, seien in keinster Weise eingehalten worden. Zum Zeitpunkt des Hungerstreiks war der PDS-Abgeordnete Mitglied des Bischofferöder Betriebsrates.
Die Erde aus Nordthüringen ist für das Kunstprojekt Der Bevölkerung am Reichstag vorgesehen. Auch andere Nordthüringer Bundestagsabgeordnete wie Eckehard Ohl (SPD) aus Schlotheim hatten sich dieser Initiative bereits angeschlossen.
Totschlagsprozeß gegen Nordhäuser ist am Landgericht fortgesetzt worden
Vor der ersten großen Strafkammer am Landgericht Mühlhausen wird heute der Prozeß wegen zweifachen Totschlags gegen einen 39 Jahre alten Nordhäuser fortgesetzt. Der Mann soll vor einem Jahr einen Mann im Nordhäuser Bingerhof erdrosselt haben. Die entscheidende Spur fanden die Beamten der Kriminalpolizei mit Hilfe der Ehefrau des Angeklagten. Sie belastete bereits in ihren ersten Aussagen den Mann schwer.
Durch Vergleiche und Auswertungen mit anderen Spuren bestätigte sich während der Vernehmung der Verdacht, daß der Festgenommene bereits im Jahr 1994 ein ähnliches Verbrechen begangen haben könnte. Damals wurde am 23. Dezember in der Wipper bei Niedergebra eine männliche Leiche gefunden, die eindeutige Spuren eines gewaltsamen Todes aufwies. Auch hier wurde das Opfer erdrosselt.
Für die Kripo und die Staatsanwaltschaft ist mittlerweile klar, daß auch dieses Verbrechen auf das Konto von Joachim St. geht. Während der Prozesses machte die Ehefrau in der vergangenen Woche ihre Aussage von dem Landgericht, allerdings in Abwesenheit des Angeklagten. Der hatte sie zwar von den Verbrechen informiert, ihr aber damit gedroht, sie ebenfalls umzubringen, wenn sie die Polizei informiere. Während der Verhandlung soll die Frau mehrere Beweisstücke erkannt haben, die von der Kripo sichergestellt wurden. Für den gesamten Prozeß sind am Gericht noch sechs Verhandlungstage angesetzt.
Mehrere Bahnstrecken sollen in Nordthüringen stillgelegt werden
In Nordthüringen will die Deutsche Bahn AG im kommenden Jahr mehrere Strecken stilllegen. Als Grund wurden technische Mängel angegeben. Dabei handelt es sich im die Strecken Bretleben-Sondershausen, Leinefelde-Teistungen sowie Bleicherode-Großbodungen. Das kündigten die Betriebsräte der DB Regio an.
Mit dem Wegbrechen der Schieneninfrastruktur seien Tausende Arbeitsplätze gefährdet, bereits in diesem Jahr sollen im Regionalbereich Thüringen kurzfristig 950 von rund 2.100 Arbeitsplätzen abgebaut werden, heißt es in einer Presseerklärung. Die unvermeidliche Folge der Vernachlässigung der Bahnstrecken sei eine Überlastung des Straßennetzes. Von der Deutschen Bahn AG und von der Bundesregierung verlangen die Betriebsräte mehr Unterstützung für die Instandhaltung des jetzt noch vorhandenen Schienennetzes.
Auszeichnung von 31 Schulen aus Nordthüringen
Heute werden in Nordhausen 31 Schulen aus Nordthüringen als "Umweltschule in Europa" ausgezeichnet. Die Auszeichnungsfeier liegt in den Händen der Umweltakademie Nordthüringen, dem Thüringer Kultusministerium und der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung. 29 Schulen aus Nordthüringen erhalten während der Feier am 24.10.00 den Titel und ein Fahne. Sie dürfen diesen Titel dann für ein Jahr auf ihren offiziellen Unterlagen (Stempel, Briefkopf usw.) führen. Zwei Schulen erhalten ein Anerkennungsschreiben.
Zwölf Schulen aus dem Landkreis Nordhausen haben sich bereits mehrfach an der Ausschreibung "Umweltschule in Europa" beteiligt, elf erhalten den Titel, das Förderzentrum "J.H. Pestalozzi" eine Anerkennung. Unter den künftigen Titelträgern befindet sich auch die Grundschule "August Petermann" in Bleicherode. Die Schule führt seit Jahren aktiv die Mülltrennung und Müllvermeidung durch. In jedem Klassenraum stehen drei entsprechende Behälter zur Verfügung. Die Pausenversorgung erfolgt in Mehrwegflaschen, auf gesundes Frühstück wird in allen Klassen geachtet. Das größte Projekt, dem sich die Schüler verschrieben haben, ist die Nachnutzung der Mülldeponie "Dachsberg". Das Objekt liegt am Rande der Stadt. Errichtet wurden hier zum Beispiel eine Trockenmauer, eine Benjeshecke, Steinhaufen und Sitzstangen für Greifvögel.
EMBRYO kommt!
Mit Embryo stellt sich am Donnerstag in der Destille eine der kultigsten, besten und dienstältesten deutschen Bands in Nordhausen vor. Ihre schon immer stark angejazzte Rockmusik prägte in den Siebzigern die ganze Entwicklung des Deutschrocks entscheidend mit. Embryo zog es immer wieder durch die Welt, um von anderen Musikern in fremden Kulturkreisen zu lernen, sich inspirieren zu lassen oder einfach nur mit liebgewonnenen Leuten zu jammen. Legendär wurde in diesem Zusammenhang ihr 1979er Doppelalbum Embryos Reise, dass die ganze Vielfalt indischer und asiatischer Musik leicht und locker einfing. Und so sind die Embryos heute immer noch drauf: cool, musikverrückt und unglaublich gut.
Taktisches Fehlverhalten ausschlaggebend Bezirksliga will Wacker helfen
Zu einer ersten Analyse nach der 3:7 Schlappe trafen sich gestern Abend das Wacker-Präsidium und Trainer Dirk Fuhrmann. Man habe sich vernünftig ausgesprochen, so Wolfgang Lutze zur nnz. Der Trainer sieht die Ursache der Niederlage unter anderem am taktischen Fehlverhalten von drei bis vier Spielern, vor allem im Mittelfeldbereich. Entweder wollten sie die taktischen Anweisungen nicht annehmen oder haben sich schlichtweg nicht verstanden, kommentiert Lutze. Da sei zum Beispiel nach dem frühen 1:0 für Wacker blindlings weiter nach vorn gerannt worden, ohne hinten dicht zu machen.
Bereits in der vergangenen Woche hatte das Präsidium nach nnz-Informationen Kontakte zu Vereinen im Landkreis Nordhausen aufgenommen, die in der Bezirksliga spielen. Drei bis vier Spieler der Mannschaften aus Niedersachswerfen, Auleben oder Großwechsungen werden sich in dieser Woche zum Probetraining vorstellen. Für uns ist es wichtig, daß Spieler wie Prokosch oder Pistorius endlich Konkurrenz auf der Bank bekommen. Sollten sich aus dem Probetraining bereits Verpflichtungen ergeben, dann ist sich Präsident Wolfgang Lutze sicher, daß diese Spieler schnell auf das Niveau von einigen derzeitigen Stammspielern kommen werden.
Als positiv bewertet Lutze den Umstand, daß keiner der Bezirksliga-Vereine dem Oberligisten einen Korb gegeben hat. Natürlich verstehe er, daß jeder Verein zuerst egoistisch denkt, doch die gegenwärtige Situation von Wacker erlaube es talentierten und willigen Spielern ziemlich schnell, in der vierthöchsten deutschen Spielklasse an den Ball treten zu dürfen. Diese Chance sollte nicht vertan werden, meinte Lutze abschließend.
Wahlbeschlüsse wurden nicht aufgehoben emotionale Debatte im Kreistag
Der Nordhäuser Kreistag hat mit der Mehrheit von SPD und PDS die Aufhebung der Beschlüsse der Wahl der beiden hauptamtlichen Beigeordneten vom 5. September abgelehnt. Damit ist nun das Landesverwaltungsamt in Weimar am Zuge (nnz berichtete bereits). Trotz eindringlicher Beschwörungen des Landrates vor der Debatte zu den beiden Beschlüssen, die Situation sachlich und nicht emotional zu führen, kochten die Emotionen im Gremium hoch wie selten zuvor.
Die Vorsitzende der SPD-Fraktion, Dagmar Becker, stellte den ablehnenden Standpunkt ihrer Fraktion dar und gab dem Landrat die Schuld an der jetzigen Situation. Ihrer Ansicht nach gehe es dem Landrat und dem CDU-dominierten Landesverwaltungsamt ausschließlich darum, die Wahl von Beigeordneten der SPD und damals noch PDS auszuhebeln. Sie, Herr Landrat, haben es mit ihrem Verhalten auf die Spitze getrieben, rief Dagmar Becker sichtlich aufgeregt aus. Und an die CDU-Fraktion richtete sie die Frage, ob man gegen die Wahl der Herren Uebner und Goutier auch mit einem Widerspruch vorgegangen sei? Die Frage blieb unbeantwortet.
Dafür ging Winfried Theuerkauf (SPD) in seinem Statement noch einmal auf Merkwürdigkeiten ein, die sich nach dem 5. September ereignet haben sollen. Besonders prangerte Theuerkauf an, daß die Kreistagsmitglieder bis zur Sondersitzung am 29.9.00 keine Möglichkeit hatten, die Stellungnahme des Landrates für das Landesverwaltungsamt einzusehen. Selbst den Fraktionsvorsitzenden sei das erst eine Stunde vor Sitzungsbeginn gestattet worden.
Der Landrat hat ordentlich und fair gehandelt, dafür gebührt ihm unser Dank, begann der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Prof. Markgraf sein Statement. Alle Intrigen, die dem Landrat unterstellt wurden, seien schlichtweg erlogen. Auch Landrat Joachim Claus (CDU) wies noch einmal darauf hin, daß er seitens des Landesverwaltungsamtes aufgefordert worden sei, die Wahl aufzuheben. Es geht mir nicht um Herrn Jendricke, so Claus.
Zitate aus dem Kreistag:
Dagmar Becker (SPD): Die CDU im Kreistag ist tiefer in der alten DDR verwurzelt, als es Teile der PDS sind. Zehn Jahre nach der deutschen Einheit kann es die CDU nicht akzeptieren, daß es links von ihr eine Mehrheit im Kreistag gibt.
Klaus Hummitzsch (PDS): Uns ist ja bekanntlich unser gewählter Beigeordneter (Klaus Gorges d. Red.) abhanden gekommen.
Landrat zur finanziellen Situation
In seinem Bericht an den Kreistag ging Landrat Joachim Claus (CDU) am Nachmittag vorrangig auf die finanzielle Situation ein. Der Jahresabschluß 1999 sei noch nicht veröffentlicht, da er gegenwärtig im Rechnungsprüfungsamt geprüft werde. Das entstandene Defizit konnte durch eine Entnahme aus den Rücklagen ausgeglichen werden. Das, so Claus, sei eine haushaltsrechtlich legitime Maßnahme. Auch der Haushalt dieses Jahres werde voraussichtlich mit einem Defizit abschließen. Als Ursachen für diese Situation kritisierte der Landrat die bisherigen Haushalte. Sie seien oft zusammen geschustert worden, man habe liebgewordene Dinge immer wieder finanziert, so zum Beispiel im Bereich Jugend, Soziales oder den Winterdienst.
Claus sprach dann auch nach seinen Worten weitere Tabus an. So solle man über die künftige Struktur der Schulträgerschaft nachdenken. Für ihn sei ein Schulträger (der Landkreis) effektiver als zwei Träger (Landkreis und Stadt Nordhausen). Einschränkungen werde es auch im Öffentlichen Personennahverkehr geben, da die Stadt Nordhausen als Aufgabenträger ihren Zahlungen nicht mehr nachkommen könne. Auch die EGN könne sich der Kreis nicht mehr leisten. Sie soll zum Ende dieses Jahres abgewickelt werden. Ebenso müßten die Struktur und die Größe der bestehenden Abwasserverbände diskutiert und zur Disposition gestellt werden.
Neanderklinik Ilfeld in Existenz bedroht
Die Neanderklinik in Ilfeld steckt offenbar in größeren Schwierigkeiten, als bislang bekannt wurde. Während der heutigen Kreistagssitzung sprach Landrat Joachim Claus von Existenzproblemen. Ursachen hierfür seien strukturelle Veränderungen im Bereich der Rehabilitation sowie die Auswirkungen des Thüringer Krankenhausplanes.
Die Gesellschafter des Nordhäuser Südharz-Krankenhauses (Landkreis und Stadt) suchen gegenwärtig nach einer Lösung, die Klinik in Ilfeld zu retten. Der Geschäftsführer des Südharz-Krankenhauses sei beauftragt worden, entsprechende Konzepte zu erarbeiten.

