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Do, 13:36 Uhr
10.09.2020
Untersuchungen zu Nitratbelastung

Am Abwasser liegt es nicht

Der VSR-Gewässerschutz wurde in den letzten Wochen scharf von den Landwirtschaftsverbänden für die Aussage kritisiert, dass die Agrarindustrie die Hauptursache der Nitratbelastung ist. Ihre Behauptung, dass die hohen Werte im Kreis Nordhausen unter anderem die Folge defekter Abwasserrohre sind, habe man nun widerlegt, teilt der VSR mit...

Dipl.-Phys. Harald Gülzow führt eine Nitratuntersuchung am Labormobil durch (Foto: VSR Gewässerschutz) Dipl.-Phys. Harald Gülzow führt eine Nitratuntersuchung am Labormobil durch (Foto: VSR Gewässerschutz)

„Brunnenwasser, das durch Abwasser belastet ist, enthält Escherichia coli (E.coli). Das sind Darmbakterien, die immer im Abwasser festzustellen sind. Wenn die untersuchten Wasserproben keine Belastung durch diese Bakterien aufweisen ist davon auszugehen, dass das Grundwasser nicht durch Abwasser belastet wird.“, erklärte Dipl. Oecotroph. Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

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Insgesamt stellte das Team der gemeinnützigen Organisation viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser fest. Bei jeder vierten der 74 untersuchten Brunnenwasserproben im Raum Nordhausen wurden der Grenzwert der Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter überschritten. In allen Proben mit erhöhten Nitratwerten aus den Orten Kehmstedt, Großwechsungen, Urbach und Berga wurde keine Belastung mit E.coli festgestellt. Dies beweise, dass die Ursache der Nitratbelastung hier nicht den defekten Abwasserrohren zuzuordnen sei.

Ein weiteres Argument der Landwirtschaftsvertreter ist die Überdüngung in den privaten Gärten und Kleingartenanlagen. Hier hat sich der VSR-Gewässerschutz an Kleingartenanlagen in ganz Deutschland gewandt um festzustellen, ob dort hohe Belastungen zu finden sind. Gerade die städtischen Kleingärten ohne Landwirtschaft in der nahen Umgebung haben eine geringe Nitratbelastung. Diese Annahme bestätigt auch der Nitratbericht 2020: „Die Schwerpunkte der Belastung mit Messstellen über 50 mg/l Nitrat treten dabei überwiegend unter landwirtschaftlicher Flächennutzung auf. Unter den Nutzungen Siedlung und Wald finden sich selten hoch belastete Messstellen.“. erklärt Bareiß-Gülzow.

Die hohe Nitratbelastung habe gravierende Folgen für die Umwelt. Das belastete Grundwasser sickert den Gräben und Bächen zu und gelangt so über die Flüsse in die Nordsee. Dort führt die massive Nitratbelastung zu einem übermäßigen Algenwachstum und Sauerstoffmangel. "Ohne Sauerstoff ist kein Leben möglich – Fische sterben, sogenannte Todeszonen entstehen. Eine Verringerung der Belastung unserer Gewässer ist dringend nötig. Der VSR- Gewässerschutz findet es schade, dass die Landwirtschaftsverbände von den Nitratbelastungen, die von der Agrarindustrie ausgehen, ablenken wollen."

Eine Verringerung der Nitratbelastung sei möglich – das zeigen die geringen Nitratwerte der Wasserschutzgebiete. Auch in diesen geschützten Bereichen werde Landwirtschaft betrieben. "Die Wasserversorger schlugen schnell Alarm als sie feststellten, dass die Nitratwerte drastisch anstiegen. Dank frühzeitig geschlossener Kooperationen zwischen den Wasserversorgern und Landwirten sank die Belastung enorm. Es wird höchste Zeit die Nitratauswaschung ins Grundwasser auch außerhalb der Wasserschutzgebiete zu verringern. Die Agrarpolitik muss sich ihrer ökologischen Verantwortung stellen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern“, so Susanne Bareiß-Gülzow.
Dipl.-Phys. Harald Gülzow, Pressesprecher
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Kommentare

11.09.2020, 09.15 Uhr
Tyr | Die Lüge hat Konjunktur
Das ist schon sehr frech, dass die Bauernverbände Kleingärtner oder die Abwasserleitungen für die hohen Nitratbelastungen des Grundwassers verantwortlich machen zu wollen. Aber solange im Landkreis Nordhausen mehr Schweine leben als Menschen wissen zumindest die Leute ohne Brett vor dem Kopf, woher die Nitratbelastung kommt.

Solange die Fäkalien der Schweine als Gülle in unkontrollierbaren Mengen und mit Wegsehen der Behörden auf unseren Böden landen, wird sich an diesem Zustand auch nichts ändern.

Die Natur fängt aber an, sich gegen diesen Irrsinn zu wehren. Sie schickt uns seit gestern die afrikanische Schweinepest (ASP). Vielleicht gelingt es ja der Natur, die Bauernverbände wieder zu "erden". Die Politik ist dazu offensichtlich nicht in der Lage.

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11.09.2020, 09.25 Uhr
Hans Dittmar | Nitratbelastung durch Kalihalden
Ich kann die Landwirtschaft schon verstehen, wenn man diese pauschal als Schuldigen ausmachen will. Doch sollte man gerade in unserer Region die Kalihalden in betracht ziehen. Durch Regen werden über Jahrzehnte verschiedene Stoffe ausgespühlt und gelangen so in das Grundwasser.
In Niedersachsen kennt man dieses Problem schon länger.

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11.09.2020, 12.31 Uhr
Real Human | Lieber Herr Dittmar!
Das mit der „Nitratbelastung durch Kalihalden“ sollten sie dem werten Publikum schon etwas genauer erklären, nachdem Sie unter „Eaton unter Druck“ (https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=280628#110592) schon das heutige China als „kommunistisches System“ bezeichnet haben.

Hat Niedersachsen etwa ein Problem mit Halden voller Kalisalpeter (KNO3)? Vielleicht hätten Sie dazu vorher mal einen Kali-Bergmann konsultieren sollen. Aber zum Glück gibt es hier in Deutschland allgemein immer noch mehr Chemiekenntnisse als z.B. bei den verantwortlichen Stellen in Beirut (Libanon) wo man über Jahre hinweg 1.750 Tonnen(!) Ammoniumnitrat gebunkert hat …

Habe trotzdem mal nach „kalisalpeter natürliche vorkommen“ gegoogelt und gefunden:

Kaliumnitrat (...) kommt als Ausblühung auf Böden vor. Von wirtschaftlicher Bedeutung waren die Vorkommen in China und Südostasien, wo in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Auslaugen solcher Böden mehr als 10.000 t Salpeter jährlich gewonnen wurden. (Wikipedia)

Historisch interessant ist auch das „Salpeterversprechen“ der deutschen Chemieindustrie gegenüber der Obersten Heeresleitung des Deutschen Reiches. Bis zum Beginn des 1. WK war Deutschland zur Herstellung von Dünger und Sprengstoffen auf den Import von natürlichem Salpeter aus Chile angewiesen. In der deutschen Generalität soll es „Experten“ gegeben haben, die als Ersatz dafür auf die deutschen Kalibergwerke hingewiesen haben.

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11.09.2020, 13.45 Uhr
Real Human | Falscher interner Link
Der richtige Link zu „Eaton unter Druck“ ist https://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=280188 . Sorry!

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