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Mi, 22:15 Uhr
06.07.2005

Immer weniger Helden

Nordhausen (nnz). Ein Held ist einer, der jemandem das Leben rettet. Das würden sicher viele gern tun, schon wegen der Ehre. Aber der Weg zum Helden ist steinig und Geld gibt’s auch keins. Die nnz-Reportage hat zukünftigen Rettern bei der Ausbildung zugeschaut.

Immer weniger Helden (Foto: nnz) Immer weniger Helden (Foto: nnz)

Feuerwehrmänner waren schon oft Lebensretter und Helden. In New York wurden sie nach dem 11. September gefeiert. Die meisten Jungs möchten Feuerwehrmann werden wenn sie groß sind. Das tolle Drehleiterauto und das Blaulicht locken. Doch die Ausbildung ist hart. Viele begeisterte Jugendfeuerwehrleute haben mit 15 oder 16 doch andere Interessen, die Freundin oder das Moped. Nur einige wenige bleiben bis zur Einsatzfähigkeit mit 18 Jahren.

Diese Jungs sind dafür begeistert bei der Sache, nehmen auch Einschränkungen hin. Piercing im Gesicht, Ohrringe, Bart – ist alles nicht erlaubt, wenn die jungen Männer mit Atemschutzgeräten arbeiten wollen. Grund sind Unfälle und die Gefahr, daß die Atemschutzmaske nicht richtig abschließt. Rauchgas kann eindringen und der Feuerwehrmann, der eigentlich helfen wollte, wird selbst zum Opfer. Die neun jungen Männer, die heute am Atemschutzlehrgang teilnahmen, finden diese Regeln in Ordnung. Aber sie kennen andere, die abgesprungen sind, weil ihnen ihr Aussehen wichtiger ist.

Hart ist die Ausbildung auf jeden Fall. 111 Stunden vergehen, bis die Feuerwehrmänner mit zum Einsatz dürfen. 70 Stunden Truppmannausbildung, 16 Stunden Sprechfunk und 25 Stunden Atemschutz, das alles am Wochenende oder Abends nach der Arbeit. Die Familie und Freunde kommen da oft zu kurz. Damit ist es nicht getan, die Atemschutz-Übungsstrecke muß ein Feuerwehrmann jedes Jahr nachweisen.
Diese Strecke hat’s in sich. Zuerst ist eine Gesundheitsüberprüfung fällig. Wer da schon ausfällt darf nur noch zukucken. Danach überprüfen die Feuerwehrmänner die Atemgeräte. Ist genug Druck in den Flaschen, 200 bar? Sind alle Regler in Ordnung? Wenn ja, dann kontrollieren sich die Zweierteams gegenseitig und schrauben dem Partner den Atemregler auf die Maske. Noch bei Licht und normaler Temperatur sind 20 Meter auf einer Steigleiter, einem Simulator ähnlich einem Laufband, und zehn Züge am 50 kg Schlaghammer durchzuhalten.

Durch eine Luke geht’s dann in den Hitzeraum. „Angenehme“ 75 ° C herrschen dort. Im Dunkeln, nur mit einer Taschenlampe ausgerüstet, tasten sich die Feuerwehrmänner voran. Durch eine weitere Luke steigen sie in den nächsten, wieder normal temperierten Raum. Dunkelheit und Rauch erwarten sie dort. In einem Gitterlabyrinth müssen sie sich zurecht finden. Der Übungsleiter sieht es auf dem Monitor im Kontrollraum ähnlich einem Videospiel. Per Funk könnte er eingreifen. Im Notfall dürfte er helfen, falls doch mal einer der ungewohnten Belastung nicht Stand hält.

Im hinteren Teil des Gitterkäfigs liegt eine Puppe, die gilt es als verletzte Person zu retten. Zu zweit mühen sich die Feuerwehrmänner mit dem Dummy ab. Widerwillig läßt er sich durch die Kriechgänge zerren. Wenn sie die letzte Tür öffnen, sind die zukünftigen Lebensretter erschöpft, verschwitzt, aber auch zufrieden. Sie haben es geschafft, auch wenn’s nicht leicht war.

72 freiwillige Feuerwehren gibt es im Landkreis. Aus Hesserode, Hörningen, Nordhausen-Mitte, Steinbrücken und Sundhausen kamen die jungen Männer, die heute alle bestanden haben. Allein in Nordhausen sind 210 Männer als freiwillige Feuerwehrmänner aktiv. Sie unterstützen die 43 Kameraden der Berufsfeuerwehr. Junge Männer, die ihr Hobby zum Beruf machen möchten, haben zur Zeit eine Chance. Die Nordhäuser Berufsfeuerwehr bietet zwei Bewerbern die Möglichkeit. Nach Eignungstests folgt eine zweijährige Ausbildung. Eine handwerkliche Ausbildung, körperliche Fitneß und ein Alter unter 32 Jahren sind Voraussetzung.

Feuerwehrbegeisterte Jugendliche, auch Mädchen, sind den Jugendfeuerwehren in Stadt und Kreis willkommen. Jede freiwillige Feuerwehr freut sich über Männer ab 18 Jahren, die bereit sind einen großen Teil Freizeit zu opfern, um anderen zu helfen.

Die Feuerwehren sind eine Pflichtleistung der Kommune. Für manche Leute scheint es selbstverständlich, daß einige ihr Leben und ihre Gesundheit für ihre Mitmenschen aufs Spiel setzen. Aber das ist nicht so, es werden immer weniger, die noch so uneigennützig sind. Mithelfen kann jeder Bürger, einfach die Augen offenhalten und ein wenig Vernunft beim Umgang mit Brennbarem walten lassen. Kippe aus im Bett und keine Kerzen ohne Aufsicht brennen lassen. Und obwohl viele freiwillige Feuerwehrmänner begeistert löschen, selbst für Arbeit gesorgt, hat im Landkreis noch keiner.
Autor: wf

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