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So, 11:00 Uhr
02.08.2020
Unabhängige Patientenberatung Deutschland

Beunruhigende Trends in der Zahnarztpraxis

Mit Sorge beobachtet die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD), dass laut Beratungserfahrung jungen Patienten in der Zahnmedizin häufig Behandlungen unter Vollnarkose und hochbetagten Patienten teure Implantate an Stelle von Prothesen bei der Versorgung des zahnlosen Kiefers angeboten werden...

Im jüngst veröffentlichten Monitor Patientenberatung werden diese Trends von der UPD als Beispiele für Problemlagen im Gesundheitswesen beschrieben, die als Indikator für eine Fehl- oder Überversorgung und als Gefahr für die Patientensicherheit angesehen werden können.

Im vergangenen Jahr waren die Berater der UPD häufig mit besorgten Eltern im Gespräch, die sich fragten, ob eine zahnmedizinische Behandlung ihrer Kinder tatsächlich nur unter Vollnarkose in Frage komme. Den Schilderungen vieler Ratsuchender nach zu schließen, wurden sie über Alternativen häufig nicht oder nicht ausreichend aufgeklärt. Mitunter berichteten sie auch davon, dass Zahnärzte eine Behandlung ihrer Kinder ohne Vollnarkose von vornherein abgelehnt hätten, ohne dass medizinische Notwendigkeit für die Narkose ersichtlich war. „Die Hinweise aus der Beratung haben wir im Monitor Patientenberatung aufgegriffen, weil sie auf ein generell wenig patientenorientiertes Verhalten hindeuten. In der individuellen Beratung kann unser zahnmedizinisches Team darüber aufklären, dass die Vollnarkose eine Option sein kann, wenn andere Alternativen wie etwa die Lokalanästhesie oder ein beruhigendes Gespräch nicht in Betracht kommen“, sagt Thorben Krumwiede, Geschäftsführer der UPD. „Aus medizinischer Sicht muss die Vollnarkose aber immer der Ausnahmefall bleiben, bezahlt wird sie von den Kassen auch nur dann, wenn sie medizinisch begründet ist.“

Implantate sind nicht grundsätzlich besser
Anlass zur kritischen Rückmeldung sieht die Patientenberatung auf Basis ihrer Beratungserfahrung außerdem bei der Wahl des Zahnersatzes für Ältere. Denn immer wieder berichten gerade ältere Menschen oder deren Angehörige davon, dass Zahnärzte von einer konventionellen Zahnprothese von vornherein abraten und stattdessen deutlich teurere Implantate empfehlen. „Viele Ratsuchende können die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Versorgungsformen nicht einschätzen. Gleichzeitig fürchten sie die hohen Kosten von Implantaten. Würde die im Patientenrechtegesetz klar geregelte Aufklärungspflicht der Zahnärzte in der Praxis durchgängig beherzigt, könnten die Patienten besser beurteilen, ob ein Implantat mit Blick auf Lebensqualität und Aufwand des Eingriffs für sie die beste Wahl ist. Eine Überversorgung der Patienten könnte wahrscheinlich häufig vermieden werden“, sagt Thorben Krumwiede.

„In der individuellen Beratung können wir Aufklärung leisten, auf die Möglichkeit der Zweitmeinung hinweisen und erläutern, wo und wie diese eingeholt werden kann“, erläutert Johannes Schenkel, ärztlicher Leiter der UPD.

Nach den Worten von UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede ist es das Hauptziel der Patientenberatung, die persönliche Gesundheitskompetenz der Ratsuchenden zu stärken.

„Grundlegend verbessern kann sich die Situation aber nur, wenn unsere Hinweise auf Problemlagen, die wir als Teil unseres gesetzlichen Auftrags im Monitor jährlich zusammenstellen, von den Akteuren des Gesundheitssystems aufgegriffen werden.“
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