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Sa, 10:22 Uhr
20.06.2020
Betrachtet

Im „Vorbeigehen“ zum Jagdschein?

Jäger als schwarze Schafe. Sonntagsjäger mehr als man denke. Forstexperte Klaus Thiemrodt sprach im Interview „Wild, Drückjagden und ein toter Hirsch“ Klartext. Die Jagdlobby wird ihm keinen Beifall spenden. Thiemrodt aber scheute sich nicht, Wahrheiten beim Namen zu nennen. Offen, ehrlich, kritisch. Solchen, die dem Image der Jagd schaden, sie in Verruf bringen können...


Der ehemalige Revierförster leitet eine Jagdschule. Er will Frauen und Männer ausbilden, die dem Weidwerk Ehre machen. Gründe, sie zu eröffnen, sah er zur Genüge: Leider liefen noch zu viele im Jägerrock mit der Flinte durch Wald und Flur, die keine gute Figur abgeben. Thiemrodt bezeichnet sie als die schwarzen Schafe im Weidwerk.

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Worauf er hingegen verweisen kann: Keiner seiner bislang 150 Schützlinge habe ihm später in der Praxis Ärger bereitet. Das mache ihn stolz und glücklich. Sechs Monate intensive Ausbildung, 300 Stunden Theorie, davon 80 Stunden Praxis. Wer von seinen Schülern das „grüne Abitur“ erwirbt, soll überzeugend von sich sagen können: Ich habe Achtung vor der Kreatur, will sie schützen, Weidmann im Sinne des Naturschutzes sein.

Der Patenschaftsvertrag mit der Grundschule in Ellrich liegt dem engagierten Forstmann sehr am Herzen. Hier gibt er Unterricht, bemüht sich, den Kindern Natur nahe zu bringen, aber auch zu verdeutlichen, dass die Jagd zur Natur gehört. „Die Jäger sind keine bösen Menschen!“ Das habe ihr die Tochter erzählt, erfuhr Thiemrodt von einer Mutti.

Aufmerksam habe die Klasse zugehört, was der Förster erzählte. So zum Beispiel, dass die Jäger viel Gutes täten. Herr Thiemrodt habe das gut gemacht, auch über die Jagd berichtet und warum sie notwendig ist, meinte die Tochter. Wenn ihm das allgemein in Vorträgen und Gesprächen mit den Leuten gelinge, sei er zufrieden,

Doch das Ansinnen des Jagdausbilders wird oft mehr als ihm lieb ist nachhaltig geschmälert. So höre er auch von gestandenen Weidmännern anderswo immer wieder, dass es vor allem junge Jäger seien, welche die Jagderlaubnis gerade in der Tasche hätten, denen es aber mehr um die „Schießerei“, den schnellen Schuss, die Beute gehe. Schwarze Schafe in der Jägerschaft, sagt Klaus Thiemrodt, gebe es mehr als man denke.

Die neue Jagdlust in Deutschland sieht der 70-Jährige skeptisch. Wenn in einigen Bundesländern in Schnellkursen gegen gutes Geld der Jagdschein erworben werden könne, müsse man sich fragen, ob da nicht die Anforderungen für dessen Erwerb zunehmend zu einem Kinderspiel würden. Es erwecke den Eindruck, quasi wie im „Vorbeigehen“ könnten Leute die Erlaubnis erhalten, sich Jäger zu nennen, die vorher noch nie Erfahrungen mit der Jagd gemacht, kein Gefühl für das Ökosystem als Ganzes hätten.

Die Jagdlobby hält dagegen: Man brauche mehr Jäger, um mehr Wild zu schießen. Es zerstöre den Wald. Diese Forderung spielt die Akteure der Schnellkurse geradezu in die Hände. Ob man in etwas mehr als einem Monat „Ausbildung“ ein guter Weidmann wird, bezweifeln alte Hasen wie Klaus Thiemrodt. Sie sehen diese Entwicklung mit Sorge und befürchten, künftig könnten noch mehr Sonntagsjäger durch die Gegend laufen. Es brauche qualifizierte Weidmänner mit einer soliden Ausbildung und gesunden Einstellung gegenüber dem Wild, betont der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Rotwild.

Rotwild sei ein Kulturgut, das man nicht Wildhassern überlassen dürfe. Wald und Wild im Einklang mit der Natur müsse das Grundanliegen sein. So ist Klaus Thiemrodt jede Drückjagd zuwider. Mitunter seien über 100 Jäger daran beteiligt. Wie vor Jahren im Raum Rothesütte. Die stundenlange Knallerei schreckte neben dem Wild auch die Einwohner auf.

Sicherheit für den Menschen gehe immer vor, selbst wenn das Tier verletzt sei, ist Thiemrodts Grundsatz. Er kommt auf einen Vorfall zu sprechen, der sich nahe Lipprechterode ereignete. In einem Teich wurde ein verletzter Hirsch erschossen, obwohl Angler am Ufer standen. Nach einem Bußgeldverfahren gegen den Schützen liefen die polizeilichen Ermittlungen noch. Dieser Vorfall habe Diskussionen ausgelöst und der Kreisjägerschaft insgesamt geschadet, ist der Ausbilder überzeugt. Auch wenn das jemand aus dem Vorstand anders sehen sollte.

Ich lernte Klaus Thiemrodt als einen sympathischen Mann kennen, der seine Zunge nicht hinter den Zähnen hält, wenn es um Wahrheiten im Jagdwesen geht, solchen, die es immer wieder in Verruf bringen können. Es erfordert Mut, sie beim Namen zu nennen. Dafür zolle ich ihm großen Respekt.
Kurt Frank
Autor: psg

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