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Fr, 17:00 Uhr
05.06.2020
BETRACHTET: MIT DEM WOLF LEBEN

Jäger Felix Findeisen, allergrößten Respekt!

Der Wolf ist da. Und kommt uns immer näher. Das erfuhr anschaulich Familie Doreen und Felix Findeisen. Vier der sechs Schafe der Familie riss er unweit der Sägemühle. nnz informierte unter „Canis Lupus im Südharz“. Wer nun aber glaubte, der Besitzer der Schafe würde in den Chor derer einstimmen, die das Raubtier als „Viehzeug“ titulierten und der „Bestie“ den Tod wünschten, sah sich eines Besseren belehrt...

Canis Lupus (Foto: Alexas_Fotos auf Pixabay ) Canis Lupus (Foto: Alexas_Fotos auf Pixabay )
Felix Findeisen meldete sich einen Tag später in dieser Zeitung zu Wort. In „Mit dem Wolf leben“ merkt er an.“ Ich finde es zwar schade um unsere Schafe, jedoch bin ich selbst in der Forstwirtschaft tätig und ich bin auch Jäger. Daher stehe ich auch für Artenreichtum sowie für die Arterhaltung und deren Schutz“.

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Für diese seine Auffassung zolle ich dem Mann uneingeschränkten Respekt, dem Jäger Findeisen Anerkennung für seinen Mut der offenen Worte. Die Weidmänner, die ich kenne und mit denen ich über das Thema Wolf sprach, gaben mehrheitlich dem Tier kein Bleiberecht. „Weg mit ihm!“ Das sagte mir auch ein bekannter Mann in politischer Funktion, der auch die Flinte schultert. Auch nicht auf einem ehemaligen einsamen Truppenübungsplatz? Wie zur Bekräftigung: Weg! Weg! Weg!

Ihm täte es zwar Leid um seine Schafe, schreibt Findeisen. Als ein Mann, der die Natur liebt, stehe er für ihre Bereicherung. Die nächste Zeit, fügt er an, werde zeigen, ob es ein Einzeltier war oder ob sich die Wölfe hier ansiedeln. Dies wäre schön, um die Art zu erhalten, erfordere aber von der Land -und Forstwirtschaft sowie den vielen kleinen Viehhaltern ein Umdenken. So müssten Betriebe Herdenschutz-Hunde ausbilden, höhere Zäune kaufen oder womöglich Herdenschutz-Esel, die den Wolf angehen, in die Schafherden integrieren.

Komme hierzulande der Wolf, werde sich in der Forstwirtschaft und den Jagdbezirken einiges ändern, ist sich der Tierfreund sicher. Das Wild werde sich vorsichtiger verhalten, Rudel bilden, die dann auch die Äsungszyklen so legten, um während der „Jagdzeit“ des Wolfes in sicherer Deckung zu sein. Zum Wohl der restlichen Schafe, aber auch für alle Tiere auf dem Grünland seiner Familie, wie Pferde und Schweine, werde man die Sicherheit erhöhen.

„Wir brauchen mehr Jäger, um mehr Wild zu schießen“, fordert Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Man habe zuviel, weshalb mehr erlegt werden müsse. Müsste da nicht dem Wolf als natürlichen Regulierungsfaktor erst recht ein Bleiberecht zukommen? Der Anblick eines vom Wolf gerissenen blutigen und zerfleischten Tiers mag bei manchen Menschen Emotionen auslösen, die dann den Räuber verdammen. Der Wolf indes tötet nicht aus Lust, er tötet, um zu leben.

Lese ich Kommentare, die dem Beitrag „Canis Lupus im Südharz“ folgten, könnte man meinen, morgen schon einen blutverschmierten Kinderwagen irgendwo ohne Inhalt zu finden. Oder eine Hundeleine ohne Tier. Man müsse sogar Angst haben, künftig nachts vor die Haustür zu treten, um nicht vom Bösewicht Wolf angefallen und zerfleischt zu werden. Doch die überwiegend realistisch geprägten Kommentare kamen der Meinung Felix Findeisens nahe oder entsprachen ihnen.

Angst vor dem Wolf? Seit 1950 wird in Italien, der Schweiz, in Polen und Slowenien exakt Statistik geführt. Nicht den geringsten Angriff auf Menschen habe es gegeben. Wohl aber zahlreiche von Hunden, die Menschen anfielen und töteten. Unter ihnen Kinder. Hat man je irgendwo gelesen: Weg mit dem Viehzeug Hund?

Professor Wolfgang Ullrich war Zoologe, Tierfilmer, Tierbuchautor und Direktor des Dresdener Zoos. In seiner beliebten Fernsehsendung über Brehms Tierleben veranschaulichte er: Nicht das Raubtier ist eine Bestie, wenn es andere Tiere tötet. Es muss es, um zu Leben. Nie aber rottete es andere Arten aus. Menschen töten um Macht und Einfluss. Millionenfach. Der Mensch nehme sich das Recht, zu bestimmen, was neben ihm zu leben habe und was nicht. Er sei auf dieser Erde das größte Raubtier.

Tod Luchs und Wolf! So tönte es einst aus deutschen Wäldern. Bis zur Ausrottung jagte sie der Mensch. Weg mit Seeadlern, Habichten, Uhus, Falken und allem, was krumme Schnäbel hat, war man ebenfalls der Meinung. Der Verstand setzte erst ein, als es schon fast zu spät war und Schutzmaßnahmen griffen.

Wird der Wolf dauerhaft in jedem Waldgebiet heimisch? Das wird er nicht. Verschiedene Untersuchungen und Modelle zeigen, dass es immer Gegenden geben werde, in denen Wölfe nicht dauerhaft leben können. Vorhanden sein müssten genügend Wild, Rückzugsräume und weitläufigere Gebiete. Ansonsten sind es Durchzügler.

Ich möchte den Wolf nicht in den Himmel heben, aber die zwei Seiten einer Medaille betrachtet wissen. Nicht mit Hass und Vorurteilen. Es macht Sinn, abzuwägen, was gut und richtig, aber auch notwendig ist, wenn sich eine Entnahme erforderlich machen sollte.
Kurt Frank
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Kommentare

05.06.2020, 18.21 Uhr
Bodo Schwarzberg | Wolf: guter Beitrag von Kurt Frank
Der Wolf wird immer für Konflikte sorgen. Das ist vorprogrammiert. Fakt aber ist, dass er ein typischer Vertreter unserer heimischen Fauna war und ist.

Es gibt, Kurt Frank schreibt es, gefühlt tatsächlich zu viel Wild in unseren Wäldern. Ich bin oft draußen unterwegs und es vergeht fast kein Tag ohne Begegnungen insbesondere mit Schwarz- und Rehwild.

Möglicherweise brauchen wir den Wolf noch, um die von Kurt Frank beschriebene, ökologisch fatale, u.a. mit klimawandelbedingte Zunahme des Wildes zu begrenzen. In diesem Sinne könnten Jäger und Wölfe Partner werden.

Der Staat aber muss dafür Sorge tragen, dass durch Wölfe angerichtete Schäden ausgeglichen werden.
Da Wölfe zudem gut nach "Versuch und Irrtum" lernen, besteht auch zunehmend die Gefahr, dass sie sich an den Riss von Schafen gewöhnen. Solch spezialisierte Tiere könnten und sollten nach genauer Prüfung zum Abschuss freigegeben werden.

Der Wolf kann und muss lernen, wo er nichts zu suchen hat. Dazu aber braucht er den Menschen, der ihm dies lehrt. Im Wald beispielsweise angetroffene Jungtiere gehören weggejagt und nicht gefüttert oder getätschelt, wovon man leider schon lesen musste. Denn solche Jungtiere lernen so, dass sie sich dem Menschen und seiner Infrastruktur ohne Furcht nähern dürfen. Sie könnten später gefährlich werden.

Der Wolf ist ein Wild- und kein Plüschtier. Der Mensch hat es ganz wesentlich in der Hand, unter Berücksichtigung der Tierpsychologie, Schaden von sich abzuwenden.

Die Gefahr, die vom Wolf ausgeht und die Schäden, die er u.U. anrichtet, stehen aber in keinem Verhältnis zu von Hunden oder auch Schwarzwild erzeugten Verletzten oder gar Toten. Oder zu denen im Straßenverehr, die von uns fast als beiläufige Zeitungsmeldungen akzeptiert werden.

In Europa wurde seit langem kein Mensch von einem Wolf angegriffen.
Hierzu gibt es genaue Statistiken.

Ja. Kurt Frank hat auch in dem Punkt recht, dass es ja der Mensch ist, der für unglaublich viele Tote Artgenossen verantwortlich ist. Wenn ich mir beispielsweise die deutsche, US-amerikanische und europäische Russlandpolitik seit dem Jahre 2000 anschaue, dann dürfte vielen Menschen nachdenklicher zumute werden, als beim Gedanken an den Wolf.

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05.06.2020, 21.16 Uhr
Berserkertom63 | Wolf komm
Naturgemäß gehört er zu uns, nur alle Tierhalter der entsprechenden Sparte mögen die Natur und ihre natürlichen Gesetze nicht! Sichert eure Anlagen entsprechend und Friede ist...

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05.06.2020, 21.53 Uhr
HUKL | Das Das hungrige Wolfsrudel - und ein etwas komische Jägerlatein..
Man kommt regelrecht in`s Grübeln, wenn man die Zeilen des Autors, Kurt Frank oder seines ersten Kommentators, Bodo Schwarzberg, der gar mit politischen Hinweisen glänzen wollte, liest. Warum? Gerade schaute ich mir im heutigen „Thüringen-Journal“ den Beitrag über einen ängstlichen Schäfer an, der die neu entstandene Wolfsfamilie zusammen mit seiner riesigen Schafherde und den beiden treuen Hunden bei den „Durchzügen“ durch sein Revier lediglich beobachten wollte! Da die streunenden Wölfe nur etwas Hunger haben, rechnet dieser auf Wanderschaft befindliche Schäfer stark damit, dass sich demnächst vermutlich auch einige seiner Schäfchen ungewollt als Nahrungsmittellieferanten zur Verfügung stellen!

Demnach haben es in der Vergangenheit seine vielen aufgebenden Berufskollegen einfach nicht verstanden, dass das scheinbare Ungetüm, nämlich der Wolf, doch nicht die nahezu hilflosen Wolltiere töten, sondern hier und da nur etwas Hunger haben, um weiterhin einfach leben zu können.....

Bei mir liegt die Vermutung nahe, dass der hohe edigene Tierverlust der Jäger - Familie Findeisen nur deshalb eintrat, weil bei den jeweiligen Angriffen der Wölfe entweder die eigene Flinte Ladehemmungen hatte oder ihre Ausbildung zur „bewaffneten Waldpolizei“ noch nicht abgeschlossen war! Als normal denkender Mensch leuchtet mir einfach nicht ein, warum diese beiden jagenden familiären Tierfreunde mit der stets geschulterten Flinte sich überhaupt entschlossen, sechs Schafe anzuschaffen!

Man kann doch im Vergleich zum Privatleben auch einer gefährlichen Diebesbande nicht ohne Weiteres gefällig Tür und Tor öffnen, nur weil diese minderbemittelt ist und sich auf diese relativ einfache Art lediglich nur etwas bereichern will.....

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06.06.2020, 07.42 Uhr
1234567 | Für den Wolf. ..
...gibt es leider in vielen Regionen in Deutschland und anderswo wegen der Bevölkerungsdichte und Industrialisierung keinen Platz. Meines Erachtens wäre der Wolf gar nicht da, wenn nicht die Menschen hier eingegriffen hätten. Es werden schon masssenweise Füchse abgeschossen, wenn sie in einem Dorf gesichtet werden. Wenn der Mensch sich nicht überall einmischen würde, hätte die Natur freien Lauf und regelte das alles selbst.

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06.06.2020, 17.48 Uhr
mussmalsagen | , dass ich eine ergänzende Frage habe.
Ich bin weder für noch gegen den Wolf, habe leider keine Ahnung von Vor- und Nachteilen.
Ich verstehe nur das Argument nicht, dass er hilfreich gegen zu viel Schwarz- und Rotwild ist. Warum werden denn nicht mehr Wildtiere für unsere eigene Ernährung geschossen? Das ist doch in vielen Bedingungen besser als die Massentierzuchtprodukte. Ist das denn so viel teurer als aufwändig produziertes Ökofleisch?

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