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Di, 19:02 Uhr
19.05.2020
Die aktuelle Lage

Dritter Todesfall bestätigt

Wie das Landratsamt heute mitteilen musste, hat es im Landkreis einen dritten Todesfall in Zusammenhang mit dem Corona-Virus gegeben. In der Gesamtschau sieht das Amt die Entwicklung in der Region aber positiv…

Corona-Pressegespräch im Landratsamt (Foto: agl) Corona-Pressegespräch im Landratsamt (Foto: agl)

Im Landkreis Nordhausen hat es einen dritten Todesfall in Zusammenhang mit dem Corona-Virus gegeben. Der Mitte 60-jährige verstarb heute nach mehrwöchigem Krankenhausaufenthalt ohne im Vorfeld an relevanten Vorerkrankungen gelitten zu haben.

Zum Zeitpunkt des allwöchentlichen Pressegespräches hatte man diese traurige Nachricht noch nicht erhalten und entsprechend positiv fiel auch die Gesamtbilanz zur aktuellen Lage im Landkreis aus. Die sei „erfreulich entspannt“, sagte Landrat Matthias Jendricke. Der Verdachtsfall, den man in der vergangenen Woche in der Gemeinschaftsunterkunft Sülzhayn nachgehen musste, hat sich bisher nicht bestätigt. Der jungen Frau gehe es ein wenig besser, sie wird aber weiterhin auf der Intensivstation des Südharz-Klinikums behandelt. Aufgrund des Symptomlage ging man von einer möglichen Infektion mit dem Corona-Virus aus und leitete in der Unterkunft entsprechende Maßnahmen ein. Eine erste Testfolge verlief negativ, die zweite Testreihe wurde heute durchgeführt, Ergebnisse werden für morgen erwartet. Sollten auch diese negativ ausfallen, werde man die Quarantäne-Maßnahmen in der GU wieder aufheben können, so Jendricke.

Der Blick auf die aktuelle Lage:
  • Im Landkreis wurden bisher 60 Infektionsfälle bekannt
  • 12 Personen sind noch in Behandlung, einige davon bereits seit mehreren Wochen
  • 3 Personen sind in Zusammenhang mit dem Virus ums Leben gekommen
  • 45 Personen gelten als Genesen
  • 18 Personen befinden sich zur Zeit noch in Absonderung
  • Die Kassenärztliche Vereinigung hat bisher 728 Abstriche durchgeführt, das Gesundheitsamt liegt bei 238 Tests

Die Schlagzahl der Tests liege inzwischen niedriger da mit der wärmeren Witterung auch die Erkrankungen mit Erkältungssymptomen und damit die möglichen Corona-Verdachtsfälle zurückgehen. Das bedeute aber nicht, das man im Gesundheitsamt nichts zu tun habe, unterstrich der Landrat, die Nachverfolgung von Kontakten aus anderen Bundesländern, etwa bei Familienbesuch von außerhalb, nehme weiterhin viel Zeit in Anspruch.

Jendricke würde Schulen und Kindergärten voll öffnen

In Thüringen bereiten sich die Kindergärten auf den Start des „eingeschränkten Regelbetriebs“ vor. Dazu sind bestimmte Bedingungen zu erfüllen, die je nach Einrichtung und Personallage, sehr unterschiedlich ausfallen können. Der Landkreis ist hier vor allem beratend tätig, die Umsetzung der Vorgaben liegt im KITA-Bereich bei den Einrichtungen und den Kommunen. Die Anrufe besorgter Eltern machten im Moment rund „70% des Tagesgeschäftes“ aus, erklärte der erste Beigeordnete, Stefan Nüßle, dem Landratsamt seien jedoch in der Regel die Hände gebunden. „Wir können das nur sehr begrenzt begleiten und keinerlei Entscheidungen treffen oder jemanden dazu überreden diese oder jene Entscheidung zu treffen“, sagte Nüßle, bei Fragen und Problemen sollten sich Eltern deswegen primär an die zuständigen Gemeinden oder an die Einrichtungen selbst wenden.

Im Schulbereich hat die Prüfungsphase der Gymnasien begonnen, die Abschlussklassen der Regel- und Hauptschulen werden demnächst folgen. Im Zuge der Lockerungen wurden auch die Schuleingangsuntersuchungen wieder aufgenommen. Das Gesundheitsamt informiert Eltern postalisch über die Termine und lädt ein. Man sei bemüht, alle Untersuchungen bis zum Ende der verlängerten Frist im Juni durchzuführen, wer also noch keine Post erhalten habe, solle geduldig bleiben, bat Nüßle. Kann ein Termin nicht wahrgenommen werden, könnten mit dem Gesundheitsamt auch Verschiebungen besprochen werden.

Mit der teilweisen Wiedereröffnung der Bildungseinrichtungen ist die Normalität noch lange nicht zurückgekehrt und weiterhin herrscht an vielen Stellen Verunsicherung. So war bis zuletzt nicht klar, ob mit der Wiedereröffnung der KITA’s die Kriterien für die Notbetreuung aus Kapazitätsmangel fallen würden, was für manche Familien zu ernsthaften Schwierigkeiten führen würde. Aus Gesprächen mit den Bürgermeistern wisse er, dass in der Regel versucht werde, auf die Notbetreuungskriterien Rücksicht zu nehmen und hier Vorrang zu gewähren, sagte Jendricke. Angesichts des niedrigen Infektionsrisikos im Landkreis sei regional aber eigentlich der „sächsische Weg“ der Richtige. Ein „üblicher Regelbetrieb“ sei im Landkreis Nordhausen seiner Ansicht nach „absolut vertretbar“ und er appelliere an das Land, regional wieder mehr Unterschiede zuzulassen. „Wenn es die Infektlage nicht hergibt, dann ist die Lage wie sie sich im Moment darstellt, nicht durchzuhalten. Eine gewissen Gefahr müssen wir hinnehmen, aber im Moment sehen wir das nicht als großes Risiko“.

Wir werden uns nicht beirren lassen

Eine komplette Rückkehr zur Normalität wird es aber laut Jendricke dennoch erst dann geben können, wenn ein Impfstoff zur Verfügung steht. „Mund-Nasen-Schutz, Abstand halten und Tests - das sind die Mittel die wir haben. Die „Hygienedemos“, die das Landratsamt am vergangenen Wochenende auch in Nordhausen wieder begleitete, produzierten vor allem erst einmal Bilder, würden aber nur von wenigen Personen getragen. „Was man da erleben muss, das halte ich zum Teil für Uneinsichtig“, sagte der Landrat, wer die Lage so diskutieren wolle, als würde es keine Gefahr geben, der müsse den Blick nur auf Italien, Spanien oder Frankreich richten. In Deutschland habe man nur einen Bruchteil der Maßnahmen durchlebt, die in anderen Ländern durchgeführt wurden. „Meine Schwester wohnt eigentlich in London. Die ist mit ihrer Familie aufs Land geflohen weil in London die Krankenhäuser überfüllt sind. Das sind Dinge, die wir zum Glück nicht erleben mussten.“, erzählt Jendricke. Die vergleichsweise glimpfliche Entwicklung in Deutschland und dem Landkreis Nordhausen sieht er auch in der Einführung des Mund-Nasen-Schutzes begründet. Eine Woche nach der Pflichtvorgabe seien sowohl in Jena wie auch in Nordhausen die Fallzahlen deutlich zurückgegangen, und in Deutschland sänken die Zahlen, weil der Großteil der Bevölkerung sich an die Vorgaben halte.

Von Protestaktionen würden sich das Landratsamt „nicht beirren lassen“, man werde „weiter konsequent handeln“.

Was geht, was nicht, was kommt vielleicht?
Großveranstaltungen und sportliche Events mit Massenpublikum wird es bis auf weiteres nicht geben, die sportliche Ertüchtigung und das Training im Verein sollen aber bald wieder starten. Welche Turnhallen dafür in Frage kommen wird im Moment geprüft. Pauschale Regelungen könne es nicht geben, da jede Sportart andere Bedingungen mit sich bringe. Die Vereine sollten sich deswegen an die Vorgaben des Kreissportbundes halten und ihre eigenen Konzepte erarbeiten.

Private Feiern sind auch an Himmelfahrt noch verboten, es besteht weiterhin die Regelung, dass sich lediglich die Mitglieder von zwei Haushalten treffen dürfen, wobei die Anzahl der Personen nicht begrenzt ist. Eine Vatertagswanderung mit ausreichend Abstand sollte hingegen kein Problem sein.

Eine Öffnung der Freibäder kann man sich im Landratsamt durchaus vorstellen. Abhängig sei das von der Größe des Bades und der Toiletten- und Imbissituation. „Man wird da sicher eine Obergrenze einziehen müssen aber mit dem Einhalten der Abstandsgebote geht das sicherlich schon, das Gesundheitsamt sieht hier nicht das Hauptproblemfeld“, sagte Jendricke. Eine geordnete Öffnung der Bäder sei zudem einem illegalen Ansturm auf die Kiesteiche vorzuziehen.

Die Kontrollen der Ordnungsdienste konzentrieren sich im Moment auf die Hygienekonzepte, erklärte die zweite Beigeordnete, Hannelore Haase. Zur Zeit hätten die Kontrollen noch vornehmlich „beratenden Charakter“, da weiterhin viele Unsicherheiten bestünden. Seit Beginn der Kontrollen registrierte man 63 Bußgeldrelevante Vorfälle, zu denen nun die Anhörungsschreiben verschickt wurden.

Schnelle Hilfe für die Kommunen

In seinen Ausführungen ging der Landrat auch noch einmal auf die finanzielle Situation der Kommunen ein. Es werde einen deutlich höheren „Aufschlag“ brauchen als die vom Land im Moment avisierten 185 Millionen Euro. Der Städte- und Gemeindebund sieht eher einen Bedarf von 500 Millionen, die kreisfreien Städte sogar einen Bedarf von 900 Millionen Euro. Letztere Zahl sei faktisch nicht zu erklären, meint Jendricke und liegt eher auf der Linie des Gemeinde- und Städtebundes. Statt einer pauschalen Ausschüttung der Gelder sollte der Freistaat den Landkreisen die Möglichkeit geben, die Steuerausfälle der Kommunen konkret abzufragen, die Ausfälle zeitnah auszugleichen und die konkreten Summen in der Abrechnung mit dem Land später „glatt zu ziehen“. Es dürfe nicht sein, dass Kommunen aus Haushaltsnotlagen heraus ihre Investitionen zurückziehen. Die Höhe der Soziallasten lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehen, erst Ende des Jahres soll hier mehr Klarheit herrschen.
Angelo Glashagel
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