Di, 19:00 Uhr
17.03.2020
Informationen zur aktuellen Lage im Landkreis
Bisher keine neuen Infektionen
Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr im Landkreis aktuell? Wie geht es den zwei Corona-Patienten? Wie entwickeln sich die Kapazitäten in den Krankenhäusern? Wie wird die Verwaltung funktionieren? Das Nordhäuser Landratsamt informierte heute zu einer ganzen Reihe aktueller Fragen rund um das Corona-Virus...
Zu allererst: die beiden Personen, die sich im Landkreis Nordhausen mit dem CoVid-19 Virus infiziert haben, sind gesundheitlich stabil und befinden sich weiterhin in Quarantäne. Das erklärte heute Amtsärztin Ingrid Francke. Beide hatten sich im Urlaub mit dem Virus angesteckt und sich nach ihrer Rückkehr selbstständig bei den Behörden gemeldet.
Das Abstrichzentrum, das in der vergangenen Woche in der Wiedigsburgklause eingerichtet wurde, arbeitet. Man habe seitdem rund 100 Tests durchgeführt, erklärte Francke, zur Hälfte der Abstriche liegen bereits Ergebnisse vor, die bis dato alle negativ ausgefallen sind. Die Zahl der Tests werde in den kommenden Woche zunehmen, so die Einschätzung der Amtsärztin, das Gesundheitsamt führt dort wo es fachlich gegeben ist zusätzlich eigene Tests durch. Francke weist noch einmal in aller Deutlichkeit daraufhin das eine Untersuchung nur auf Anweisung des Hausarztes angeordnet werden kann. Wer glaubt sich infiziert zu haben soll sich telefonisch an seinen behandelnden Hausarzt oder an die Kassenärztliche Vereinigung unter 116117 wenden.
Damit ist die Obergrenze der Kapazitäten im Landkreis zunächst erreicht. Weitere Beatmungstechnik ist auf dem Markt im Moment nicht verfügbar, hinzu kommt das es neben der technischen Ausstattung auch qualifiziertes Personal braucht, um intensivmedizinische Betreuung sicher zu stellen.
Diese Crux erklärt auch die Härte der Verordnungen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens. Würden die Fallzahlen rasant ansteigen, wären die vorhandenen Kapazitäten schnell erschöpft und die fachgerechte Versorgung aller intensivmedizinischen Fälle, also auch die der alltäglichen abseits des Virus, könnte in Arge Bedrängnis geraten. Sollten wir ein exponentielles Wachstum der Infizierungen im Landkreis erleben, würden die Kapazitäten auf keinen Fall ausreichen, unterstreicht der Landrat.
Um eine Überlastung zu verhindern wird versucht die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Wir müssen davon ausgehen, dass es einen Anteil an Infizierten gibt, die nicht wissen das sie erkrankt sind weil sie wenige bis keine Symptome zeigen. Das sind die Überträger, die den Virus in die Bevölkerung tragen und das ausschlaggebende Problem, das zu den Verfügungen führt. Das lahmlegen des öffentlichen Lebens dient dazu die Kurve an neu Infizierten flach zu halten und das Gesundheitsystem zu entlasten. Ob das funktioniert hat, werden wir in zwei Wochen sehen, sagt Amtsärztin Francke. Priorität hat die Funktionalität des Systems der ambulanten Praxen, Apotheken, Pflegedienste, Krankenhäuser und Pflegeheime.
Um eine Verbreitung des Virus zu vermeiden sei deswegen Abstand das Gebot der Stunde. Soziale Kontakte sollen nach Möglichkeit eingeschränkt werden.
Es sei aber nicht auszuschließen dass sich die Lage von Tag zu Tag ändert und man mit einer Situation konfrontiert wird, wie sie gerade im Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westphalen herrscht. Man muss keine Angst haben aber wir müssen die Maßnahmen mit vollem Ernst umsetzen, so Jendricke weiter, wir dürfen nicht in Panik verfallen, aber wir können der Situation auch nicht mit Gelassenheit begegnen. Jeder muss jetzt verantwortungsvoll handeln.
Das Landratsamt wird die Vorgaben des Landes in einigen Punkten ergänzen. So werden im Einzelhandel alle Geschäfte geschlossen, die nicht unabdingbar sind, dafür aber das Öffnungsverbot am Sonntag aufgehoben. Gaststätten können unter bestimmten Bedingungen weiterhin geöffnet bleiben. Zusammenkünfte auch unter 50 Personen werden generell verboten. Ausnahmen gelten für Bestattungen, die nur unter Personenbeschränkung, unter Einhaltung der Abstandsregeln und im Freien möglich sind. Eheschließungen sind ebenfalls weiterhin erlaubt, mehr als zehn Personen sind hier aber nicht zulässig. Auch vor dem Traualtar sind die Abstandsregelungen einzuhalten, was allerdings nicht für das Brautpaar gilt.
Für die Notbetreuung von Kindern gilt zusätzlich eine tägliche, gruppenbezogene Protokollierungspflicht um die Nachvollziehbarkeit von Kontakten zu gewährleisten. Gruppenstrukturen müssen zudem beibehalten werden, auch beim spielen auf dem Außengelände.
Gibt es bis dahin keine weiteren Vorgaben des Landes, wird der Kreistag kommende Woche Dienstag in der Wiedigsburg stattfinden. Die Turnhalle biete ausreichend Raum, die Kreistagsmitglieder mit Abstand voneinander zusammenzubringen, erklärte Jendricke, es sei jedoch nachvollziehbar wenn vor allem ältere Kreistagsmitglieder der nächsten Sitzung entschuldigt fernblieben. Man werde den Kreistag zeitlich eng fassen und sich auf die Beschlussfassungen konzentrieren. Eine rechtliche Handhabe die Sache anders zu gestalten gebe es nicht, man sei auf die gesetzlichen Vorgaben angewiesen.
Das Landratsamt biete zudem die Möglichkeit, viele Termine online zu regeln. Zusätzlich baue man ein Hotline-System für alle Bereiche auf. Wer ein Anliegen hat, soll sich zunächst telefonisch mit der jeweiligen Behörde in Verbindung setzen um zu klären ob der Gang zum Amt wirklich nötig wird. Lässt sich der nicht verhindern, könnte auf dem Hof des Landratsamtes ein überdachtes Zelt aufgebaut werden, das den Kundenkontakt auch im Außenbereich ermöglicht. Wann und ob dieses Vorhaben umgesetzt werden wird steht noch nicht fest. Das soll alles geordnet beginnen, wir haben hier in unserer Region die Zeit dafür. Wir werden die Menschen nicht alleine lassen, das gilt für alle Behörden.
Um die Rettungskräfte zu schützen, wird der allgemeine Lagestab nicht wie sonst üblich in der Leitstelle eingerichtet, sondern im Landratsamt. Das ist der Stand jetzt. Sehr viel schärfere Maßnahmen sind kaum noch möglich, von Ausgangssperren einmal abgesehen, aber dazu gibt es bisher keinerlei Signale., sagte Jendricke.
Jeder Bürger kann sich tagesaktuell auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts zur aktuellen Lage informieren. Die Auflistungen seien übersichtlich und sollten als Indikator für etwaige Reiseplanungen dienen, sagte Amtsärztin Francke, grundsätzlich sollte man nach Möglichkeit aber von Reisen, auch innerhalb Deutschlands, absehen.
Die aktualisierte Verfügung wird der Landkreis im Detail zeitnah veröffentlichen.
Angelo Glashagel
Update: Die aktualisierte Allgemeinverfügung findet sich hier .
Autor: redZu allererst: die beiden Personen, die sich im Landkreis Nordhausen mit dem CoVid-19 Virus infiziert haben, sind gesundheitlich stabil und befinden sich weiterhin in Quarantäne. Das erklärte heute Amtsärztin Ingrid Francke. Beide hatten sich im Urlaub mit dem Virus angesteckt und sich nach ihrer Rückkehr selbstständig bei den Behörden gemeldet.
Das Abstrichzentrum, das in der vergangenen Woche in der Wiedigsburgklause eingerichtet wurde, arbeitet. Man habe seitdem rund 100 Tests durchgeführt, erklärte Francke, zur Hälfte der Abstriche liegen bereits Ergebnisse vor, die bis dato alle negativ ausgefallen sind. Die Zahl der Tests werde in den kommenden Woche zunehmen, so die Einschätzung der Amtsärztin, das Gesundheitsamt führt dort wo es fachlich gegeben ist zusätzlich eigene Tests durch. Francke weist noch einmal in aller Deutlichkeit daraufhin das eine Untersuchung nur auf Anweisung des Hausarztes angeordnet werden kann. Wer glaubt sich infiziert zu haben soll sich telefonisch an seinen behandelnden Hausarzt oder an die Kassenärztliche Vereinigung unter 116117 wenden.
Intensivmedizinische Kapazitäten wurden aufgestockt
Die Kapazitäten für die intensivmedizinische Behandlung von Patienten wurde im Landkreis nach den aktuellen Möglichkeiten hochgefahren. Standen bisher lediglich 28 Betten mit Beatmungsgeräten zur Verfügung, konnte man diese Zahl jetzt nahezu verdoppeln, erklärte Landrat Matthias Jendricke. Die Erhöhung ergibt sich vor allem dadurch, dass nun auch die Kapazitäten der Lungenklinik Neustadt mit einbezogen werden und weitere Behandlungsmöglichkeiten in der Bleicheröder Helios-Klinik geschaffen wurden.Damit ist die Obergrenze der Kapazitäten im Landkreis zunächst erreicht. Weitere Beatmungstechnik ist auf dem Markt im Moment nicht verfügbar, hinzu kommt das es neben der technischen Ausstattung auch qualifiziertes Personal braucht, um intensivmedizinische Betreuung sicher zu stellen.
Diese Crux erklärt auch die Härte der Verordnungen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens. Würden die Fallzahlen rasant ansteigen, wären die vorhandenen Kapazitäten schnell erschöpft und die fachgerechte Versorgung aller intensivmedizinischen Fälle, also auch die der alltäglichen abseits des Virus, könnte in Arge Bedrängnis geraten. Sollten wir ein exponentielles Wachstum der Infizierungen im Landkreis erleben, würden die Kapazitäten auf keinen Fall ausreichen, unterstreicht der Landrat.
Um eine Überlastung zu verhindern wird versucht die Verbreitung des Virus zu verlangsamen. Wir müssen davon ausgehen, dass es einen Anteil an Infizierten gibt, die nicht wissen das sie erkrankt sind weil sie wenige bis keine Symptome zeigen. Das sind die Überträger, die den Virus in die Bevölkerung tragen und das ausschlaggebende Problem, das zu den Verfügungen führt. Das lahmlegen des öffentlichen Lebens dient dazu die Kurve an neu Infizierten flach zu halten und das Gesundheitsystem zu entlasten. Ob das funktioniert hat, werden wir in zwei Wochen sehen, sagt Amtsärztin Francke. Priorität hat die Funktionalität des Systems der ambulanten Praxen, Apotheken, Pflegedienste, Krankenhäuser und Pflegeheime.
Um eine Verbreitung des Virus zu vermeiden sei deswegen Abstand das Gebot der Stunde. Soziale Kontakte sollen nach Möglichkeit eingeschränkt werden.
Verantwortung statt Panik
Ich hätte mir als Landrat niemals vorstellen können solche drastischen Maßnahmen umsetzen zu müssen, sagte Jendricke. Die Ansteckungsgefahr im Landkreis bleibe zwar weiterhin gering, alle bisher bekannten Fälle im Südharz und den angrenzenden Regionen seien auf Fälle zurückzuführen, in denen Personen aus den Urlaubsregionen im Süden zurückkehrten.Es sei aber nicht auszuschließen dass sich die Lage von Tag zu Tag ändert und man mit einer Situation konfrontiert wird, wie sie gerade im Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westphalen herrscht. Man muss keine Angst haben aber wir müssen die Maßnahmen mit vollem Ernst umsetzen, so Jendricke weiter, wir dürfen nicht in Panik verfallen, aber wir können der Situation auch nicht mit Gelassenheit begegnen. Jeder muss jetzt verantwortungsvoll handeln.
Das Landratsamt wird die Vorgaben des Landes in einigen Punkten ergänzen. So werden im Einzelhandel alle Geschäfte geschlossen, die nicht unabdingbar sind, dafür aber das Öffnungsverbot am Sonntag aufgehoben. Gaststätten können unter bestimmten Bedingungen weiterhin geöffnet bleiben. Zusammenkünfte auch unter 50 Personen werden generell verboten. Ausnahmen gelten für Bestattungen, die nur unter Personenbeschränkung, unter Einhaltung der Abstandsregeln und im Freien möglich sind. Eheschließungen sind ebenfalls weiterhin erlaubt, mehr als zehn Personen sind hier aber nicht zulässig. Auch vor dem Traualtar sind die Abstandsregelungen einzuhalten, was allerdings nicht für das Brautpaar gilt.
Für die Notbetreuung von Kindern gilt zusätzlich eine tägliche, gruppenbezogene Protokollierungspflicht um die Nachvollziehbarkeit von Kontakten zu gewährleisten. Gruppenstrukturen müssen zudem beibehalten werden, auch beim spielen auf dem Außengelände.
Nächster Kreistag in der Wiedigsburg?
Das Verbot gilt außerdem nicht für unternehmensinterne Abläufe. Wie diese hausintern geregelt werden, bleibt den Firmen überlassen. Aber auch hier sollte unbedingt auf die Abstandsregelungen geachtet werden. Unabdingbare Sitzungen öffentlicher Gremien wie Gemeinde-, Stadtrat und Kreistag, die aus gesetzlichen Gründen notwendig sind, bleiben ebenfalls erlaubt, müssen aber im Vorfeld beim Landratsamt angemeldet werden.Gibt es bis dahin keine weiteren Vorgaben des Landes, wird der Kreistag kommende Woche Dienstag in der Wiedigsburg stattfinden. Die Turnhalle biete ausreichend Raum, die Kreistagsmitglieder mit Abstand voneinander zusammenzubringen, erklärte Jendricke, es sei jedoch nachvollziehbar wenn vor allem ältere Kreistagsmitglieder der nächsten Sitzung entschuldigt fernblieben. Man werde den Kreistag zeitlich eng fassen und sich auf die Beschlussfassungen konzentrieren. Eine rechtliche Handhabe die Sache anders zu gestalten gebe es nicht, man sei auf die gesetzlichen Vorgaben angewiesen.
Wir werden die Menschen nicht allein lassen
Das Verwaltungshandeln soll auch Abseits der politischen Entscheidungsfindung nicht gänzlich still stehen. Wir werden hier nicht abschließen und uns als Behörde raus nehmen, das staatliche Verwaltungshandeln muss aufrecht erhalten werden, sagte Jendricke. In der aktuellen Lage sei der Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Landkreises unter Einhaltung der Regeln zumutbar. Allerdings wird man die Öffnungszeiten des Landratsamtes einschränken. Am Montag und Freitag bleibt das Amt geschlossen, die Öffnungszeiten am Dienstag und Donnerstag werden beibehalten. Der Bürgerservice wird am Samstag ebenfalls geschlossen.Das Landratsamt biete zudem die Möglichkeit, viele Termine online zu regeln. Zusätzlich baue man ein Hotline-System für alle Bereiche auf. Wer ein Anliegen hat, soll sich zunächst telefonisch mit der jeweiligen Behörde in Verbindung setzen um zu klären ob der Gang zum Amt wirklich nötig wird. Lässt sich der nicht verhindern, könnte auf dem Hof des Landratsamtes ein überdachtes Zelt aufgebaut werden, das den Kundenkontakt auch im Außenbereich ermöglicht. Wann und ob dieses Vorhaben umgesetzt werden wird steht noch nicht fest. Das soll alles geordnet beginnen, wir haben hier in unserer Region die Zeit dafür. Wir werden die Menschen nicht alleine lassen, das gilt für alle Behörden.
Polizei und Krisenstab
Für die Landespolizeiinspektion war Ronny Große vor Ort. Die Polizei nehme die Lage nach außen wie nach innen sehr ernst. Zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger wie auch der eigenen Beamten werde die Polizei den direkten Bürgerkontakt minimieren, in der Fläche dafür aber verstärkt Präsenz zeigen. Priorität habe auch hier die Handlungsfähigkeit der Einsatzkräfte.Um die Rettungskräfte zu schützen, wird der allgemeine Lagestab nicht wie sonst üblich in der Leitstelle eingerichtet, sondern im Landratsamt. Das ist der Stand jetzt. Sehr viel schärfere Maßnahmen sind kaum noch möglich, von Ausgangssperren einmal abgesehen, aber dazu gibt es bisher keinerlei Signale., sagte Jendricke.
Jeder Bürger kann sich tagesaktuell auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts zur aktuellen Lage informieren. Die Auflistungen seien übersichtlich und sollten als Indikator für etwaige Reiseplanungen dienen, sagte Amtsärztin Francke, grundsätzlich sollte man nach Möglichkeit aber von Reisen, auch innerhalb Deutschlands, absehen.
Die aktualisierte Verfügung wird der Landkreis im Detail zeitnah veröffentlichen.
Angelo Glashagel
Update: Die aktualisierte Allgemeinverfügung findet sich hier .


