Mi, 15:32 Uhr
25.05.2005
Gas-Netz-Werk
Gas-Netz-Werk (Foto: nnz)
Nordhausen (nnz). Bis vor wenigen Jahren nannte man es Beziehungen, die nur denen schaden, die keine haben. Seit einigen Monaten spricht man von Netzwerken, die geschaffen werden. Ein Netzwerk soll sich jetzt um Biogas kümmern.Biogas-Unternehmen aus Thüringen, Kärnten, West-Norwegen und Litauen zusammenführen – das ist das Ziel eines gemeinsamen Vorhabens von BIC Nordthüringen und ESK Entwicklungsgesellschaft Südharz-Kyffhäuser. Zusammen mit der EAK - Entwicklungsagentur Kärnten haben sie den Zuschlag für das EU-Projekt BIOC - Biogas Centre of Competence erhalten. Dieses Projekt soll es thüringischen mittelständischen Unternehmen, Agrarbetrieben und Planern aus der Biogas-Branche ermöglichen, geschäftliche Kontakte in das Ausland zu knüpfen.
Förderfähig sind vor allem Kontakte mit Partnern aus Kärnten, West-Norwegen und Litauen – so die Ziele des EU-Förderprogramms ENABLE. Unterstützung finden die Akteure bei der Fachhochschule Nordhausen, die auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien weit über die Grenzen Thüringens hinaus einen guten Ruf hat. Partner wird auch der TÜV Thüringen sein, der den Bereich Qualitätssicherung und Zertifizierungsverfahren betreut und damit Grundlagen für den Export von ingenieur- und anlagetechnischem Know-how z.B. nach Litauen legen soll. Das ENABLE-Programm wird europaweit von der LEG Thüringen betreut, die heute den Thüringer Partnern des Biogasprojekts den Förderbescheid überreicht hat.
Helmut Nüchter vom BIC und Rainer Berndt von der ESK sind sich einig: Biogas spielt in Thüringen eine zunehmend große Rolle. Vor allem in Nordthüringen, etwa in den Landkreisen Eichsfeld, Nordhausen und Kyffhäuserkreis, sind bereits viele profitable Anlagen zur Gewinnung von Energie mit Hilfe von Biogas in Betrieb. Nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt gibt es in Thüringen mehr als 40 Biogasanlagen. Mindestens 50 weitere werden derzeit geplant oder gebaut. Würde die gesamte anfallende Tiergülle genutzt, könnten es bis zu 150 Anlagen sein. Bundesweit stieg die Zahl der Biogasanlagen von 1990 bis heute um das Fünfundzwanzigfache auf 2500 Anlagen. Ende 2006 werden es 4000 sein.
Ein Grund für den Boom ist die sehr gute Förderung. Viele der Anlagen produzieren neben Strom auch Wärme. Dazu sind Blockheizkraftwerke nötig, die vom Thüringer Wirtschaftsministerium mit einer Investitionszulage gefördert werden können. Die Förderung übernimmt überwiegend der Bund. Mit dem novellierten Erneuerbare-Energie-Gesetz vom August 2004 gibt es für jede eingespeiste Kilowattstunde Strom 8,4 bis 11,5 Cent. Werden in der Anlage neben Gülle auch nachwachsende Rohstoffe wie Mais oder Getreide verwertet, erhöht sich die Vergütung um vier bis sechs Cent. Damit eröffnet sich vor allem für Landwirte ein weiteres Betätigungsfeld. Die durch ständig fallende Erzeugerpreise für Getreide oder Fleisch wirtschaftlich bedrängten Bauern könnten sich so ein zweites Standbein aufbauen. Nach einer Studie der Prognos AG könnten 2020 in Deutschland knapp 28000 Menschen in der Bio-, Deponie- und Klärgasbranche direkt und indirekt Arbeit finden.
Das BIC Nordthüringen steht technologisch orientierten Unternehmen aus der Region mit Rat und Tat und vor allem mit Labor-, Technik- und Büroräumen zur Verfügung. Zudem finden im BIC seit vielen Jahren wirtschafts- und technologieorientierte Veranstaltungen statt.
Die ESK ist 1993 gegründet worden, um an der infrastrukturellen Entwicklung Nordthüringens mitzuwirken. Gesellschafter der ESK sind die LEG Thüringen, die BWT Beteiligungsgesellschaft (HELABA) sowie die Landkreise Eichsfeld, Nordhausen, Kyffhäuserkreis und Unstrut–Hainich.


