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Fr, 08:00 Uhr
21.02.2020
Sprengstoff-Fund auf Gedenkstättengelände Mittelbau-Dora

Abgeordnete fordert Aufklärung

Im Januar wurde im Eingangsbereich der Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein verdächtiges Paket gefunden. Prüfungen haben nun ergeben, dass es sich offenbar um tatsächlich zündfähiges Material handelt...


In Anbetracht dieses erschreckenden Befundes äußert sich die kulturpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE und Nordhäuser Abgeordnete Katja Mitteldorf:

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„Noch bleibt abzuwarten, ob es den Behörden möglich sein wird, Ermittlungsergebnisse zu möglichen Personen, dem Zeitpunkt des Ablegens oder den genauen Hintergründen zu ermitteln. Dennoch müssen wir feststellen, dass dies der erste Fund solch massiver Art auf einem Gedenkstättengelände ist. Dies schockiert mich zutiefst. Bereits die immer wieder stattfindenden Schändungen in Mittelbau-Dora, aber auch anderer Gedenkstätten sind ein deutliches Fanal für unsere Gesellschaft, dass unsere Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit gegenüber Antisemitismus und Rassismus als demokratischer Konsens verteidigt werden muss. Ein Sprengstoff-Fund an einem für Deutschland so wesentlichen Erinnerungsort ist eine weitere, beängstigende Steigerung, der wir hoffentlich gemeinsam mit Solidarität und Unterstützung begegnen.“

Katharina König-Preuss, Sprecherin für Antifaschismus und Antirassismus der Fraktion DIE LINKE, ergänzt: „Zahlreiche Schändungen von Gedenkstätten, antisemitische Übergriffe, rassistische und rechtsterroristische Anschläge und Morde müssen für die Gesellschaft höchstes Alarmzeichen sein. Jegliche antisemitische und rassistische Sprache bereitet den Boden für derartige Taten. Wir können nicht zulassen, dass Mitglieder unserer Gesellschaft sich diesem rechten Terror schutzlos ausgeliefert sehen. Es ist an uns, deutlich vernehmbar und ohne Kompromisse jedem antisemitischen und rassistischen Gedankengut Einhalt zu gebieten.“

Beide Abgeordnete weisen eindringlich darauf hin, dass die Empfehlungen und Forderungen des im Thüringer Landtag 2018 gefassten Beschlusses „Antisemitismus in Thüringen konsequent bekämpfen“ umgesetzt werden müssen.

Update: 21. Februar, 8 Uhr
Am Wochenende des 18./19. Januar 2020 ist unter freiem Himmel im Eingangsbereich zum Gelände der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein verdächtiges Päckchen gefunden und der Polizei angezeigt worden (Eine Nordhäuser Zeitung berichtete am 20. Januar 2020).

Seitdem laufen Ermittlungen von Polizei und Staatsschutz. Erste Untersuchungen legten den Verdacht nahe, es könne sich um zündunfähigen alten Industriesprengstoff handeln. An die Gedenkstätte grenzt ein heute stillgelegter Tagebau zur Gewinnung von Anhydrit an. Infolge kriminaltechnischer Untersuchungen steht nun fest, dass es sich bei dem Fund um einen zündfähigen Sprengkörper mit ernst zu nehmender Wirkung handelt. Weitere Untersuchungen und Ermittlungen der Sicherheitsbehörden laufen.

Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora hat jeweils umgehend alle ihr von der Polizei gegebenen Informationen an den Wachschutz sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeben und die Wachsamkeit verstärkt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind angesichts der Bedeutung der Gedenkstätten und vor dem Hintergrund potentieller rechtsextremer Übergriffe ohnehin für auffällige Gegebenheiten und Gegenstände sensibilisiert und werden regelmäßig entsprechend fortgebildet.

Für eine abschließende Beurteilung ist die Stiftung auf die definitiven Ermittlungsergebnisse der Polizei angewiesen.
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Kommentare

21.02.2020, 07.12 Uhr
Leser X | Gesiebte Informationen?
Schon interessant, wie die Polizei hier offensichtlich mauert und ihrer Informationspflicht nicht nachkommt. Aber das hat dann sicher "ermittlungstaktische" Gründe...

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