Do, 13:33 Uhr
06.02.2020
EINE THESE, DIE FÜR VIELE NICHT AUFGEHT:
Wir brauchen mehr Jäger, um mehr Wild zu schießen?
In der Jägerschaft wird landauf landab diskutiert, wie es mit der Jagd in nächster zeit weitergehen soll. nnz-Autor Kurt Frank hat sich im Landkreis umgehört und kommt zu einem klaren Ergebnis...
Das edle Jägerleben vergnüget meine Brust, dem Wilde nachzustreben, ist meine höchste Lust. Wir laden unsere Büchsen mit Pulver und mit Blei; wir führen das beste Leben, im Walde sind wir frei.
Was vor 300 Jahren der schlesische Dichter Gottfried Benjamin Hancke niederschrieb, erlebt gegenwärtig, was die Jägerei betrifft, einen regelrechten Boom. In einer Zeitung war zu lesen: Mit 19000 Anwärtern, die im Vorjahr zur staatlichen Jagdprüfung antraten, verzeichnete Deutschland eine Steigerung um 96 Prozent innerhalb von zehn Jahren.
Gut sei das, meint Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV). Elisabeth Emmert vom Ökologischen Jagdverband (ÖVJ) pflichtet ihm bei. Auf den Nenner gebracht sind sie der Ansicht: Wir brauchen mehr Jäger, um mehr Wild schießen zu können, denn: Mehr Jäger, mehr Abschüsse, weniger Wild, mehr nachwachsender Wald. Diese Rechnung geht für viele Experten für Wildökologie, Jagd- und Forstwirtschaft nicht auf. Auch für Klaus Thiemrodt aus Ilfeld nicht, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Rotwild, der eine Jagdschule betreibt.
Man brauche nicht mehr Jäger für eine wissenschaftlich fundierte Jagd, wohl aber eine qualitativ hochwertig-sachkundige Ausbildung für Anwärter. Männer und Frauen, denen Wald, Wild, Naturschutz gleichwertig am Herzen liegen. Wie Sven Herzog, Professor für Wildökologie an der Technischen Universität Dresden, ist Thiemrodt vehement gegen so genannte Crashkurse, wie sie in einigen Bundesländern zu haben sind. Im Schnellverfahren können Leute den Jagdschein erhalten, die eigentlich kein Gefühl für das Ökosystem als Ganzes haben. Da gehe es oft um den schnellen Schuss und schnelle Beute.
Die Lehrgänge in Klaus Thiemrodts Jagdschule sind stets gut besucht. 15 bis 17 Bewerber jedes Jahr. Unter ihnen drei bis vier Frauen. Die Zahl relativiere sich, da die Teilnehmer auch von weither kämen: Unstrut-Heinich-Kreis, Sangerhausen, Sondershausen, Wernigerode.
Nils Neu von der Interessengemeinschaft Rotwild und selbst Weidmann sieht einerseits mit der wachsenden Jägerschaft mehr Interesse für ökologische Zusammenhänge, lehnt andererseits den Erwerb der Jagderlaubnis in Schnellkursen ab. Weder ermöglichten sie eine qualitative Ausbildung noch sei es das grüne Abitur. Schon gar nicht anfreunden kann sich der Chef des Unternehmens Tief- und Rohrleitungsbau und Vorstandsvorsitzender des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV) mit der These: Wir brauchen mehr Jäger, damit mehr geschossen werden kann. Die Wilddichte sei in den Revieren recht unterschiedlich. Es sei daher Unsinn, überall die Bestände radikal runter fahren zu wollen.
Von einem Boom im Jagdwesen des Landkreises kann Torsten Meißner, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, nicht sprechen. Zwar habe man keine Nachwuchssorgen, die Zahl der Mitglieder belaufe sich konstant auf um die 400. Im Wald finde man Ruhe, einen Ausgleich für den stressigen Alltag, Naturerlebnisse. Und Wildbret sei ein Genuss. In all dem sieht Meißner ein Interesse für die Jagd.
Nicht nachvollziehbar sei auch für ihn die These, man brauche immer mehr Jäger, um immer mehr Wild erlegen zu können. In den Schnellkursen zum Erwerb des Jagdscheins sieht der Vorsitzende außerdem keinen guten Dienst für das Image des Jägers. Hingegen lobt er die Jagdschule von Klaus Thiemrodt. Wer die absolviere, habe das grüne Abitur mit Sinn und Verstand erworben. Allerdings müsse man als Weidmann immer wieder hinzulernen.
Ein Argument für die Jagd mag für den Landwirt Uwe Merx aus Kehmstedt berufliches Interesse sein. Naturerlebnis und Entspannung für Dr. Klaus Hagen. Für Hartmuth Bauer aus Kleinfurra die Bemühungen um mehr Schutz für Vögel und Insekten, für deren Lebensraum und Nistmöglichkeiten er sich rastlos einsetzt.
Was aber stets bei allen Argumenten für die Jägerei außen vor bleibt, ist das Interesse an Waffen an sich. Darüber folgt noch ein gesonderter Beitrag.
Kurt Frank
Autor: redDas edle Jägerleben vergnüget meine Brust, dem Wilde nachzustreben, ist meine höchste Lust. Wir laden unsere Büchsen mit Pulver und mit Blei; wir führen das beste Leben, im Walde sind wir frei.
Was vor 300 Jahren der schlesische Dichter Gottfried Benjamin Hancke niederschrieb, erlebt gegenwärtig, was die Jägerei betrifft, einen regelrechten Boom. In einer Zeitung war zu lesen: Mit 19000 Anwärtern, die im Vorjahr zur staatlichen Jagdprüfung antraten, verzeichnete Deutschland eine Steigerung um 96 Prozent innerhalb von zehn Jahren.
Gut sei das, meint Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband (DJV). Elisabeth Emmert vom Ökologischen Jagdverband (ÖVJ) pflichtet ihm bei. Auf den Nenner gebracht sind sie der Ansicht: Wir brauchen mehr Jäger, um mehr Wild schießen zu können, denn: Mehr Jäger, mehr Abschüsse, weniger Wild, mehr nachwachsender Wald. Diese Rechnung geht für viele Experten für Wildökologie, Jagd- und Forstwirtschaft nicht auf. Auch für Klaus Thiemrodt aus Ilfeld nicht, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Rotwild, der eine Jagdschule betreibt.
Man brauche nicht mehr Jäger für eine wissenschaftlich fundierte Jagd, wohl aber eine qualitativ hochwertig-sachkundige Ausbildung für Anwärter. Männer und Frauen, denen Wald, Wild, Naturschutz gleichwertig am Herzen liegen. Wie Sven Herzog, Professor für Wildökologie an der Technischen Universität Dresden, ist Thiemrodt vehement gegen so genannte Crashkurse, wie sie in einigen Bundesländern zu haben sind. Im Schnellverfahren können Leute den Jagdschein erhalten, die eigentlich kein Gefühl für das Ökosystem als Ganzes haben. Da gehe es oft um den schnellen Schuss und schnelle Beute.
Die Lehrgänge in Klaus Thiemrodts Jagdschule sind stets gut besucht. 15 bis 17 Bewerber jedes Jahr. Unter ihnen drei bis vier Frauen. Die Zahl relativiere sich, da die Teilnehmer auch von weither kämen: Unstrut-Heinich-Kreis, Sangerhausen, Sondershausen, Wernigerode.
Nils Neu von der Interessengemeinschaft Rotwild und selbst Weidmann sieht einerseits mit der wachsenden Jägerschaft mehr Interesse für ökologische Zusammenhänge, lehnt andererseits den Erwerb der Jagderlaubnis in Schnellkursen ab. Weder ermöglichten sie eine qualitative Ausbildung noch sei es das grüne Abitur. Schon gar nicht anfreunden kann sich der Chef des Unternehmens Tief- und Rohrleitungsbau und Vorstandsvorsitzender des Nordthüringer Unternehmerverbandes (NUV) mit der These: Wir brauchen mehr Jäger, damit mehr geschossen werden kann. Die Wilddichte sei in den Revieren recht unterschiedlich. Es sei daher Unsinn, überall die Bestände radikal runter fahren zu wollen.
Von einem Boom im Jagdwesen des Landkreises kann Torsten Meißner, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, nicht sprechen. Zwar habe man keine Nachwuchssorgen, die Zahl der Mitglieder belaufe sich konstant auf um die 400. Im Wald finde man Ruhe, einen Ausgleich für den stressigen Alltag, Naturerlebnisse. Und Wildbret sei ein Genuss. In all dem sieht Meißner ein Interesse für die Jagd.
Nicht nachvollziehbar sei auch für ihn die These, man brauche immer mehr Jäger, um immer mehr Wild erlegen zu können. In den Schnellkursen zum Erwerb des Jagdscheins sieht der Vorsitzende außerdem keinen guten Dienst für das Image des Jägers. Hingegen lobt er die Jagdschule von Klaus Thiemrodt. Wer die absolviere, habe das grüne Abitur mit Sinn und Verstand erworben. Allerdings müsse man als Weidmann immer wieder hinzulernen.
Ein Argument für die Jagd mag für den Landwirt Uwe Merx aus Kehmstedt berufliches Interesse sein. Naturerlebnis und Entspannung für Dr. Klaus Hagen. Für Hartmuth Bauer aus Kleinfurra die Bemühungen um mehr Schutz für Vögel und Insekten, für deren Lebensraum und Nistmöglichkeiten er sich rastlos einsetzt.
Was aber stets bei allen Argumenten für die Jägerei außen vor bleibt, ist das Interesse an Waffen an sich. Darüber folgt noch ein gesonderter Beitrag.
Kurt Frank

