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Mi, 08:04 Uhr
08.01.2020
Stadt-SPD blickt zurück und voraus

Wir müssen kämpferischer werden

Zum Jahresbeginn gibt sich die Nordhäuser SPD kämpferisch. Man werde trotz einiger Rückschläge weiter an den Themen des letzten Wahlkampfs festhalten, erklärten die Genossen jetzt. Mit der Presse sprach man über die Wohnungs- und Bodenpolitik der Stadt, über Verkehr und Umwelt und die Situation im Stadtrat...

SPD Stadratsfraktion blickt ins neue Jahr (Foto: Angelo Glashagel) SPD Stadratsfraktion blickt ins neue Jahr (Foto: Angelo Glashagel)

Das Wahlprogramm des letzten Urnengangs trage er immer noch bei sich, um immer mal wieder reinzuschauen, sagt Hans-Georg Müller, Ortsvorsitzender der Nordhäuser Sozialdemokraten. An den Zielen, die man sich gesteckt hat, werde man im neuen Jahr festhalten, auch wenn man im Stadtrat in den Wochen und Monaten vor und nach der Wahl einige Rückschläge hinzunehmen hatte, erklärten die Fraktionsvorstände Müller, Wieninger und Rinke gestern.

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Den ersten Versuch hatte man noch vor der Kommunalwahl unternommen und sechs Anträge zu den Themen Wohnen, öffentlicher Personennahverkehr, Kinder- und Jugendarbeit sowie zu Kultur, Ordnung und Sicherheit eingebracht. Die Ergebnisse waren eher ernüchternd, die Kollegen Stadträte wollten kurz vor dem Wahlgang nicht so recht mitziehen. Fünf der sechs Anträge seien damals „weggewischt“ worden, sagte Müller, mit der Begründung das die Fraktion bei für den Haushalt relevanten Anträgen auch eigene Finanzierungsvorschläge einbringen müsse.

Man war verwundert, finanziell wirksame Anträge anderer Fraktionen seien trotzdem „durchgegangen“. Das damals nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, das wurde den Genossen später von der Kommunalaufsicht bestätigt, berichten die SPDler gestern, der entsprechende Passus sei inzwischen aus der Geschäftsordnung des Stadtrates gestrichen worden. Die kleine bürokratische Episode ist eher ein Nebenschauplatz, aber einer der das angespannte Verhältnis zwischen Rat und Verwaltung aufzeigt. „Dieser Stadtrat ist besonders“, sagt Müller, man gibt sich diplomatisch.

Diplomatisch aber auch kämpferisch. Man werde die Finger immer wieder in die Wunden legen, bei allen Themen, die man sich vorgenommen habe, unterstrichen die Genossen gestern. Beim Thema Spielplätze werde man sich auf Nordhausen Nord konzentrieren, hier soll ein großer Platz für alle relevanten Altersgruppen etabliert werden. Zudem will man weiterhin dafür sorgen, das der Verkehr mit Bus und Straßenbahn für Kinder bis elf Jahre kostenlos wird.

Einige Dinge seien inzwischen vom Tisch, wie der Vorschlag eine Art Außendienststelle der Polizei im Stadtinneren einzurichten. Das sei Ordnungsrecht und nicht Sache des Stadtrates sondern des Oberbürgermeisters, auch darüber habe man von Seiten der Kommunalaufsicht Klarheit erhalten.

"Wir müssen kämpferischer werden" - die SPD lud gestern zum politischen Jahresausblick (Foto: Angelo Glashagel) "Wir müssen kämpferischer werden" - die SPD lud gestern zum politischen Jahresausblick (Foto: Angelo Glashagel)

Die Bodenpolitik

An anderer Stelle habe man die eigenen Positionen der Sachlage angepasst, etwa beim sozialen Wohnungsbau. Im Wahlkampf hatte man hier eine Quote von 30 Prozent angestrebt, wenn die neue Wohnungen von kommunaler Seite gebaut werden. Das diese Forderung nicht den gewünschten Steuerungseffekt haben werde, das sei inzwischen von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft glaubhaft dargelegt worden, der Anteil sozialverträglicher Mieten sei im Bestand der SWG recht hoch, erläuterte Barbara Rinke. Dennoch müsse man sich ansehen, wie die Wohnungen über die Stadt verteilt seien. Eine weitere „Segregation“ der Mietverhältnisse wolle man verhindern. „Teure Wohnungen können Private bauen, die Stadt muss auch junge Menschen und sozial Benachteiligte im Blick haben und entsprechend neue Wohnprojekte entwickeln“, sagte Rinke.

Von dem Vorschlag neben dem Hauptfriedhof eine solche Entwicklung in Gang zu setzen, werde man denn auch nicht abweichen, auch wenn der im Stadtrat jüngst auf wenig Gegenliebe stieß. Das Areal um das es geht ist als Erweiterungsfläche für den Friedhof vorgesehen, die Größe der bis dato ungenutzten Fläche sei aber aus Sicht der SPD schlicht nicht nachvollziehbar, man werde deswegen auf eine Änderung des Bebauungsplanes hinarbeiten.

Überhaupt sei die „Bodenpolitik“ der Stadt in den letzten Jahren „sträflich vernachlässigt“ worden, sagte Rinke, seit 1997 habe es keine Grundstückskonzeption mehr gegeben. Man wolle von der Stadtverwaltung wissen, wie der Plan für die Zukunft aussieht. Welche Gebäude und Flächen sollen veräußert, welche gekauft werden und was gedenkt man dann zu tun? Wird es eine Alternative zum Thomas-Mann-Club als Vereinshaus geben? Was soll aus dem Lindenhof, dem Nordhaus und dem Waisenhaus werden?

Es knirscht zwischen Rat und Verwaltung

Heikle Fragen, auf die man bisher wenig befriedigende Antworten erhalten habe. Das gelte nicht nur für das Thema Wohnen. Die Stadtverwaltung teile den Stadträten vor allem das mit, was man ohnehin schon wisse, sagte Georg Müller. „Man hat inzwischen das Gefühl, das der Stadtrat eigentlich stört“, sagt der Ortsvorsitzende. So wurde der Ältestenrat seit der Wahl im Mai vergangenen Jahres nicht mehr einberufen, die Kommunikation zwischen Verwaltung und Fraktionen gehe kaum über bekannte Informationen etwa zu den Großprojekten Theater und Feuerwehr hinaus. Das fange schon bei banalen Dingen an, wie etwa der Tagesordnung des letzten Stadtratssitzung. Die sei so umfangreich wie selten zuvor ausgefallen, sagte Andreas Wieninger, obwohl hier der Haushalt zu behandeln war. Die nächste Sitzung wurde erst für den März angesetzt, ein zu langer Zeitraum, wie man bei der SPD findet. „Wenn sie heute einen Vorschlag einbringt, dann kann es sein das der erste Mitte des Jahres behandelt wird, da gehen gut sechs Monate ins Land und das ist nicht das, was man möchte.“, meinte Wieninger.

Aktuelles Beispiel: die Debatte um die Zukunft des IFA-Museums. Hier gibt es einen Fraktionsübergreifenden Antrage von SPD, Linke und CDU, das Museum finanziell, inhaltlich und personell zu unterstützten. Im letzten Stadtrat Mitte Dezember ging das Thema nahezu völlig unter weil der Antrag lediglich in erster Lesung behandelt wurde und dem Rat Angesichts der voluminösen Tagesordnung wohl auch nichts anderes übrig blieb als zügig weiter zu gehen.

Die nötigen Mittel stehen im Haushalt zur Verfügung, wird der freigegeben könnte die monetäre Unterstützung in Richtung IFA und Park Hohenrode fließen, 60.000 der rund 100.000 Euro würden dabei dem Museum zu Gute kommen, so der Vorschlag. Den Stadträten schwebt ein Kooperationsvertrag vor, wie er jüngst mit dem Geschichts- und Altertumsverein geschlossen wurde um die „Gelbe Reihe“ als stadthistorische Publikation zu erhalten. „Wir stehen dazu, die Linke ebenso und in der CDU ist man geteilter Meinung aber man sieht das man gemeinsam Mehrheiten finden kann“, sagte Georg Müller.

An anderer Stelle spürte man zuletzt deutlichen Gegenwind. Der SPD-Forderung das integrierte Klimakonzept zu aktualisieren waren die Kollegen Stadträte im Dezember nicht gefolgt, dabei seien von den 67 vorgesehen Punkten erst die Hälfte erfüllt, sagte Barbara Rinke gestern. In einer Zeit, in der die Stadt zunehmend verdichtet werden, müsse man sowohl die Gewässer wie auch das städtische Grün und die Waldflächen wieder in den Blick nehmen.

Zudem hätten es die Genossen gerne gesehen, wenn die Verwaltung in ihrer Verkehrskonzeption auch die Möglichkeit einer „Linie 20“ explizit untersuchen würde, also der Verbindung der Straßenbahnlinie 2 mit dem Netz der Harzer Schmalspurbahnen aber auch hier zogen die anderen Fraktionen nicht mit. Nordhausen brauche ein umweltorientiertes Verkehrsmanagement und eine strategische Verkehrssteuerung, so die Genossen. Die Vorschläge zur „Linie 20“, die vor rund einem Jahr von Landrat Matthias Jendricke eingebracht worden waren, müssten wenigstens unter die Lupe genommen werden. Wenn sich dann zeige das die Idee nicht praktikabel ist, könne man immer noch „Nein“ sagen.

„Alle reden über den Verkehr, aber keiner legt Fakten auf den Tisch“, monierte Müller, die brauche man aber jetzt, nicht erst im Jahr 2024. „Wir werden den Finger immer wieder darauf legen und um die Informationen kämpfen, die wir für unsere Arbeit brauchen. Wir werden da kämpferischer werden“, versicherte Müller.

Soweit da Wollen für das neue Jahr. Das Wünschen übernahm zum Schluss Barbara Rinke: die Kommunikation zwischen Landkreis und Kreisstadt möge sich in Zukunft bessern.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Lotterfee
08.01.2020, 11:53 Uhr
Keine Einigkeit
Was in Berlin schon lange Gang und Gebe ist, setzt sich in Städten und Gemeinden fort. Einigkeit ist den Herren Oberen ein Fremdwort geworden. Jeder kocht sein eigenes Süppchen.
Solange man nur miteinander beschäftigt ist, geht wertvolle Zeit für die wirklich wichtigen Dinge verloren.
Honsteiner
08.01.2020, 12:07 Uhr
SPD - Träumer unterwegs
Bevor ich hier schrieb, habe ich erst einmal gesucht, wer die SPD in Nordhausen ist. 6 Personen sitzen im Stadtrat, also traf sich die Hälfte als Vorstand mit der Presse.
Wenn man liest was die Genossen alles an Geld ausgeben wollen wird einen ja schlecht. Ich lese IFA Museum und Park Hohenrode in Größenordnung.
Sinnlose Träume die von Jendricke übernommen werden, die Straßenbahn zu Wacker auszubauen.
Wo soll das ganze Geld herkommen, was ihr Sozis hier verplant. Ihr habt doch schon genug vor die Wand gefahren.

Und die Überschrift kämpferisch werden! Habt ihr euch nie gefragt, warum ihr nur noch 6 Stadträte seid? Weil ihr nur nöhlt, jammert und anprangert. Hinterhältige Politik zahl sich nicht aus.
Bodo Bagger
08.01.2020, 12:19 Uhr
Interessant wäre es zu erfahren,
wie sich die Nordhäuser SPD zu dem Vorschlag der SPD Spitze positioniert, eine abstrakte Bodenwertsteigerungssteuer einzuführen, die in der derzeit proklamierten Form ja dazu führen würde, dass der Häuslebauer für eine unterstellte, real aber nicht messbare Steigerung des Bodenwertes seines Grundstückes zukünftig zur Kasse gebeten werden soll.

Sprich ein Grundstück erfährt durch eine, wie auch immer geartete Verwaltungsentscheidung oder schlicht durch ein Gerücht eine virtuelle Wertsteigerung, unabhängig ob der derzeitige Eigentümer tatsächlich einen Verkauf anstrengt oder nicht und auf Basis dieser unterstellten Wertsteigerung soll der Eigentümer dann, unabhängig von seinen Kreditbelastungen eine Steuer an den Staat entrichten.

So zumindest der letzte Vorschlag des neuen SPD Führungsduos.
Kritiker86
08.01.2020, 12:57 Uhr
Wann..
wird die SPD endlich bedeutungslos. Man kann sich das nicht länger anhören. Ihr habt bis heute nix aus euren Fehlern gelernt. Deswegen seit ihr am Boden und niemand nimmt eure Vorschläge noch ernst. Für wen oder was steht die SPD überhaupt noch?
Paulinchen
08.01.2020, 13:58 Uhr
Der ehemalige Chef der...
... Arbeitsagentur in Nürnberg, Herr Gerster, (SPD) hat die Seiten gewechselt. Begründung : Ich habe Angst, dass die SPD zu einer Sekte verkommt.
Wenn ich mich recht erinnere, ist der Mann jetzt zur FDP gegangen.
Realist 1.0
08.01.2020, 16:54 Uhr
Nichts als heiße Luft von der SPD
Wen man sich das hier durchliest, könnte man glauben das sie sich an ihren Vorsitzenden Duo Bundes SPD orientiert haben. Wolkenschhlösser ohne Ende, und das gestänker gegen andere Parteien und die Stadtverwaltung geht auch weiter. Nur weil nicht alles nach der Pfeife der SPD Nordhausen läuft wird der Stadtrad als besonders bezeichnet, die einzigen die besonders sind ist die SPD. Die SPD wurde nicht ohne Grund bei den letzten Wahlen so abgestraft.
SeniorRepente
09.01.2020, 06:54 Uhr
Stadtrat auch wichtig neben OB
Zu selten sollte der Stadtrat nicht Tagen, da hat die SPD recht. Auch die Räte sind direkt gewählt und der Rat hat immer die letzte Entscheidung. Dass Nordhausen bezahlbaren Wohnraum braucht, stimmt auch. In Nord entstehen doch neue Wohnblöcke. Wie hoch ist dort der Mietpreis?
Gudrun1974
12.01.2020, 11:47 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Kein Bezug zum Artikel.
Capone
12.01.2020, 16:16 Uhr
Innerparteiliche Kommunikation
Die Genossen sind doch durch Parteimitglied Jutta Krauth prominent vertreten. Die Bürgermeisterin müsste doch alle angesprochenen Fragen umgehend und im Freundeskreis beantworten können. Was ist da los?
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