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So, 09:00 Uhr
22.12.2019
BUND-Nordhauen auch im Advent aktiv

Einen Steilhang zu Weihnachten

Einen Steilhang zu Weihnachten „schenkten“ sich fünf Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen wenige Tage vor dem Fest. Schenken bedeutete in diesem Fall jedoch lediglich die Entfernung von Gebüschaufwuchs an einem Steilhang im Naturschutzgebiet Alter Stolberg. Bodo Schwarzberg berichtet...

Kuhschelle (Foto: B.Schwarzberg) Kuhschelle (Foto: B.Schwarzberg)

Die attraktive und gefährdete Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris ssp. vulgaris) gilt als Starktrockenheits- bis Trockenheitszeiger. Ob sie jedoch ein Austrocknen ihrer Standorte über viele Monate hinweg übersteht, ist nicht sicher, da dies nicht dem Klima entspricht, an das sich diese Art über große Zeiträume angepasst hat. Das Hahnenfußgewächs ist eine von Dutzenden bedrohter Pflanzenarten, um deren Erhaltung sich der BUND-Kreisverband Nordhausen bemüht.

Der Steilhang befindet sich nur wenige hundert Meter von jenem anderem, ausgedehnten Steilhang entfernt, den wir Artenschützer am 30. November in einer relativ aufwändigen Aktion freistellten.

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Auch diesmal ging es wieder um die Erhaltung von für unsere Südharzer Zechsteinlandschaft charakteristischen Halbtrockenrasengesellschaften. Die heute bearbeiteten Flächen werden fast ausschließlich vom Blaugras (Sesleria albicans) dominiert, dessen hier gebildete typische Pflanzengesellschaften von einigen Autoren als für Mitteleuropa endemisch, also nur hier vorkommend, angesehen werden. An einigen wenigen, natürlich gehölzfreien Steilhängen könnte das Blaugras durchaus unabhängig vom Menschen vorkommen, also eine natürliche Rasengesellschaft bilden. Gern, aber nicht immer, siedelt das Blaugras an relativ kühlen, nordexponierten Hängen, die normalerweise nicht völlig austrocknen.

Angesichts der messbaren, sich immer mehr verstärkenden Erwärmung im Zuge des Klimawandels, scheinen eine ganze Reihe dieser Reliktrasen in unserem Gebiet jedoch teilweise möglicherweise irreversibel auszutrocknen bzw. zu verschwinden. Eine derartige, durchaus nachdenklich stimmende Tendenz lässt sich lokal auch an unserem heutigen Einsatzort beobachten. Fotovergleiche verdeutlichen die negative Entwicklung.

Beim heutigen Einsatz ging es nicht nur um die Erhaltung der auch durch Verbuschung bedrohten Blaugrasrasen auf einem Steilhang und einem Plateau, sondern auch um die Erhaltung mehrerer gefährdeter Arten, die in ihm siedeln. Durch unsere Maßnahmen soll u.a. die in Thüringen gefährdete Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris ssp. vulgaris) und das stark gefährdete Rundblättrige Wintergrün (Pyrola rotundifolia) erhalten bzw. gefördert werden. Vor allem erstere Art war 2018 und 2019 infolge der Dürre nur noch in wenigen Exemplaren zur Blüte gekommen. Bis zum Frühjahr 2017 hingegen leuchteten geschätzt bis zu 450 blaue Kuhschellenblüten im dem noch nachwinterlich grauen Magerrasen. Diese Blütenpracht zieht alljährlich zahlreiche Spaziergänger an. Eventuell hat sich auch ihr Bestand dürrebedingt reduziert, worauf auch Beobachtungen der Art von anderen Wuchsorten Thüringens hindeuten könnten.

Weiterhin beherbergt unsere heutige Einsatzfläche einen großen Bestand des gefährdeten Berg-Reitgrases (Calamagrostis varia) sowie mehrere Orchideenarten.

Um all diese botanischen Schätze zu fördern, war ein guter Gleichgewichtssinn erforderlich. Das Agieren mit dem Freischneider an einem stellenweise geschätzt 45 Grad geneigten Steilhang ist anspruchsvoll.

Erstmals waren Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen im Frühjahr 2017 auf der Fläche tätig, nachdem die zunehmende Verbuschung zur allmählichen Verdrängung des lokal bedeutsamen, großen Kuhschellenbestandes zu führen schien.

Seitdem kehrten wir mit unseren Freischneidern und Motorsägen bereits viermal zurück, wohlwissend, dass nur eine kontinuierliche Pflege zu positiven Ergebnissen bei der Arterhaltung führen kann. Allmählich, so wird aus Fotovergleichen deutlich, nimmt die Verbuschungstendenz dadurch ab.

Am heutigen Sonnabend widmeten fünf Mitstreiter ihre Freizeit dem aktiven Artenschutz: Petra Wenzel, Wolfgang Scholz, Tobias Strietzel aus Nordhausen - und Alfred Hopp aus Kehmstedt. Der mittlerweile 80-jährige Freizeitbotaniker wollte es sich keinesfalls nehmen lassen, erneut etwas Praktisches für die Erhaltung der Biodiversität zu tun.

Mit nach Hause schleppten wir diesmal übrigens nicht nur die Pflegetechnik, sondern auch Teile eines alten Fernsehers zwecks ordnungsgemäßer Entsorgung. Wie das Gerät einst an seinen Fundort gelangte, ist allerdings etwas rätselhaft.
In nächster Zeit werden wir noch einmal zu unserem heutigen Steilhang zurückkehren, denn einige wenige, größere Sträucher sind noch zu entfernen sowie Teile des Gehölzschnitts heckenartig abzulagern.

Mit diesem Einsatz ist das landschaftspflegerische Jahresprogramm des BUND-Kreisverbandes Nordhausen für 2019 abgeschlossen. Mit 19 Einsätzen absolvierten wir drei mehr, als im Vorjahr.
Bodo Schwarzberg


BUND-Einsatz (Foto: B.Schwarzberg)
BUND-Einsatz (Foto: B.Schwarzberg)
BUND-Einsatz (Foto: B.Schwarzberg)
BUND-Einsatz (Foto: B.Schwarzberg)
BUND-Einsatz (Foto: B.Schwarzberg)
BUND-Einsatz (Foto: B.Schwarzberg)
BUND-Einsatz (Foto: B.Schwarzberg)
Autor: red

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