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So, 09:30 Uhr
22.12.2019
IM GESPRÄCH MIT STADTFÖRSTER AXEL AXT

Kranker Patient Stadtpark

Stadtförster Axel Axt hat nur einen großen Wunsch für das Jahr 2020: Jeden Monat Regen. Ausgiebig. Warum das so ist, erklärt er unter anderem im Gespräch mit Kurt Frank.

Axel Axt (Foto: Kurt Frank) Axel Axt (Foto: Kurt Frank)
Stadtförster Axel Axt im Stadtpark. Unter den großen Bäumen im Hintergrund befindet sich rechts im Bild eine stattliche Blutbuche. Sie trieb im Frühjahr Blätter aus, die leider im Sommer wieder eintrockneten. Das Frühjahr wird zeigen, ob der Baum und viele andere noch zu retten sind.

Wann traten Sie in den forstwirtschaftlichen Dienst der Stadt Nordhausen?
Axel Axt: 1992 begann ich meine Tätigkeit als Forstwirt der Stadt Nordhausen.

Haben Sie die Entscheidung jemals bereut?
Axel Axt: Zu keiner Stunde.

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Gibt es in Ihrer langjährigen Tätigkeit eine Zeit, die Sie verzweifeln ließ und schlaflose Nächte brachte?
Axel Axt: Die Dürresommer 2018/19 sind für jeden Förster ein Albtraum. Verzweifeln ließen sie mich nicht. Wer verzweifelt, hat schon verloren. Aber schlaflose Nächte brachten und bringen sie zuweilen schon.

Wie viele Bäume liegen Ihnen denn insgesamt am Herzen?
Axel Axt: Der Baumbestand im innerstädtischen Bereich beläuft sich derzeit auf 19 500, im Außenbereich auf 26 300. Der Stadtwald beziffert sich auf 320 Hektar mit 50 Kilometer Gehölzsaum.

Was besagt der Zustand Ihres Waldes?
Axel Axt: 15 bis 20 Prozent Schäden im Gehege. Noch machen die alten Buchen einen zufrieden stellenden Eindruck.

Welcher Bereich des Waldes litt unter der Trockenheit besonders?
Axel Axt: Eindeutig: der Stadtpark. Der Baumbestand ist zu 50 Prozent geschädigt.

Bleibt da nur noch die Hälfte der Bäume übrig?
Axel Axt:50 Prozent geschädigter Bäume bedeutet keine fünfzigprozentige Fällung. Tage der Wahrheit wird das Frühjahr 2020 bringen.

Was bedeutet das?
Axel Axt: Das Frühjahr 2020 wird zeigen, welche Bäume noch austreiben werden und welche unrettbar verloren sind. Hoffnung habe ich, wenn wir einen verregneten Winter und ein nasses Frühjahr bekommen. Ein Teil der kranken Gehölze könnte sich dann erholen.

Pflegefall Stadtpark. Was tat der Forst für seine Genesung?
Axel Axt: 137 Bäumen erhielten eine besondere Pflege. Wir schnitten Kronen zurück, unternahmen diverse Fällungen, wässerten Jungbäume. Trotz aller Bemühungen mussten bisher 32 Bäume gefällt werden.

Was, wenn 2020 wieder ein trockenes Hitzejahr wird?
Axel Axt: Daran mag ich nicht zu denken. Es wäre eine Katastrophe.

Stadtpark (Foto: Kurt Frank) Stadtpark (Foto: Kurt Frank)
Der Stadtpark ist ein beliebtes Ausflugsziel. Der Schein trügt: 50 Prozent der Bäume sind geschädigt. Noch so ein Hitzejahr wie 2018/19 hätte für die grüne Lunge „apokalyptische“ Folgen.

Wie wollen Sie die Verluste im Park ausgleichen?
Axel Axt: Mit dem Pflanzen neuer Bäume, die Hitzeperioden besser überstehen. Unter anderem mit Hopfenbuchen und Linden.

Wann soll das geschehen?
Axel Axt: Wir warten ab, was das Frühjahr an Wahrheiten bringt. Womöglich sind weitere Fällungen unerlässlich, danach die Bäume aus dem Park zu schaffen. Im Herbst könnten die ersten Neuanpflanzungen erfolgen. So richtig loslegen werden wir 2021.

Pflanzungen mit Minibäumchen wie im Forst oder werden es schon größere Exemplare sein?
Axel Axt: Es werden Bäume sein, die schon was hermachen.

Um sie dann ihrem Schicksal zu überlassen?
Axel Axt: Jeder neue Baum ist mir lieb und teuer. Jeden einzelnen werden wir hegen, pflegen und beschützen.

Wer entsorgt die Baumleichen in den Wohngebieten der Stadt?
Axel Axt: Dafür sind die Großvermieter SWG und WBG oder die jeweiligen Grundstücksbesitzer zuständig, auf deren Fläche sie stehen. Wir sind zuständig für die auf kommunalem Grund und Boden.

Mit Stadtförster Axel Axt unterhielt sich Kurt Frank.
Autor: red

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
22.12.2019, 10:34 Uhr
Stadtpark: Ein Jahr Regen ist keine Rettung
Alle hoffen auf normale mitteleuropäische Wetterabläufe mit augeglichenen, von regelmäßigen Tiefdruckgebieten geprägten, warmen, aber nicht heißen Sommern. Doch damit dürfte es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorbei sein, glaubt man den Klimatologen. Und mit Hoffen kommen wir definitiv nicht weiter. Das ist gewiss auch dem Nordhäuser Stadtförster bewusst.

Und zwar unabhängig davon, ob man nun den Menschen als Verursacher des Klimawandels betrachtet oder nicht. Der Klimawandel selbst wird, da belegbar, von kaum jemandem noch geleugnet.

Von daher sollte auch aus den Kommunen mehr Druck auf die Politik ausgehen, a) die verbreitet als sicher angegebenen Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen und b) viel stärker als bisher in Anpassungsmaßnahmen zu investieren. Dazu gehört in den Kommunen auch die Erhaltung des Baumbestandes. Jegliches Grün wird mit Fortschreiten der Erwärmung für das Stadtklima exponentiell an Bedeutung gewinnen. Die Wohngebiete sollten viel stärker bepflanzt bzw. begrünt werden, als bisher. Hier sollte die Verantwortung auch nicht an die Vermieter delegiert werden, denn ein Baum oder eine begrünte Fassade entfaltet seine/ihre Wirkungen auch außerhalb der Zäune. Für das Wohlbefinden der Bürger trägt in erster Linie die Stadt Verantwortung.

Hier müsste die Stadt Nordhausen als Angehörige der Agenda 21 noch mehr Farbe bekennen und konkrete Maßnahmen anstoßen. Wir brauchen mehr Taten, als Diskussionen, denn schon jetzt werden wir von den Folgen des Klimawandels überrollt.

Axel Axt als Fachmann hat hier gewiss eine wichtige Funktion.
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