Do, 10:45 Uhr
28.11.2019
Kulturszene aktuell
Die Bauhaus Revue
6 Jahre Utopia in Weimar – Im milden Glanz der Bratwurst. Jazz * Wort * Performance im Kunsthof Friedrichsrode...
Am 07. Dezember 2019 findet um 20.00 Uhr im Kunsthof Friedrichsrode diese Veranstaltung der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung statt. Eintritt frei!
Mitten im politischen Chaos nach Weltkrieg, Novemberrevolution, Abdankung des deutschen Kaisers und Konstitution des Freistaates Thu¨ringen und in der Zeit einer immer grotesker werdenden Inflation gru¨ndet Walter Gropius in Weimar das Bauhaus – just wa¨hrend im Nationaltheater u¨ber die erste demokratische Verfassung Deutschlands debattiert wird. Erfu¨llt vom Ideal des Aufbruchs in eine neue Gesellschaft holt er einige der interessantesten Figuren der europa¨ischen Kunstszene in die kleine Stadt an der Ilm und initiiert einen Umbruch a¨sthetischer Werte, der die Architektur und die Kunst des gesamten 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflussen sollte.
Der Weimarer Jazzmusiker, Komponist und Autor Frieder W. Bergner erza¨hlt in dieser Performance Geschichten dieser bewegten Jahre, zitiert dabei dokumentarische Texte von Zeitzeugen aus dem Bauhaus und aus dessen Umfeld und verbindet diese mit Jazzkompositionen nach lyrischen Texten aus den Bauhaus-Jahren zu einer jazzmusikalischen Revue.
mit Silke Gonska – Gesang, livesampling, Sprecherin
und Frieder W. Bergner – Posaune, Gesang, livesampling, Erza¨hler
Erza¨hlt worden ist die Geschichte des Bauhauses schon oft. Generationen von Historikern haben sie akribisch und mit Inspiration erforscht und reich bebilderte Dokumentationen dazu verfasst. Denen wollen wir mit unserer Erza¨hlung keine Konkurrenz machen. Nein, wir Weimarer von heute betrachten die Geschichte vom Scheitern des Bauhauses als ein Teil der Geschichte unserer Stadt, in der wir uns angenommen und zu Hause fu¨hlen mo¨chten, anders, als es den Helden unserer Erza¨hlung damals widerfahren ist. Wir wu¨nschen uns UNSER WEIMAR heute anders, als es damals war. Weniger Missgunst und Neid, ein bisschen weniger Dummheit und boshafte Aggression und – HOFFENTLICH – mehr Offenheit fu¨r das Prinzip der geistigen Erneuerung, ein Prinzip, auf das keine menschliche Gesellschaft, weder damals noch heute, verzichten kann.
Und natu¨rlich wollen wir auch eine spannende Geschichte erza¨hlen, eine Geschichte voll fantastischer Ereignisse, verru¨ckter Ideen, schra¨ger Typen und u¨berraschender Wendungen, ganz so, wie sie nur das Leben selbst hervorbringt..
Vertont wurden lyrische Texte u.a. von
Kurt Schwitters, Hans Arp, Emmy Hennings, Hugo Ball, Erich Mu¨hsam, Max Ernst, Rose Ausla¨nder und Jakob van Hoddis.
...Aber die Geschichte vom Weimarer Bauhaus ist eben kein Ma¨rchen aus alter Zeit, sondern eine Geschichte, die, obwohl sie schon fast 100 Jahre her ist, kaum an Aktualita¨t verloren hat. Sie erza¨hlt davon, wie eine Gruppe von sehr verschiedenen jungen Leuten aus ganz Europa versucht, in einer kleinen Stadt einen Traum von einer neuen Art der Kunst in einer neuen Art von Gesellschaft zu verwirklichen. Tatsa¨chlich haben sie anfangs ziemlich viel Glu¨ck bei der Sache. Aber bald werden sie verstrickt in alle die Probleme und Schwierigkeiten, denen Ku¨nstler und Menschen mit neuen Ideen auch heute noch viel zu oft begegnen.
Misstrauisch werden sie von den Alteingesessenen, den Platzhirschen, bea¨ugt. Argwohn und Unversta¨ndnis macht sich breit, je mehr zu erkennen ist, daß diese Typen tatsa¨chlich fast alles anders machen wollen, als bisher. Dazu begegnen ihnen noch eine Menge Neid, Dummheit und Pech, und schon geht die ganze Sache nach relativ kurzer Zeit schlecht aus. Erst viel spa¨ter dann, nach einem zweiten großen Krieg und nach weiteren Revolutionen, werden viele der Ideen aus dem Bauhaus zur Inspiration fu¨r nachfolgende Ku¨nstler- Architekten- und Designergenerationen – heute sind sie zumeist ganz normal und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, Klassiker der Moderne eben. Die Theorie der Verbindung von Kunst und Bau im Dienst eines menschenfreundlichen Lebens hingegen u¨berzeugte in ihrer radikalen Klugheit zwar viele Menschen, wurde jedoch bislang noch viel zu selten umgesetzt. Sie bleibt uns als Herausforderung fu¨r kommende Generationen erhalten. (aus dem 1. Akt)
...Und schließlich ab 1933 der Exodus einer ganzen Kulturgeneration aus Deutschland. Aus einem Land, das sich unaufhaltsam in einen gigantischen Alptraum verwandelt. Die Saat des Bauhauses: Vertrieben aus Deutschland, verweht in alle Himmelsrichtungen, aber nichts weniger als untergegangen. Noch wa¨hrend sich in Deutschland die braunen Milita¨rstiefel ru¨sten, um ganz Europa in den Dreck zu treten, bauen ju¨dische Architekten und Baumeister, unter ihnen auch ehemalige Schu¨ler aus Weimar und Dessau, in der Sonne des Mittelmeers vor den Toren Jaffas TEL AVIV, eine Weiße Stadt der Freundlichkeit. Und im weiteren Verlauf dieses 20. Jahrhunderts wird es wohl nur wenige Ku¨nstler geben, deren Werk nicht irgendwie den Spuren folgt, die in diesen Weimarer Jahren gelegt wurden. (aus dem Epilog)
Frieder W. Bergner 2018 - aus dem Textbuch der Performance
Autor: khhAm 07. Dezember 2019 findet um 20.00 Uhr im Kunsthof Friedrichsrode diese Veranstaltung der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung statt. Eintritt frei!
Mitten im politischen Chaos nach Weltkrieg, Novemberrevolution, Abdankung des deutschen Kaisers und Konstitution des Freistaates Thu¨ringen und in der Zeit einer immer grotesker werdenden Inflation gru¨ndet Walter Gropius in Weimar das Bauhaus – just wa¨hrend im Nationaltheater u¨ber die erste demokratische Verfassung Deutschlands debattiert wird. Erfu¨llt vom Ideal des Aufbruchs in eine neue Gesellschaft holt er einige der interessantesten Figuren der europa¨ischen Kunstszene in die kleine Stadt an der Ilm und initiiert einen Umbruch a¨sthetischer Werte, der die Architektur und die Kunst des gesamten 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflussen sollte.
Der Weimarer Jazzmusiker, Komponist und Autor Frieder W. Bergner erza¨hlt in dieser Performance Geschichten dieser bewegten Jahre, zitiert dabei dokumentarische Texte von Zeitzeugen aus dem Bauhaus und aus dessen Umfeld und verbindet diese mit Jazzkompositionen nach lyrischen Texten aus den Bauhaus-Jahren zu einer jazzmusikalischen Revue.
mit Silke Gonska – Gesang, livesampling, Sprecherin
und Frieder W. Bergner – Posaune, Gesang, livesampling, Erza¨hler
Erza¨hlt worden ist die Geschichte des Bauhauses schon oft. Generationen von Historikern haben sie akribisch und mit Inspiration erforscht und reich bebilderte Dokumentationen dazu verfasst. Denen wollen wir mit unserer Erza¨hlung keine Konkurrenz machen. Nein, wir Weimarer von heute betrachten die Geschichte vom Scheitern des Bauhauses als ein Teil der Geschichte unserer Stadt, in der wir uns angenommen und zu Hause fu¨hlen mo¨chten, anders, als es den Helden unserer Erza¨hlung damals widerfahren ist. Wir wu¨nschen uns UNSER WEIMAR heute anders, als es damals war. Weniger Missgunst und Neid, ein bisschen weniger Dummheit und boshafte Aggression und – HOFFENTLICH – mehr Offenheit fu¨r das Prinzip der geistigen Erneuerung, ein Prinzip, auf das keine menschliche Gesellschaft, weder damals noch heute, verzichten kann.
Und natu¨rlich wollen wir auch eine spannende Geschichte erza¨hlen, eine Geschichte voll fantastischer Ereignisse, verru¨ckter Ideen, schra¨ger Typen und u¨berraschender Wendungen, ganz so, wie sie nur das Leben selbst hervorbringt..
Vertont wurden lyrische Texte u.a. von
Kurt Schwitters, Hans Arp, Emmy Hennings, Hugo Ball, Erich Mu¨hsam, Max Ernst, Rose Ausla¨nder und Jakob van Hoddis.
...Aber die Geschichte vom Weimarer Bauhaus ist eben kein Ma¨rchen aus alter Zeit, sondern eine Geschichte, die, obwohl sie schon fast 100 Jahre her ist, kaum an Aktualita¨t verloren hat. Sie erza¨hlt davon, wie eine Gruppe von sehr verschiedenen jungen Leuten aus ganz Europa versucht, in einer kleinen Stadt einen Traum von einer neuen Art der Kunst in einer neuen Art von Gesellschaft zu verwirklichen. Tatsa¨chlich haben sie anfangs ziemlich viel Glu¨ck bei der Sache. Aber bald werden sie verstrickt in alle die Probleme und Schwierigkeiten, denen Ku¨nstler und Menschen mit neuen Ideen auch heute noch viel zu oft begegnen.
Misstrauisch werden sie von den Alteingesessenen, den Platzhirschen, bea¨ugt. Argwohn und Unversta¨ndnis macht sich breit, je mehr zu erkennen ist, daß diese Typen tatsa¨chlich fast alles anders machen wollen, als bisher. Dazu begegnen ihnen noch eine Menge Neid, Dummheit und Pech, und schon geht die ganze Sache nach relativ kurzer Zeit schlecht aus. Erst viel spa¨ter dann, nach einem zweiten großen Krieg und nach weiteren Revolutionen, werden viele der Ideen aus dem Bauhaus zur Inspiration fu¨r nachfolgende Ku¨nstler- Architekten- und Designergenerationen – heute sind sie zumeist ganz normal und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, Klassiker der Moderne eben. Die Theorie der Verbindung von Kunst und Bau im Dienst eines menschenfreundlichen Lebens hingegen u¨berzeugte in ihrer radikalen Klugheit zwar viele Menschen, wurde jedoch bislang noch viel zu selten umgesetzt. Sie bleibt uns als Herausforderung fu¨r kommende Generationen erhalten. (aus dem 1. Akt)
...Und schließlich ab 1933 der Exodus einer ganzen Kulturgeneration aus Deutschland. Aus einem Land, das sich unaufhaltsam in einen gigantischen Alptraum verwandelt. Die Saat des Bauhauses: Vertrieben aus Deutschland, verweht in alle Himmelsrichtungen, aber nichts weniger als untergegangen. Noch wa¨hrend sich in Deutschland die braunen Milita¨rstiefel ru¨sten, um ganz Europa in den Dreck zu treten, bauen ju¨dische Architekten und Baumeister, unter ihnen auch ehemalige Schu¨ler aus Weimar und Dessau, in der Sonne des Mittelmeers vor den Toren Jaffas TEL AVIV, eine Weiße Stadt der Freundlichkeit. Und im weiteren Verlauf dieses 20. Jahrhunderts wird es wohl nur wenige Ku¨nstler geben, deren Werk nicht irgendwie den Spuren folgt, die in diesen Weimarer Jahren gelegt wurden. (aus dem Epilog)
Frieder W. Bergner 2018 - aus dem Textbuch der Performance



