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Fr, 07:30 Uhr
18.10.2019
Interview mit dem FDP-Kandidaten Otmar Ganter

„Wieder Vernunft in die Debatten bekommen“

Der 41-jährige Dingelstädter Otmar Ganter führt das Filtertechnik-Unternehmen Filtega. Zur Zeit kämpft er mit der FDP für den Einzug in den Thüringer Landtag. Das Direktmandat des Wahlkreises Nordhausen II soll ihn dorthin führen. Luise Schulze sprach mit ihm über seine Vorhaben im Südharz.



Herr Ganter, was motiviert einen Dingelstädter zur Kandidatur im Südharz?
Otmar Ganter:
Als man sich in der FDP Nordhausen auf die Suche nach einem geeigneten Kandidaten machte, kam der Gedanke gleich auf. Ich kann mich gut in die verschiedenen Wahlkreise eindenken und der Südharz liegt mir am Herzen. Da bin ich gerne für die Nordhäuser eingesprungen.

Es ist Ihre erste Kandidatur für ein Landtagsmandat — welche Herzensthemen möchten Sie im Falle des Einzuges vertreten?
Otmar Ganter:
Mir geht es darum, wieder Vernunft in die Debatten zu bekommen. Wir erleben zur Zeit so viele aufgeregte Debatten, beispielsweise um Klima und Migration.
Digitalisierung und Breitbandausbau beschäftigen mich außerdem besonders, da müssen wir dringend vorankommen. Es werden zwar Ausschreibungen gemacht, die Verträge sind dann teilweise allerdings so ungünstig und mit so hohen Anforderungen geschrieben, dass Firmen zurückschrecken. 100MBit/s werden gefordert, jedoch lassen die schon vorhandenen Kupferkabel direkt an den Häusern oft nur weniger zu. Der Umbau gestaltet sich dort sehr teuer.

Im Harz sind Naturschutz und Wirtschaft traditionell eng miteinander verknüpft. Welche Vorgehensweise halten Sie im Südharzer Gipskarst für die beste, um alle Bereiche befriedigend und nachhaltig miteinander zu verknüpfen?
Otmar Ganter:
Die Menschen im Südharz sorgen sich um die Attraktivität der Region, welche durch den Gipsabbau abzunehmen droht. Den Abbau kann man in einigen Regionen, zum Beispiel Richtung Ellrich, weiter forcieren, nicht aber in Naturschutzgebieten. Dabei sollte es auch bleiben. Die Nordhäuser Liberalen haben sich stets für den Erhalt der Gipskarstlandschaft stark gemacht.

Der Harz birgt zahlreiche touristische Ziele, wie kann man diese noch attraktiver machen und die Besucherzahlen erhöhen?
Otmar Ganter:
In einem gewissen Rahmen ist da auch die Eigeninitiative der jeweiligen Anbieter gefragt. Die Internetpräsenz kann beispielsweise ausgebaut und verbessert, die Zahl der Hotelbetten erhöht werden. Natürlich kann die Politik ihren Beitrag leisten. Erst kürzlich besuchte ich gemeinsam mit Herrn Dr. Klinge aus der FDP-Bundestagsfraktion den europäischen Radfernweg EuroVelo13. Dieser muss besser beschildert und beworben werden, um das touristische Potential vollends zu nutzen. Solche Projekte sind hervorragend, um die Region zu stärken.

Da Sie gerade von Radwegen sprachen — wie möchten Sie als Kandidat für den Landkreis den mangelhaften ÖPNV im ländlichen Raum verbessern?
Otmar Ganter:
Zunächst brauchen wir eine höhere Taktung der Busse. Damit das Ganze trotzdem effektiv bleibt, können beispielsweise deutlich kleinere Busse eingesetzt werden. Auch Rufbusse sind vielerorts denkbar. Da kommt dann auch wieder die Digitalisierung ins Spiel — durch sie lassen sich viele Abläufe effektiveren. Damit die Menschen vom Auto auf den ÖPNV umsteigen, muss dieser natürlich auch bezahlbar bleiben.

Die Themen Umwelt-und Klimaschutz sind derzeit extrem populär. Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Ziele des Thüringer Klimaschutzgesetzes zu erreichen?
Otmar Ganter:
Uns stehen noch enorm viele Möglichkeiten offen, wenn wir auf Innovation statt auf Verbote setzen. Zum Beispiel die Forschung an eFuels. Das Gasnetz vor Ort ist bereits vorhanden, dort könnten wir direkt Methan einspeisen. Diese Prozesse müssen natürlich nach und nach geschehen. Schaut man sich an, wie die Böden unter der Südlink-Stromtrasse leiden werden, fehlt mir das Verständnis. Uns stehen umweltschonendere Maßnahmen zur Verfügung.

Welche Anreize würden Sie schaffen, um die Region wirtschaftlich zu stärken?
Otmar Ganter:
Die Klimadebatte und die Debatte um den Verbrennungsmotor müssen vernünftiger geführt werden. Jeder siebte Job in Deutschland hängt an der Industrie und diese Arbeitsplätze müssen auch zumindest vorerst erhalten werden. Im Südharz können neue Industrien angesiedelt werden, beispielsweise in der Goldenen Aue. Durch die gute Anbindung zur Autobahn ist die Stelle nicht unattraktiv. Das Land sollte sich dort weiter bemühen, ein Unternehmen zu finden.

Die AfD erfährt vor allem in Ostdeutschland enormen Zuspruch. Was würden sie dem entgegensetzen?
Otmar Ganter:
Vernunft. Auf Bundesebene wird endlich ein vernünftiges Einwanderungsgesetz gebraucht. In diesem muss individuell zwischen politisch Verfolgten, Kriegsflüchtlingen und dauerhaften Einwanderern unterschieden werden. Außerdem müssen Hindernisse für die Einwanderung von Fachpersonal abgebaut werden. Wir sind auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Das Land Thüringen muss außerdem die konsequente Abschiebung abschiebepflichtiger Personen ernsthafter verfolgen.

Die Umfragen sprechen momentan für das knappe Verfehlen des Einzuges in den Landtag der FDP. Wie sehen Sie mögliche neue Regierungsmehrheiten?
Otmar Ganter:
Der Einzug der FDP ermöglicht eine Mehrheit abseits von rot-rot-grün. Sollten wir einziehen, ist das Mitwirken an einer Regierung aber nur sinnvoll, wenn wir unsere Ziele auch wirklich umsetzen können. Mit extremen Rändern ist keine Koalition denkbar.
Das Gespräch führte Luise Schulze
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Kommentare

18.10.2019, 18.14 Uhr
Liberalix | Sehr gut Otmar Ganter,
Ihre „Vernunft in der Debatte“ hat keinen Shitstorm ausgelöst.
Bedeutet: Alles akzeptabel!
Ich kann als Nordhäuser Sie leider nicht direkt wählen.
Aber im Landkreis sollten Wähler Ihre“ Vernunft“ wählen müssen. Auch als Externer ticken Sie für den LK Nordhausen, wie ich Ihren Aussagen entnehme.
Toi, Toi, Toi !

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