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Fr, 07:09 Uhr
09.08.2019
Goethe traf noch keine Rotarmisten

Als eine Moschee den Brocken krönte

Auf dem Brocken thronte eine „Moschee“ schon lange bevor der erste Moslem im Harz gesichtet wurde. Die Kuppel über den Abhöranlagen der DDR hieß im Volksmund auch „Stasi-Moschee“. Harz-Wanderer Goethe hätte sich über die Sowjet-Soldaten auf dem Gipfel ebenso gewundert. Ein Beitrag von Manfred Neuber...

Der Brocken im Juni 2016 (Foto: privat) Der Brocken im Juni 2016 (Foto: privat)
Friedliche Demonstranten schätzungsweise 5 000 erzwangen nach einem Sternmarsch am 3. Dezember 1989 den Zugang zum Brocken. Das Mauerstück auf der höchsten Erhebung (1 141 Meter) des nördlichsten Mittelgebirges in Deutschland wurde 1991 abgerissen, das russische Objekt auf dem Plateau am 30. März 1994 der Bundesrepublik übergeben. Seit 2006 gehört der Brocken zum Nationalpark Harz.

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Kurz vor Kriegsende 1945 hatten US-Truppen den Brocken besetzt. Nach den Beschlüssen von Yalta im Februar 1945 fiel er an die sowjetische Besatzungsmacht, die am 28. Januar 1947 nach dort aufstieg. Eine Fernmelde-Brigade, die nicht den Sowjetischen Streitkräften in Deutschland, sondern dem militärischen Abschirmdienst unterstellt war, bezog 1955 Stellung auf dem Brocken-Massiv, an dessen Fuß die Grenze verlief.

Der westliche Teil des Gebirgszuges wurde 1952 zur Sperrzone erklärt und mit einem Stacheldrahtzaun abgeriegelt. Mit Sonderpassagierschein durften DDR-
Bürger zwischen 1949 und 1961 den Brocken noch erklimmen oder mit der Brocken-Bahn besuchen, die allein im Jahr 1957 mehr als 154 000 Fahrgäste zählte. Die Brocken-Gaststätte war ein beliebtes Ausflugsziel. Bei gute Sicht reichte der Blick weit in den Westen.

Nach Beginn des Mauerbaus in Berlin am 13. August 1961 wurden der Brocken zum militärischen Sperrgebiet und die östlichen Abhänge zur Sperrzone erklärt. Die oben Dienst leistenden Personen benötigten eine Sondergenehmigung. Die exponierte Lage des Brockens prädestinierte ihn für Spionagezwecke/Funkaufklärung. So wurde der Brocken zum bedeutendsten Horchposten des Ostblocks ausgebaut. 1968 wurden Grenzsäulen und ein hoher Metallgitterzaun um das ganze Plateau errichtet.

Die sowjetische Funkaufklärungs-Brigade, inzwischen auf hundert Mann verstärkt, nutzte das abgeriegelte Gelände des ehemaligen Brocken-Hotels bis Mitte
der siebziger Jahre für eine leistungsstarke Abhöranlage (Tarnname Jenissej). Von 1974 bis 1979 entstanden am Westhang vier Kuppelbauten (Radome), die mit mobiler Peil- und Abhörtechnik genutzt wurden. Das Ministerium für Staatssicherheit unterhielt auf dem Brocken ebenfalls einen wichtigen Stützpunkt mit Sende- und Abhöranlagen.

Bis Anfang der achtziger Jahre befand sich in einer Etage des Fernsehturms, von dem Rundfunk- und Fernseh-Programme der DDR ausgestrahlt wurden, eine Abhörstation, danach in einer großen, weißen Kuppel auf dem Dach eines kubischen Hauses die so genannte Brocken-Moschee (Tarnname Urian). Von einem Gittermasten mit einer Richtfunkantenne hielt das MfS Kontakt zu den Agenten im Ausland.

Die Sicherung des Brocken-Areals oblag der 7. Grenzkompanie in Schierke, die in Zugstärke auf dem Gipfel stationiert war. Als Unterkunft diente der Brockenbahnhof. Neben den Grenztruppen und der Stasi bestand oben auch eine zivile Einrichtung die Wetterstation. Ein Anzeigegerät für die Auslösung des Grenzsignalzauns wurde als „Kompaniesignalgerät Brocken“ bezeichnet. Mit Hilfe eines topografischen Kartenausschnittes konnte der Ort der Auslösung des Grenzsignalzaunes lokalisiert werden.

Seit Anfang der achtziger Jahre ließ das MfS für die Funk- und Fernmelde-Aufklärung der Hauptabteilung III ein neues Gebäude auf dem Brocken errichten, das 1986 fertig gestellt wurde. Es trug eine Kunststoff-Kuppel (Radom, Durchmesser etwa elf Meter). Unter dem Radom, der die Technik vor Witterungseinflüssen schützte und für Radiowellen durchlässig war, waren Antennen und Parabolspiegel installiert. Die Fernaufklärung hatte eine Reichweite von bis zu
400 km.

Die Funkaufklärung sollte Informationen über Aktivitäten des vermeintlichen Gegners im Westen im geheimdienstlichen, politischen und zivilen Bereich beschaffen. Abgehört wurden das B- und C-Netz (Autotelefon) und der Richtfunk-Telefonverkehr zwischen Westdeutschland und Westberlin. Diese konnten über eine abhörsichere Direktleitung an das MfS in Berlin und Magdeburg weitergeleitet werden.

Im Jahre 2000 wurde das Gebäude umgebaut; es beherbergt heute das Brocken-Museum. Darin wird der Tourismus in der Brocken-Region, der Nationalpark Harz und die originale Abhör- und Sendetechnik aus der Zeit des Kalten Krieges zwischen Ost und West dargestellt. Zu Walpurgis und zum „Tag der deutschen Einheit“ ist der Besucherandrang auf dem Brocken besonders stark.
Martin Roland

(Quellen:Wikipedia, Lexikon der innerdeutschen Grenze, Zeitzeugen)

Autor: red

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