Mo, 15:00 Uhr
01.07.2019
Umweltministerin zu Besuch bei Maximator
Wasserstoff-Valley Südharz?
Die Elektromobilität ist in aller Munde, die deutsche Autobranche überschlägt sich in Modellankündigungen. Vom zweiten Weg in eine grünere Zukunft hört man relativ wenig - die Wasserstofftechnologie fristet in der öffentlichen Debatte ein Schattendasein. Bei der Nordhäuser Firma Maximator ist man sich sicher das auch hier der große Durchbruch bevorsteht und steht in den Startlöchern um international ganz vorne mitzuspielen...
Thüringen im Jahr 2030: auf den Straßen hat sich die Zahl der Fahrzeuge mit alternativen Antrieb stark erhöht, aus dem Individualverkehr ist die batteriebetriebene Mobilität nicht mehr wegzudenken, im Schwerlasttransport dominiert zunehmend die Brennstoffzelle. Rund 1.000 Wasserstoff-Tankstellen gibt es zwischen Küste und Alpenrand. Der nötige Treibstoff wird nach Möglichkeit lokal produziert, um die Transportwege kurz zu halten. Wind, Sonne und Wasser liefern den Strom für die Elektrolyse, mittels derer der Wasserstoff gewonnen wird. Auch Überkapazitäten der regenerativen Energiequellen können so gepuffert werden, "Energie zu X" heißt das Stichwort, Energie zu Wärme, Mobilität, zu Gas oder Flüssigstoff.
Die Realität im Jahr 2019 ist von dieser Vision noch weit entfernt, gerade einmal 70 Wasserstofftankstellen zählt man in Deutschland heute, dazu 500 Fahrzeuge. Zum Vergleich: allein in Thüringen gibt es 400 reguläre Tankstellen. Anderswo ist man schon deutlich weiter, weiß René Himmelstein, Vizepräsident der Maximator GmbH. In Korea investiert Hyundai rund sieben Milliarden Euro in die Wasserstofftechnik, Toyota setzt ausschließlich auf Wasserstoff und in China gibt es schon heute acht Hersteller für Wasserstoff-Busse und andere Großfahrzeuge. "Wir reden hier schon lange nicht mehr davon das hier nur kopiert wird. In Asien gehen die Leute mit Ambition und Mut voran, da passiert gerade ganz viel", erzählt der Schwabe, der für Maximator auf der internationalen Bühne unterwegs ist und seinen Finger am Puls der Branche hat.
Die Hochdruckspezialisten aus Nordhausen wollen da bald ganz vorne mitmischen und die komplette Infrastruktur rund um die Wasserstofftankstelle liefern. Bisher hat man die vor allem als "proof of concept" gefertigt, als Beweis das man es kann. Im kommenden Jahr will man in Nordhausen eine neue Produktionsstrecke aufbauen und in die Serienfertigung gehen, erklärt René Himmelstein. Der Vorteil der Maximator-Anlagen liege in Qualität und Technik, so der Firmenchef weiter, die Konkurrenz sei groß, über Qualität und Innovation werde man aber eine Nische besetzen können.
Maximator-Vizepräsident René Himmelstein führte heute Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund durch das Nordhäuser Werk (Foto: Angelo Glashagel)
Maximator Vizepräsident René Himmelstein führte heute Thüringens Umwelt- und Energieministerin Anja Siegesmund durch das Nordhäuser Werk
Innovation wie den "Automatic Seal Exchange". Bei der Wasserstoffbetankung wird mit hohem Druck gearbeitet, an den Anlagen müssen deswegen in schöner Regelmäßigkeit Dichtungen gewechselt werden. Im Moment geschieht das händisch und kann eine Tankstelle für mehrere Tage lahmlegen. Die Maxmiator-Technik schafft das volllautomatisch in wenigen Stunden.
Die Firma sei einer der "hidden Champions", einer der "versteckten Helden" des Freistaates, lobte heute denn auch Thüringens Umweltministerin, Anja Siegesmund (Grüne) beim Besuch des Nordhäuser Werkes. Baue man den technischen Vorsprung weiter aus, könne der Thüringer Norden ein "Hydrogen Valley" werden, ein Zentrum der Wasserstoff-Technik, doch dafür brauche es mehr Unterstützung von Seiten der Politik. "Wenn 20.000 Kohlekumpeln der Verlust des Arbeitsplatzes droht, werden in der Republik alle Hebel in Bewegung gesetzt und Milliardenprogramme aufgelegt. Die werden auch gebraucht, das ist auch gut so. Aber zum Vergleich: wir haben heute 60.000 Jobs in der Umweltwirtschaft, allein in Thüringen und es waren schon einmal 80.000. Wir brauchen für die Technologie der Zukunft endlich die Förderung aus dem Bund, die sie verdient", sagte die Ministerin.
Noch gibt es einige Hürden zu überwinden, die technischen Weichen sind noch nicht auf den einen Weg festgelegt und es gibt Wirtschaftlichkeitslücken speziell im Bereich der Windkraft, die in naher Zukunft geschlossen werden müssten, wenn die Vision vom Jahr 2030 Realität werden sollte. Die ersten Schritte sind aber schon gemacht. Um zu sehen wo sie hinführen, wird man keine zehn Jahre warten müssen.
Angelo Glashagel
Autor: redThüringen im Jahr 2030: auf den Straßen hat sich die Zahl der Fahrzeuge mit alternativen Antrieb stark erhöht, aus dem Individualverkehr ist die batteriebetriebene Mobilität nicht mehr wegzudenken, im Schwerlasttransport dominiert zunehmend die Brennstoffzelle. Rund 1.000 Wasserstoff-Tankstellen gibt es zwischen Küste und Alpenrand. Der nötige Treibstoff wird nach Möglichkeit lokal produziert, um die Transportwege kurz zu halten. Wind, Sonne und Wasser liefern den Strom für die Elektrolyse, mittels derer der Wasserstoff gewonnen wird. Auch Überkapazitäten der regenerativen Energiequellen können so gepuffert werden, "Energie zu X" heißt das Stichwort, Energie zu Wärme, Mobilität, zu Gas oder Flüssigstoff.
Die Realität im Jahr 2019 ist von dieser Vision noch weit entfernt, gerade einmal 70 Wasserstofftankstellen zählt man in Deutschland heute, dazu 500 Fahrzeuge. Zum Vergleich: allein in Thüringen gibt es 400 reguläre Tankstellen. Anderswo ist man schon deutlich weiter, weiß René Himmelstein, Vizepräsident der Maximator GmbH. In Korea investiert Hyundai rund sieben Milliarden Euro in die Wasserstofftechnik, Toyota setzt ausschließlich auf Wasserstoff und in China gibt es schon heute acht Hersteller für Wasserstoff-Busse und andere Großfahrzeuge. "Wir reden hier schon lange nicht mehr davon das hier nur kopiert wird. In Asien gehen die Leute mit Ambition und Mut voran, da passiert gerade ganz viel", erzählt der Schwabe, der für Maximator auf der internationalen Bühne unterwegs ist und seinen Finger am Puls der Branche hat.
Die Hochdruckspezialisten aus Nordhausen wollen da bald ganz vorne mitmischen und die komplette Infrastruktur rund um die Wasserstofftankstelle liefern. Bisher hat man die vor allem als "proof of concept" gefertigt, als Beweis das man es kann. Im kommenden Jahr will man in Nordhausen eine neue Produktionsstrecke aufbauen und in die Serienfertigung gehen, erklärt René Himmelstein. Der Vorteil der Maximator-Anlagen liege in Qualität und Technik, so der Firmenchef weiter, die Konkurrenz sei groß, über Qualität und Innovation werde man aber eine Nische besetzen können.
Maximator-Vizepräsident René Himmelstein führte heute Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund durch das Nordhäuser Werk (Foto: Angelo Glashagel)
Innovation wie den "Automatic Seal Exchange". Bei der Wasserstoffbetankung wird mit hohem Druck gearbeitet, an den Anlagen müssen deswegen in schöner Regelmäßigkeit Dichtungen gewechselt werden. Im Moment geschieht das händisch und kann eine Tankstelle für mehrere Tage lahmlegen. Die Maxmiator-Technik schafft das volllautomatisch in wenigen Stunden.
Die Firma sei einer der "hidden Champions", einer der "versteckten Helden" des Freistaates, lobte heute denn auch Thüringens Umweltministerin, Anja Siegesmund (Grüne) beim Besuch des Nordhäuser Werkes. Baue man den technischen Vorsprung weiter aus, könne der Thüringer Norden ein "Hydrogen Valley" werden, ein Zentrum der Wasserstoff-Technik, doch dafür brauche es mehr Unterstützung von Seiten der Politik. "Wenn 20.000 Kohlekumpeln der Verlust des Arbeitsplatzes droht, werden in der Republik alle Hebel in Bewegung gesetzt und Milliardenprogramme aufgelegt. Die werden auch gebraucht, das ist auch gut so. Aber zum Vergleich: wir haben heute 60.000 Jobs in der Umweltwirtschaft, allein in Thüringen und es waren schon einmal 80.000. Wir brauchen für die Technologie der Zukunft endlich die Förderung aus dem Bund, die sie verdient", sagte die Ministerin.
Noch gibt es einige Hürden zu überwinden, die technischen Weichen sind noch nicht auf den einen Weg festgelegt und es gibt Wirtschaftlichkeitslücken speziell im Bereich der Windkraft, die in naher Zukunft geschlossen werden müssten, wenn die Vision vom Jahr 2030 Realität werden sollte. Die ersten Schritte sind aber schon gemacht. Um zu sehen wo sie hinführen, wird man keine zehn Jahre warten müssen.
Angelo Glashagel


