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Mo, 06:00 Uhr
24.06.2019
NATURSCHÜTZER UND ORNITHOLOGE WILHELM ROTH:

„Ich klage an!“

Bis zur Wende war Wilhelm Roth, der Agraringenieur, in der Viehwirtschaft eines Eichsfelder Betriebes tätig. Roth, der in Heiligenstadt wohnt, kennt die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft aus Erfahrung. Er weiß um ihre Bemühungen, den Tisch mit Nahrungsmitteln für die Bevölkerung reich zu decken. Er weiß aber auch: Agrarbetriebe und wir alle könnten und sollten sich intensiver um die Artenvielfalt in der Natur bemühen. Er klagt an...

Ein Bild, wie es nicht sein sollte: Ausgeräumter Feldrain. (Foto: Wilhelm Roth) Ein Bild, wie es nicht sein sollte: Ausgeräumter Feldrain. (Foto: Wilhelm Roth) Ein Bild, wie es nicht sein sollte: Ausgeräumter Feldrain.

Eichsfeld/Südharz. Schon vor Jahren schrieb er in seiner Publikation „Das kleine Paradies“ über Beobachtungen in der Natur. Heute ist er als Rentner, Ornithologe und engagierter Naturschützer Tag für Tag in Wald, Feld und Flur unterwegs. Es bereitet ihm Sorgen, was in den letzten Jahren an Vielfalt verloren ging: Rebhuhn, Hase, Feldlerche, Stieglitz & Co. nebst großer Insektenvielfalt, die er in jungen Jahren noch häufig registrieren konnte, werden immer mehr zu einer Rarität.

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Roth beklagt die Sorglosigkeit von Agrarunternehmen und mancher Menschen im Umgang mit der Natur. Mit wenig Aufwand ließe sich Gutes tun. Der Ornithologe belegt es mit einem simplen Beispiel: Ein Foto zeigt einen ausgeräumten Feldrain in der Gemarkung Rengelrode. Abgemäht sind Wildkräuter und Blumen, Nahrung für das Niederwild, Vögel und Insekten. Das andere Motiv veranschaulicht das Gegenteil: Blühender Feldrain. Es gehe, wenn man wolle. Heute werde oft bis zum Wald -und Grabenrand gepflügt, abgemäht und zermulcht, was einst als Blumen und Kräutern Nahrungsgrundlage für allerlei Getier war. Das müsse nicht sein.

Wilhelm Roth setzt sich vehement für die Umwelt ein. Er prangert Verstöße an, schaltet Ämter ein, sucht den Kontakt mit Agrarbetrieben, macht öffentlich, was dem Naturschutz zuwiderläuft. Und scheut auch Anzeigen nicht. Nicht jedem gefällt, was er tut. Wenn seine Bemühungen mitunter auch nicht den gewünschten Erfolg zeitigen, so fördern sie, unbestritten, Meinungsvielfalt und Umweltbewusstsein.

Ein Bild, das erfreut: Blühender Feldrain. (Foto: Wilhelm Roth) Ein Bild, das erfreut: Blühender Feldrain. (Foto: Wilhelm Roth) Ein Bild, das erfreut: Blühender Feldrain.

Was dem Rentner im Eichsfeld negativ auffällt und ihm missfällt, trifft ohne Abstriche für den Südharz zu. Wo einst, um nur ein Bespiel von vielen zu nennen, ein kleiner mit Steinklee bewachsener Wanderweg, ein Paradies für Wildbienen und Hummeln, um den Holzberg bei Günzerode führte, leistet jetzt der Pflug bis zum Waldessaum ganze Arbeit. Andere grüne Wege, die weiter in das Borntal oder in den Wald am Hagen führten, sind Geschichte. Eine Flurneuordnung könnte wieder herstellen, was einmal war.

Der Appell des 78-Jährigen aus dem Eichsfeld ergeht auch an Ämter, Institutionen und Bürger, die Einfluss auf die Bewahrung der Feld- und Uferraine haben. Und auf die Gestaltung von Vorgärten. Blühende stehen der Umwelt besser zu Gesicht als öde Kiesschichten, mögen sie auch noch so hell in der Sonne glänzen.

Am Schachtbau-Gelände in Nordhausen (Foto: Kurt Frank) Am Schachtbau-Gelände in Nordhausen (Foto: Kurt Frank) Noch grünt und blüht es auf dem Grünstreifen entlang der Straße nach Sundhausen an Schachtbau vorbei. Der Anblick mag manchen als nicht aufgeräumt anmuten, aber er ist umweltfreundlich.

Noch blühen die Wildkräuter und -blumen auf dem Grünstreifen ausgangs der Stadt Nordhausen Richtung Sundhausen an Schachtbau vorbei. Noch laben sich an der bunten Pracht allerlei Insekten. Der Anblick mag nicht aufgeräumt anmuten, aber er ist umweltfreundlich. Oder sind Straßenbauamt oder das Sachgebiet Umwelt und Grünordnung der Stadt anderer Meinung?

Es werde zwar viel über Klima-, Natur-, Insekten -und Vogelschutz geredet, sicht- und greifbare Erfolge ließen auf sich warten. Die Kanzlerin lobt den Einsatz der Schüler und Jugendlichen und ihre Demonstrationen für den Klimaschutz, doch es habe den Eindruck, die Politik betreibe nur Augenauswischerei. Klima -und Naturschutz bilden eine Einheit. Eine Verordnung seitens der Politik für Umgang und Pflege der Feldraine, Gräben, Wald -und Straßenränder wäre schon ein kleiner wirkungsvoller Schritt im Sinne von Rebhuhn, Hase, Insekten & Co.
Kurt Frank
Autor: red

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