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Fr, 16:00 Uhr
24.05.2019
Gartenkultur damals und heute

Liebe, Leidenschaft und Funktionalität

Ein Garten ist auch ein Spiegel der Kultur. Große Landschaftsgärten, wie sie im 19. Jahrhundert, entstanden sind, würde heute niemand mehr errichten und auch der Schrebergarten ist ein Stück Kulturgeschichte. Was "Gartenkultur" heute bedeuten kann, das wird man Sonntag zum "Tag der offenen Gärten" selber sehen können. Die nnz hat mit den Organisatoren im Vorfeld über Liebe, Leidenschaft und Funktionalität zwischen Gemüserabatte und Rosenbeet gesprochen...

"Gartenkultur" - damals und heute, im Gespräch mit den Machern dern "offenen Gärten" (Foto: Angelo Glashagel) "Gartenkultur" - damals und heute, im Gespräch mit den Machern dern "offenen Gärten" (Foto: Angelo Glashagel)

Wenn am Sonntag der nunmehr 5. "Tag der offenen Gärten" im Landkreis anbricht, dann wird auch die Familie Bakker aus Auleben die Tore zu ihrem Refugium für das interessierte Publikum öffnen. "Der Garten besticht mit vielen kleinen, alten Accessoires, selbstgetöpferten Deko-Elementen und Schiefersteinelementen", erzählt Diana Moraweck vom Büro LA 21, "Ess- und Zierpflanzen wachsen gemischt nebeneinander, da steht Lavendel neben Mangold oder Hortensien und Rosen neben Kräuterpflanzen". Ähnlich, doch ganz anders, sieht es beim Garten Timmermann und Müller in Großlohra aus. Auch hier herrscht der "Landhausstil", nur mit mehr Nutzpflanzen und Haustieren.

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Zusammen mit dem Park Hohenrode bilden die beiden Gärten die Startpunkte für den "Tag der offenen Gärten". Für einen kleinen Unkostenbeitrag von drei Euro erhält man hier die komplette Liste der 13 Gärten, die in diesem Jahr besichtigt werden können.

Die Auswahl sei nicht leicht gefallen, erzählt Moraweck, strikte Kriterien gebe es nicht. "Hier im Landkreis gibt es eine sehr schöne Vielfalt, die so nicht überall denkbar ist. Grundsätzlich schicken wir niemanden weg, der mitmachen will. Wir hatten auch schon Schrebergärten in der Kleingartenanlage im Programm. Aber ein etwas wie ein reiner "Baummarktgarten" würde nicht das Anliegen dieses Tages treffen. Im Kern geht es um die Leidenschaft und die Liebe zum Garten und zur Pflanze und um die Möglichkeit, diese auch einmal zu präsentieren. Das wollen wir zeigen und möglich machen."

Über die Jahre sei aus den Teilnehmern eine kleine Gemeinschaft geworden, die sich untereinander austauscht und gelegentlich gegenseitig besucht. Grob sehe man zwei Kategorien: die "Sammler" und die bereits erwähnten Landhausgärtner. Erstere haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Gärten mit seltenen Arten oder bestimmte Pflanzen zu bestücken. Wie Herr Funke aus Sollstedt, der auch in diesem Jahr wieder seine 267 Bonsai-Bäume präsentieren wird.

"Die Damen und Herren sind auf ihrem Metier oft größere Spezialisten als wir", erzählt Björn Diener, Chef der "LA21". Die Gartenkultur, wie sie die Liebhaber betreiben, habe mit dem Arbeitsalltag der Landschaftsarchitekten allerdings nicht mehr viel zu tun. Die Zeiten in denen ganze Parks geplant wurden und Menschen wie Hohenrodes Architekt Heinrich Siesmayer oder der "größte Gärtner Englands" Lancelot "Capability" Brown zu Ruhm und Ehren kamen, sind lange vorbei. Kühne Sichtachsen, seltene Gewächse, stilisierte Symetrien, Eremitenhütten, Grotten, romantische Ruinen und das "Ha-Ha" gehören heute eher nicht mehr zum Repertoire des Landschaftsarchitekten, man ist mehr Dienstleister als Visionär und Künstler.

Ihr Beruf drehe sich heute vor allem um "Objektplanung", etwa für die Außenflächen von Schulen und Kindergärten, für Spielplätze und ähnliche Einrichtungen, sowie um die Betreuung und Pflege bestehender Anlagen. In der Region ist man an der Kita Frauenberg, der Grundschule Petersdorf und an den Schulen Bleicherodes aktiv. Überregional arbeitet man auch in Halle, Dessau und Erfurt. Baumkontrollen und Bestandsplanungen führen die Nordhäuser deutschlandweit durch.

Arbeiten auch für die Liebe zur Pflanze - Björn Diener und Diana Moraweck (Foto: Angelo Glashagel) Arbeiten auch für die Liebe zur Pflanze - Björn Diener und Diana Moraweck (Foto: Angelo Glashagel)

Geht es um öffentliche Bereiche, stehe meist die Vereinbarkeit von Nutzen und Grünfläche im Vordergrund, die Pflanzen selber würden meist nur als "Garnitur" gesehen. "Funktionalität" ist das Stichwort, erzählen die Architekten, selbst in vielen privaten Gärten. "Wir müssen wieder von der Überzeugung wegkommen, das ein Garten nur Arbeit macht. Pflegeleicht muss nicht gleich heißen Langweilig. Man kann den Rasen auch einfach mal fünf Zentimeter wachsen lassen und sehen, was da von ganz alleine entsteht. Es muss nicht immer alles kontrolliert sein.", erklärt Diener. Gerne würde man wieder mehr Pflanzenberatungen durchführen, ein Stück weit "Pflanzenarchitekt" sein, denn in der Breite sei hier über die Jahre viel Wissen verloren gegangen. "Es gibt Beispiele wie es anders geht. Wir kennen zum Beispiel einen Garten in Buhla, mit 18.000 qm Fläche. Ein Riesenareal das zeigt, was möglich ist und wie eine pflegeleichte Vielfalt aussehen kann."

Das man den Tag der offenen Gärten immer wieder organisiere, sei vor allem diesem Idealismus, der Liebe zur Pflanze, geschuldet, sagt Moraweck. Doch auch der hat Grenzen. Da der Nordhäuser ADFC in diesem Jahr anderswo in die Pedale tritt, wird es zum 5. Gartentag keine gemeinsame Radtour geben können. Dafür lädt man ab 10 Uhr wie gewohnt zum "Brunch im Park". Die Gärtnerei Sauer öffnet ihren Schaugarten und lädt dazu ein, diverse Pflanzen näher kennen zu lernen und Marco Müller-John wird mit den Besuchern alte Sorten wieder entdecken.

Gartenfreunde sind dazu angehalten, ihre Tour in einem der drei Eingangsgärten zu starten, nur hier erhält man die ganze Liste aller teilnehmenden Gärten zwischen Ellrich und Windehausen, wie man seine Tour gestalten möchte, bleibt jedem selbst überlassen. "Wir haben versucht die Gärten in den jeweiligen Regionen möglichst zu bündeln, damit keine großen Strecken zurückgelegt werden müssen.", erzählt Moraweck, "wir wollen die Natur fördern, nicht unnötig belasten. Deswegen wäre es wunderbar, wenn sich Fahrgemeinschaften finden würden, wir haben leider nicht die Kapazitäten so etwas zu organisieren. Und falls sich jemand berufen fühlen sollte, für das kommende Jahr zum kulturellen Rahmenprogramm beizutragen, kann man sich gerne bei uns melden".

Wer die Vielfalt moderner Gartenkultur erkunden möchte, kann das in Nordhausen am Sonntag, ab zehn Uhr tun., weitere Veranstaltungen folgen im Rest des Freistaates im Laufe der nächsten Wochen. Weitere Details finden sich hier und hier .
Angelo Glashagel
Autor: red

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