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Di, 13:00 Uhr
14.05.2019
Wahlkampf

Es kann auch anders gehen

Im laufenden Wahlkampf müssen die Nordhäuser Grünen mit dem Abschied von Gisela Hartmann auf eines ihrer "Zugpferde" verzichten. Dennoch sieht man dem Urnengang optimistisch entgegen, die Stadt könne durchaus Grüne Ideen gebrauchen, meinen die beiden Spitzenkandidaten...


Man hätte es anders machen können. Man hätte Frau Hartmann als Urgestein der Nordhäuser Grünen noch einmal auf die Liste setzen können. Der Name ist bekannt, das zieht Stimmen. Würde sie das Mandat nicht annehmen, könnte eine andere Grüne Kraft nachrücken. Doch man wollte nicht. "Es wird schwer Gisela nicht mehr im Stadtrat zu sehen aber wir wollen einen ehrlichen Wahlkampf fahren und können nicht Leute auf die Liste setzen, die den Posten eigentlich nicht wollen und nicht annehmen, nur um auf Stimmenfang zu gehen", sagt Sylvia Spehr. Zusammen mit Daniel Krieg steht sie ganz oben auf der Grünen Liste für den Stadtrat.

Man habe große Fußstapfen zu füllen, einen kompletten Generationswechsel werde es aber, sollten die Stimmen reichen, nicht geben. Werden es wieder drei Plätze im Stadtrat, dann werde man mit Uschi Burkhardt eine erfahrene Kollegin an der Seite haben. "Grundsätzlich freuen wir uns immer wenn sich junge Leute engagieren wollen, ich glaube unsere Partei ist die letzte, die da an irgendwelchen Posten klebt anstatt den Weg freizumachen.", sagt Spehr.

Zu den jungen Engagierten gehört Daniel Krieg, Ingenieur in regenerativer Energietechnik und Master-Student auf dem Weg zum Stadtplaner. Er hat sich das Thema "regionale Wertschöpfung" auf die Fahne geschrieben. Man könne auch Grüne Wirtschaftspolitik machen, meint Krieg, tatsächlich sei die heute notwendiger denn je. Und machbar. "Wenn ich durch die Stadt gehe dann ist es für mich völlig unverständlich wie es sein kann das auf unseren kommunale Dächer kaum PV-Anlagen zu sehen sind. Wenigstens Solarthermie, und das wäre die "kleinste" Variante, würde sich als nützlich erweisen. Wird die Energie zum Eigenverbrauch genutzt, spart man Kosten. Wird sie eingespeist, können auch Einnahmen generiert werden. Es gibt da viele Möglichkeiten an deren Ende ein Plus für die Kommune steht."

Für größere Projekte fehle es in Nordhausen aber an regionalen Investoren. Wird doch in und um Nordhausen investiert, blieben die daraus resultierenden Steuereinnahmen nicht vor Ort, eben weil der Investor "außerhalb" sitzt. "So etwas ließe sich auch regional umsetzen, etwa mit der EVN", sagt Krieg, der Energieversorger könnte in eigener Regie dafür sorgen, dass die Preise stabil bleiben da man im Eigenbetrieb nicht mehr dem Markt unterworfen sei, das schaffe Preis- und Versorgungssicherheit.

Auch das Thema Radwege haben die Grünen auf der Agenda. Es gebe derzeit Fördermittelquoten von bis zu 100%, die Stadt nutze diese Möglichkeiten bisher aber nicht konsequent, man könnte viel mehr tun, meint das Duo. Mit dem Thema Radwege steht man derweil nicht allein auf weiter Flur, wird der Bürger zur Urne gerufen, entdeckt die Politik am Südharz den Radverkehr immer wieder neu.

"Man hat den Eindruck das alle ein wenig Grün werden wenn es in den Wahlkampf geht", meint Sylvia Spehr. Was nicht bedeutet das den Grünen die Themen abhanden kommen. Eine Forderung nach mehr (Pflanzen-) Grün in der Stadt mag Angesichts einer mit zahlreichen Parks gesegneten Stadt erst einmal redundant erscheinen. Krieg und Spehr meinen aber: es geht noch mehr und zwar nicht nur um der lieben Pflanzen Willen. "So traurig das auch ist: in der Stadtplanung befasst man sich heute weniger mit Klimaschutz sondern häufiger bereits mit Klimaanpassung. In Nordhausen ist das Problem noch nicht so massiv wie anderswo aber auch hier häufen sich die Extremjahre. Gerade für kleinere und mittlere Städte wird es problematisch, wenn man nicht handelt.", sagt Krieg. Eine Möglichkeit das Stadtklima zu regulieren wären Grünanlagen auf Dächern und an Fassaden. "Das sieht nicht nur schön aus sondern erhöht auch den Dämmwert eines Gebäudes und bietet Lebensräume für Tiere. Pflanzt man die richtigen Gewächse, dann hält sich auch der Pflegeaufwand in Grenzen", erklärt der Stadtplaner.

Es gebe viele solcher Ideen, die man im Stadtrat dringend anstoßen müsste, meinen die Grünen, auch in Sachen Innenstadtbelebung. "Nordhausen hat seit der Wende sicher nicht stillgestanden aber es ging nicht immer in die richtige Richtung. In den letzten 50, 60 Jahren haben wir uns vor allem zu einer Autofreundlichen Stadt entwickelt, wir wollen das dass Pendel wieder mehr in Richtung Bürgerfreundliche Stadt schwingt", erläuterte Spehr.

Denkbar wären Radwegekonzepte die Synergieeffekte für Händler und kleine Geschäfte in der Innenstadt schaffen, mehr Kooperationen von Institutionen, Schulen und Schülern um das eigene Lebensumfeld zu gestalten oder eine durchgängige Wanderstrecke, die entlang der Zorgeaue bis zum Gondelteich im Stadtpark führt. Es müsse Aufgabe einer Kommune sein, ein "gesunderhaltendes Lebensumfeld" zu schaffen.

Und dann ist das noch das Grüne Leib- und Magenthema: der Gipskarst. Von ihrer grundsätzlichen Position weichen die Grünen auch im Jahr 2019 nicht ab. Der Abbau dürfe auf keinen Fall ausgebaut werden, sagt Spehr. Aber: solange es keinen adäquaten Ersatz gebe, sehe sie ein das es ohne Gipsabbau auch nicht gehe. "Ich finde denn Abbau schrecklich, das steht außer Frage. Aber ich kann ihn nicht verteufeln wenn ich die Ergebnisse in den eigenen vier Wänden nutzen muss. Die reine Konfrontation führt da nicht zu einer Lösung. Was wir brauchen sind neue Technologien und mehr Recycling. Wir müssen Alternativen finden, aufzeigen und nutzen." Grüne Politik sei kein Ausschlusskriterium für Wirtschaftswachstum, sekundierte Krieg, im Gegenteil, "Es kann auch anders gehen", Wachstum muss heute notwendigerweise nachhaltig und "grün" gedacht werden". Wirtschaft, Soziales und Umwelt müsse man als gleichwertig betrachten, denn ohne den Ausgleich der drei Säulen werde man in Zukunft nicht vorankommen.

Schickt der Wähler die Grünen wieder in den Stadtrat, wird man sich Verbündete suchen müssen. Den Fraktionsstatus zu erhalten war schon in der Vergangenheit schwierig. Sollte dies erneut gelingen, hätte man viel erreicht.

In einem kommunalen Parlament habe man mehr in der Hand, als im reinen Ehrenamt, sagt Pädagogin Spehr, die selber seit Jahren ehrenamtlich tätig ist. Wenn man Dinge umsetzen und Ziele erreichen wolle, dann werde man Partner brauchen, alleine gehe es nicht. Und wer nur aufzeige was schlecht sei, ohne echte Alternativen aufzuzeigen, der habe schlicht kein Konzept.
Angelo Glashagel
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