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Mo, 07:00 Uhr
15.04.2019
Diskussion in der "Hoffnung"

Das Rotwild und der Mensch

Der Harz ist nicht nur das nördlichste Mittelgebirge in Deutschland, er ist auch das größte zusammenhängende Rotwild-Gebiet in Europa. Nach Jahren intensiver Bejagung sehen manche die Bestände inzwischen als enorm gefährdet an. Eine Podiumsdiskussion will in der kommenden Woche einen Blick auf beide Seiten der Debatte werfen...

Der Hirsch und der Mensch - Podiumsdiskussion in der "Hoffnung" (Foto: xray70/pixabay.com) Foto: xray70/pixabay.com

In vielen touristischen Publikationen wird damit geworben, doch: das Rotwild ist auch im Harz gefährdet. 

Ein Blick zurück: Vor gut einem halben Jahr gründete sich im Südharz eine Interessengemeinschaft (IG) zur Rettung des Rotwildes im Harz. Darin haben sich Naturliebhaber, Jäger, Kommunal- und Landespolitiker, Waldbesitzer oder Tourismusakteure zusammengeschlossen. Sicher mit auch differenzierten Motiven ausgestattet, eint sie die Befürchtung, dass das Rotwild, so wie sie es und wie es Generationen zuvor erlebten, bald nicht mehr erlebbar sein wird. 

Hintergrund der Befürchtungen ist die Tatsache, dass in den zurückliegenden Jahren seitens ThüringenForst und Stiftsforstbetrieb, die im Südharz über Reviere in einer Größenordnung von rund 12.500 Hektar verfügen, das Rotwild radikal bejagt wurde und dabei auch Verstöße gegen die Weidgerechtigkeit billigend in Kauf genommen wurden und aktuell wieder gesetzlich festgelegte Jagdzeiten ausgeweitet werden sollten. Inzwischen sind die Bestände derart dezimiert, dass zum Beispiel die herbstliche Rotwildbrunft im Raum Sophienhof praktisch nicht mehr stattfindet.

Als Argument für die scharfe Bejagung werden durch das Rotwild verursachte Waldschäden angeführt. Das ist auch für die Mitglieder der Interessengemeinschaft nicht von der Hand zu weisen. „Aber wir wollen auf die Ursachen dafür aufmerksam machen und für einen vernünftigen jagdlichen Umgang mit dem größten noch lebenden Wildtier begeistern und uns für die Verbesserung seiner Lebensbedingungen einsetzen, um so letztlich auch Waldschäden auf ein tolerierbares Maß zu reduzieren.“, so Niels Neu von der IG zur Rettung des Rotwildes im Harz. „Ich denke, dass wir hier auf einem guten Weg sind. Wir stehen im steten Austausch mit dem ThüringenForst respektive dem Forstamt Bleicherode-Südharz“, so Neu weiter.


Klaus Thiemrodt, jahrzehntelang Revierförster in Sophienhof, sieht den Bestand des Rotwildes enorm gefährdet. “Gründe sind unter anderem eine falsche Winterfütterung und es ist der Mensch in seinem Freizeitverhalten. Er drängt immer mehr in den Wald, sei es als Geo-Cacher, als Mountainbiker oder mit Motorcrossmaschinen. Das erzeugt bei den Tieren einen permanenten Stress, zudem sind die sogenannten Äsungsflächen des Rotwildes außerhalb des Waldes schon seit Jahren nur schwer erreichbar, sind nicht mehr vorhanden oder werden durch landwirtschaftliche Nutztiere beäst.”

Da Rotwild jedoch aufgrund seines Verdauungsprozesses alle vier Stunden fressen (äsen) muss, zieht es sich immer tiefer in den Wald zurück und “knabbert” die Rinde der Bäume an, für das Rotwild jedoch nur eine Mahlzeit zweiter Wahl. Diese Schäle erzeugt wiederum Schäden an den Bäumen, zieht “Ernteausfälle” bei den Forstbetrieben nach sich. 

Es ist also ein Spannungsfeld, das sich seit Jahren aufgebaut hat. Auf der einen Seite die wirtschaftlichen Interessen, auf der anderen Seite die schützenswerte und erhaltenswerte Natur, die im Harz eben auch aus dem Rotwild besteht. 

Dieses Spannungsfeld nimmt die IG auf und lädt am 18. April zu einer Podiumsdiskussion in das Hotel “Zur Hoffnung” nach Werther ein. Als Referenten konnten dazu Prof. Dr. Dr. habil. Sven Herzog von der TU Dresden und der als “Hirschflüsterer” bekannte Thomas Tscherne aus Österreich gewonnen werden. Sven Herzog lehrt an der Technischen Universität Wildökologie und Jagdwirtschaft und Thomas Tscherne gilt in Österreich als Bewahrer und Behüter des Rotwildes, das in vielen Gebieten der Alpenrepublik ebenfalls bedroht ist.

Ins Podium eingeladen sind zudem auch Vertreter des zuständigen Ministeriums. Geleitet wird der Abend durch den Vorsitzenden der Hegegemeinschaft Rotwild, Klaus Thiemrodt, sowie durch Niels Neu von der Interessengemeinschaft Rotwild. 

Die Initiatoren erhoffen sich mit dieser Veranstaltung einen vielleicht etwas anderen Blick auf das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur, in dessen Folge nicht immer der Mensch gewinnen muss. Erste zaghafte Erfolge gemeinsamen Handelns gibt es bereits. So soll bei Sophienhof eine Wildbeobachtungsstation errichtet werden. Künftig sollen hier Wanderer, vor allem aber Kindergartengruppen oder Schulklassen die Natur erleben und - mit etwas Glück - einen stolzen Hirsch in seiner natürlichen Umgebung erleben, die sich viel anders darstellt, als im Gehege des Nordhäuser Stadtparkes. 

Die Veranstaltung “Der Hirsch und der Mensch - Einfluss von Tourismus, Freizeitnutzung und Jagd”, findet am 18. April um 18 Uhr im Hotel „Zur Hoffnung“ in Werther statt.
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