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Mi, 13:00 Uhr
13.03.2019
Selbstbestimmung und Beeinträchtigung

Das Leben der Anderen

Die Idee der Barrierefreiheit ist in der Gesellschaft angekommen. Wo neu gebaut wird, da werden Alltagsbarrieren für Behinderte und anderweitig Beeinträchtigte Menschen abgemieden. Freie Wege bedeuten aber nicht automatisch ein freies, selbstbestimmtes Leben. Dabei sollte auch das möglich sein, zumindest in den Grenzen der eigenen Möglichkeiten...

Ein selbstbestimmtes Leben ist möglich, sie wollen zeigen wie es gehen kann. v.l.: Siham Harouga, Alexander Krankenberg, David Gothe, Johanna Kaufhold, Christiane Marx, Merle Flemming und Frau Kindervater (Foto: Angelo Glashagel)
David Gothe sitzt im Rollstuhl und wird wohl den Rest seines Lebens mit dem Hilfsgerät verbringen müssen. Alleine an- und auszukleiden, das geht nicht. Er lebt eingeschränkt, behindert und braucht Hilfe. Trotz dieser klaren Grenzen versucht Herr Gothe mehr persönlcihe Freiheit im Alltag zu finden und ist Teil einer Arbeitsgruppe, die Menschen mit Behinderungen Wege zu einem selbstbestimmteren Leben aufzeigen wollen.

"Wenn Sie mit einer körperlichen Behinderung oder geistigen Einschränkung leben dann ist der Weg für Sie in der Regel vorgezeichnet und fremdbestimmt", erläutert Merle Flemming vom "Vitt", dem Verband für Inklusion und Teilhabe in Thüringen, "erst kommt die Förderschule, dann die Werkstatt und das war es dann. Das ist das klassische Vorgehen. Heutzutage gibt es auch andere Wege. Das fängt bei der inklusiven Beschulung und geht bis zu alternativen Arbeitskonzepten, es muss heute nicht mehr der "Außenarbeitsplatz" sein. Das man diese Wahlmöglichkeiten inzwischen hat, das wissen viele Betroffene und Angehörige nicht". Zudem würden Menschen mit Behinderungen häufig unterschätzt, sagt Flemming, "für die meisten gelten zum Beispiel Menschen mit psychischen Erkrankungen als nicht belastbar. Das stimmt nicht immer, es gibt viele die können und wollen gerne arbeiten. Das geht vielleicht mal besser und mal schlechter. Am Ende ist das auch nicht viel anders als bei allen anderen Menschen."

Zusammen mit dem Teilhabezentrum des Südharzklinikums und dem "Ex-In"-Landesverband will Schritt für Schritt für Veränderung sorgen. Die nötigen gesetzlichen Grundlagen gibt es schon seit 2017 und gehen auf UN-Initiativen aus den späten Nuller-Jahren zurück. Zeit genug ist also vergangen um aus Worten Taten werden zu lassen.

"Für mich geht es zum Beispiel darum selber entscheiden zu können wann, wo und wie ich gepflegt werden möchte", sagt David Gothe, Teilhabe bedeute auch seinen Tagesablauf selbst bestimmen zu können und selbstverständlich möglichst so zu leben, wie alle anderen auch.

Die Gruppe plant zu dem weitgefächerten Thema eine ganze Workshopreihe, die sich mit Aspekten wie dem persönlichen Budget, Unterschieden zwischen institutionellem und selbstbestimmten Leben, Arbeitsmöglichkeiten und dem "integrierten Teilhabeplan" befassen soll. "Am Anfang hatten wir nur einen einzigen Tag geplant, haben aber schnell gemerkt das dass nicht reichen würde", erzählt Alexander Krankenberg, der als Student der sozialen Arbeit die Brücke zur Hochschule herstellen.

Im Vordergrund werden neben den parktischen Informationen vor allem der Austausch von Erfahrungen stehen. "Wie selbstbestimmt jemand leben möchte hängt sehr stark von der Haltung des Betroffenen ab", sagt Frau Kindervater vom Teilhabezentrum des Südharz-Klinikums, "mehr Eigenverantwortung zu übernehmen braucht auch Mut."

Die erste "Inklusionswerkstatt" soll am Mittwoch, den 3. April, von 16 bis 19 Uhr im Bürgerhaus stattfinden, Betroffene, Angehörige, Professionelle, Politik und potentielle Arbeitgeber sind herzlich eingeladen daran teilzunehmen, die weiteren Termine will man zeitnah bekanntgeben.
Angelo Glashagel
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