Do, 09:17 Uhr
07.03.2019
Tätigkeitsbericht der Schuldnerberatung
Arbeitslosigkeit, Scheidung und Konsumverhalten
In Deutschland gelten 6-7 Millionen Menschen als überschuldet. Im Landkreis Nordhausen ist davon jeder 10. Bürger über 18 Jahre betroffen. Hilfe bekommen Betroffene von der Schuldnerberatung der AWO, die jetzt einen Einblick in ihre Arbeit des vergangenen Jahres gibt...
Zu den Schuldnern komme eine wachsende Zahl an Überschuldungsgefährdeten, häufig auch Familien mit Kindern. Die Schuldnerberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt wertete für das vergangene Jahr folgende Ergebnisse:
Auf Grund einer Erhöhung der finanziellen Förderung durch das Land Thüringen und einer stabilen Förderung durch den Landkreis war es seit Jahren erstmalig wieder möglich, dass die meisten Fälle ohne größere Wartezeiten in die persönliche Beratung aufgenommen werden konnten.
Die größte Zahl der langfristigen Fälle wurden für die Stadt Nordhausen mit den dazugehörigen Gemeinden registriert:
Selten reichten Kurzberatungen aus, um die umfangreichen finanziellen Probleme zu lösen. Meist schloss sich ein langfristiger Beratungsprozess, manchmal über mehrere Jahre, an:
Während dieser Zeit wurden die Klienten befähigt, mit dem vorhandenen Einkommen auszukommen, Vollstreckungsschutz zu nutzen, wie z. B. ein Pfändungsschutzkonto einzurichten und eine Übersicht zu der Gesamtverschuldung sowie den einzelnen Gläubigern zu erlangen. Wenn die Unterlagen auf Grund unterschiedlicher Umstände nicht vollständig waren, brauchte es teilweise viel Zeit und Geduld, um ein Verbraucherinsolvenzverfahren vorzubereiten.
Erschwerend für die Beratung kam bei 73 Betroffenen dazu, dass psychische Erkrankungen bzw. in 36 Fällen Suchterkrankungen vorlagen. Ein auffälliger Anstieg war bei Klienten mit psychischen Erkrankungen zu verzeichnen, da diese Zahl 2017 noch 54 Fälle ausmachte.
Die Auslöser und Ursachen dafür, dass aus normaler Verschuldung eine Überschuldung wird, gestalteten sich vielfältig. Es waren meist mehrere nicht vorhersehbare Lebensumstände, durch welche das finanzielle Gleichgewicht nicht mehr gewährleistet werden konnte.
Auslöser/Ursachen der Überschuldung (Mehrfachnennung möglich):
Der Hauptauslöser war bei 51,54 % der Ratsuchenden Arbeitslosigkeit, häufig verbunden mit anderen Faktoren.
Bei 32,89 % der Überschuldeten registrierte die Beratungsstelle Scheidung oder Trennung vom Partner als Ursache für die finanziellen Probleme.
Dann reichte das Einkommen einfach nicht mehr aus, um alle laufenden Ausgaben und die eingegangenen Ratenverpflichtungen zu decken.
Weitere interessante Angaben aus der Statistik:
Anzahl der Gläubiger pro Fall in der langfristigen Beratung:
Weitere Tendenzen:
Unter ihren waren 3 Klienten, für welche vor Ablauf der 6 Jahre Anträge auf vorzeitige Restschuldbefreiung bewilligt wurden.
Monika Röthling
Leiterin AWO Schuldner- und Verbraucherinsolvenz-
beratung
Autor: redZu den Schuldnern komme eine wachsende Zahl an Überschuldungsgefährdeten, häufig auch Familien mit Kindern. Die Schuldnerberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt wertete für das vergangene Jahr folgende Ergebnisse:
| Anzahl der Beratungsgespräche | 1.482 |
| Gesamtzahl der Beratungsfälle | 467 |
| davon Fälle Schuldnerberatung | 250 |
| davon Fälle Verbraucherinsolvenz | 217 |
| aufgenommene Neufälle | 127 |
Auf Grund einer Erhöhung der finanziellen Förderung durch das Land Thüringen und einer stabilen Förderung durch den Landkreis war es seit Jahren erstmalig wieder möglich, dass die meisten Fälle ohne größere Wartezeiten in die persönliche Beratung aufgenommen werden konnten.
Die größte Zahl der langfristigen Fälle wurden für die Stadt Nordhausen mit den dazugehörigen Gemeinden registriert:
| Nordhausen und Gemeinden | 313 |
| Bleicherode und Gemeinden | 34 |
| Harztor | 34 |
| Ellrich und Gemeinden | 21 |
| Heringen und Gemeinden | 20 |
| Sollstedt | 18 |
| Hainleite | 13 |
| Werther | 8 |
| Hohenstein | 4 |
| andere | 2 |
Selten reichten Kurzberatungen aus, um die umfangreichen finanziellen Probleme zu lösen. Meist schloss sich ein langfristiger Beratungsprozess, manchmal über mehrere Jahre, an:
- 2 Jahre 79 Fälle
- 3 Jahre 54 Fälle
- 4 Jahre 41 Fälle
- 5 Jahre 31 Fälle
- 6 Jahre 11 Fälle
- über 7 Jahre 6 Fälle
Während dieser Zeit wurden die Klienten befähigt, mit dem vorhandenen Einkommen auszukommen, Vollstreckungsschutz zu nutzen, wie z. B. ein Pfändungsschutzkonto einzurichten und eine Übersicht zu der Gesamtverschuldung sowie den einzelnen Gläubigern zu erlangen. Wenn die Unterlagen auf Grund unterschiedlicher Umstände nicht vollständig waren, brauchte es teilweise viel Zeit und Geduld, um ein Verbraucherinsolvenzverfahren vorzubereiten.
Erschwerend für die Beratung kam bei 73 Betroffenen dazu, dass psychische Erkrankungen bzw. in 36 Fällen Suchterkrankungen vorlagen. Ein auffälliger Anstieg war bei Klienten mit psychischen Erkrankungen zu verzeichnen, da diese Zahl 2017 noch 54 Fälle ausmachte.
Die Auslöser und Ursachen dafür, dass aus normaler Verschuldung eine Überschuldung wird, gestalteten sich vielfältig. Es waren meist mehrere nicht vorhersehbare Lebensumstände, durch welche das finanzielle Gleichgewicht nicht mehr gewährleistet werden konnte.
Auslöser/Ursachen der Überschuldung (Mehrfachnennung möglich):
| Arbeitslosigkeit | 235 | (51,54 %) |
| Scheidung, Trennung | 150 | (32,89 %) |
| Konsumverhalten | 117 | (25,66 %) |
| Krankheit | 97 | (21,27 %) |
| längerfristiges Niedrigeinkommen | 80 | (17,54 %) |
| unwirtschaftliche Haushaltsführung | 51 | (11,18 %) |
| Zahlungsverpflichtung aus Bürgschaft, Mithaftung | 47 | (10,31 %) |
| Straffälligkeit | 47 | (10,31 %) |
| gescheiterte Selbstständigkeit | 44 | (9,65 %) |
| gescheiterte Immobilienfinanzierung | 36 | (7,89 %) |
| Haushaltsgründung, Geburt Kind | 29 | (6,36 %) |
Der Hauptauslöser war bei 51,54 % der Ratsuchenden Arbeitslosigkeit, häufig verbunden mit anderen Faktoren.
Bei 32,89 % der Überschuldeten registrierte die Beratungsstelle Scheidung oder Trennung vom Partner als Ursache für die finanziellen Probleme.
Dann reichte das Einkommen einfach nicht mehr aus, um alle laufenden Ausgaben und die eingegangenen Ratenverpflichtungen zu decken.
Weitere interessante Angaben aus der Statistik:
- durchschnittliche Schuldenhöhe pro Fall: 34.372 EUR (Vorjahr 32.868 EUR)
- ehemals Selbstständige/gescheiterte Existenzgründer: 54 (Vorjahr 66)
- Alleinerziehende: 89 (Vorjahr 106)
Anzahl der Gläubiger pro Fall in der langfristigen Beratung:
| 1 bis 5 Gläubiger | bei 117 Fällen |
| 6 bis 10 Gläubiger | bei 78 Fällen |
| 11bis 20 Gläubiger | bei 128 Fällen |
| 21 bis 50 Gläubiger | bei 118 Fällen |
| über 50 Gläubiger | bei 15 Fällen |
Weitere Tendenzen:
- auffälliger Anstieg der Klientenzahl in der Altersgruppe 40 bis 50 Jahre
- Rückgang bei Ratsuchenden mit Arbeitslosengeld II und ergänzend Arbeitslosengeld II
- Anstieg bei Klienten mit Arbeitslosengeld I und Auszubildenden
- Rückgang bei gescheiterten Immobilienfinanzierungen
- außergerichtliche Einigungsversuche als Vorstufe eines Verbraucherinsolvenzverfahrens: 44, darunter erfolgreiche 7
Unter ihren waren 3 Klienten, für welche vor Ablauf der 6 Jahre Anträge auf vorzeitige Restschuldbefreiung bewilligt wurden.
Monika Röthling
Leiterin AWO Schuldner- und Verbraucherinsolvenz-
beratung


