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So, 09:09 Uhr
03.03.2019
Zwei von Drei Patienten weiblich

Immer mehr Patienten erhalten Antidepressiva

Immer mehr Menschen in Deutschland werden Antidepressiva ärztlich verordnet. So stieg die Zahl der Patienten zwischen 2008 und 2018 um 26 Prozent. Das zeigen aktuelle Daten der KKH Kaufmännische Krankenkasse...

Im Ländervergleich zeigt Sachsen-Anhalt mit 43 Prozent die höchste Steigerungsrate, gefolgt von Brandenburg mit 38 Prozent; am geringsten nahm die Zahl Betroffener in Hamburg (16 Prozent) und Schleswig-Holstein (18 Prozent) zu.

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Auffallend: Zwei von drei Patienten, denen ein Medikament gegen Depressionen verschrieben wurde, sind weiblich. Doch während die Zahl der Frauen im Erhebungszeitraum bundesweit um gut ein Viertel stieg (26 Prozent), ist die Zunahme bei männlichen Betroffenen mit mehr als einem Drittel deutlich höher (36 Prozent).

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter einer depressiven Erkrankung. Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat sich allein die Zahl der Arbeitnehmer, die wegen seelischer Erkrankungen am Arbeitsplatz ausfielen, in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Folge: bundesweit 107 Millionen Krankheitstage allein in 2018. Es verwundert daher kaum, dass immer mehr Medikamente gegen Depressionen verschrieben und eingenommen werden. „Gerade bei schweren Verlaufsformen sind Antidepressiva oft unersetzlich, lindern Symptome wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und hellen die Stimmung auf“, erläutert Apotheker Sven Seißelberg von der KKH. Allein können sie eine Depression jedoch nicht heilen. Vielmehr bedarf es der Kombination mit einer Psychotherapie.

Oftmals werden Medikamente gegen Depressionen jedoch zu schnell und ohne eindeutige Diagnose verschrieben. Bei leichten bis mittleren Depressionen sind sie nicht immer das Mittel der Wahl. „Vor allem Kinder und Jugendliche sollten Antidepressiva nur in Ausnahmefällen erhalten“, appelliert Sven Seißelberg. Denn die Nebenwirkungen können stark sein, reichen von Müdigkeit über Gewichtszunahme, Verstopfung, Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen bis hin zu Herzrhythmusstörungen.

Wem ein Antidepressivum verordnet wurde, der sollte genau beobachten, ob es ihm spürbar besser geht. „Halten die Beschwerden auch nach mehrwöchiger Einnahme an oder treten starke Nebenwirkungen auf, sprechen Sie Ihren Arzt an“, rät Apotheker Seißelberg. „Eventuell ist die Dosis zu ändern, ein Präparat mit anderen Wirkstoffen geeigneter oder das Medikament abzusetzen.“

Wissenswert:
  • Geduld haben: Antidepressiva wirken meist erst nach einigen Wochen.
  • Medikamente gegen Depressionen wie empfohlen regelmäßig einnehmen. Wurde eine Einnahme einmal vergessen, diese ausfallen lassen und normal fortfahren.
  • Ein Antidepressivum nie abrupt und ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt absetzen. Soll die Arznei abgesetzt werden, lässt man sie „ausschleichen“, das heißt, die Dosis wird langsam reduziert. Ansonsten droht ein Rückfall.
  • Auf Alkohol verzichten, denn der kann die Wirkung von Antidepressiva verhindern!
  • Antidepressiva werden von Ärzten auch bei Angst-, Zwangs-, Schlaf-, Essstörungen und gegen chronische Schmerzen verordnet.
Autor: red

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Kommentare
geloescht.20250302
03.03.2019, 11:24 Uhr
Kein Wunder...
...da die Wartezeit auf eine längerfristige Gesprächstherapie bei den wenigen Psychologen immer länger wird.

Da bleibt manchmal in der Zwischenzeit nichts anderes übrig, als Antidepressiva zu verschreiben, um Patienten kurzfristig gegen ihr Leiden helfen zu können.
Leser X
03.03.2019, 20:40 Uhr
Ich bin mir nur nicht sicher...
... ob Tabletten auch gegen eine nicht zu unterschätzende Ursache von Depressionen hilft: gesellschaftliche Missstände. Ich glaube, couragierte und kollektive Handlungen gegen diese Auslöser wären zwar schlecht für die Pharma- Industrie, aber gut für die Menschen. Eine Art sinnvolle Ergotherapie.
geloescht.20250302
04.03.2019, 07:31 Uhr
Da bin ich komplett Ihrer Meinung!
Als (potenziell) Betroffene (Irgendwie sind wir das alle) haben wir in diesem Jahr mehrfach die Möglichkeit, den Verantwortlichen in der Politik Hilfe für das Wahlvolk abzufordern.

Als Ergotherapie meinen Sie sicherlich Gelbe Westen, Leser X? Leider werden viele Menschen Angst haben, bei solchen Protesten von den üblichen Krawallmachern und Störern, denen die derzeitigen Zustände zu gefallen scheinen, drangsaliert zu werden.
Real Human
04.03.2019, 12:43 Uhr
„Macht kaputt was euch kaputt macht!“
„Macht kaputt was euch kaputt macht ist ein Song der Ton Steine Scherben und erschien 1970 als erste Single der Gruppe, die den Ruf der Band nachhaltig prägte. (…) Im Februar 1970 gründete der Arzt Dr. Wolfgang Huber das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK). Huber war Vertreter eines neuen Ansatzes in der Psychatrie, der Anti-Psychatrie, nach deren Theorie nicht der einzelne Mensch krank ist, sondern die Gesellschaft. Heilung bestand für ihn darin, das krank machende System der Gesellschaft zu zerstören.“, weiß die indiepedia zu berichten.

Klingt das nicht erfrischend anders als solche altklugen Ratschläge wie

• „Geduld haben ...“,
• „ … regelmäßig einnehmen ...“
• … nie abrupt und ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt absetzen (…) Ansonsten droht ein Rückfall.“
• „Auf Alkohol verzichten.“ (Als ob Alkohol nicht das älteste Antidepressivum der Menschheit wäre. Aber damit kann man ja heute keine APOTHEKENPREISE mehr erzielen. Oder?–) ?

Nein, ich bin nicht für das Sichbesaufen bei psychischen Problemen. Was aber die allermeisten Psychopharmaka anbelangt, so sind sie so wirksam wie Alkohol, nur ohne berauschendes Erlebnis. Dass manche das Suizidrisiko – mindestens vorübergehend! – sogar erhöhen können, wird in dieser als Ratgeber getarnten Schleichwerbung VERSCHWIEGEN!

Und nochmals nein: Sie wollen uns nichts Böses, die Seelenklempner und Giftköche (Paracelsus) der Pharmaindustrie! Nein, sie wollen doch nur, dass wir ihnen als erträgliche Einnahmequelle möglichst lange erhalten bleiben.

"Was bringt den Doktor um sein Brot?
a) Die Gesundheit,
b) der Tod.
Drum hält der Arzt, auf dass er [gut!] lebe,
uns zwischen beiden in der Schwebe."

Bei psychischen Problemen gibt es ein unübertroffen wirksames Medikament. Es heißt Pentobarbital oder 5-Ethyl-5-(1-methylbutyl)-barbitursäure. Es ist am verträglichsten intravenös anzuwenden. Um es so verabreicht zu bekommen, muss man aber schon zu den Eidgenossen reisen.

„'Going to Switzerland' Is a Euphemism for Assisted Suicide“

Keine Sorge! Ich will, den falschen Gutmenschen aus Politik und „Seelsorge“ noch eine gute Weile erhalten bleiben. Getreu dem obigen Spontispruch!

„Salvatorische Klausel“:

Ich will mit diesem Kommentar niemanden dazu auffordern, bei körperlichen oder psychischen Problemen nicht zum Arzt zu gehen, seine Medikamente nicht oder falsch einzunehmen oder sich gar zum „Freitod“ zu entschließen.

Sehr wohl aber fordere ich jeden dazu auf, sich zu existenziellen Fragen eine eigene Meinung zu erarbeiten. Niemals in der Geschichte der Menschheit konnten sich so viele Menschen so leicht und umfangreich informieren wie heute. Aber immer noch ist die Gefahr sehr hoch, von Demagogen, Quacksalbern und nur sich selbst wohlwollenden „Autoritäten“ aller Art indoktriniert und verführt zu werden.

Jörg Birkefeld
Leser X
04.03.2019, 19:10 Uhr
Tannhäuser
Ja, Westen sollten es schon sein. Sie sind inzwischen Sinnbild für Menschen, die ihren Allerwertesten von der Chesoulonge fortbewegen und etwas gegen die missratenen gesellschaftlichen Verwerfungen unternehmen.

Ob sie eher gelb oder besser bunt sein sollten, darüber kann man ja reden.
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