Fr, 16:50 Uhr
25.01.2019
Ministerinnenbesuch in der Großküche
Essen vom Acker nebenan
Rund 5.000 Portionen verlassen die beiden Großküchen des Horizont Vereins jeden Tag und finden ihren Weg auf die Teller von Schülern und Kindergartenkindern im ganzen Landkreis. Ein Teil der Zutaten stammt aus dem hauseigenen ökologischen Anbau. Das rechnet sich nicht immer, dennoch würde man gerne mehr "Bio" auf den Tisch bringen. Wie das gehen könnte, darüber wurde heute mit Landwirtschaftsministerin Birgit Keller gesprochen...
v.l.: Fachmann im Verein Steffen Fahrland, Minsiterin Birgit Keller, Bereichsleiter im Horizont Jörg Wolf, Geschäftsführer René Kübler und Ernährungsexpertin Silke Schulze (Foto: Angelo Glashagel)
v.l.: Fachmann im Verein Steffen Fahrland, Minsiterin Birgit Keller, Fachbereichsleiter im Horizont Jörg Wolf, Geschäftsführer René Kübler und Ernährungsexpertin Silke Schulze
Auf knapp 10% beläuft sich der Anteil an ökologisch angebauten Zutaten im Essen der beiden Großküchen und die stammen wiederum zumeist aus dem hauseigenen Gartenbau in Salza. Biologisch und ökologisch, das heißt in diesem Fall das eine ganze Reihe an Vorgaben einzuhalten sind, vom Saatgut bis zu Verpackung, etwa der Verzicht auf chemikalische Keulen oder Plastik am Endprodukt. Einmal im Jahr wird die Einhaltung der Regeln extern überprüft und entsprechend zertifiziert. Unter den Großküchen im Landkreis sei man in dieser Hinsicht einzigartig, sagt Horizont-Geschäftsführer René Kübler.
"Das ist alles sehr aufwendig und betriebswirtschaftlich manchmal schwierig. Aber das ist ein Wert, der uns wichtig ist und immer war. Wir machen das so lange weiter, wie wir es uns leisten können", sagte der Geschäftsführer. Mit dem Projekt "AnGel" unter Leitung von Ernährungsexpertin Silke Schulze tourt man schon seit 2006 durch den Landkreis und informiert Kinder wie Eltern gleichermaßen über gesunde Ernährung.
Im Wettbewerb um die Kantinenteller der Region gereiche dem Verein sein bestehen auf die Qualität der Zutaten bisher kaum zum Vorteil. Schulessen sollte nicht als Konkurrenzprodukt genutzt werden, meint man im Verein, die Realität sehe aber anders aus. In Ausschreibungen würden zwar zumeist die empfohlenen Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verlangt, ob diese aus eingehalten würden unterliege im Nachhinein aber keinerlei Überprüfung. Gesetzlich verankert sind weder die Standards, noch Verfahren zu ihrer Überprüfung. Am Ende zählt der Preis und der liegt im Südharz mit rund 2,70 pro Essen schon einen Euro unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.
Dennoch würde der Verein gerne mehr "Bio" aus der Region in die Region bringen und sucht neue Kooperationen mit lokalen Landwirten. Bei Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (die Linke) rennt der Verein hier offene Türen ein, seit 2015 verfolgt die Rot-Rot-Grüne Koalition das Ziel immerhin 10% der Anbaufläche in Thüringen für ökologischen Landbau zu nutzen. Die Erfolge fallen bisher mager aus, nach dem ersten Jahr sank der Anteil der ökologischen Anbaufläche sogar von 4,8% auf 4,2% der Gesamtfläche, inzwischen sei man immerhin bei 5,4%, der Trend zeige in die richtige Richtung, sagte Keller am Nachmittag. "Sie können hier niemanden etwas aufzwingen. Man muss im Gespräch bleiben, Vertrauen aufbauen und Schritt für Schritt vorangehen". "Bio" werde immer ein Nischenprodukt bleiben, auch bei 10% Anbaufläche und dafür gebe es objektive Gründe, wie die komplexe, globale Marktlage in Sachen landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Dennoch ließen sich auch in der Nische Möglichkeiten finden. Für Keller heißt die "Bio und Regional in die Kantinen". Die Transportwege sind kurz, der Endverbraucher weiß wo sein Essen herkommt und der Landwirt hat eine Absatzmöglichkeit, die auch ökologischen Anbau sinnvoll macht. Die Wertschöpfung würde man so im Land lassen, erklärte Keller, für eine Entwicklung dahin müssten die Anreize am Markt, die Nachfrage und die betriebswirtschafltiche Basis stimmen.
Für die Förderung des Bio-Landbaus hat das Land in den vergangenen fünf Jahren rund 32 Mio. Euro ausgegeben und verschiedene Initiativen und Förderprogramme gestartet. Der Fokus des Vereins, der vorrangig auf der Versorgung von Schulen und Kindergärten liegt, ist aber nicht Kellers Sache. Für das Schulessen ist der Verbraucherschutzminister Dieter Lauinger (Bündnis 90/die Grünen) zuständig.
Einen Fuß in der Tür des Kabinetts zu haben kann aber für den Verein kaum schaden. Man hofft, das bei den Ausschreibungen zukünftig anders verfahren werden könnte und hier hätte das Land durchaus Hebel, die bewegt werden könnten. Momentan komme der Preis vor der Qualität der Ernährung. Wie unterschiedlich Herangehensweisen sein können, wird schon regional deutlich. Während es der Landkreis seinen Schulen und ihren Elternvertretungen selber überlässt über ihre Zulieferer zu entscheiden, wird in der Stadt alle paar Jahre neu ausgeschrieben wer liefern darf.
Und wenn der Verein Träume wahr machen könnte, dann wäre die Versorgung mit gutem Schulessen gleich ganz kostenlos. Als Politikerin der Linken wäre sie zu so einem Schritt nur zu gerne bereit, meinte Keller, aber es gebe andere Wege, die realisitischer seien, etwa die schrittweise Wiedereinführung des Essenszuschusses. Der sei einst erst zurückgefahren und stellenweise ganz gestrichen worden. Immerhin: im Landkreis gibt es den Zuschuss noch.
Angelo Glashagel
Autor: red
v.l.: Fachmann im Verein Steffen Fahrland, Minsiterin Birgit Keller, Bereichsleiter im Horizont Jörg Wolf, Geschäftsführer René Kübler und Ernährungsexpertin Silke Schulze (Foto: Angelo Glashagel)
v.l.: Fachmann im Verein Steffen Fahrland, Minsiterin Birgit Keller, Fachbereichsleiter im Horizont Jörg Wolf, Geschäftsführer René Kübler und Ernährungsexpertin Silke Schulze
Auf knapp 10% beläuft sich der Anteil an ökologisch angebauten Zutaten im Essen der beiden Großküchen und die stammen wiederum zumeist aus dem hauseigenen Gartenbau in Salza. Biologisch und ökologisch, das heißt in diesem Fall das eine ganze Reihe an Vorgaben einzuhalten sind, vom Saatgut bis zu Verpackung, etwa der Verzicht auf chemikalische Keulen oder Plastik am Endprodukt. Einmal im Jahr wird die Einhaltung der Regeln extern überprüft und entsprechend zertifiziert. Unter den Großküchen im Landkreis sei man in dieser Hinsicht einzigartig, sagt Horizont-Geschäftsführer René Kübler.
"Das ist alles sehr aufwendig und betriebswirtschaftlich manchmal schwierig. Aber das ist ein Wert, der uns wichtig ist und immer war. Wir machen das so lange weiter, wie wir es uns leisten können", sagte der Geschäftsführer. Mit dem Projekt "AnGel" unter Leitung von Ernährungsexpertin Silke Schulze tourt man schon seit 2006 durch den Landkreis und informiert Kinder wie Eltern gleichermaßen über gesunde Ernährung.
Im Wettbewerb um die Kantinenteller der Region gereiche dem Verein sein bestehen auf die Qualität der Zutaten bisher kaum zum Vorteil. Schulessen sollte nicht als Konkurrenzprodukt genutzt werden, meint man im Verein, die Realität sehe aber anders aus. In Ausschreibungen würden zwar zumeist die empfohlenen Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verlangt, ob diese aus eingehalten würden unterliege im Nachhinein aber keinerlei Überprüfung. Gesetzlich verankert sind weder die Standards, noch Verfahren zu ihrer Überprüfung. Am Ende zählt der Preis und der liegt im Südharz mit rund 2,70 pro Essen schon einen Euro unter dem bundesdeutschen Durchschnitt.
Dennoch würde der Verein gerne mehr "Bio" aus der Region in die Region bringen und sucht neue Kooperationen mit lokalen Landwirten. Bei Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (die Linke) rennt der Verein hier offene Türen ein, seit 2015 verfolgt die Rot-Rot-Grüne Koalition das Ziel immerhin 10% der Anbaufläche in Thüringen für ökologischen Landbau zu nutzen. Die Erfolge fallen bisher mager aus, nach dem ersten Jahr sank der Anteil der ökologischen Anbaufläche sogar von 4,8% auf 4,2% der Gesamtfläche, inzwischen sei man immerhin bei 5,4%, der Trend zeige in die richtige Richtung, sagte Keller am Nachmittag. "Sie können hier niemanden etwas aufzwingen. Man muss im Gespräch bleiben, Vertrauen aufbauen und Schritt für Schritt vorangehen". "Bio" werde immer ein Nischenprodukt bleiben, auch bei 10% Anbaufläche und dafür gebe es objektive Gründe, wie die komplexe, globale Marktlage in Sachen landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Dennoch ließen sich auch in der Nische Möglichkeiten finden. Für Keller heißt die "Bio und Regional in die Kantinen". Die Transportwege sind kurz, der Endverbraucher weiß wo sein Essen herkommt und der Landwirt hat eine Absatzmöglichkeit, die auch ökologischen Anbau sinnvoll macht. Die Wertschöpfung würde man so im Land lassen, erklärte Keller, für eine Entwicklung dahin müssten die Anreize am Markt, die Nachfrage und die betriebswirtschafltiche Basis stimmen.
Für die Förderung des Bio-Landbaus hat das Land in den vergangenen fünf Jahren rund 32 Mio. Euro ausgegeben und verschiedene Initiativen und Förderprogramme gestartet. Der Fokus des Vereins, der vorrangig auf der Versorgung von Schulen und Kindergärten liegt, ist aber nicht Kellers Sache. Für das Schulessen ist der Verbraucherschutzminister Dieter Lauinger (Bündnis 90/die Grünen) zuständig.
Einen Fuß in der Tür des Kabinetts zu haben kann aber für den Verein kaum schaden. Man hofft, das bei den Ausschreibungen zukünftig anders verfahren werden könnte und hier hätte das Land durchaus Hebel, die bewegt werden könnten. Momentan komme der Preis vor der Qualität der Ernährung. Wie unterschiedlich Herangehensweisen sein können, wird schon regional deutlich. Während es der Landkreis seinen Schulen und ihren Elternvertretungen selber überlässt über ihre Zulieferer zu entscheiden, wird in der Stadt alle paar Jahre neu ausgeschrieben wer liefern darf.
Und wenn der Verein Träume wahr machen könnte, dann wäre die Versorgung mit gutem Schulessen gleich ganz kostenlos. Als Politikerin der Linken wäre sie zu so einem Schritt nur zu gerne bereit, meinte Keller, aber es gebe andere Wege, die realisitischer seien, etwa die schrittweise Wiedereinführung des Essenszuschusses. Der sei einst erst zurückgefahren und stellenweise ganz gestrichen worden. Immerhin: im Landkreis gibt es den Zuschuss noch.
Angelo Glashagel

