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Mo, 18:00 Uhr
07.01.2019
Die alte "Siedi"

Eine alte Lok erstrahlt in neuem Glanz

Techniker sind im allgemeinen Menschen, die nicht an Wunder glauben. Manchmal gibt es aber auch Geschichten, die kommen einem kleinen Wunder nah, wenn sich Liebe zur eigenen Geschichte, Leidenschaft und Gleichgesinnte zusammenfinden. Eine solche Geschichte brachte das IFA-Museum Nordhausen jetzt zu einem glücklichen Ende...


Der Lebensweg einer kleinen Lok ist eine Geschichte für sich, gebaut 1927 in Nordhausen, führt er über verschiedene Arbeitsverhältnisse zurück an ihren Geburtsort.

Die in den Jahren zwischen den letzten beiden Weltkriegen gebauten Loks aus der ehemaligen Montania sind heute begehrte Sammlerobjekte und die Wenigen, die übrig blieben, tragen noch heute den Namen ihrer Heimatstadt in die Welt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder Sammler und Fans dieser alten Technik das IFA-Museum persönlich oder via Internet besuchen.

So kam es auch, dass Familie Wymann aus der Schweiz Kenntnis von der Nordhäuser Ausstellung bekam. Dem Verein in Nordhausen wollten sie die Aufgabe übertragen, Teile ihrer Sammlung öffentlich zugänglich zu machen und werterhaltend unterzubringen. Hier fanden sie nicht nur die notwendige Fachkompetenz, sondern auch Menschen, die den historischen Wert der Objekte zu schätzen wissen. Deshalb übertrugen sie 2013 den Nordhäusern einen Teil ihrer O&K – Sammlung als Leihgabe. Über das Abenteuer der Rückführung wurde schon mehrfach geschrieben.

Ab 2013 begann unter schwierigsten Bedingungen Stück um Stück die Restaurierung der Loks in der alten IFA-Feuerwache.

Mit Leihgaben ist das aber in der Regel so ein Problem, entrosten und neue Farbe auf Kosten der Leihgeber, da endet es aber schon. Für einen Verein ohne öffentliche Förderung, nur getragen von Ehrenamtlichen und einigen Unternehmern, die sich der Geschichte verpflichtet fühlen, waren das zunächst schier unlösbare Aufgaben. Aber, die Technik-Verrückten haben zueinander und Lösungen gefunden.

Mit der Fabrik-Nr.: 2385, mit sieben Tonnen ein Leichtgewicht unter den Rangierloks, wurde unsere Lok als Typ H2, vor über 90 Jahren bei O&K-MONTANIA in Nordhausen gebaut. Geliefert wurde sie dann 1927 in die Schweiz, nach Konolfingen im Kanton Bern an die Berner Alpenmilch Gesellschaft. Sie gehörte über Jahrzehnte in das Landschaftsbild zwischen dem Anschlussgleis der Schweizer Bundesbahn und einer Milchsiederei. Der Volksmund gab ihr dann auch den Kosenamen ”Siedi”.

1959 wurde die ”Siedi” an die Gleisbaufirma Sersa nach Burgdorf verkauft und 1980 an den Lokservice Burkhardt in Hinwil. Immer noch in der Schweiz bekam sie zwar ein komfortables neues und wärmendes Kleid, gut für das Lokpersonal, aber eben nicht mehr Original. Während Chassis und Getriebe unverwüstlich ihren Dienst weiter versahen, löste ein Saurer-Diesel den mittlerweile 53 Jahre alten O&K-Benzolmotor ab. Es spricht für die Schweizer, sie schätzen solide Technik.

2003 erwarben dann Rolf & Roger Wymann, die Betreiber des privaten Bahnmuseum Kerzers die alte Lok. Sie bewahrten sie so für die Nachwelt. 2013 zunächst als Leihgabe, kam sie mit anderen Schmuckstücken dann zurück in den Südharz.
An allen diesen Leihgaben haben natürlich die Jahre ihre Spuren hinterlassen, immer im Regen bei Schnee und tagtäglich im Dienst. Das müssen heutige Fahrzeuge erst mal leisten. So musste eine Lok nach der anderen farblich restauriert werden, als letzte die H2. Genügte bei den ausgestellten Originalen ein neuer Farbanstich, musste die H2 neu aufgebaut werden, die vorgenommen Änderungen waren zu gravierend.

Voraussetzung war aber zunächst eine Vereinbarung mit den Wymanns, „Wir schenken Euch die H2 wenn ihr sie wieder originalgetreu aufbaut“. 2017 wurde so aus der Leihgabe eine Schenkung.

Gerne haben wir das großherzige Angebot angenommen und die Rekonstruktion im Zeitraum Februar 2017 bis Dezember 2018 vorbereitet und durchgeführt. Zunächst mussten allerdings erst mal die sieben Tonnen Stahl durch die Firma Wiemann Kran umgesetzt werden. Als nächster Schritt wurden die alten Aufbauten entfernt, Fahrgestell und Antriebseinheit entrostet und konserviert.

Vereinsfreund Geiger, der den gesamten Prozess begleitet hat, erstellte auf Basis alter Unterlagen Zeichnungen für die neuen Aufbauteile. Die Laseranwendungstechnik aus Werther fertigte mit modernster Lasertechnik aufs Genaueste die verschiedenen Blechteile, Kunte Glas lieferte die ovalen Fensterscheiben und im Apparatebau wurden die Dachträger gebogen. Der gesamte Aufbau und die Farbgebung war schließlich die Arbeit der vom Jobcenter geförderten Teilnehmer aus dem BBZ Bereich IKL.

Nicht zu vergessen die Hilfe durch Waresa Bau, die Autohaus Peter Gruppe, adapt engineering, EHM Eisenteile und natürlich die Arbeit der Vereinsmitglieder.

Sie alle halfen ehrenamtlich und unentgeltlich dieses Projekt pünktlich zum Jahreswechsel an das IFA-Museum zu übergeben.

Danken möchten wir deshalb jenen Menschen, die uns dabei geholfen haben die Ausstellung in der Montaniastraße um ein neues Exponat zu bereichern.
Weitere Einzelheiten zur Rekonstruktion der “Siedi” erfahren Sie im IFA-Museum.
Wilfried Geiger/Hans-Georg Franke
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