Di, 20:01 Uhr
25.12.2018
WERDEN DIESE VISIONEN WIRKLICHKEIT, DANN WÄRE ES EIN:
Denkmal der Superlative für den Landrat und Co.
Es war einmal. So fangen manche Märchen an. Sie enden mit dem Satz über die handelnden Personen: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch. Auf Nordhausen bezogen, hieße das: Es war einmal ein Gaswerk. Modern und leistungsfähig stand es da, den Schritt in ein neues industrielles Zeitalter verkündend...
Es tut sich was entlang der Geseniusstraße (Foto: Kurt Frank)
So sieht gegenwärtig das Gelände des ehemaligen Gaswerkes aus. Abstoßend. Ein Schandfleck für die Stadt. Der Eigentümer, das Landratsamt, will das ändern. Anstelle der Ruinen sollen Wohnungen entstehen. Respekt, wenn das gelingt. Vielleicht wird das Gelände dann noch attraktiver das das gegenüber, wo anstelle der Kraftverkehr-Hinterlassenschaften das Rolandhaus entstand.
Nordhausen. Rainer Hellberg machte sich um die Erforschung von Industriegeschichte verdient. Dieser Beitrag beruht auf seinen Ergebnissen: Sie begann am 14. März des Jahres 1857. Die Stadt schloss einen Vertrag mit der Deutschen Continental-Gasgesellschaft zu Dessau über den Bau einer Gasanstalt ab. Am Zorgeufer baut vor dem Siechentor die Gesellschaft von Juni die ersten Gasrohre wurden seit dem 13. des Monats in der Stadt verlegt - bis Dezember des gleichen Jahres die Gasanstalt.
Vermutlich war es in Nordhausen der erste Streik, als im Juli die Arbeit auf der Baustelle vorübergehend ruhte. Der Innenminister von Westphalen forderte ein hartes Vorgehen gegen die Schuldigen. Arbeiter aus der Stadt und Herreden sollten laut Urteil für eine Woche in den Knast. Die Gasanstalt nahm dennoch ihren Lauf. Ein Jahr später, exakt am 18. Mai 1858, kam Licht in das Dunkel der ersten Straßen. Zu den belebtesten zählten seinerzeit Sand-, Rauten-, Jüden-, Prediger- und Kranichstraße. Ferner Neustadt, Rumbach, Kornmarkt, Barfüßern, Altendorf und Grimmel, die man ebenfalls mit Gas erleuchtete.
Im Jahre 1862 erhellen 200 Gas -und 46 Photogen-Laternen schon im Januar die Straßen, was die Stadt 2000 Taler im Jahr kostete. Auf eine größere Speicherkapazität wird Ende 1896 der im Gaswerk 1857 in Betrieb genommene Gasbehälter umgebaut, um eine größere Speicherkapazität zu ermöglichen. 1944 erfolgte die Gründung der Gasversorgung Nordhausen-Südharz GmbH mit dem Vertrag am 8. August durch die Stadt und der Deutschen Continental-Gesellschaft Dessau.
Obwohl sich in den ersten Jahren Gaslampen in den Wohnungen vorerst nur finanziell gut gestellte Städter erlaubten, stieg die Gasproduktion enorm an. Nach langjährigen Vorarbeiten entstand 1939 die erste Entgiftungsanlage Deutschlands, um das Stadtgas zu reinigen. Belief sich die jährliche Gasmenge Nordhausens 1910 noch auf 2600000 Kubikmeter, stieg sie bis 1945 auf rund 7000000 an. Seit 1953 war aber das Ofensystem nicht mehr erneuert worden. Schon Jahre vorher war geplant, das Gaswerk stillzulegen und die Leitung an das Fernnetz anzuschließen. Eingestellt wird am 30. April 1971 die Gaserzeugung. Schon ein Jahr davor war die Stadt an die Gasfernleitung angeschlossen worden. Am 19. Februar 1972 fiel der Ofenblock, der Schornstein durch Sprengung am 13. März im gleichen Jahr.
Dennoch schrieb das Gaswerk ein bedeutsames Kapitel städtischer Industriegeschichte. Das Unternehmen versorgte nicht nur die Stadt, auch die Orte Krimderode, Niedersachswerfen, Ilfeld, Wiegersdorf, Ellrich, Sülzhayn, Rothesütte und Benneckenstein mit Gas. Die Continental-Gas AG Dessau, der das Werk gehörte, hatte auch die Goldene Aue/Eichsfeld GmbH gegründet, was es ermöglichte, weitere Orte anzuschließen: Sundhausen, Heringen, Groß -und Kleinwerther, Wolkramshausen, Bleicherode, Sondershausen, Worbis, Breitenworbis. Letztlich erfolgte eine Gasversorgung im Umkreis von 30 Kilometern.
Es war einmal. Das Gaswerk ist und bleibt gestorben. Es hinterließ stinkende Hinterlassenschaften, einen üblen Schandfleck für die Stadt. Seit Jahren rückte diese Zeitung dem Landratsamt als dem Eigentümer des Areals immer wieder auf die Pelle, fragte nach, ob das so bleiben soll. Unser erster Artikel dazu erfolgte bereits am 14. Februar 2014 unter der Schlagzeile und der Frage Wohnen an der Zorge?
Gegenüber dem Gaswerk-Gelände gab es bereits Veränderungen zum Positiven (Foto: Kurt Frank)
Tatsächlich, wir hielten es nicht mehr für möglich: Wohnungen an der Zorge, auf dem Gelände der Brache Gaswerk. Es ist kein Schloss im luftleeren Raum, was da Service-Geschäftsführer Gunnar Reuter und Betriebsleiter Michael Mohr malen. Ausführlich informierten wir darüber am 22. Dezember in Visionen um das Gaswerk. Sogar von einem Kuppelbau - die einstigen Gasometer standen da wohl Pate mit Wohnungen ist die Rede. Gut Ding will eben Weile haben. Sollten die Visionen wahr werden, dann, das sage ich mit allem Respekt, würde sich die Kreisverwaltung mit Landrat Matthias Jendricke & Co. ein Denkmal setzen, das alle bisherigen Erfolge weit in den Schatten stellt. Es wäre ein Denkmal der Superlative.
Kurt Frank
Autor: red
Es tut sich was entlang der Geseniusstraße (Foto: Kurt Frank)
So sieht gegenwärtig das Gelände des ehemaligen Gaswerkes aus. Abstoßend. Ein Schandfleck für die Stadt. Der Eigentümer, das Landratsamt, will das ändern. Anstelle der Ruinen sollen Wohnungen entstehen. Respekt, wenn das gelingt. Vielleicht wird das Gelände dann noch attraktiver das das gegenüber, wo anstelle der Kraftverkehr-Hinterlassenschaften das Rolandhaus entstand.Nordhausen. Rainer Hellberg machte sich um die Erforschung von Industriegeschichte verdient. Dieser Beitrag beruht auf seinen Ergebnissen: Sie begann am 14. März des Jahres 1857. Die Stadt schloss einen Vertrag mit der Deutschen Continental-Gasgesellschaft zu Dessau über den Bau einer Gasanstalt ab. Am Zorgeufer baut vor dem Siechentor die Gesellschaft von Juni die ersten Gasrohre wurden seit dem 13. des Monats in der Stadt verlegt - bis Dezember des gleichen Jahres die Gasanstalt.
Vermutlich war es in Nordhausen der erste Streik, als im Juli die Arbeit auf der Baustelle vorübergehend ruhte. Der Innenminister von Westphalen forderte ein hartes Vorgehen gegen die Schuldigen. Arbeiter aus der Stadt und Herreden sollten laut Urteil für eine Woche in den Knast. Die Gasanstalt nahm dennoch ihren Lauf. Ein Jahr später, exakt am 18. Mai 1858, kam Licht in das Dunkel der ersten Straßen. Zu den belebtesten zählten seinerzeit Sand-, Rauten-, Jüden-, Prediger- und Kranichstraße. Ferner Neustadt, Rumbach, Kornmarkt, Barfüßern, Altendorf und Grimmel, die man ebenfalls mit Gas erleuchtete.
Im Jahre 1862 erhellen 200 Gas -und 46 Photogen-Laternen schon im Januar die Straßen, was die Stadt 2000 Taler im Jahr kostete. Auf eine größere Speicherkapazität wird Ende 1896 der im Gaswerk 1857 in Betrieb genommene Gasbehälter umgebaut, um eine größere Speicherkapazität zu ermöglichen. 1944 erfolgte die Gründung der Gasversorgung Nordhausen-Südharz GmbH mit dem Vertrag am 8. August durch die Stadt und der Deutschen Continental-Gesellschaft Dessau.
Obwohl sich in den ersten Jahren Gaslampen in den Wohnungen vorerst nur finanziell gut gestellte Städter erlaubten, stieg die Gasproduktion enorm an. Nach langjährigen Vorarbeiten entstand 1939 die erste Entgiftungsanlage Deutschlands, um das Stadtgas zu reinigen. Belief sich die jährliche Gasmenge Nordhausens 1910 noch auf 2600000 Kubikmeter, stieg sie bis 1945 auf rund 7000000 an. Seit 1953 war aber das Ofensystem nicht mehr erneuert worden. Schon Jahre vorher war geplant, das Gaswerk stillzulegen und die Leitung an das Fernnetz anzuschließen. Eingestellt wird am 30. April 1971 die Gaserzeugung. Schon ein Jahr davor war die Stadt an die Gasfernleitung angeschlossen worden. Am 19. Februar 1972 fiel der Ofenblock, der Schornstein durch Sprengung am 13. März im gleichen Jahr.
Dennoch schrieb das Gaswerk ein bedeutsames Kapitel städtischer Industriegeschichte. Das Unternehmen versorgte nicht nur die Stadt, auch die Orte Krimderode, Niedersachswerfen, Ilfeld, Wiegersdorf, Ellrich, Sülzhayn, Rothesütte und Benneckenstein mit Gas. Die Continental-Gas AG Dessau, der das Werk gehörte, hatte auch die Goldene Aue/Eichsfeld GmbH gegründet, was es ermöglichte, weitere Orte anzuschließen: Sundhausen, Heringen, Groß -und Kleinwerther, Wolkramshausen, Bleicherode, Sondershausen, Worbis, Breitenworbis. Letztlich erfolgte eine Gasversorgung im Umkreis von 30 Kilometern.
Es war einmal. Das Gaswerk ist und bleibt gestorben. Es hinterließ stinkende Hinterlassenschaften, einen üblen Schandfleck für die Stadt. Seit Jahren rückte diese Zeitung dem Landratsamt als dem Eigentümer des Areals immer wieder auf die Pelle, fragte nach, ob das so bleiben soll. Unser erster Artikel dazu erfolgte bereits am 14. Februar 2014 unter der Schlagzeile und der Frage Wohnen an der Zorge?
Gegenüber dem Gaswerk-Gelände gab es bereits Veränderungen zum Positiven (Foto: Kurt Frank)
Tatsächlich, wir hielten es nicht mehr für möglich: Wohnungen an der Zorge, auf dem Gelände der Brache Gaswerk. Es ist kein Schloss im luftleeren Raum, was da Service-Geschäftsführer Gunnar Reuter und Betriebsleiter Michael Mohr malen. Ausführlich informierten wir darüber am 22. Dezember in Visionen um das Gaswerk. Sogar von einem Kuppelbau - die einstigen Gasometer standen da wohl Pate mit Wohnungen ist die Rede. Gut Ding will eben Weile haben. Sollten die Visionen wahr werden, dann, das sage ich mit allem Respekt, würde sich die Kreisverwaltung mit Landrat Matthias Jendricke & Co. ein Denkmal setzen, das alle bisherigen Erfolge weit in den Schatten stellt. Es wäre ein Denkmal der Superlative.
Kurt Frank




