Mo, 15:50 Uhr
14.02.2005
Ohne Ostalgie
Nordhausen (nnz). Keine Ostalgie-Show, sondern die weniger schöne Seite der DDR, auch sie sollte nach 15 Jahren nicht vergessen werden. Wer in Sachen Staatssicherheit leichte Erinnerungsprobleme bei sich bemerkt, sollte mal hier klicken.
Ohne Ostalgie (Foto: nnz)
Keine Frage, 2004 war das Jahr der Ostalgie-Shows mit Erinnerungen an die gute alte Zeit. Angeheizt von Hartz IV Diskussionen und anderen Veränderungen sahen viele ehemalige DDR Bürger verstärkt die guten Seiten ihrer früheren Heimat. Thematisiert wurde vor allem das private Glück mit Ostseeurlaub, Betriebsfesten, Trabi und den Schlagern der Zeit. Doch nicht nur diese schönen Erinnerungen gehören zur DDR. Es gab die Wände, die Ohren hatten und den Kollegen, der für die Firma zuhörte.
Geschichte ist relativ sagte Landrat Joachim Claus zur heutigen Eröffnung der Ausstellung Stasi Raus!. Für meine Tochter, die in die 11. Klasse geht, sind diese 15 Jahre lange her. Für viele andere ist die Zeit jedoch sehr nah. Auf jeden Fall sollte sie in Erinnerung bleiben. so der Landrat. Zwei Frauen, die sich noch bestens erinnern, hatte er eingeladen, um Fragen interessierter Bürger zu beantworten. Jutta Wehmann und Erdmute Neubert, die beide in der kirchlichen Umweltbewegung aktiv sind, stehen exemplarisch für durchschnittlich 25.000 Nordhäuser, die für Reise-, Rede- und Pressefreiheit seit dem 31. Oktober 1989 auf die Straße gehen. Ziel der Protestmärsche waren unter anderem die SED Kreisleitung und das Werkkreiskommando.
Das war eine friedliche Revolution, ein Ereignis, welches bis in die Neuzeit wirkt. erinnert Hildigund Neubert, die Landesbeauftragte für Stasiunterlagen. In Nordhausen blieb es durchgehend gewaltfrei. Auch die Volkspolizisten hielten sich zurück, ließen sich lieber Blumen von den Demonstranten überreichen.
Neben dem Ruf Wir sind ein Volk und kunstvollen Basteleien aus den allgegenwärtigen Erich Honecker Bildern, wurde auch immer wieder der Ruf laut Stasi raus!. Zu Beginn der Friedensgebete und Demonstrationen herrschte der Staat im Staat noch uneingeschränkt und sorgte zum Beispiel in Leipzig für die Verhaftung zahlreicher Demonstranten.
In typischer Plattenbauarchitektur steht das Gebäude der ehemaligen Kreisdienststelle noch immer in der Ludolfinger Straße, früher Dr. Kurt-Fischer Straße. Am 04.12.1989 verschafften sich Nordhäuser Bürgerbewegte am späten Abend Zugang zu den Räumen. Zu dem Zeitpunkt brannten die Akten bereits, getarnt unter ein paar Brikets. Diverse Unterlagen konnten von den Mitgliedern des Neuen Forums vor der Vernichtung gerettet werden.
Auf den Tafeln der Ausstellung im neuen Landratsamt sind Fotos und Dokumente einer Nordhäuser Herbstchronik zu sehen. Ein zweiter Teil dokumentiert den Kampf um die Stasi-Bezirkszentralen in Erfurt, Gera und Suhl. Die Ausstellung ist einen Monat lang zu den Öffnungszeiten des Landratsamtes zu besichtigen. Auch Schüler sollten dieses Angebot im Geschichts- oder Sozialkundeunterricht nutzen, schlägt Landrat Claus vor.
Autor: wf
Ohne Ostalgie (Foto: nnz)
Keine Frage, 2004 war das Jahr der Ostalgie-Shows mit Erinnerungen an die gute alte Zeit. Angeheizt von Hartz IV Diskussionen und anderen Veränderungen sahen viele ehemalige DDR Bürger verstärkt die guten Seiten ihrer früheren Heimat. Thematisiert wurde vor allem das private Glück mit Ostseeurlaub, Betriebsfesten, Trabi und den Schlagern der Zeit. Doch nicht nur diese schönen Erinnerungen gehören zur DDR. Es gab die Wände, die Ohren hatten und den Kollegen, der für die Firma zuhörte. Geschichte ist relativ sagte Landrat Joachim Claus zur heutigen Eröffnung der Ausstellung Stasi Raus!. Für meine Tochter, die in die 11. Klasse geht, sind diese 15 Jahre lange her. Für viele andere ist die Zeit jedoch sehr nah. Auf jeden Fall sollte sie in Erinnerung bleiben. so der Landrat. Zwei Frauen, die sich noch bestens erinnern, hatte er eingeladen, um Fragen interessierter Bürger zu beantworten. Jutta Wehmann und Erdmute Neubert, die beide in der kirchlichen Umweltbewegung aktiv sind, stehen exemplarisch für durchschnittlich 25.000 Nordhäuser, die für Reise-, Rede- und Pressefreiheit seit dem 31. Oktober 1989 auf die Straße gehen. Ziel der Protestmärsche waren unter anderem die SED Kreisleitung und das Werkkreiskommando.
Das war eine friedliche Revolution, ein Ereignis, welches bis in die Neuzeit wirkt. erinnert Hildigund Neubert, die Landesbeauftragte für Stasiunterlagen. In Nordhausen blieb es durchgehend gewaltfrei. Auch die Volkspolizisten hielten sich zurück, ließen sich lieber Blumen von den Demonstranten überreichen.
Neben dem Ruf Wir sind ein Volk und kunstvollen Basteleien aus den allgegenwärtigen Erich Honecker Bildern, wurde auch immer wieder der Ruf laut Stasi raus!. Zu Beginn der Friedensgebete und Demonstrationen herrschte der Staat im Staat noch uneingeschränkt und sorgte zum Beispiel in Leipzig für die Verhaftung zahlreicher Demonstranten.
In typischer Plattenbauarchitektur steht das Gebäude der ehemaligen Kreisdienststelle noch immer in der Ludolfinger Straße, früher Dr. Kurt-Fischer Straße. Am 04.12.1989 verschafften sich Nordhäuser Bürgerbewegte am späten Abend Zugang zu den Räumen. Zu dem Zeitpunkt brannten die Akten bereits, getarnt unter ein paar Brikets. Diverse Unterlagen konnten von den Mitgliedern des Neuen Forums vor der Vernichtung gerettet werden.
Auf den Tafeln der Ausstellung im neuen Landratsamt sind Fotos und Dokumente einer Nordhäuser Herbstchronik zu sehen. Ein zweiter Teil dokumentiert den Kampf um die Stasi-Bezirkszentralen in Erfurt, Gera und Suhl. Die Ausstellung ist einen Monat lang zu den Öffnungszeiten des Landratsamtes zu besichtigen. Auch Schüler sollten dieses Angebot im Geschichts- oder Sozialkundeunterricht nutzen, schlägt Landrat Claus vor.

