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Mo, 12:16 Uhr
01.10.2018
BUND-Einsatz 70

Zehn Enthusiasten im Feuchtgebiet

Der vom Bundesamt für Naturschutz erklärte Hotspot 18 (Südharzer Zechsteingürtel) gehört zu den artenreichsten Landschaften Deutschlands und Europas. Mitglieder und Freunde des BUND-Kreisverbandes Nordhausen sind seit Jahren an zentralen Eckpfeilern des floristischen Artenreichtums im Hotspot 18 tätig, um diese mit minimalem finanziellem Aufwand zu erhalten. Dass dies gelingt, beweisen die Bestandsentwicklungen zahlreicher bedrohter Arten auf diesen Flächen...

Fritz Daniel aus Sondershausen bei der Arbeit im Niedermoor. (Foto: B. Schwarzberg) Fritz Daniel aus Sondershausen bei der Arbeit im Niedermoor. (Foto: B. Schwarzberg) Fritz Daniel aus Sondershausen bei der Arbeit im Niedermoor.

Der zurückliegende Einsatz war denkwürdig: Zehn Teilnehmer, die so viel Engagement an den Tag legten, dass sie schon gegen 15 Uhr alles zu Mähende gemäht und beräumt hatten – und das auch noch auf einer größeren Fläche, als bisher. – Vielleicht fühlten sie sich auch motiviert von den geschätzt zwei Dutzend Kühen auf der Nachbarweide, die das ungewöhnliche Geschehen hinter ihrem Zaun interessiert beobachteten.

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Normalerweise bleiben zumindest einzelne fleißige Landschaftspfleger bis zur Dämmerung, um die notwendigen Arbeiten abzuschließen. Schon im Hellen fertig zu sein, ist eher ungewöhnlich. - Es hat einfach alles gepasst: die Teilnehmer, die Wiese, das Wetter, das Essen – und natürlich die Kühe.

Ein besonderer Dank geht an das Ehepaar Uschi und Lothar Burkhardt aus Nordhausen, die beim 70. Artenschutzeinsatz des BUND-Kreisverbandes sozusagen ihre landschaftspflegerische Premiere erlebten.

Zum mittlerweile achten Mal wurde die teilweise niedermoorartige, das heißt eigentlich ständig vernässte Feuchtwiese im Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz von Mitgliedern und Freunden des BUND-Kreisverbandes unter die Freischneider genommen. Mittlerweile gehören drei dieser Hochleistungsgeräte zum Inventar der Gruppe, so dass, genügend Teilnehmer vorausgesetzt, entsprechend schnell und effektiv gearbeitet werden kann.

Durch die einmal jährlich im Herbst durchgeführte Mahd hat sich die Feuchtwiese sichtlich zu ihrem Positiven verändert. Dominierten noch 2013 vor allem Hochstauden wie Großes Mädesüß weite Teile der damals brachliegenden Fläche, so sind es heute vielfach Kleinseggen und niedrigwüchsigere Kräuter, die zuvor zu wenig Licht und Raum für ihre Entwicklung hatten. Kleinmaschinelle Mahd ist und bleibt, auch nach den Ergebnissen mehrerer Studien, die für den Artenschutz effektivste Bewirtschaftung – neben der Hütehaltung von Schafen und Ziegen in Trockenbiotopen.

Im Frühjahr fällt das floristische Kleinod schon von weitem ins Auge: Zunächst durch ein tiefes Dottergelb, gemischt mit einem grellen Zahnpastaweiß; erzeugt von hunderten Sumpf-Dotterblumen (Caltha palustris) und dem saure und nährstoffarme Verhältnisse anzeigenden Kleinen Baldrian (Valeriana dioica). Nur wenige Tage, nachdem die Sumpfdotterblume ihren Zenit überschritten hat, verstärkt sich der weißliche Grundton noch einmal: Dann nämlich, wenn tausende Halme des Schmalblättrigen Wollgrases (Eriophorum angustifolium) ihre weißbewatteten Blütenstände in die Höhe strecken. Dabei besteht die „Watte“ aus unzähligen feinen Härchen, die sich um jede der Dutzenden Einzelblüten pro Pflanze gruppieren und eine Länge von bis zu vier Zentimetern erreichen. Einst wurde die Watte sogar zur Befüllung von Kissen genutzt. Das gefährdete Schmalblättrige Wollgras wurde erst vor wenigen Jahren im Feuchtgebiet wiederentdeckt und hat sich als Folge der Mahd stark ausgebreitet.

Zwischen Wollgras und Seggen finden sich vereinzelt aber zunehmend verstärkt, die rotvioletten Tupfer der Orchidee Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), deren Bestand sich durch die kontinuierlich durchgeführte Mahd von weniger als zehn blühenden Pflanzen auf wieder rund 30 im Jahre 2018 vergrößert hat.

Zudem gesellte sich 2018 zu den vier bisher nachgewiesenen Rote-Liste Arten die in Thüringen stark gefährdete Gewöhnliche Natternzunge (Ophioglossum vulgatum), eine evolutionsgeschichtlich bereits sehr alte Farnpflanze, hinzu, die aber vermutlich jahrelang nur übersehen wurde.

Bei der Mahd am vergangenen Sonnabend nahmen wir erstmals einen quelligen Hangbereich mit unter die Freischneider. Hier befinden sich mindestens drei nur wenig Wasser schüttende Hangquellen, die um sich herum ein kleines, stets durchnässtes Quellmoor erzeugen. Das Wasser durchsickert und durchströmt den darunterliegenden, stark zersetzten Torf- und Mineralbodenkörper (Durchströmungsmoor) und erzeugt so die niedermoorartige Feuchtwiese in der flachen Senke mit dem eben beschriebenen Artenreichtum. Diese Senke macht den größten Teil der gemähten Fläche aus. Erstaunlicherweise sind eine ganze Reihe der auf der Wiese siedelnden Arten keine Kalk- oder Basenzeiger, sondern Anzeiger für saure Böden.

2018 sind zumindest Teile der Fläche trockengefallen, was für echte Moore nicht typisch ist, sondern eher für die ökologische Kategorie „Sümpfe“ oder „Feuchtwiese“ zutrifft. Sicher ist dies aber auf den extrem trockenen Sommer zurückzuführen.

Die Mahd gestaltete sich nicht nur durch den üblichen Imbiss, unter anderem dem von einer Freundin mitgebrachten leckeren Heringssalat, abwechslungsreich, sondern auch durch die Kühe, die uns, mal einzeln oder in Gruppen, bei der Arbeit beobachteten. Wahrscheinlich fühlten sie sich auch durch den frischen Duft gemähten Grases angezogen.

Feuchtgebiete bestimmten noch im Mittelalter weite Teile unserer Landschaft. Allmählich, und nach dem Krieg massiv verstärkt, wurden tausende Hektar zugunsten einer intensiven Landwirtschaft melioriert und umgebrochen. Dabei sind Feuchtgebiete nicht nur Zentren der Biodiversität mit vielen spezialisierten Arten, sondern auch CO2-Senken. Sie haben aber auch Einfluss auf das lokale Klima, gerade in Dürrezeiten. Wir sollten aus all diesen Gründen an der Wiedervernässung früherer Niedermoore, Sümpfe und Feuchtwiesen arbeiten.

Begehrtes Grünzeug?

Im Dürrejahr 2018 war und ist Mähgut als Einstreu oder als Futter heißer begehrt denn je. Aus dem Nachbarkreis Harz hörte ich, dass in diesem Jahr so manche brachgefallene Wiese allein zur Futter- oder Streugewinnung erstmals wieder gemäht wurde. Bekannt ist auch, dass der Anteil des Grünlandes in Deutschland beständig zugunsten von noch mehr (klimaschädlicherem) Ackerbau abnimmt.

Wir würden uns freuen, gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband und der Unteren Naturschutzbehörde gerade angesichts dessen ein Konzept zur effektiven Nutzung des bei unseren Einsätzen anfallenden Mähgutes zu erarbeiten. Wir vom BUND-Kreisverband verfügen nur über begrenzte Möglichkeiten und Kontakte, eine Verwertung sicherzustellen, setzen aber mit unseren Maßnahmen Vorgaben aus der FFH-Richtlinie und den Schutzgebietsverordnungen um.

Manchmal gelingt es uns, manchmal aber können wir keine Landwirte für eine Abnahme des Mähgutes begeistern. Im Saalekreis bei Halle zum Beispiel, wo ich einen Wuchsort der vom Aussterben bedrohten Klebrigen Miere mähe, klappt die Entsorgung stets reibungslos. Ich mähe und harke, rufe die Untere Naturschutzbehörde entsprechend einer Vereinbarung an und sie organisiert die Entsorgung. Beispiele für funktionierende Konzepte gibt es auch aus dem Alpenvorland. Wir vom BUND-Kreisverband werden uns in Kürze an die Untere Naturschutzbehörde (UNB) und den Landschaftspflegeverband (LPV) Südharz-Kyffhäuser konkret mit diesem Anliegen wenden.

Positive Entwicklung

Auf rund 30 besonders artenreichen Flächen des Hotspots 18 erhalten wir vom BUND-Kreisverband Nordhausen mittlerweile die floristische Artenvielfalt oder speziell einzelne Arten und führen für ausgewählte Arten ein Monitoringprogramm durch. Hierdurch konnten bisher etwas mehr als 100 Vorkommen bedrohter oder geschützter Pflanzenarten erhalten bzw. gefördert werden. Hierzu wird es eine gesonderte Dokumentation geben. Damit leisten wir auch einen Beitrag zum zoologischen Artenschutz, da laut verschiedenen Studien zwischen sieben und zehn wirbellose Arten unmittelbar von einer Pflanzenart abhängen sollen.

Problematisch könnte sich der zunehmende Klimawandel auf diese Erfolge auswirken. Das deutet sich bei einigen Arten bereits an.

Am zurückliegenden Einsatz waren folgende Enthusiasten aktiv beteiligt: Uschi und Lothar Burkhardt (Nordhausen), Helga und Karl-Heinz Junker sowie Fritz Daniel (Sondershausen), Katrin Kulpa (Leipzig), Tobias Strietzel und Wolfgang Scholz und der Autor dieses Beitrages. An alle herzlichen Dank! Ohne Euch wären unsere Artenschutzerfolge nicht möglich!
Bodo Schwarzberg
Zehn Enthusiasten im Feuchtgebiet (Foto: B. Schwarzberg)
Zehn Enthusiasten im Feuchtgebiet (Foto: B. Schwarzberg)
Zehn Enthusiasten im Feuchtgebiet (Foto: B. Schwarzberg)
Zehn Enthusiasten im Feuchtgebiet (Foto: B. Schwarzberg)
Zehn Enthusiasten im Feuchtgebiet (Foto: B. Schwarzberg)
Zehn Enthusiasten im Feuchtgebiet (Foto: B. Schwarzberg)
Zehn Enthusiasten im Feuchtgebiet (Foto: B. Schwarzberg)
Zehn Enthusiasten im Feuchtgebiet (Foto: B. Schwarzberg)
Autor: red

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Kommentare
free Gigi
01.10.2018, 12:52 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema des Beitrages
Fönix
01.10.2018, 13:51 Uhr
Es ist nicht zu glauben!
Das im Zuge der Diskussionen zum Biosphärenreservat Südharz-Kyffhäuser Laien und Dilettanten einfachste Zusammenhänge des naturschutzfachlichen Grundlagenwissens ignorieren und ihre ganz eigenen Interpretationen in die Welt hinausposaunen, kann man ja vielleicht noch tolerieren. Wenn aber selbst die Experten in ihren Beiträgen bewusst oder unbewusst grundlegend falsche Aussagen treffen, schwillt mir der Kamm!
Der "Hotspot Nr. 18" des BfN heißt und beinhaltet :
"SÜDHARZER ZECHSTEINGÜRTEL; KYFFHÄUSER UND HAINLEITE"
Die wertbildende biologische Vielfalt dieses Gebietes ergibt sich in erster Linie aus der engen räumlichen Verbindung dieser sehr unterschiedlich ausgestatteten Landschafträume sowie den speziellen Ausprägungen in den Überschneidungsbereichen und eben nicht nur aus den zweifelsohne auch gegebenen Besonderheiten des Zechsteingürtels. Auf weitere Details zu diesem Thema verzichte ich an dieser Stelle. In den Beiträgen zum Biosphärenreservat hatte ich bereits mehrmals auf diese Problematik hingewiesen und habe die betreffenden Zusammenhänge auch erläutert.
Schade dass mit diesen fehlerbehafteten Ausführungen zum Hotspot die Protagonisten in meinen Augen sehr viel Glaubwürdigkeit verlieren. Das ist um so bedauerlicher, gehören sie doch zu den Wenigen, die noch aktiv für die Erhaltung der natürlichen Ressourcen unserer ursprünglich so reichhaltig ausgestatteten Region schuften.
Sonntagsradler 2
01.10.2018, 15:34 Uhr
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