Di, 09:00 Uhr
28.08.2018
Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei unter neuer Leitung
Tradition weiter gedacht
Nordhausen und der Korn, das ist eine lange und innige Geschichte, die ihre Heimat heute in der Echten Nordhäuser Traditionsbrennerei hat. Die hat vor kurzem eine neues Kapitel ihrer eigenen Geschichte aufgeschlagen, unter der Leitung von Thomas Müller will man neue Wege gehen und alte Pfade weiter pflegen...
Altes Haus unter neuer Leitung: Thomas Müller will die Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei weiter entwickeln (Foto: Angelo Glashagel)
Wie erklärt man als Nordhäuser in der Fremde wo man her kommt? Aus dem Norden Thüringens? Aus leidvoller Erfahrung muss berichtet werden, dass damit nicht jeder Bundesbürger etwas anfangen kann. Aus einer kleinen Stadt am Südharz vielleicht? Als Beschreibung sicher passabel aber immer noch recht vage. Also der einfache Weg: "Da wo der Korn herkommt. Der mit dem Huhn". Kurze Verwirrung beim Gegenüber, dann das strahlen der Erkenntnis, deutlich abzulesen im Gesicht. Für die weite Welt, oder zumindest Deutschland, ist Nordhausen, grob vereinfacht, der Korn. Den Nordhäuser Korn kennt man im tiefsten Süden wie auch an der Küste und sogar über manche Landesgrenze hinweg.
Der Korn hat Nordhausen bekannt gemacht, der Korn hat Nordhausen reich gemacht und die Stadt zu ihrer Blüte geführt, mit dem Korn lebt die Stadt bis heute. Fast 30.000 Besucher zählt man in der "Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei" jährlich, sagt Thomas Müller, seit kurzem Leiter des Nordhäuser Kornmuseums. Nach der Gedenkstätte Mittelbau-Dora ist die Brennerei damit das beliebteste Museum der Stadt, mit Gästen aus Nah und Fern.
Das mag auch daran liegen, dass die "Tradi" mehr ist als ein Haus der Geschichte und der Technik. Über die Jahre hat sich die alte Brennerei mit Kabarettabenden, einem eigenen Theaterstück, der beliebten Adventsausstellung, dem Hof- und Genussmarkt und anderen Highlights einen Namen als Spielstätte und Veranstaltungsort gemacht. Darauf will der neue Herr des Hauses, Thomas Müller, in Zukunft aufbauen, neben dem musealen Betrieb soll es mehr "Erlebnis" geben.
Im Winter wartet wieder die Adventsausstellung auf zahlreiche Besucher und dieses Jahr soll es märchenhaft werden. Unter dem Motto: "Willkommen im Märchenland" will man sich unter anderem mit der Erzählung "Wie der Teufel den Branntwein erfand" befassen, einem Märchen aus der Feder von Ludwig Bechstein.
"Im Frühjahr wollen wir den Nordhäusern ein Stück Ostertradition zurückgeben. Das ist in der Stadt in den letzten Jahren etwas eingeschlafen. Deswegen wird es auf dem Hof einen vorösterlichen Frühlingsmarkt geben", erklärt Müller.
Altes Haus unter neuer Leitung: Thomas Müller will die Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei weiter entwickeln (Foto: Angelo Glashagel)
Historisch sei die Korngeschichte bereits ausführlich aufgearbeitet worden, allein zum Jubiläum 2007 befassten sich drei Veröffentlichungen mit der Brenntradition in Nordhausen. Weniger Aufmerksamkeit habe man bisher auf die jüngere Geschichte gelegt, seit den Umwälzungen der frühen 1990er Jahre sind nahezu dreißig Jahre vergangen, genug Zeit um als "historisch" zu gelten. Mit der Geschichte der vergangenen 70 Jahre wird sich denn auch die nächste Ausstellung im Haus befassen und neben zahlreichen Exponaten anschauliche Informationen bieten, die statt mit großen Textbausteinen auf Plakatwänden, auf eine Präsentation im Litfaß-Format setzen soll.
Damit es noch ein paar mehr werden, und die vielleicht auch ein Weile in der Stadt bleiben bevor es sie weiter gen Harz oder Kyffhäuser zieht, will Müller die Traditionsbrennerei weiter als "Scharnier" zwischen den Regionen und ihren Tourismusverbänden verstanden wissen. An der "Tradi" sähe man mehr Besucher naturgemäß gerne, wenn er die 30.000er Marke knacken könnte, das wäre ein schöner Erfolg, sagt der neue Museumsleiter, vielleicht nicht gleich im ersten Jahr, aber irgendwann.
Der kleine Bonus für Nordhäuser in der Fremde: mit jedem Besucher steigen auch die Chancen, dass die Erklärung mit Huhn und Korn tatsächlich ausreicht.
Angelo Glashagel
Autor: red
Altes Haus unter neuer Leitung: Thomas Müller will die Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei weiter entwickeln (Foto: Angelo Glashagel)
Wie erklärt man als Nordhäuser in der Fremde wo man her kommt? Aus dem Norden Thüringens? Aus leidvoller Erfahrung muss berichtet werden, dass damit nicht jeder Bundesbürger etwas anfangen kann. Aus einer kleinen Stadt am Südharz vielleicht? Als Beschreibung sicher passabel aber immer noch recht vage. Also der einfache Weg: "Da wo der Korn herkommt. Der mit dem Huhn". Kurze Verwirrung beim Gegenüber, dann das strahlen der Erkenntnis, deutlich abzulesen im Gesicht. Für die weite Welt, oder zumindest Deutschland, ist Nordhausen, grob vereinfacht, der Korn. Den Nordhäuser Korn kennt man im tiefsten Süden wie auch an der Küste und sogar über manche Landesgrenze hinweg.
Der Korn hat Nordhausen bekannt gemacht, der Korn hat Nordhausen reich gemacht und die Stadt zu ihrer Blüte geführt, mit dem Korn lebt die Stadt bis heute. Fast 30.000 Besucher zählt man in der "Echter Nordhäuser Traditionsbrennerei" jährlich, sagt Thomas Müller, seit kurzem Leiter des Nordhäuser Kornmuseums. Nach der Gedenkstätte Mittelbau-Dora ist die Brennerei damit das beliebteste Museum der Stadt, mit Gästen aus Nah und Fern.
Das mag auch daran liegen, dass die "Tradi" mehr ist als ein Haus der Geschichte und der Technik. Über die Jahre hat sich die alte Brennerei mit Kabarettabenden, einem eigenen Theaterstück, der beliebten Adventsausstellung, dem Hof- und Genussmarkt und anderen Highlights einen Namen als Spielstätte und Veranstaltungsort gemacht. Darauf will der neue Herr des Hauses, Thomas Müller, in Zukunft aufbauen, neben dem musealen Betrieb soll es mehr "Erlebnis" geben.
Eine Brennerei für alle Jahreszeiten
Die ersten Schritte dahin sind schon getan. Für Mitte September hat sich die Kultband "EMMA" angekündigt, das Konzert ist bereits ausverkauft und ein zweiter "Gig" im kommenden August fest eingeplant. Außerdem will man Ende September zum ersten Mal ein Erntedankfest auf dem Hof ausrichten, mit zahlreichen Köstlichkeiten aus der Region und jeder Menge Korn, im doppelten Sinne.Im Winter wartet wieder die Adventsausstellung auf zahlreiche Besucher und dieses Jahr soll es märchenhaft werden. Unter dem Motto: "Willkommen im Märchenland" will man sich unter anderem mit der Erzählung "Wie der Teufel den Branntwein erfand" befassen, einem Märchen aus der Feder von Ludwig Bechstein.
"Im Frühjahr wollen wir den Nordhäusern ein Stück Ostertradition zurückgeben. Das ist in der Stadt in den letzten Jahren etwas eingeschlafen. Deswegen wird es auf dem Hof einen vorösterlichen Frühlingsmarkt geben", erklärt Müller.
Ein Haus für alle
Insgesamt werde man sich daran machen den Hof stärker zu beleben, so der neue Leiter weiter, vor allem musikalische Angebote in verschiedenster Form sollen das "junge Publikum" locken. Der Begriff "jung" ist dabei für das Spirituosen-Museum relativ, unter 18 Jahren erhält man ohne in Begleitung eines Erwachsenen zu sein ohnehin keinen Zutritt. Im Blick hat man daher eher die Musikliebhaber mittleren Alters. Zusammen mit den traditionellen Veranstaltungen und Angeboten sei man gut aufgestellt, meint Müller, und auch für die Jugend könne man etwas tun, zum Beispiel in Form von Spezialführungen rund um die alkoholische Gärung für die Chemieklassen der Oberstufe. Zudem werde man museal die technischen Anlagen wie die Transmission und die Destilliersäulen weiter in den Vordergrund rücken.
Altes Haus unter neuer Leitung: Thomas Müller will die Echte Nordhäuser Traditionsbrennerei weiter entwickeln (Foto: Angelo Glashagel)
Historisch sei die Korngeschichte bereits ausführlich aufgearbeitet worden, allein zum Jubiläum 2007 befassten sich drei Veröffentlichungen mit der Brenntradition in Nordhausen. Weniger Aufmerksamkeit habe man bisher auf die jüngere Geschichte gelegt, seit den Umwälzungen der frühen 1990er Jahre sind nahezu dreißig Jahre vergangen, genug Zeit um als "historisch" zu gelten. Mit der Geschichte der vergangenen 70 Jahre wird sich denn auch die nächste Ausstellung im Haus befassen und neben zahlreichen Exponaten anschauliche Informationen bieten, die statt mit großen Textbausteinen auf Plakatwänden, auf eine Präsentation im Litfaß-Format setzen soll.
Die Brennerei und der Tourismus
Im Blick hat man dabei auch die internationalen Gäste. Während die Nordhäuser ihrer Brennerei vor allem bei Veranstaltungen die Treue halten und den Shop ausgiebig nutzen, bekommt das Museum auch Besuch aus dem gesamten Bundesgebiet, und auch aus dem Ausland. Vor allem Niederländer die im Harz ihren Urlaub verbringen, ziehe es immer wieder nach Nordhausen, sagt Müller, so viele das es Sinn mache, über Sonderangebote in niederländischer Sprache nachzudenken. "Bevor ich hier im Museum anfing, habe ich das so gar nicht wahrgenommen aber die Menschen kommen wirklich von überall her. Für mich war das ganz erstaunlich das so zu sehen. Die Diskussion um den fehlenden Tourismus in der Stadt muss an dieser Stelle, zumindest aus unserer Sicht, nicht geführt werden. Die Leute sind schon hier. Wir brauchen uns da als Stadt gar nicht zu verstecken."Damit es noch ein paar mehr werden, und die vielleicht auch ein Weile in der Stadt bleiben bevor es sie weiter gen Harz oder Kyffhäuser zieht, will Müller die Traditionsbrennerei weiter als "Scharnier" zwischen den Regionen und ihren Tourismusverbänden verstanden wissen. An der "Tradi" sähe man mehr Besucher naturgemäß gerne, wenn er die 30.000er Marke knacken könnte, das wäre ein schöner Erfolg, sagt der neue Museumsleiter, vielleicht nicht gleich im ersten Jahr, aber irgendwann.
Der kleine Bonus für Nordhäuser in der Fremde: mit jedem Besucher steigen auch die Chancen, dass die Erklärung mit Huhn und Korn tatsächlich ausreicht.
Angelo Glashagel


