Mo, 11:00 Uhr
27.08.2018
Umfrage der nnz belegt Prioritäten
Rathaus muss Blockade-Haltung aufgeben
Der Umbau des Stadions an der Parkallee erhitzt auch weiterhin die Gemüter – nicht nur in der Politik, sondern auch die unserer Leser. In der Umfrage der nnz, die Mitte vergangener Woche endete, gab es klare Prioritäten…
So könnte eine Sitzplatztribüne aussehen. (Foto: Habau)
Mit 2733 abgegebenen Stimmen fand diese Umfrage nicht nur ein außerordentlich großes Interesse bei der Leserschaft, sondern auch eine eindeutige Rang- und Reihenfolge. Unstrittig ist dabei die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Stimmen den Neubau einer Feuerwache als prioritär ansehen (1.535).
Ein wenig überraschend jedoch der zweite Platz für den Albert-Kuntz-Sportpark (711), weit vor dem Theater (398). Um gleich Vorwürfen einer Manipulation den sportlich-kulturellen Riegel vorzuschieben: Ja, die Ergebnisse wurden leicht geändert, denn wieder wurden einige Manipulationsversuche entdeckt und gelöscht. Die waren bei allen drei Antwortmöglichkeiten auszumachen.
Die nnz-Redaktion hat nie behauptet, dass die Ergebnisse der Umfragen als wissenschaftlich fundiert anzusehen seien, aber mehr als 2.700 abgegebene Stimmen, das ist schon ein Pfund und zeigt ein Stimmungsbild, das auch wir nicht vermutet hätten. Zumindest nicht was die Plätze zwei und drei anbelangt.
Im Vorfeld der Umfrage hatten wir versucht, einige Zahlen vom Theater oder vom Fußballsportverein zu erhalten. Die sind durchaus aussagekräftig und belegen, dass sowohl die Kultur als auch der Sport ihren Stellenwert im Nordhäuser Gemeinwesen haben. Wissen wollten wir nicht, wie viele Zuschauer im Theater oder im AKS gezählt wurden, sondern wie viele es pro Aufführung/Spiel waren. Deshalb haben wir auch nicht eine Saison oder eine Spielzeit verglichen, sondern das vergangenen Kalenderjahr.
Die Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH gab an, dass im vergangenen Jahr 103.000 Besucher gezählt wurden. Das betraf sowohl eigene Produktionen, Gastspiele, Hausvermietungen, die Schlossfestspiele sowie die Konzerte des Loh-Orchesters in Sondershausen. Insgesamt also 440 Veranstaltungen. Das sind dann – wohl gemerkt rein rechnerisch – 234 Zuschauer pro Veranstaltung.
Wacker Nordhausen verzeichnete mit der 1. Mannschaft bei 18 Punkt- und Pokalspielen 17.022 zahlende Zuschauer. Rechnet man die 2.100 geschätzten Zuschauer bei 16 Heimspielen der 2. Mannschaft noch hinzu, dann kommt der Taschenrechner auf 624 Zuschauer pro Spiel. Nicht berücksichtigt wurden die Spiele der Nachwuchsmannschaften, weil dazu keine Angaben vorliegen.
Nun mag jeder daraus seine Schlüsse ziehen, das Ergebnis zeigt auch, dass die Fußball-Gemeinde in und um Nordhausen herum durchaus an Gewicht gewonnen hat, was letztlich natürlich mit der Entwicklung der 1. Mannschaft zusammenhängt. Was beide Institutionen – Wacker und Theater – eint ist die Tatsache, dass neben dem eigentlich professionellen Betrieb die Nachwuchsarbeit einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Dort der Theaterjugendclub, da der Spielbetrieb von zehn Nachwuchsmannschaften, die in der zurückliegenden Saison in ihren Ligen vordere Plätze einnahmen.
Soweit zu den Zahlen und zur Frage, warum gerade in der städtischen Politik der Fokus primär auf das Theater gelegt wird? Klar, Kultur ist wichtig, doch das Totschlagsargument, es sein ein weicher Standortfaktor, der zieht nicht. Als es das Regionalmanagement im Landkreis Nordhausen noch gab, wurde unter den Nordhäuser Unternehmen nach den wichtigsten Faktoren für eine Ansiedlungsentscheidung gefragt. Das Theater zählte leider nicht dazu. Es zählte auch nicht für die Entscheidung der vorläufig letzten – etwas größeren – Ansiedlung des Unternehmens GSM mit rund 60 Arbeitsplätzen.
Ohne Zweifel – Kultur muss sein, muss ihren Stellenwert haben. Nicht vergessen werden darf, dass sich die Stadt Nordhausen diese Kultur nicht nur mit knapp drei Millionen Euro jährlich für das Theater und den Erlass der Miete für das Gebäude (rund eine halbe Million Euro) kosten lässt, sondern auch andere kulturelle Aktivitäten, von Jugendkunstschule bis Jazzfest, finanziell unterstützt. Nicht vergessen werden darf auch, dass ohne die Subvention von insgesamt rund zehn Millionen Euro die Karte für eine Aufführung des Theaters knapp unter 100 Euro liegen würde.
Das alles wird von den Nordhäuser Stadträten Jahr für Jahr diskussionslos (zumindest öffentlich) durchgewunken. Ebenfalls keine Diskussion gibt es bei den Kosten der Sanierung und des Anbaus am Theater von derzeit mehr als 24 Millionen Euro, wobei immer noch abgestritten wird, dass es am Ende – also 2022 oder 2023 sicher mindestens 30 Millionen Euro sein werden.
Diskutiert wird hingegen schon, ob es Nordhausen überhaupt nötig hat, eine Fußballmannschaft in der Dritten Liga spielen zu lassen. Was erlauben die sich eigentlich, könnte die Frage im Rathaus sein und legt so der notwendigen Infrastruktur jeden möglichen Stein in den Weg. Ganz typisch Verwaltung: schnell ist man bei der Hand, wenn eine Investition oder eine Entwicklung abgelehnt werden kann. Viel zu lange dauert es, wenn es um Antworten geht, wie man gemeinsam vorgehen kann, um ein Problem zu lösen.
Mit dem Total-Versagen in Richtung Albert-Kuntz-Sportpark verwehrt sich die Rathausspitze auch einem Trend, der dem Fußball auch in den kommenden Jahren – vor allem unter Vermarktungsaspekten – eine goldene Zukunft vorhersagt. Fußball, da sind sich Experten einig, wird zunehmend ein Wirtschaftsfaktor, nicht nur für den Fußball an sich, sondern auch für die Region, in der er gespielt wird.
Wie aber wird die Theater-Zukunft aussehen? Für nahezu alles gab und gibt es in Nordhausen Konzeptionen. Der Gipfel aller Papier sind das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) und das Leitbild . Das ISEK galt einst bis 2020, nun bis 2030. Nicht zu finden sind Ausblicke oder Konzepte, vielleicht auch Studien, wie Kultur im Jahr 2030 daherkommt. Wie wird Theater dann aussehen? Wer wird sich dann Vorstellungen ansehen, wenn der demografische Faktor auch dort durchschlägt. Wer in die Sitzreihen des Großen Hauses außerhalb der Premieren schaut, bekommt davon eine Anfangsahnung.
Nein, hier sollen nicht Theater und der Fußball gegeneinander ausgespielt werden, hier geht es um das einfordern der Gleichbehandlung, der Gleichbedeutung und der Gleichwertigkeit bei der Unterstützung seitens der Kommune. Und genau die scheint momentan im Nordhäuser Rathaus in eine Schieflage geraten zu sein. Es liegt jetzt in der Hand der 36 Stadträte, das Gleichgewicht annähernd wieder herzustellen. In der kommenden Woche besteht dafür die Möglichkeit.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red
So könnte eine Sitzplatztribüne aussehen. (Foto: Habau)
Mit 2733 abgegebenen Stimmen fand diese Umfrage nicht nur ein außerordentlich großes Interesse bei der Leserschaft, sondern auch eine eindeutige Rang- und Reihenfolge. Unstrittig ist dabei die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Stimmen den Neubau einer Feuerwache als prioritär ansehen (1.535).
Ein wenig überraschend jedoch der zweite Platz für den Albert-Kuntz-Sportpark (711), weit vor dem Theater (398). Um gleich Vorwürfen einer Manipulation den sportlich-kulturellen Riegel vorzuschieben: Ja, die Ergebnisse wurden leicht geändert, denn wieder wurden einige Manipulationsversuche entdeckt und gelöscht. Die waren bei allen drei Antwortmöglichkeiten auszumachen.
Die nnz-Redaktion hat nie behauptet, dass die Ergebnisse der Umfragen als wissenschaftlich fundiert anzusehen seien, aber mehr als 2.700 abgegebene Stimmen, das ist schon ein Pfund und zeigt ein Stimmungsbild, das auch wir nicht vermutet hätten. Zumindest nicht was die Plätze zwei und drei anbelangt.
Im Vorfeld der Umfrage hatten wir versucht, einige Zahlen vom Theater oder vom Fußballsportverein zu erhalten. Die sind durchaus aussagekräftig und belegen, dass sowohl die Kultur als auch der Sport ihren Stellenwert im Nordhäuser Gemeinwesen haben. Wissen wollten wir nicht, wie viele Zuschauer im Theater oder im AKS gezählt wurden, sondern wie viele es pro Aufführung/Spiel waren. Deshalb haben wir auch nicht eine Saison oder eine Spielzeit verglichen, sondern das vergangenen Kalenderjahr.
Die Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH gab an, dass im vergangenen Jahr 103.000 Besucher gezählt wurden. Das betraf sowohl eigene Produktionen, Gastspiele, Hausvermietungen, die Schlossfestspiele sowie die Konzerte des Loh-Orchesters in Sondershausen. Insgesamt also 440 Veranstaltungen. Das sind dann – wohl gemerkt rein rechnerisch – 234 Zuschauer pro Veranstaltung.
Wacker Nordhausen verzeichnete mit der 1. Mannschaft bei 18 Punkt- und Pokalspielen 17.022 zahlende Zuschauer. Rechnet man die 2.100 geschätzten Zuschauer bei 16 Heimspielen der 2. Mannschaft noch hinzu, dann kommt der Taschenrechner auf 624 Zuschauer pro Spiel. Nicht berücksichtigt wurden die Spiele der Nachwuchsmannschaften, weil dazu keine Angaben vorliegen.
Nun mag jeder daraus seine Schlüsse ziehen, das Ergebnis zeigt auch, dass die Fußball-Gemeinde in und um Nordhausen herum durchaus an Gewicht gewonnen hat, was letztlich natürlich mit der Entwicklung der 1. Mannschaft zusammenhängt. Was beide Institutionen – Wacker und Theater – eint ist die Tatsache, dass neben dem eigentlich professionellen Betrieb die Nachwuchsarbeit einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Dort der Theaterjugendclub, da der Spielbetrieb von zehn Nachwuchsmannschaften, die in der zurückliegenden Saison in ihren Ligen vordere Plätze einnahmen.
Soweit zu den Zahlen und zur Frage, warum gerade in der städtischen Politik der Fokus primär auf das Theater gelegt wird? Klar, Kultur ist wichtig, doch das Totschlagsargument, es sein ein weicher Standortfaktor, der zieht nicht. Als es das Regionalmanagement im Landkreis Nordhausen noch gab, wurde unter den Nordhäuser Unternehmen nach den wichtigsten Faktoren für eine Ansiedlungsentscheidung gefragt. Das Theater zählte leider nicht dazu. Es zählte auch nicht für die Entscheidung der vorläufig letzten – etwas größeren – Ansiedlung des Unternehmens GSM mit rund 60 Arbeitsplätzen.
Ohne Zweifel – Kultur muss sein, muss ihren Stellenwert haben. Nicht vergessen werden darf, dass sich die Stadt Nordhausen diese Kultur nicht nur mit knapp drei Millionen Euro jährlich für das Theater und den Erlass der Miete für das Gebäude (rund eine halbe Million Euro) kosten lässt, sondern auch andere kulturelle Aktivitäten, von Jugendkunstschule bis Jazzfest, finanziell unterstützt. Nicht vergessen werden darf auch, dass ohne die Subvention von insgesamt rund zehn Millionen Euro die Karte für eine Aufführung des Theaters knapp unter 100 Euro liegen würde.
Das alles wird von den Nordhäuser Stadträten Jahr für Jahr diskussionslos (zumindest öffentlich) durchgewunken. Ebenfalls keine Diskussion gibt es bei den Kosten der Sanierung und des Anbaus am Theater von derzeit mehr als 24 Millionen Euro, wobei immer noch abgestritten wird, dass es am Ende – also 2022 oder 2023 sicher mindestens 30 Millionen Euro sein werden.
Diskutiert wird hingegen schon, ob es Nordhausen überhaupt nötig hat, eine Fußballmannschaft in der Dritten Liga spielen zu lassen. Was erlauben die sich eigentlich, könnte die Frage im Rathaus sein und legt so der notwendigen Infrastruktur jeden möglichen Stein in den Weg. Ganz typisch Verwaltung: schnell ist man bei der Hand, wenn eine Investition oder eine Entwicklung abgelehnt werden kann. Viel zu lange dauert es, wenn es um Antworten geht, wie man gemeinsam vorgehen kann, um ein Problem zu lösen.
Mit dem Total-Versagen in Richtung Albert-Kuntz-Sportpark verwehrt sich die Rathausspitze auch einem Trend, der dem Fußball auch in den kommenden Jahren – vor allem unter Vermarktungsaspekten – eine goldene Zukunft vorhersagt. Fußball, da sind sich Experten einig, wird zunehmend ein Wirtschaftsfaktor, nicht nur für den Fußball an sich, sondern auch für die Region, in der er gespielt wird.
Wie aber wird die Theater-Zukunft aussehen? Für nahezu alles gab und gibt es in Nordhausen Konzeptionen. Der Gipfel aller Papier sind das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) und das Leitbild . Das ISEK galt einst bis 2020, nun bis 2030. Nicht zu finden sind Ausblicke oder Konzepte, vielleicht auch Studien, wie Kultur im Jahr 2030 daherkommt. Wie wird Theater dann aussehen? Wer wird sich dann Vorstellungen ansehen, wenn der demografische Faktor auch dort durchschlägt. Wer in die Sitzreihen des Großen Hauses außerhalb der Premieren schaut, bekommt davon eine Anfangsahnung.
Nein, hier sollen nicht Theater und der Fußball gegeneinander ausgespielt werden, hier geht es um das einfordern der Gleichbehandlung, der Gleichbedeutung und der Gleichwertigkeit bei der Unterstützung seitens der Kommune. Und genau die scheint momentan im Nordhäuser Rathaus in eine Schieflage geraten zu sein. Es liegt jetzt in der Hand der 36 Stadträte, das Gleichgewicht annähernd wieder herzustellen. In der kommenden Woche besteht dafür die Möglichkeit.
Peter-Stefan Greiner

