nnz-tv Eichsfelder Nachrichten Kyffhäuser Nachrichten Mansfeld-Südharz-Zeitung Unstrut-Hainich Zeitung
So, 19:28 Uhr
08.07.2018
BUND-Einsatz 68

Ein Mäher für effektiveren Artenschutz

Dank großzügiger Förderung unserer ehrenamtlichen Naturschutzarbeit durch die Naturstiftung DAVID, ist es dem BUND-Kreisverband Nordhausen seit 2012 von Jahr zu Jahr besser möglich, wenigstens punktuell mit etwas gegen den negativen Trend bei der Artenvielfalt zu unternehmen. Am vergangenen Sonnabend testeten mehrere Aktive ihre bisher stärkste Errungenschaft...

Zygaena carniolica - Lotus Onobrychis - Gebraer Kop (Foto: B. Schwarzberg) Widderchen (auch genannt Blutströpfchen) können zur Beurteilung des Zustandes eine Trocken- oder Halbtrockenrasens herangezogen werden. Vielfach stehen sie heute in den Roten Listen gefährdeter Insektenarten. Im Bild könnte das Esparsetten-Widderchen (Zygaena carniolica) zu sehen sein, da die roten Flecken auf den Flügeln hell umrandet sind. Die Flecken sollen potenzielle Fressfeinde abschrecken: Immerhin wurden bei Widderchen blausäurehaltige Verbindungen nachgewiesen. Die Aufnahme entstand am Sonnabend in der Nähe von Obergebra.

Diese heißt Allmäher und ist für unebenes, anspruchsvolles Gelände ausgelegt. Selbst starke Stockausschläge beseitigt er zuverlässig. Zudem können wir mit ihm die pro Zeiteinheit mähbare Fläche im Vergleich zum ausschließlichen Einsatz von Freischneidern auf etwa das Doppelte erhöhen.

Letzteres bemerkten wir auch bei unserem sonnabendlichen 68. Einsatz auf einem ausgedehnten Halbtrockenrasen bei Obergebra voller Zufriedenheit. - Wenn uns nicht die platten Reifen nach etwa drei Vierteln der Fläche einen Strich durch die Planung gemacht hätten, wären wir zunmindest auf dieser Fläche auch früher als gewöhnlich fertig gewesen: Künftig sind also Vollgummiräder angesagt, damit auch die Räder der Herstellerwerbung gerecht werden können.

Der rund ein Hektar große Halbtrockenrasen ist eines der letzten extensiv bewirtschafteten Refugien seiner Art im Wippertal. Immer mehr Grünland wird zu chemisch behandelten und reich gedüngten sowie klimaschädlichen Äckern umgewandelt, wie Bildvergleiche leicht zeigen. Der ökologische Schaden, der dadurch entsteht, kann weder durch ein 4-Millionen-Projekt für einige vergleichsweise winzige Flächen im Landkreis, noch durch unsere Artenschutzmaßnahmen ausgeglichen werden. Denn selbst dann, wenn einige wenige Reliktflächen so wie einst extensiv, d.h. auch ohne Einsatz von Agrochemikalien oder Dünger, bewirtschaftet werden, so geraten diese mit ihrem Arteninventar leicht in eine Isolierung: Die nächsten Populationen von immer mehr Arten sind unerreichbar weit entfernt. Es kann zu keinem genetischen Austausch mehr kommen. Langfristig ist ein Verlust der isolierten Populationen nicht unwahrscheinlich.

Wir vom BUND-Kreisverband Nordhausen sind daher bestrebt, Pflegemaßnahmen möglichst auch auf relativ nahe beieinander liegenden (einstigen) Extensivflächen kontinuierlich durchzuführen. Für eine wirkliche Trendwende beim Artenschutz aber muss es eine Trendwende in der Landwirtschaft und im Klimaschutz bzw. entsprechendes politisches Handeln geben. Beides ist nicht oder nur ganz oberflächlich in Sicht. Obwohl doch die Landwirtschaft langfristig selbst profitieren würde.

- Derweil zeigen uns immer öfter Dürren, Nitrate im Grundwasser, Massenvermehrungen ungeliebter Arten und das Gegenteil, massive Verluste an Artenvielvalt, dass wir "irgendetwas" recht schnell ändern sollten - auch aus ökomomischen Gründen.-

Die Artenvielfalt der von uns seit 2015 ein- bis zweimal jährlich gemähten Fläche begegnete uns am Sonnabend u.a. in Form der zahlreichen Schmetterlinge. Mehrere Widderchen- und Bläulingsarten belegen neben mehreren bedrohten Pflanzenarten inkl. Orchideen, den guten Erhaltungszustand des Halbtrockenrasens.

Mehrere Teilbereiche blieben zum Schutz der Insekten zunächst ungemäht. Obwohl es nicht so geplant war, konnten die letzten Einsatzteilnehmer doch erst gegen 22 Uhr dem wohlverdienten Feierabend entgegen gehen. - Zufrieden.

Herzlichen Dank an ihre Ausdauer unter praller Sonne - und für das Aushalten einiger ungeliebter Insekten.
Bodo Schwarzberg
BUND-Einsatz mit der Nummer 68 (Foto: B. Schwarzberg)
BUND-Einsatz mit der Nummer 68 (Foto: B. Schwarzberg)
BUND-Einsatz mit der Nummer 68 (Foto: B. Schwarzberg)
BUND-Einsatz mit der Nummer 68 (Foto: B. Schwarzberg)
BUND-Einsatz mit der Nummer 68 (Foto: B. Schwarzberg)
BUND-Einsatz mit der Nummer 68 (Foto: B. Schwarzberg)
← zum Nachrichtenüberblick
→ Druckversion

Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.
→ Kommentar hinzufügen



Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.

 
Wir verwenden Cookies um die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren und geben hierzu Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an Partner weiter. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Impressum und der Datenschutzerklärung.