Fr, 17:30 Uhr
01.06.2018
Armutsprävention im Landkreis
Schneller und besser helfen
In Thüringen leben rund 370.000 Menschen an der Armutsgrenze und rund 50.000 Kinder sind mit ihren Familien auf Hartz IV angewiesen. Dem entgegenzuwirken will sich der Landkreis Nordhausen stärker in der Armutsprävention engagieren. Wie das aussehen könnte, darüber sprach man diese Woche in großer Runde im Clubhaus...
Foto: pixaby.com
An der Frage was "Armut" ist und wie man sie definieren kann, scheiden sich die Geister. Eine Möglichkeit ist es auf das Einkommen zu schauen. Wer weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verdient, kann hierzulande als arm gelten.
Doch Armut zeigt sich auch anders. Wer knapp über der Bezugsgrenze für Hartz IV Leistungen liegt fällt zwar aus der Statistik, muss aber doch sehen wie er oder sie jeden Cent umdreht. Persönliche Schicksalschläge, Erkrankungen und Pflegefälle, Schulden, Suchtproblematiken und viele Faktoren mehr ließen sich zu einer Definition von dem was Armut sein kann heranziehen. Ein Kind das zwar ein Dach über dem Kopf und genug zu essen hat, aber nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, sei es im Sportverein, der Musikschule oder nur bei einem Kinobesuch, kann ebenso als arm gelten wie der oder die Alleinerziehende die sich gerade so über Wasser halten können.
Das Zauberwort mit dem die Bürokratie auf EU-Ebene dem begegnen will heißt "Armutsprävention". Insgesamt 175 Millionen Euro Fördermittel hat man in Brüssel dafür bereitgestellt, ein Teil des Geldes soll auch in Nordhausen ankommen. Vor Ort spricht man von "integrierter Planung", besserer und durchdachter Zusammenarbeit verschiedener Bereiche in der Verwaltung und der sozialen Arbeit, mittels derer man in der Lage sein will Problemlagen "bestmöglich und schnell" anzugehen.
Für Ina Schmücking verbirgt sich hinter dem Amtsdeutsch vor allem ein Ziel: bessere Unterstützung für betroffene Personengruppen, aktuell vor allem für Eltern und Kinder. Angebote wie die des Familienzentrums in Nordhausen, die "Frühen Hilfen", Projekte zum Übergang von der Schule in den Beruf, Suchthilfe, Schuldnerberatung und einiges mehr gebe es in Nordhausen schon, vor allem aber in der Stadt, weniger auf dem Land. Im Moment habe man die Möglichkeit, hier noch einmal anzupacken. "Die Gelegenheit ist günstig jetzt die Erreichbarkeit solcher Angebote zu verbessern, die Arbeit vor Ort zu stärken und sie moblier zu gestalten", erklärt Schmücking.
Im Landratsamt hat sich Schmücking des Themas angenommen. Im Zuge der Neuausrichtung der Jugendhilfe war sie an der Erarbeitung einer umfangreichen Befragung zur Lebenssituation von Schülerinnen und Schülern im Landkreis beteiligt, akuell befasst sie sich unter anderem mit der Bedarfsplanung für die Kindertagesstätten. Auf Grundlage solcher Daten sollen in Zukunft genauer geplant werden können wo und wie unterstützende Maßnahmen angebracht werden können.
Wie das aussehen könnte, darüber wollte man am Mittwoch im Clubhaus sprechen. Insgesamt 62 Teilnehmer aus der Verwaltung und verschiedenen sozialen Vereinen aber auch Vertreter der Hochschule, der Stiftung Familiensinn, des Schulamtes, aus Gemeinden des Kreises und aus anderen Landkreisen waren zugegen und diskutierten zu den Möglichkeiten der "integrierten Planung".
Nicht einfach planen, sondern smart planen lautet die Devise, auf Basis von allgemein interpretierbaren Daten. Man wolle die Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse verbessern um früher zu erkennen wo reagiert werden muss und um in der Folge schneller handeln zu können, erläutert Schmücking. Auf Seiten der Verwaltung verspricht der Ansatz auch Arbeitserleichterungen durch mehr Effizienz. Zum anderen wird eine stringente Sozialplanung in Zukunft für das einwerben von Fördermitteln nötig werden.
Bis die Vorhaben tatsächlich Früchte tragen dürfte es allerdings noch eine Weile dauern, man stehe am Anfang eines langen Weges und sei noch in der vorbereitenden Arbeit, gab Schmücking zu bedenken. Auf die Bremse will man aber nicht treten, das nächste Treffen ist bereits für den 20.6. angesetzt bei dem Details zum Landesprogramm "solidarisches Zusammenleben" geklärt werden sollen. Am 27.6. wird man gemeinsam mit der Nordhäuser Hochschule die Daten aus den Befragungen der Schülerinnen und Schüler noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.
Angelo Glashagel
Autor: redFoto: pixaby.com
An der Frage was "Armut" ist und wie man sie definieren kann, scheiden sich die Geister. Eine Möglichkeit ist es auf das Einkommen zu schauen. Wer weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verdient, kann hierzulande als arm gelten.
Doch Armut zeigt sich auch anders. Wer knapp über der Bezugsgrenze für Hartz IV Leistungen liegt fällt zwar aus der Statistik, muss aber doch sehen wie er oder sie jeden Cent umdreht. Persönliche Schicksalschläge, Erkrankungen und Pflegefälle, Schulden, Suchtproblematiken und viele Faktoren mehr ließen sich zu einer Definition von dem was Armut sein kann heranziehen. Ein Kind das zwar ein Dach über dem Kopf und genug zu essen hat, aber nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, sei es im Sportverein, der Musikschule oder nur bei einem Kinobesuch, kann ebenso als arm gelten wie der oder die Alleinerziehende die sich gerade so über Wasser halten können.
Das Zauberwort mit dem die Bürokratie auf EU-Ebene dem begegnen will heißt "Armutsprävention". Insgesamt 175 Millionen Euro Fördermittel hat man in Brüssel dafür bereitgestellt, ein Teil des Geldes soll auch in Nordhausen ankommen. Vor Ort spricht man von "integrierter Planung", besserer und durchdachter Zusammenarbeit verschiedener Bereiche in der Verwaltung und der sozialen Arbeit, mittels derer man in der Lage sein will Problemlagen "bestmöglich und schnell" anzugehen.
Für Ina Schmücking verbirgt sich hinter dem Amtsdeutsch vor allem ein Ziel: bessere Unterstützung für betroffene Personengruppen, aktuell vor allem für Eltern und Kinder. Angebote wie die des Familienzentrums in Nordhausen, die "Frühen Hilfen", Projekte zum Übergang von der Schule in den Beruf, Suchthilfe, Schuldnerberatung und einiges mehr gebe es in Nordhausen schon, vor allem aber in der Stadt, weniger auf dem Land. Im Moment habe man die Möglichkeit, hier noch einmal anzupacken. "Die Gelegenheit ist günstig jetzt die Erreichbarkeit solcher Angebote zu verbessern, die Arbeit vor Ort zu stärken und sie moblier zu gestalten", erklärt Schmücking.
Im Landratsamt hat sich Schmücking des Themas angenommen. Im Zuge der Neuausrichtung der Jugendhilfe war sie an der Erarbeitung einer umfangreichen Befragung zur Lebenssituation von Schülerinnen und Schülern im Landkreis beteiligt, akuell befasst sie sich unter anderem mit der Bedarfsplanung für die Kindertagesstätten. Auf Grundlage solcher Daten sollen in Zukunft genauer geplant werden können wo und wie unterstützende Maßnahmen angebracht werden können.
Wie das aussehen könnte, darüber wollte man am Mittwoch im Clubhaus sprechen. Insgesamt 62 Teilnehmer aus der Verwaltung und verschiedenen sozialen Vereinen aber auch Vertreter der Hochschule, der Stiftung Familiensinn, des Schulamtes, aus Gemeinden des Kreises und aus anderen Landkreisen waren zugegen und diskutierten zu den Möglichkeiten der "integrierten Planung".
Nicht einfach planen, sondern smart planen lautet die Devise, auf Basis von allgemein interpretierbaren Daten. Man wolle die Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse verbessern um früher zu erkennen wo reagiert werden muss und um in der Folge schneller handeln zu können, erläutert Schmücking. Auf Seiten der Verwaltung verspricht der Ansatz auch Arbeitserleichterungen durch mehr Effizienz. Zum anderen wird eine stringente Sozialplanung in Zukunft für das einwerben von Fördermitteln nötig werden.
Bis die Vorhaben tatsächlich Früchte tragen dürfte es allerdings noch eine Weile dauern, man stehe am Anfang eines langen Weges und sei noch in der vorbereitenden Arbeit, gab Schmücking zu bedenken. Auf die Bremse will man aber nicht treten, das nächste Treffen ist bereits für den 20.6. angesetzt bei dem Details zum Landesprogramm "solidarisches Zusammenleben" geklärt werden sollen. Am 27.6. wird man gemeinsam mit der Nordhäuser Hochschule die Daten aus den Befragungen der Schülerinnen und Schüler noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.
Angelo Glashagel


