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Mi, 09:58 Uhr
09.05.2018

102er Waldgenossenschaft

Neustadt liegt romantisch am Südhang des Harzes, am Fuße der Burg Hohnstein (1120) und umgeben von herrlichen Mischwäldern, welche für saubere Luft und ein besonders Klima sorgen. Der Ort wurde erstmals 1372 urkundlich erwähnt.1890 wurde Neustadt zum Luftkurort ernannt...

Wissenswertes über die Natur (Foto: Forstamt Bleicherode/Südharz) Wissenswertes über die Natur (Foto: Forstamt Bleicherode/Südharz)
Am 10.09.1678 wütete ein Großbrand in der Ortschaft. Von den 60 Häusern vielen 57 dem Feuer zum Opfer. Um 1680 wurde durch den Fürsten von Stolberg der Wiederaufbau von Neustadt unterstützt. Er übergab 162,05 Hektar Waldfläche für 102 Häuser. Das zu dieser Waldfläche eingeschlagene Holz diente dem Wiederaufbau von Neustadt.

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Im Jahr 1924 wurde das Forsthaus errichtet. Es diente als Dienst- und Wohnsitz des zuständigen Försters. Aus wirtschaftlichen Erwägungen wurde es bereits 1953 wieder verkauft. Die 102er Forstgenossenschaft beschäftigte bis 1968 zwei eigene Waldarbeiter. Grundlage allen Handelns ist auch heute noch das Statut der Forstgenossenschaft aus dem Jahr 1905. Er ist in 27 Paragraphen untergliedert. Viele Regelungen sind bis zum heutigen Tage noch voll gültig. Ein solider Grundstock für die Geschichte bis zum heutigen Zeitpunkt ist im § 4 geregelt.

§4: „Die Anteile können von dem Hause nicht getrennt werden, nur in Ausnahmefällen kann die Genossenschaft die Verlegung von Anteilen von einem Hause auf ein anders Nichtberechtigtes gestatten. Eine Teilung der Anteile gegenüber der Genossenschaft findet nicht statt, vielmehr gelten etwaige Mitglieder der Genossenschaft gegenüber nur als ein Anteilsberechtigter. Neue Teilnehmerrechte können nicht erworben werden.“

Einiges aus dem Statut hat aber auch die geschichtliche Entwicklung überholt, so wurden Abgaben und Deputate peinlich genau geregelt, die uns heute eher zum Lächeln bewegen. Es wurde unter anderem festgelegt, dass 30 Mark an die Kirchenkasse jährlich zu entrichten sind, 3 Raummeter Knüppelholz und 1 Schock Wellen der Magistrat bekam, 8 Raummeter Scheitholz der Bälgetreter sowie 0,5 Schock Wellen an die Gänsehirtin abzugeben waren, um nur einige Beispiele hieraus zu nennen. Bis 1974 wurde nach dem Statut vom 14.03.1904 gearbeitet. 1898 erwarb der Revierförster Gölitz große Verdienste bei der Anlage von Wander-und Spazierwegen in und um Neustadt.

1974 erfolgte der Abschluss eines Nutzungsvertrages mit dem Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Nordhausen für eine Laufzeit von 25 Jahren. Dies war sicher der gravierendste Einschnitt in der geschichtlichen Entwicklung der „102er“. Der Grund und Boden gehörte weiterhin den Eigentümern, jedoch wurde die Nutzung des Holzes ihnen gänzlich untersagt.

Der Genossenschaftswald ist eine in sich geschlossene, arrondierte Waldfläche. Diese grenzt in westlicher Richtung an den Krebsbach und an die Trinkwassertalsperre Nordhausen. Wenn man den Blick auf die Karte, wirft ergibt sich das Gebilde eines hohen Schaftstiefels. In westlicher Richtung grenzt die Genossenschaft an die Forstorte „Hagen“ und den „Heidelberg“. Die Eigentumsgrenzen zu benachbarten Waldbesitzern sind in der Regel gut versteint und in der Natur auffindbar. Die Waldfläche der Forstgenossenschaft besteht zu 70 Prozent aus Laubholz, wobei die Buche hier mit 56% die Hauptbaumart bildet. Weitere 30 Prozent der Fläche sind mit Nadelholz, insbesondere der Fichte, bewaldet. Die Bestockungsverhältnisse entsprechen den natürlichen Gegebenheiten.

Nach der Wende im Jahr 1989 wurde der Vertrag mit dem Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Nordhausen aufgehoben und die 102er Forstgenossenschaft Neustadt aktiviert. Das Kapital für den Neubeginn war der eigene Grund und Boden mit seinen Holzvorräten. Die Waldgenossenschaft erarbeiteten sich mühevoll Stück für Stück ein Kapital, was sie in die Lage versetzte, wieder betriebsfähig zu arbeiten. Mit dem damals zuständigen Thüringer Forstamt Ilfeld wurde in den 90er Jahren ein Beförsterungsvertrag abgeschlossen.

Die Durchführung des Revierdienstes wird durch den zuständigen Revierleiter des Forstreviere Wiegersdorf Herrn Uwe Schürer wahrgenommen. Sehr positiv bewertet der heutige Vorstand die Zusammenarbeit insbesondere nach der Wende mit der Stellvertretenden Forstamtleiterin Eva Frost. Das Forstamt Ilfeld wurde im Jahr 2005 aufgelöst und ins Forstamt Bleicherode-Südharz integriert. Es unterstützte die Fördermittelbereitstellung sowie der fachlichen Beratung. So war es möglich, Anfang der 90er Jahre ca. 19 Hektar Jung -und Dickungspflege mit eigenen Arbeitskräften selbst in die Hand zu nehmen und fertigzustellen.

Viel Geld nahm man in die Hand, um das multifunktionale Wegenetz den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Die Hauptabfuhrwege „Poststraße“ und „Schächtenstraße“ wurden mit Fördermitteln grundhaft instand gesetzt. Seit dem 09.08 2003 hat die Forstgenossenschaft 102er eine Satzung entsprechend des Thüringer Waldgenossenschaftsgesetztes. Das Ziel der forstlichen Bewirtschaftung in der nach PEFC- Standards zertifizierten Waldgenossenschaft ist der Aufbau und die Pflege eines standortgemäßen, gesunden und leistungsfähigen Waldes, der seine Nutz-, Schutz und Erholungsfunktionen in optimaler Weise erfüllt.

Wald (Foto: Forstamt Bleicherode/Südharz) Wald (Foto: Forstamt Bleicherode/Südharz)
Die Waldflächen der „102er“ liegen im Landschaftsschutzgebiet „Südharz“. Der Revierleiter erarbeitet mit dem Vorstand jährlich die notwendigen Maßnahmen, die nach anerkannten forstlichen Grundsätzen nachhaltig, pfleglich und sachkundig durchzuführen sind. Holzeinschlagsmaßnahmen werden flächenbezogen mit den entsprechenden Parametern geplant und für den Unternehmereinsatz vorbereitet. Das hier anfallende Holz wird vorwiegend an die Mitteldeutsche Sägeindustrie verkauft. Das anfallende Brennholz wird per Losentscheidung den Mitgliedern kostengünstig zur Verfügung gestellt. Der Erlös kommt zu großen Teilen dem Wald wieder zu Gute. Je nachdem wie erfolgreich das Wirtschaftsjahr verläuft, werden entsprechend der Satzung auch Gewinne den Mitgliedern ausgezahlt.

Wie eingangs erwähnt, ist Neustadt seit über 100 Jahren ein Luftkurort und seit Dezember 2014 als „heilklimatischer Luftkurort“ anerkannt. Es gibt eine enge Verflechtung der Waldgenossenschaft mit dem engagierten Harzklubzweigverein Neustadt/Osterode. Am 15.Oktober 2005 wurde der Naturlehrpfad im hiesigen Waldgebiet eingeweiht. Der 5,5 km lange Naturlehrpfad gibt Einblick in den natürlichen Ablauf und das Zusammenspiel von Wald, Bergen, Teichen, Bächen und Wiesen. Er zeigt aber auch die Notwendigkeit des sorgsamen Umgangs mit der Natur und soll dazu anregen, dass die Zahl der Menschen, die sich mit diesen Zielen identifizieren zunimmt.

Er führt vorbei an alten „ Spuntlöchern“ die für den Steinkohlebergbau angelegt worden, aber nicht ergiebig in der Ausbeute waren. Mit zunehmender Sorge betrachtet man das illegale Befahren der Waldwege zum Teil über Stock und Stein querfeldein ein durch den Motorsport insbesondere der Cross –und Quadfahrer. Die 102er sind sich ihrer Verantwortung für eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft mit einem naturverträglichen Tourismus bewusst. Auf gut ausgeschilderten Rad-und Wanderwegen kann man die schöne Natur rund um Neustadt bewundern und vom Alltagstress mal richtig abschalten.
Uwe Kleemann
Autor: red

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