Mi, 11:43 Uhr
22.12.2004
Robert ist angekommen
Nordhausen (nnz). In Nordhausen begann seine Karriere als Theatermacher. Sie führte ihn nach Gera und Basel. In Nordhausen durfte er im Jahr 2001 – staatlich verordnet - nicht aus seinem Buch lesen. Jetzt in Michael Schindhelm in Berlin angekommen.
Der Mann, der in Eisenach geboren wurde, in der Sowjetunion Quantenchemie studierte, in der DDR promovierte und mit der Stasi kooperierte ist einer der schillernsten Theatermacher dieses Landes. In Nordhausen nicht erwünscht, in Basel gefeiert – so einfach ist der Unterschied zwischen Metropole und Provinz. In der Spielzeit 1996/1997 wurde Michael Schindhelm Direktor am Theater Basel, dem größten Mehrspartenbetrieb der Schweiz. Damals sorgte für Aufregung, dass er das klassische Ballett auflöste und stattdessen ein zeitgenössisches Tanztheater etablierte. In der Saison 1998/1999 wählten Kritiker das Schauspiel des Theaters Basel, das in der Wahl seiner ästhetischen Mittel und inhaltlichen Ausrichtung gleichermaßen überzeugte, zum deutschsprachigen Theater des Jahres, und es wurde mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet.
Der Basler Theaterdirektor Michael Schindhelm hat selbst Quantensprünge vom Chemiker zum Intendanten und Schriftsteller zurückgelegt. So ist es nahe liegend, dass er auch künstlerisch die Wirklichkeit naturwissenschaftlich, dramatisch und literarisch inszeniert. Michael Schindhelm übersetzt zudem russische Dramatiker wie Gogol und Tschechow. Im Frühjahr 2000 debütierte Schindhelm als Romanautor mit "Roberts Reise". Aus dieser Reise wollte Michael Schindhelm im März 2001 lesen, in Nordhausen. Das empfand der Aufsichtsrat der Theater GmbH als nicht schicklich, denn schließlich habe Schindhelm mit der Stasi zusammengearbeitet. Das seine Opferakte wesentlich stärker ist als die Täterakte, das interessierte damals vor allem Tilo Große nicht. Das Schindhelm zu den Machern der Fusion mit dem Loh-Orchester zählte, all das wurde weggewischt. In öffentlichen Gebäuden der Stadt Nordhausen war er unerwünscht. Und doch kam Robert mit seiner Reise nach Nordhausen. Er las in der Südharz-Galerie und stellte sich dem Publikum. Im Vorfeld führte die nnz damals ein Interview mit dem Mann.
Nun wird es Michael Schindhelm nach Berlin verschlagen. Er ist der erste Generaldirektor der Berliner Opernstiftung. Der Stiftungsrat berief den 44jährigen nach einer mehrstündigen, intensiven Diskussion. Der Intendant des Theaters Basel war der einzige Kandidat für den Posten. Die nnz meint: Kein weiterer Kommentar.
Autor: nnzDer Mann, der in Eisenach geboren wurde, in der Sowjetunion Quantenchemie studierte, in der DDR promovierte und mit der Stasi kooperierte ist einer der schillernsten Theatermacher dieses Landes. In Nordhausen nicht erwünscht, in Basel gefeiert – so einfach ist der Unterschied zwischen Metropole und Provinz. In der Spielzeit 1996/1997 wurde Michael Schindhelm Direktor am Theater Basel, dem größten Mehrspartenbetrieb der Schweiz. Damals sorgte für Aufregung, dass er das klassische Ballett auflöste und stattdessen ein zeitgenössisches Tanztheater etablierte. In der Saison 1998/1999 wählten Kritiker das Schauspiel des Theaters Basel, das in der Wahl seiner ästhetischen Mittel und inhaltlichen Ausrichtung gleichermaßen überzeugte, zum deutschsprachigen Theater des Jahres, und es wurde mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet.
Der Basler Theaterdirektor Michael Schindhelm hat selbst Quantensprünge vom Chemiker zum Intendanten und Schriftsteller zurückgelegt. So ist es nahe liegend, dass er auch künstlerisch die Wirklichkeit naturwissenschaftlich, dramatisch und literarisch inszeniert. Michael Schindhelm übersetzt zudem russische Dramatiker wie Gogol und Tschechow. Im Frühjahr 2000 debütierte Schindhelm als Romanautor mit "Roberts Reise". Aus dieser Reise wollte Michael Schindhelm im März 2001 lesen, in Nordhausen. Das empfand der Aufsichtsrat der Theater GmbH als nicht schicklich, denn schließlich habe Schindhelm mit der Stasi zusammengearbeitet. Das seine Opferakte wesentlich stärker ist als die Täterakte, das interessierte damals vor allem Tilo Große nicht. Das Schindhelm zu den Machern der Fusion mit dem Loh-Orchester zählte, all das wurde weggewischt. In öffentlichen Gebäuden der Stadt Nordhausen war er unerwünscht. Und doch kam Robert mit seiner Reise nach Nordhausen. Er las in der Südharz-Galerie und stellte sich dem Publikum. Im Vorfeld führte die nnz damals ein Interview mit dem Mann.
Nun wird es Michael Schindhelm nach Berlin verschlagen. Er ist der erste Generaldirektor der Berliner Opernstiftung. Der Stiftungsrat berief den 44jährigen nach einer mehrstündigen, intensiven Diskussion. Der Intendant des Theaters Basel war der einzige Kandidat für den Posten. Die nnz meint: Kein weiterer Kommentar.


