Mi, 11:30 Uhr
02.05.2018
EIN NACHTRAG ZUM JAHRHUNDERT-EREIGNIS
Ein Vorschlag des Kreisarztes
Die Grundsteinlegung für das Krankenhaus am 29. April 1976 war ein Jahrhundert-Ereignis, über das nnz in Wort und Bild ausführlich berichtete. Leserin Paulinchen und rief in einer Zuschrift nachträglich die in Erinnerung, die nach ihrer Meinung tatsächlich am Erreichen der Baugenehmigung beteiligt waren....
<i><i>Weithin sichtbar - ein Jahrhundert-Bau wurde das Krankenhaus am Präsidentenweg in Nordhausen, entstanden zu DDR-Zeiten (Foto: Kurt Frank)
Weithin sichtbar - ein Jahrhundert-Bau wurde das Krankenhaus am Präsidentenweg in Nordhausen, entstanden zu DDR-Zeiten. Foto: Kurt Frank
Nordhausen. An der Spitze, schrieb sie, habe der damalige parteilose Kreisarzt OMR Dr. med. Romanus-Georg Hepke gestanden. Außerdem erwähnte sie den ersten Bauleiter Günter Gentzel. Die im Beitrag genannten Personen wären nur Trittbrettfahrer gewesen.
Zweifellos hatte sich Hepke für einen Krankenhausbau eingesetzt. Mag seine Idee auch die beste gewesen sein, aber: ohne den Willen der politischen Prominenz zur Umsetzung wäre sie in der Schublade verschwunden. Die damalige Obrigkeit des Kreises wollte ebenfalls ein Krankenhaus. Erst durch sie kam eine Baugenehmigung zustande. Es freute sich nicht nur der Kreisarzt.
Übrigens war es nicht der Kreisarzt Hepke, der einen Krankenhausneubau anregte. Pläne für einen solchen an der gleichen Stelle habe es laut Heimatchronik schon Ende der 1930er Jahre gegeben. Dann kam der Krieg. Die Pläne verstaubten. Bis sie wieder aktuell wurden, vergingen Jahrzehnte. Kreisarzt Hepke wollte für das Krankenhaus einen schlichten, einfachen Namen. Krankenhaus am Südharz oder so ähnlich sollte es heißen, kein politischer Name es werden.
1983 erhielt das Krankenhaus aber den Namen Maxim Zetkin. Nach der Wende, im Jahre 1991, folgte die Umbenennung in Südharz-Krankenhaus. So ähnlich hatte es auch Kreisarzt Hepke vorgeschlagen. Warum eine Umbenennung? Es darf spekuliert werden. Maxim Zetkin war ein deutscher Politiker und Chirurg. 1902 trat er in die SPD ein, wechselte 1917 zur USPD und 1919 zur KPD. Als Arzt nahm er in den Reihen der Republikanischen Armee am spanischen Bürgerkrieg teil.
KPD- und SPD-Mitglieder waren den Nazis ein Dorn im Auge. Maxim Zetkin arbeitete als Dozent am Medizinischen Institut in Moskau und war in der Stadt als Chefarzt tätig. Zurückgekehrt, wirkte er nach 1945 beim Wiederaufbau des Gesundheitswesens in der sowjetischen Besatzungszone und trat 1946 in die SED ein. 1947 bis 1960 war er Professor an der Humboldt-Universität in Berlin.
Maxim Zetkin konnte sich zahlreicher Ehrungen erfreuen: 1950: Verdienter Arzt des Volkes, 1955 Hervorragender Wissenschaftler des Volkes, Vaterländischer Verdienstorden. Maxim Zetkin war ohne Zweifel ein verdienstvoller Arzt, er war aber auch politisch tätig. Er war Mitglied der SED. Ein Mann der Vergangenheit, sagt man heute. So gesehen, dürfte die Umbenennung des Krankenhauses folgerichtig gewesen sein?
Kurt Frank
Autor: red
<i><i>Weithin sichtbar - ein Jahrhundert-Bau wurde das Krankenhaus am Präsidentenweg in Nordhausen, entstanden zu DDR-Zeiten (Foto: Kurt Frank)
Weithin sichtbar - ein Jahrhundert-Bau wurde das Krankenhaus am Präsidentenweg in Nordhausen, entstanden zu DDR-Zeiten. Foto: Kurt Frank
Nordhausen. An der Spitze, schrieb sie, habe der damalige parteilose Kreisarzt OMR Dr. med. Romanus-Georg Hepke gestanden. Außerdem erwähnte sie den ersten Bauleiter Günter Gentzel. Die im Beitrag genannten Personen wären nur Trittbrettfahrer gewesen.
Zweifellos hatte sich Hepke für einen Krankenhausbau eingesetzt. Mag seine Idee auch die beste gewesen sein, aber: ohne den Willen der politischen Prominenz zur Umsetzung wäre sie in der Schublade verschwunden. Die damalige Obrigkeit des Kreises wollte ebenfalls ein Krankenhaus. Erst durch sie kam eine Baugenehmigung zustande. Es freute sich nicht nur der Kreisarzt.
Übrigens war es nicht der Kreisarzt Hepke, der einen Krankenhausneubau anregte. Pläne für einen solchen an der gleichen Stelle habe es laut Heimatchronik schon Ende der 1930er Jahre gegeben. Dann kam der Krieg. Die Pläne verstaubten. Bis sie wieder aktuell wurden, vergingen Jahrzehnte. Kreisarzt Hepke wollte für das Krankenhaus einen schlichten, einfachen Namen. Krankenhaus am Südharz oder so ähnlich sollte es heißen, kein politischer Name es werden.
1983 erhielt das Krankenhaus aber den Namen Maxim Zetkin. Nach der Wende, im Jahre 1991, folgte die Umbenennung in Südharz-Krankenhaus. So ähnlich hatte es auch Kreisarzt Hepke vorgeschlagen. Warum eine Umbenennung? Es darf spekuliert werden. Maxim Zetkin war ein deutscher Politiker und Chirurg. 1902 trat er in die SPD ein, wechselte 1917 zur USPD und 1919 zur KPD. Als Arzt nahm er in den Reihen der Republikanischen Armee am spanischen Bürgerkrieg teil.
KPD- und SPD-Mitglieder waren den Nazis ein Dorn im Auge. Maxim Zetkin arbeitete als Dozent am Medizinischen Institut in Moskau und war in der Stadt als Chefarzt tätig. Zurückgekehrt, wirkte er nach 1945 beim Wiederaufbau des Gesundheitswesens in der sowjetischen Besatzungszone und trat 1946 in die SED ein. 1947 bis 1960 war er Professor an der Humboldt-Universität in Berlin.
Maxim Zetkin konnte sich zahlreicher Ehrungen erfreuen: 1950: Verdienter Arzt des Volkes, 1955 Hervorragender Wissenschaftler des Volkes, Vaterländischer Verdienstorden. Maxim Zetkin war ohne Zweifel ein verdienstvoller Arzt, er war aber auch politisch tätig. Er war Mitglied der SED. Ein Mann der Vergangenheit, sagt man heute. So gesehen, dürfte die Umbenennung des Krankenhauses folgerichtig gewesen sein?
Kurt Frank

