in den Mühlen der Bürokratie
Sägemühle kämpft um ihre Existenz
Ein schönes Fleckchen Erde. Direkt am südlichen Fuß der Abdachung des Harzgebirges im Nordosten von Herrmannsacker, ungefähr 300 Meter von der bekannten Burgruine Ebersburg entfernt. Dort steht die Sägemühle. Das Leben für die Gastwirtschaft wird immer schwieriger, auch weil die Bürokratie nicht mitspielt...
Die Sägemühle (Foto: C. Wilhelm)
Das Objekt existiert schon seit sehr vielen Jahren und hat einen historischen Hintergrund. Hier leitet Sandra Leuckefeld eine Gastwirtschaft und Pension. Am 1. Mai und an anderen Feiertagen gibt es einen ausreichenden Besucherandrang, aber über das Jahr gesehen finden oft nicht genug Menschen den Weg zur Wirtschaft. Nicht genug, um die Kosten zu decken, die wie bei jedem Unternehmen entstehen. Wir haben schon darüber nachgedacht, nur noch Kaffee und Kuchen anzubieten. Dabei merkt man, dass Leuckefeld sich mit ihrer Rolle als Gastronomie verbunden fühlt, lieber nicht rationalisieren möchte.
Aber was bleibt langfristig weiter übrig, wenn die Beschilderung fehlt, die eigentlich doch jedem Unternehmen zustehen sollte: Im Rahmen des Wettbewerbsrechts soll doch eigentlich jedem Unternehmer die Möglichkeit eingeräumt werden, frei werben zu dürfen. Nur bei der Sägemühle scheint das nicht das Fall zu sein -zumindest was den öffentlichen Verkehrsraum betrifft: Vor Jahren haben wir versucht, am Gartenzaun einer bekannten Familie in Buchholz ein Banner anzubringen, weil offensichtlich von Seiten der Stadt keine Genehmigung zur Montage eines touristischen Hinweisschildes gegeben war. Damals bekamen wir eine Auflage vom Ordnungsamt und mussten das Schild wieder abnehmen.
Sandra Leuckefeld leitet die Sägemühle (Foto: Cornelia Wilhelm)
Die Gaststätte und Pension kämpft um ihre Existenz und verzeichnet Umsatzeinbußen ganz einfach aus dem Grund, dass die Wirtschaft nicht entsprechend an der Straße ausgeschildert ist. Den Leuten ist wohl bekannt, dass es in Herrmannsacker eine Gaststätte gibt, aber anhand einer fehlenden Ausschilderung kann sie nicht durch Ortsfremde gefunden werden. Der Versuch, ein Hinweisschild in Buchholz zu montieren, blieb bis heute verweigert. Es könnte somit leicht der Eindruck erweckt werden, dass der Tourismus in eine bestimmte Richtung gelenkt werden solle, weil anderen regionalen Anbietern das Recht zur Beschilderung offenkundig nicht untersagt bliebe. Von einem weiteren Versuch, mit einem Hinweisschild auf sich aufmerksam zu machen, hat die Gastronomin bisher abgesehen. Nun wendet sie sich an den Tourismusverband, und hofft auf eine positive Entwicklung in der Zukunft.
Cornelia Wilhelm
Autor: red
Kommentare
Paulinchen
01.05.2018, 18:20 Uhr
In einem ähnlichen Fall....
...habe ich mal bei der Landesregierung in Erfurt nachgefragt. Von dort kam die Nachricht, dass derartige Beschilderungen WERBUNG seien und somit kostenpflichtig sind. Die von Ihnen, Frau Wilhelm, errichteten Hinweisschilder, müssen wegen der Verkehrssicherheit mindest 40 m vom Straßenrand aufgestellt und beweglich sein.
Wenn Sie für eine DIN-gerechte Beschilderung (wie ein Hinweiszeichen z.B. Harzbahn o.ä.) möchten, so fallen nicht unerhebliche Werbungskosten an. Sollte mich wundern, wenn sich daran etwas geändert hat. Fragen Sie doch einfach mal nach den laufenden Kosten pro aufgestelltem Schild. Ich denke, dann werden Sie die Anzahl Ihrer geplanten Schilder drastisch reduzieren müssen. Leider!
Kilian Baltres
01.05.2018, 18:39 Uhr
Service Gmbh macht Sägemühle auch noch Konkurrenz
Die Sägemühle ist ein sehr schöner Ausflugsort! Es ist schade, daß die Bürokratie Existenzen vernichten will und gute Angebote kaputt macht.
Noch schlimmer ist, das diese Bürokratie der Sägemühle auch noch Konkurrenz macht. Die Servicegesellschaft vom Landkreis lädt jetzt zur Himmelfahrtsfeier an die Obergrasmühle ein. Was soll das? Wurde das Objekt nicht mal für die Flüchtlinge gekauft? Für wieviel Steuergeld eigendlich? Jetzt macht man dort Gastronomie? K.Baltres
----4
01.05.2018, 19:09 Uhr
Da staunen wir aber
Siehe: http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=234848
Es war richtig was los am 30.4. im unmittelbaren Umfeld der Gaststätte. Diese aber hatte Ruhetag. Der ist natürlich jedem Gastronom zu gönnen, aber bei dieser Überschrift sollte man annehmen, dass der Ruhetag gern mal verschoben wird.
Auch zu ganz normalen Öffnungszeiten sind wir schon abgewiesen worden, weil man für eine geschlossene Veranstaltung eindecken musste. Von außen war das nicht erkennbar, so dass wir doch - freundlich ausgedrückt - verblüfft waren. Wir finden natürlich als "alte Nordhäuser" die Gaststätte auch ohne Schilder.
Yanosch
02.05.2018, 07:36 Uhr
Da hat Joe 50...
...leider recht. Merkwürdige Öffnungszeiten, geschlossen, wenn geöffnet sein müsste. All das trägt nicht dazu bei, die Sägemühle aufzusuchen. Die Lage und die Lokalität sind wunderschön und könnten auch ohne Werbeschilder an der Straße laufen, was andere abgelegene Gaststätten durchaus beweisen. Aber das Betreiberkonzept ist leider zu gewöhnlich, als das es etwas besonderes ist.
geogott
02.05.2018, 10:38 Uhr
Wo ist die Internetseite???
Anstatt hier rumzujammern, sollte die Betreiberin erst einmal eine Internetseite erstellen lassen. Ich habe jedenfalls nichts über die Sägemühle im Internet gefunden.
Auf die Seite gehören Öffnungszeiten, Speisekarte, Preise etc.
Wer so etwas heutzutage nicht hat, sollte sich nicht beschweren, dass keine Kunden kommen.
Andreas Dittmar
02.05.2018, 12:11 Uhr
Nicht die technischen Vorraussetzungen vergessen...
Eine Internetseite vernünftig zu betreiben, setzt auch einen Internetanschluß mit einer gewissen Bandbreite vorraus. So eine Seite kann man zwar von einer Agentur betreiben lassen, sollte aber nicht vergessen, das man auch mit denen kommunizieren muß. Bei den damaligen Voraussetzungen hätte eine E-Mail mit 5MB Anhang 10 min für die Übertragung gebraucht. Der Glasfaserausbau Richtung Buchholz/Herrmansacker erfolgte erst wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe im Jahr 2016. Vorher waren die Möglichkeiten sehr bescheiden. Die über 10 km Kabellänge sind schon für den ISDN-Anschluß eine sportliche Herrausforderung und die Mobilfunkversorgung in diesem Tal ermöglichte lediglich rudimentäres telefonieren.
APndh
03.05.2018, 14:14 Uhr
Ergänzung zu den Voraussetzungen
@Andreas Dittmar
Hier nur eine kurze Ergänzung zum Thema Website.
> "Eine Internetseite vernünftig zu betreiben, setzt auch einen Internetanschluß mit einer gewissen Bandbreite vorraus."
Das stimmt so nicht. Die Website muss man nur einmalig erstellen (entweder selber oder mit etwas Hilfe) und dann bei einem der vielen Anbieter hosten. Kosten sind ca 2-5€ pro Monat (Für Website UND optional E-Mail).
Ein paar Bilder, Öffnungszeiten und Speisekarte reichen ja vollkommen aus.
Wann geschlossen ist, kann man auch einfach ab und zu auf der Website ergänzen - das bekommt man auch ohne IT-Kenntnisse hin.
Auch wichtig: Google Maps, FourSquare, Yelp etc. pflegen - also dort den Hof mit Bildern und Kontaktdaten/Öffnungszeiten eintragen. Dann klappts auch mit den Besuchern von außerhalb :)
Andreas Dittmar
03.05.2018, 17:58 Uhr
Die Webseite ist Schaufenster und virtuelle Rezeption
Man kann das schon mit einem 33k Modem oder per USB-Stick aus einem Internetcafe betreiben. Technisch ist das kein Thema. Hier geht es aber darum eine Gaststätte zu vermarkten. Billige Werbung=> Billige Absteige. Kaum ein Gast beschäftigt das Leitungsproblem. Das meinte ich damit.
Liane Enzinger
06.05.2018, 09:50 Uhr
Sägemühle: Kritiker kennen nicht die Unternehmerrealität
Man hat den Eindruck, dass die Kritiker unter den Kommentatoren selbst noch nie ein Unternehmen geführt hatten. Da muß der Umsatz erwirtschaftet werden, um finanziell über die Runden zu kommen, oft gilt es, noch eine Familie zu versorgen, dann kommt die Bürokratie hinzu gerade im Gastronomiegewerbe usw usf. Also vielleicht mal vorher mit den Leuten sprechen, die ein Unternehmen (auch ein ganz kleines) führen, wie der Alltag aussieht.
Liane Enzinger, M A.
Paulinchen
06.05.2018, 10:39 Uhr
Da gibt es...
... einen netten Spruch: "Wer nicht wirbt, der stirbt. Es hat sich aber auch schon mancher Unternehmer totgeworben." In meinem obigen Kommentar, habe ich zu der Beschilderung etwas gesagt. Ein Werbebeschilderung im Verkehrsraum wird etwa so um die 150 Euro pro Monat kosten. Deshalb sollte man vielleicht mal über die Werbung im Internet, wie von einigen Kommentatoren angeregt, nachdenken. Auch ist Werbung in der Presse nicht unbedingt preiswert, zumal es da noch darauf ankommt, auf welcher Seite man sich platzieren lässt. Nur wenn ich lese, dass es vorkam, dass die Öffnungszeiten nicht eingehalten wurden, ist das fürs Geschäft nicht gerade von Vorteil. Bekanntlich spricht sich das Negative schneller rum, wie das Positive. Und Kunden, welche man wie auch immer, einmal verprellt hat, die kommen meist nicht wieder zurück. Sicher ist es sehr schwer in der Selbstständigkeit, aber diese verlangt leider auch, selbst und ständig zu arbeiten, oder arbeiten zu lassen. Letzteres ist aber dann schon das Ideal. Auch sollte man vielleicht mal darüber nachdenken, ob es von Vorteil ist, in der Hochsaison Ruhetage einzulegen. In der Zeit der "sauren Gurken", kann man sich als Gastronom dann mal erholen. Ich möchte auf keinen Fall die Klugscheißerin sein, aber im Gastrogewerbe muss man arbeiten, wenn sich Andere erholen und Entspannen wollen. Das aber ist leider nicht immer leicht. Nur wer das Eine liebt, muss das Andere mögen. Fakt ist auch, dass jeder Unternehmer die Gewerbesteuern und Umsatzsteuern zahlen muss. Und diese sind gnadenlos und pünktlich fällig. Da schießen einem dann und wann schon mal die Tränen in die Augen, wenn man seinen Kontoauszug in den Händen hält. Auch muss der Wareneingang pünktlich bezahlt werden u.u.u. . Aber davon ist die Frau Wilhelm nicht allein betroffen. So geht es allen Unternehmern. Schlimmer ergeht es dann noch den Vertragshändlern. Die stehen zusätzlich noch unter Erfolgsdruck.
marco2014
11.05.2018, 07:09 Uhr
...leider Recht
...geben muss ich einigen meiner Vorredner!
Auch uns ist es schon passiert,dass geschlossen war,obwohl die Öffnungszeiten etwas anderes sagten.
Wer heute überleben will,muss sich abheben.
Auch mir scheint es,als hätte man dort nicht wirklich Lust.
Unfreundliche Bedienung...Essen aber gut.
Das sind meine persönlichen Erfahrungen.
Aber: ich verstehe es,dass es ganz sicher nicht leicht ist und einem viele Steine in den Weg gelegt werden.
Aber von nix kommt nix und den Kopf in den Sand stecken wird keine Änderung bringen.
Eine Webseite ist heutzutage ein Muss und einmal erstellt und auf anderen Führern registriert sollte schonmal eine gute Voraussetzung schaffen.
Die Webseite muss man ja nicht dort erstellen,wo schlechtes Netz ist ;0)
Zudem bieten viele Anbieter schon kostenlose Programme an,mit denen man auch als Anfänger eine vernünftige Webseite mit den wichtigsten Infos erstellen kann.
Sogar kostenlosen Webspace gibt es notfalls,aber 5-8 Euro monatlich für einen vollwertigen Webseiten-Host sollten auch keine zu große Herausforderung darstellen,zumal dies als beste Werbung dient.
Die Lage ist top und die beste Werbung ist und bleibt Mundpropaganda,wenn es Leuten gefiel.
Das was angesprochen wurde in Sachen geschlossen uvm. ist da natürlich nicht gerade förderlich.
Viele Radwanderer fahren diese Route und wenn der Radweg von Neustadt nach NSW fertig ist,wird auch das sicher noch besser.
Fehlende Werbung hat leider auch schon den Fahrradverleih in Neustadt in die Knie gezwungen.
Nachdem ja auch die beliebte Gaststätte Kilian zur Herrenwiese in Neustadt geschlossen hat,sollte doch quasi ein Konkurrent weniger sein.
Trotz der Kritik wünsche ich der Sägemühle Alles Gute und hoffe,dass neben der Burg Hohnstein wenigstens noch ein zweiter "Traditionspunkt" bestehen bleibt!
Denn sonst ist ja in Neustadt und Umgebung ja schon fast alles "tot".
Vielleicht gibt es ja irgendwie andere Wege der Sägemühle unter die Arme zu greifen,denn dass hier immer mehr "stirbt" und die Gegend für Besucher und Urlauber immer unattraktiver wird kann nicht das Ziel oder der Weg sein.
Schade dass das in der Bürokratie nicht ankommt.
ALLES GUTE "SÄGEMÜHLE"!!!
Peterbeck
16.01.2019, 13:03 Uhr
Dringend Beratung nötig
Ich denke, dass hier eine Beratung dringend notwendig ist. Das ist wirklich eine tolle Lage als Ausflugsziel am Wochenende oder Standort für einen Urlaub im Harz. Nur leider ist im Internet fast Nichts zu finden über die Sägemühle. Ich bin der Meinung, dass das Gasthaus gut laufen könnte wenn sich die Inhaberin beraten lassen würde a la Frank Rosin. Auch werden heute Unterkünfte gerne über Booking.com gesucht und gebucht, oder Tische zum Essen reserviert über Opentable.de. Ein Schild an der Straße wäre sicher hilfreich für spontan entschlossene Gäste, ein gelungener Internetauftritt mit Verknüpungen zu den Suchmaschinen und Registrierung bei Booking.com und Opentable.de ist heute unabdingbar. Ich wünsche mir sehr, dass die Sägemühle bleibt und sich die Inhaberin beraten lässt. Viele Grüße und bis bald im Harz.
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