eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Do, 09:58 Uhr
26.04.2018
UM 30, 50, 60 EURO UND MEHR SIND PRO MONAT ZU ZAHLEN

Mieterhöhung? - 99,9 Prozent Akzeptanz

„Wohnwertmiete – eine gerechte Sache!“ titelte ein Infoblatt der Wohnungsbaugenossenschaft Südharz (WBG), das die Genossenschaftsmitglieder vor einiger Zeit in ihren Briefkästen vorfanden. Da schwante vielen, es könnte mit der Miete aufwärts gehen...

Nicht nur in diesen Bereichen steigen für die Bewohner die Wohnungsmieten an. (Foto: Kurt Frank) Nicht nur in diesen Bereichen steigen für die Bewohner die Wohnungsmieten an. (Foto: Kurt Frank) Nicht nur in diesen Bereichen steigen für die Bewohner die Wohnungsmieten an.

Nordhausen. Anschaulich waren Miet-, Baukosten und Nebenkostenentwicklungen dargestellt. Die für Strom und Gas stiegen in den Jahren 2000 bis 2015 allein um 81 Prozent. Material-, Arbeits- und Baukosten jeweils um die 30 Prozent, die Investitionen in die Instandhaltung je Quadratmeter Wohnfläche um 49 Prozent. Nach nunmehr 20 bis 25 Jahren steht die so genannte zweite Sanierungswelle an: Fassaden und Installationen sind erneut zu erneuern.

Anzeige symplr (1)
Im Mittelpunkt der Information stand die Wohnwertmiete. Sie verbindet, heißt es, die wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Genossenschaft mit den gesetzlichen Vorschriften des Mietrechts. Dem Modell liegen als Berechnungen nach Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage der Wohnung zugrunde. In den vergangenen Jahren sei die Nutzungsgebühr für die Wohnungen der WBG durch diverse Vorgaben, unterschiedliche Sanierungs- und Modernisierungskosten sowie verschiedene Förderwege zur Finanzierung der Bauvorhaben geprägt worden. Folgen dieser verschiedenen Faktoren sind Differenzen bei vergleichbaren Wohnungen, die bis zu 25 Prozent betragen würden, was 60 bis 90 Euro je Monat entspreche. So weit, so gut.

Unweit des Bochumer Hofes befindet sich in der Hardenbergstraße ein Wohnblock. Lange Zeit stand er leer. Sogar abreißen wollte man ihn. Eventuell. Die Wohnungsbaugenossenschaft entschied sich aber, ihn 2009 vom Dach bis zum Keller für etwa 475000 Euro zu sanieren. Vor allem Senioren bezogen voller Freude die überwiegend Zwei-Raum-Wohnungen zwischen 55 und 57 Quadratmeter. Jetzt müssen sie tiefer in die Tasche greifen. Auch Mieter im Wohnblock gegenüber und andere im Bochumer Hof. Auch dort erfolgten vor Jahren Sanierungen bzw. Wärmedämmungen. Die Grundmiete war in all den Jahren konstant geblieben.

Der Inhalt eines Briefes kam nicht überraschend: 30, 50, 60 Euro und mehr sind pro Monat zu berappen. Ab 1. Juli. Das musste erst einmal verdaut werden. Für manchen Mieter ein mittelschwerer Hammer. Von 5,10 auf 5,70 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Widerspruch? Einige wollten ihn. Zähneknirschend. Doch nach und nach beruhigten sie sich. Das Info-Blatt der WBG überzeugte auch sie. Nach einigen Überlegungen. Vielfach lagen Vergleichswerte zugrunde. Bei anderen Wohnungen hingegen nicht.

Einige Mieter hatten der Vorstand Wohnungswesen, Sven Dörmann, und Annett Kuchenbuch vom Team Vermietung zu einem Gespräch in den Konferenzraum in der Bochumer Straße eingeladen. Ein Dialog kann zu Vorteilen des einen oder anderen Partners führen. In diesem Fall: Einigung oder Widerspruch? Am Ende stand die Akzeptanz. Argumente der WBG überzeugten. Die Unterhaltung aber war über die schriftlichen Informationen hinaus aufschlussreich.

Dörmann sang ein Loblied auf sein Unternehmen – wie ein Vater auf seine Kinder. Die WBG kämpfe wie ein Löwe für die Interessen ihrer Mieter, dafür, die Kosten so gering wie möglich, sprich: sozial verträglich, zu halten, betonte er. So sei man auch mit den Partnern, die für den Großvermieter Leistungen erbringen, im Gespräch, einvernehmlich Lösungen zu finden, die dem Grundsatz „Bezahlbaren Wohnraum“ gerecht würden.

Die Akzeptanz für die Mieterhöhung belaufe sich auf 99,9 Prozent, versicherte der Vorstand. Nur einen einzigen Widerspruch habe es bislang gegeben. Ohne Erfolg. Die WBG handele nach Recht und Gesetzt. Trost gab es dennoch: In den kommenden fünf Jahren, versicherte Dörmann nachdrücklich, blieben die Grundmieten konstant. Und die Nebenkosten? Das wissen selbst die Götter nicht.

Ist das Ende der Fahnenstange jetzt schon erreicht? Keine Garantie. Damit die Meßlatte wie bei einem Hochspringer künftig nicht noch mehr nach oben rückt, setzt die Mieterschaft, ob bei WBG, SWG oder Privatvermietung, ihre Hoffnung in die Politik, die Große Koalition. Sie möge endlich handeln, ihre wohl tönenden Versprechungen einhalten. Gerade in diesen Tagen fliegen uns viel sagende Aussagen, namentlich von SPD-Politikern, vielfach um die Ohren. Von sozialer Gerechtigkeit und bezahlbaren Wohnraum auch für untere Einkommensschichten ist da die Rede. Dafür würden sie sorgen. Hörten wir das nicht schon? Und wieder vernehmen wir die Botschaft. Werden diesmal den Worten auch die Taten folgen?
Kurt Frank
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Wolfi65
26.04.2018, 16:04 Uhr
Hoch mit den Mieten!
Hoch mit Denen, damit die Leute mal richtig begreifen, welchen Staat sie 1989/90 gewählt und bekommen haben.
Hoch damit und die Sozialgelder herunter.
Hartz 4 nur noch für Leute ab fünfzig Lebensjahren.
Die Anderen sind ja nur zu faul zum Arbeiten, während tausende Facharbeiterstellen angeblich unbesetzt sind.
Eine feine Christliche Union ist das, welche den Armen mal so richtig wieder das Wasser abgraben will.
Aber wir waren ja wohl bei den Sanierungen einer privaten Wohnungsbaugesellschaft, welche ja gar nicht anders kann, wie die Mieten marktwirtschaftlich anzupassen.
Was anderes wäre ja die blanke Marktwirtschaft.
Wo das hingeführt hat......
Na ja wenigstens musste man damals keine Angst haben, in einer Obdachlosenunterkunft und einer Suppenküche zu enden.
Für jeden hat dieser Rechtsstaat ein offenes Herz.
Ganz besonders für die Besserverdienenden. Die Unternehmer und Finanzjongleure.
Den Armen deutschen Adel, welcher seine Krallen wieder nach "seinen Besitztümern" ausstreckt.
Ein Hohn für Diejenigen, welche auf Freiheit und Gerechtigkeit gehofft haben.
Bücher könnte man schreiben, bis die Finger wund sind!
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)