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Do, 15:16 Uhr
12.04.2018
Nico Kleofas und Volkan Uluc im Interview

„Wir jagen niemanden vom Hof“

Beim Regionalligisten FSV Wacker 90 Nordhausen geht die Saison 2017/18 mit sieben englischen Wochen zu Ende. Jetzt sollen die Weichen für eine erfolgreiche nächste Spielzeit gestellt werden. Kurz vor dem Spiel gegen Babelsberg beantworteten Wacker-Präsident Nico Kleofas und Cheftrainer Volkan Uluç die Fragen von Olaf Schulze zu unzufriedenen Fans und Spielern, Spielerverträgen, Zielen und Wünschen sowie dem anstehenden Umbau des Stadions...

Volkan Uluc vor der Ersatzbank (Foto: Bernd Peter) Volkan Uluc vor der Ersatzbank (Foto: Bernd Peter)
Herr Uluç, drei Unentschieden in Folge zu Hause haben bei einigen Fans für Verstimmung gesorgt. Können Sie das verstehen?

Uluç: Natürlich kann ich verstehen, dass die Fans Siege sehen wollen. Das will ich ja auch, keiner will dreizehnmal Unentschieden spielen in der Saison. Aber wir dürfen auch nicht vergessen, in welcher Situation wir uns befinden.

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Wie meinen Sie das?

Uluç: Diese Saison dient ganz klar dem Aufbau einer starken Mannschaft, die in der nächsten Spielzeit den Kampf um den Aufstieg angehen soll. So ist das vom Präsidenten und mir von vornherein kommuniziert worden. Das Team wurde im Vergleich zum Vorjahr deutlich verjüngt und hat sich sehr gut stabilisiert. Als ich vor Jahresfrist hier anfing, hatten wir 50 Gegentore kassiert, jetzt sind es 16. Und wir haben von 24 Spielen gerade mal zwei verloren. Das ist ein sensationeller Wert. Ich weiß selbst, dass die Stabilität noch nicht da ist, aber das schafft man auch nicht in nur einem Jahr.

Dennoch möchten die Zuschauer Wacker natürlich siegen sehen. Wie ist denn die Stimmung in der Mannschaft, wenn so hoher Aufwand wie gegen Chemie oder Altglienicke nicht belohnt wird?

Uluç: Die Jungs leiden richtig. Sie nehmen sich ja nicht vor, nur ja hinten die Null zu halten, sondern sie wollen jedes Match gewinnen. Aber wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass wir jeden Gegner mit 4:0 aus dem Stadion schießen können. Das ist unrealistisch und das haben auch die Drittliga-Aufsteiger der Vergangenheit nicht vermocht. Weder Zwickau, noch Jena letztes Jahr und noch nicht einmal RB damals.

Kleofas: Der Sprung von der Regionalliga in die 3. Liga ist ein ganz anderer als von der Oberliga in die Regionalliga. Dafür hat selbst RB mit seinen Möglichkeiten drei Jahre gebraucht. Wir sind jetzt vier Jahre dabei und waren in der Endabrechnung nie schlechter als auf Platz 7.

Und dabei hatten Sie sich gerade in der letzten Saison mehr ausgerechnet als Platz 7.

Kleofas: Ja, das hatten wir. Aber es ist schlecht gelaufen und auch meine lange Krankheit und die Unsicherheit dadurch hat uns gut und gerne ein Jahr zurückgeworfen. Aber wir haben reagiert.

Nun stand Wacker vor dem Spiel gegen Babelsberg auf Rang 4 und die Leute sind unzufrieden. Wie sehr schmerzt Sie das als Trainer?

Uluç: Noch einmal: Kritik ist okay, damit können wir als Verantwortliche und auch die Spieler umgehen, aber es darf nicht ins Persönliche gehen und beleidigend werden. Das hat keiner von uns verdient und es gehört sich schlichtweg nicht. Wir müssen die Spieler schützen vor verbalen Angriffen von draußen und jeder von uns sollte da einschreiten, wenn ein einzelner unflätig wird.

Im AKS stehen die Zuschauer sehr dicht am Platz, da hört man vielleicht auch eher mal ein Schimpfwort?

Uluç: Die Spieler zu beleidigen, egal ob eigene oder Gäste, geht einfach nicht, egal wie weit entfernt vom Platz. Am vergangenen Sonntag hatten wir zwei Spieler hier, die wir gern verpflichten würden. Die haben im Publikum gestanden und sich nach dem Spiel sehr distanziert geäußert. Das ist schade, wenn die durch ein paar Unbeherrschte verprellt werden.

Kleofas (Foto: Bernd Peter) Kleofas (Foto: Bernd Peter) Kleofas: Andererseits sind unsere Spieler immer auch interessant für andere Vereine und wir haben mit Löhmannsröben oder Farrona Pulido gute Beispiele, wie sich Spieler weiterentwickelt haben, die auch in Nordhausen geformt wurden. Felix Schwerdt liegt bspw. ein Angebot aus der Regionalliga Nord vor und es kann eben passieren, dass sich ein Spieler wie Kevin Schulze jetzt dagegen entscheidet, weiter in Nordhausen zu bleiben.

Uluç: Wir haben aber allen Spielern Vertragsangebote unterbreitet. Ob alle am Ende der Saison auch bleiben werden, entscheiden die Spieler selbst und auch die Tatsache, wie wohl sie sich bei Wacker fühlen.

Gibt es noch weitere Spieler, die uns am Saisonende verlassen werden?

Kleofas: Danny Hägler wird Nordhausen verlassen. Das werden wir bedauernd akzeptieren, wir hätten ihn gern hier gehalten. Aber wenn ich zum Beispiel lese, wir hätten voriges Jahr einen Lasse Schlüter vom Hof gejagt, dann ist das schlichtweg falsch: wir haben bis zuletzt versucht, ihn zu halten, aber er hat sich für das Angebot aus Cottbus entschieden.

Uluç: Wir sind jeden Tag im Sinne der Mannschaft unterwegs und machen uns ständig über ihr zukünftiges Gesicht Gedanken. Wacker hat sehr interessante, gute Spieler und das wird auch so bleiben.

Zu ordentlichen Bedingungen für neue Spieler zählt sicher auch der Zustand des Stadions. Gibt es hier etwas Neues?

Kleofas: Wir haben die Raumplanung abgegeben. Die Fördermittel liegen in Erfurt bereit und wir warten jetzt auf den genehmigten Haushalt der Stadt. Bis dahin geht es nicht weiter und wir finanzieren auch Auslagen im Stadion weiter vor.

Was wären das für Ausgaben?

Kleofas: Im Sozialgebäude war Schimmel in den Duschräumen. Wir haben hier regelmäßig 250 Kinder zu betreuen, nicht nur von Wacker, sondern auch von anderen städtischen Vereinen. Da sind wir jetzt in Vorleistung gegangen und haben die Schäden selbst behoben.

Uluç: Das Stadion ist ein ganz wichtiger Faktor für die Zukunft. Im Hinblick auf die Zuschauer, aber auch auf Spieler, die sich eventuell für uns und nicht für einen anderen Verein entscheiden sollen.

Glauben Sie noch daran, dass es im Jahre 2019 ein neues Stadion geben wird?

Kleofas: Die Beantragungen laufen, wenn die Mittel freigegeben sind, soll es noch in diesem Jahr losgehen. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es im nächsten Jahr steht.

Wie wichtig ist der direkte Aufstieg in die 3. Liga im nächsten Jahr?

Uluç: Wir streben das an. Es wäre auch für den gesamten Standort Nordhausen von Vorteil. Die Stadt wäre deutschlandweit bekannt und würde große Fußballvereine mit vielen Fans empfangen können. Es arbeiten phantastische Menschen hier im Verein, die alles dafür geben. Aber wir brauchen auch noch mehr inneren Klebstoff untereinander.

Was meinen Sie mit „inneren Klebstoff“?

Uluç: Wenn wir das große Ziel erreichen wollen, dann müssen wir alle noch besser zusammenstehen: Verein, Fans, Spieler, Stadt und Umfeld. Jeder muss seinen Beitrag leisten, denn es wird kein leichter Weg und es kann immer zu Rückschlägen kommen.

Kleofas: Deshalb kann ich auch einige Reaktionen in den letzten Tage nicht nachvollziehen. Wir haben 15 Spiele hintereinander nicht verloren. Wie wollen diese Leute denn reagieren, wenn wir wieder einmal ein Spiel verlieren?

Uluç: Was ja bei sieben englischen Wochen durchaus passieren kann. Keine Mannschaft hat so viele konzentrierte Nachholspiele in der Liga wie wir. Das ist ein harter Test für die Jungs und ein Riesenprogramm. Aber wir stellen uns dieser Herausforderung mit der Zuversicht, dass wir am Ende weit vorne stehen in der Tabelle. Und wir können gleich üben, niemals aufzugeben. Cottbus hat in der letzten Saison auch bis zum letzten Spieltag geackert, um dieses Jahr dort zu stehen, wo sie jetzt sind.

Gibt es noch weitere Vertragsverlängerungen zu vermelden?

Kleofas: Mounir Chaftar hat seinen Vertrag bei Wacker um ein weiteres Jahr verlängert. Ein absoluter Wunschspieler, der uns erhalten bleibt.
Autor: red

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Kommentare
Flitzpiepe
12.04.2018, 16:43 Uhr
Gemischte Gefühle
habe ich nach dem Lesen dieses Interviews.
1. Wenn ich zum Beispiel aus einem nnz-Artikel vom 24.8.16 lese 'Lasse Schlüter fühlt sich aussortiert und wurde jetzt zum Probetraining bei Energie Cottbus gesehen, obwohl dessen Vertrag noch für diese Saison Bestand in Nordhausen hat.',
dann kommt mir die heutige Aussage komisch vor (milde ausgedrückt) . Es ist ja auch nicht der erste Fall von Abschiebung, obwohl der Spieler selber bleiben wollte (z.B. Benjamin Halstenberg und Jan-Philipp Rose)
2. Wenn ein Stadionumbau zur Saison 2019-20 fertig sein soll, müsste jetzt Baubeginn sein. Das ist illusorisch bei dem Zustand der Stadtfinanzen. Erst kommt das Theater. Also sollte man auch nicht zu diesem Zeitpunkt einen Aufstieg in die 3. Liga anpeilen bei diesem Umfeld in Nordhausen.
3. Wie viele Spiele von diesen ungeschlagenen 15 waren Unentschieden? Zu viele. Die Spielanlage, die der Trainer vorgibt, ist nicht dazu geeignet ganz oben mitzuspielen. Gestern wäre es auch wieder fast schief gegangen. Es reicht einfach nicht auf Minimalismus zu spielen und einen Ein-Tore-Vorsprung zu verteidigen. Das wir 60 Minuten ein Mann mehr waren hat man nicht gesehen. Viel zu früh ging das Zeitschinden los. Das Binden des Balls an der Eckfahne müsste verboten sein. Die Schussleistungen, egal ob Standards oder aus dem Spiel heraus, sind katastrophal. Was machen die Profis nur den ganzen Tag? Es sieht für mich so aus, als ob sie mit (unserem schlechtem) Rasen nicht zurecht kommen, da nur auf aalglattem Kunstrasen trainiert wird.
4. Die verbalen Entgleisungen von ein paar Zuschauern sind Mist, kommen aber überall vor. Nur weiß der Rufer bei uns durch die paar Meter Abstand, dass es auch meist gehört wird.
5. Es wird zu wenig und wenn doch so wie hier zu unkonkret über Entscheidungen in der Mannschaft kommuniziert. Z.B. am Sonntag bzw. Montag wird bekanntgegeben, dass Kevin Schulze gehen will und darauf nicht mehr in der 1. Mannschaft spielen wird. 2 Tage später steht er in der Startelf und man sieht wie wichtig er ist/wäre. Was ist in den 2 Tagen passiert? Warum gibt man solche aktuellen Sachen nicht vor dem Spiel oder in der Halbzeitpause als Hintergrundinformationen bekannt. Das wäre jedenfalls hilfreicher solche Entscheidungen zu verstehen und besser als dieser Lärm aus den Lautsprechern, dass einem fast die Ohren weg fliegen. Nennt das bitte nicht Musik.
karo
12.04.2018, 17:53 Uhr
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Momentmal
12.04.2018, 18:48 Uhr
Tabellenplätze und Erreichtes
Kleofas hat schon nicht unrecht,daß man meist in der Tabelle weit oben stand,und in der Endabrechung nie schlechter als Platz 7.
Allerdings haben sich doch am Ende stets die "Großen" durchgesetzt. Magdeburg,Zwickau und Jena standen an so manchem Saisonende hinter Wacker und ein Jahr später mußte man sie vorbeiziehen lassen. Das wird sich so fortsetzen.
Blue
12.04.2018, 21:31 Uhr
Stimme flitzpiepe in allen Punkten zu
Will aber zu Punkt 1 den Namen Blume nennen oder ein Tino Semmer der es nicht verdient hat so einen Abschied in seiner letzten Saison zu bekommen mit ihm hätten wir mehr Tore heute. Mit soviel Unentschieden kann man doch nicht stolz sein und ich sehe auch unter Herr Uluç keine Entwicklung seid er hier ist da haben wir unter Goslar besseren Fußball gesehen. Bald haben wir ja noch den BFC und Cottbus da kann man was zeigen aber da wird ja wieder gesagt sind in der findungsphase die ja nun schon Monate dauert.Vielleicht überrascht man uns ja wirklich nächste Saison dann hat man alles richtig gemacht
Herr Schröder
12.04.2018, 22:02 Uhr
Um
die Arbeit von Uluc richtig beurteilen zu können müssen wir schon die kommende Saison abwarten.

Immerhin, momentan sind wir Dritter! Alles Gut soweit!

Also, Einmal Wacker, Immer Wacker!
Man sieht sich am Mittwoch gegen Neustrelitz!
Hans Dittmar
12.04.2018, 22:08 Uhr
Zusammenwachsen von Fans und Mannschaft
Wacker hat eine bewegende Vergangenheit. Von ganz unten ist man wieder aufgestanden und gewachsen. Natürlich will man nur gewinnen und führen. Doch gerade das Zusammenstehen in schwierigen Zeiten schweißt Menschen zusammen, gerade dann können sie auch aus sich rausgehen wenn Siege einfahren.

Übrigens stehen die Investitionen am Stadion in der selben Rangfolge wie das Theater. Im Haushalt sind beide verankert, jedenfalls die Pressemitteilungen. Also wenn der Haushalt endlich im Landratsamt genehmigt wird gehts los.
emmerssen
12.04.2018, 22:32 Uhr
Zustimmung Herr Blue
Wie bei Wacker mit einem verdienten Spieler wie Tino Semmer umgegangen wird ist eine Schande. Tino hat immer in jedem Spiel 120 % für den Verein gegeben. Da könnte sich so macher Spieler aus dem aktuellen Kader eine Scheibe abschneiden. Allen voran nenne ich hier den in fast jedem Spiel aufgestellten Bedi Buval. Zwei Glückstore von Ihm in so vielen Spielen und unterirdische Leistungen dazu. Warum steht dann so ein Spieler jeder Woche wieder im Kader? Tino Semmer und Nils Pichinot waren immer die Erfolgsgaranten unserer Wackeren im Sturm. Aber in dieser Saison spielen nur noch die ständig ausgetauschten Neuzugänge. Das passiert inzwischen so schnell, dass man sich die Namen zu den Gesichtern gar nicht mehr merken kann.......
Herr Schröder
13.04.2018, 09:14 Uhr
Hans Dittmar
So schnell geht hier nichts los. Im aktuellen Haushalt sind lediglich Planungskosten eingeplant. Mehr nicht. Ein Spatenstich wird es weder in diesem und sicher auch nicht im nächsten Jahr geben.
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