Fr, 16:09 Uhr
06.04.2018
Waldinteressentengemeinschaft Obergebra
Zusammenschluss naturbegeisterter Waldbesitzer
Der kleine Ort Obergebra liegt eingebettet zwischen den Bleicheröder Bergen und der Hainleite im Wippertal. In der Gemarkung Obergebra befindet sich die höchste Erhebung der Hainleite, der Katzenstein mit einer Höhe von 476,8 Meter über Null. Im Vergleich dazu weist die Ortslage nur eine Höhenlage von 253 Meter auf...
Der Ort wurde erstmals 1162 urkundlich erwähnt. 1872 bildete sich die Waldinteressentengemeinschaft Obergebra. Die Mitglieder der Waldinteressentengemeinschaft besitzen ideelle Anteile, das heißt, es kann kein Mitglied sagen, welches Waldstück sein Eigentum ist. Grund und Boden gehörte der politischen Gemeinde, so dass die Waldinteressenten nur die Nutzungsrechte besaßen. In dem sogenannten Rezess war festgeschrieben, welche Zusatzleistungen von den Waldinteressenten noch zu erbringen waren, wie zum Beispiel die Versorgung der Schule und Lehrer bzw. des Pfarrers mit Brennholz.
Die Nutzungsrechte, ohne Eigentum an Grund und Boden, wurden 1948 über einen Beschluss der damaligen SMAD (Sowjetische Militär Administration) als Sondernutzungsrechte eingestuft und sollten damit enteignet und die Nutzungsrechte auf die Gemeinden übertragen werden. Durch das mehrmalige Einlegen von Wiedersprüchen gegen die Enteignung und den späteren Wegfall des Beschlusses der SMAD wurde die Enteignung nicht vollzogen, und das Nutzungsrecht blieb im Grundbuch erhalten.
Nach der politischen Wende wurde den Waldinteressenten Obergebra die Möglichkeit eröffnet, den Grund und Boden käuflich zu erwerben. Nach Bestätigung durch die Mitgliederversammlung wurde diese Möglichkeit genutzt und somit sind die Waldinteressenten Obergebra jetzt vollwertige Eigentümer.
In der Waldinteressengemeinschaft gibt es 76 Mitglieder mit 92 Anteilen, die Gesamtfläche beträgt 305,13 ha. Die Waldfläche, welche durch die Waldinteressenten bewirtschaftet wird, besteht zu 98% aus Laubholz (hauptsächlich Buche) und zu 2% aus Nadelholz (vorwiegend Kiefer und Lärche).
Im Jahr 1992 erfolgte die Anerkennung der Waldinteressentengemeinschaft Obergebra als Forstbetriebsgemeinschaft (FBG). Dieses erfolgte aus Gründen der Erlangung der Vollförderfähigkeit und der Beitragseinsparung bei der Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft. Die Bewirtschaftung der Waldflächen erfolgt durch das Thüringer Forstamt Bleicherode-Südharz auf der Grundlage eines abgeschlossenen Bewirtschaftungsvertrages zwischen den Waldbesitzern und dem Forstamt. Damit werden alle forstlichen Maßnahmen durch den zuständigen Revierförster geplant und der Mitgliederversammlung zur Bestätigung vorgelegt und erst nach der Bestätigung ausgeschrieben, vergeben und durchgeführt. Erschwerend und damit Kostenintensiv ist bei der Bewirtschaftung der Walfläche, dass von den 305 ha Betriebsfläche rund 110 ha Hanglagen und somit schwierige Holzernte-Verhältnisse aufweisen.
Neben der Nutzfunktion hat der Wald auch eine Schutz- und Erholungsfunktion. So liegen 15,50 ha im Wasserschutzgebiet und 53,0 ha im FFH- Gebiet Bleicheröder Berge. Auf ca. 7 ha liegt ein besonderer Schutzstatus laut Thüringer Naturschutzgesetzt. Hier darf keine Bewirtschaftung erfolgen. Fast die gesamte Waldfläche befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Dün-Helbetal.
Die Hauptwege wurden, nicht nur für die Holzabfuhr, sondern auch für die Wanderer und Mountainbiker sowie Reiter in regelmäßigen Abständen in Ordnung gebracht. Bänke wurden aufgestellt und eine ca. 6 ha große Wiesenfläche aufgeforstet. Die Mitglieder beteiligen sich an den angesetzten Arbeitseinsätzen, führen jährlich Waldbegänge mit anschließendem gemütlichem Beisammensein durch und sind somit ein fester Bestandteil des dörflichen Lebens in Obergebra.
Bernd Waldheim
Autor: redDer Ort wurde erstmals 1162 urkundlich erwähnt. 1872 bildete sich die Waldinteressentengemeinschaft Obergebra. Die Mitglieder der Waldinteressentengemeinschaft besitzen ideelle Anteile, das heißt, es kann kein Mitglied sagen, welches Waldstück sein Eigentum ist. Grund und Boden gehörte der politischen Gemeinde, so dass die Waldinteressenten nur die Nutzungsrechte besaßen. In dem sogenannten Rezess war festgeschrieben, welche Zusatzleistungen von den Waldinteressenten noch zu erbringen waren, wie zum Beispiel die Versorgung der Schule und Lehrer bzw. des Pfarrers mit Brennholz.
Die Nutzungsrechte, ohne Eigentum an Grund und Boden, wurden 1948 über einen Beschluss der damaligen SMAD (Sowjetische Militär Administration) als Sondernutzungsrechte eingestuft und sollten damit enteignet und die Nutzungsrechte auf die Gemeinden übertragen werden. Durch das mehrmalige Einlegen von Wiedersprüchen gegen die Enteignung und den späteren Wegfall des Beschlusses der SMAD wurde die Enteignung nicht vollzogen, und das Nutzungsrecht blieb im Grundbuch erhalten.
Nach der politischen Wende wurde den Waldinteressenten Obergebra die Möglichkeit eröffnet, den Grund und Boden käuflich zu erwerben. Nach Bestätigung durch die Mitgliederversammlung wurde diese Möglichkeit genutzt und somit sind die Waldinteressenten Obergebra jetzt vollwertige Eigentümer.
In der Waldinteressengemeinschaft gibt es 76 Mitglieder mit 92 Anteilen, die Gesamtfläche beträgt 305,13 ha. Die Waldfläche, welche durch die Waldinteressenten bewirtschaftet wird, besteht zu 98% aus Laubholz (hauptsächlich Buche) und zu 2% aus Nadelholz (vorwiegend Kiefer und Lärche).
Im Jahr 1992 erfolgte die Anerkennung der Waldinteressentengemeinschaft Obergebra als Forstbetriebsgemeinschaft (FBG). Dieses erfolgte aus Gründen der Erlangung der Vollförderfähigkeit und der Beitragseinsparung bei der Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft. Die Bewirtschaftung der Waldflächen erfolgt durch das Thüringer Forstamt Bleicherode-Südharz auf der Grundlage eines abgeschlossenen Bewirtschaftungsvertrages zwischen den Waldbesitzern und dem Forstamt. Damit werden alle forstlichen Maßnahmen durch den zuständigen Revierförster geplant und der Mitgliederversammlung zur Bestätigung vorgelegt und erst nach der Bestätigung ausgeschrieben, vergeben und durchgeführt. Erschwerend und damit Kostenintensiv ist bei der Bewirtschaftung der Walfläche, dass von den 305 ha Betriebsfläche rund 110 ha Hanglagen und somit schwierige Holzernte-Verhältnisse aufweisen.
Neben der Nutzfunktion hat der Wald auch eine Schutz- und Erholungsfunktion. So liegen 15,50 ha im Wasserschutzgebiet und 53,0 ha im FFH- Gebiet Bleicheröder Berge. Auf ca. 7 ha liegt ein besonderer Schutzstatus laut Thüringer Naturschutzgesetzt. Hier darf keine Bewirtschaftung erfolgen. Fast die gesamte Waldfläche befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Dün-Helbetal.
Die Hauptwege wurden, nicht nur für die Holzabfuhr, sondern auch für die Wanderer und Mountainbiker sowie Reiter in regelmäßigen Abständen in Ordnung gebracht. Bänke wurden aufgestellt und eine ca. 6 ha große Wiesenfläche aufgeforstet. Die Mitglieder beteiligen sich an den angesetzten Arbeitseinsätzen, führen jährlich Waldbegänge mit anschließendem gemütlichem Beisammensein durch und sind somit ein fester Bestandteil des dörflichen Lebens in Obergebra.
Bernd Waldheim






